• Didaktischer Kommenentar
  • anonym
  • 04.09.2020
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  • 1. Lehrplanverortung

    Das folgende Material ist für die Klassenstufe 9 eines Gymnasiums konzipiert. Das Thema der „Judenverfolgung“ findet sich im Lernbereich 3: Die nationalsozialistische Diktatur - ein System von Terror und Gewalt wieder. Die SuS sollen in diesem Lernbereich Kenntnisse von ideologischen Grundlagen und Methoden der Ausgrenzung und Verfolgung durch die NS-Diktatur erlernen. Dazu gehören der Terrorapparat, die Stationen der Judenverfolgung und Shoa/ Holocaust als Unterpunkte bzw. Beispiele der Gewalt und des Terrors nach innen. Wichtige Begriffe sind hierbei die Nürnberger Gesetze, die Reichspogromnacht, die Wannseekonferenz und auch Auschwitz. Ebenfalls wird vorgeschlagen, die Regionalgeschichte des 9. Novembers 1938 mit den SuS zu behandeln.

    Ziele der Klassenstufe 9 im Fach Geschichte sind in diesem Zusammenhang der Erwerb von Wissen über gesellschaftliche und politische Veränderungen in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg und die Machtübernahme und Charakter des nationalsozialistischen Regimes. Weiterhin werden Methoden geübt, wie das Interpretieren bekannter Quellenarten und Darstellungsformen (politische Literatur, Symbolik), der Umgang mit traditionellen und digitalen Medien. Hinzukommt das Entwickeln von Fähigkeiten, wie das Erschließen von verschiedenen Formen des Gedenkens und dem Ableiten von Aussage- und Wirkabsicht aus Ton- und Filmdokumenten. Im Zusammenhang der historischen Urteilsbildung ist das Thema relevant. Die SuS sollen Ursachen für (den zunehmenden Akzeptanzverlust der Weimarer Demokratie und) den wachsenden Zuspruch zum NS-Regime verstehen und aufzeigen, dass das NS-Regime verbrecherisch war und Menschen aus politischen und ideologischen Motiven verfolgte. Weiterhin sollen Empathie und der Perspektivwechsel angeregt werden.

    (Sächsisches Staatsministerium für Kultus, Lehrplan Gymnasium, Fach Geschichte, August 2019, S. 23-29.)

  • Lernbereichsplanung LB 3: Die nationalsozialistische Diktatur - ein System von Terror und Gewalt (12h)

    Stunde

    Thema/Inhalt

    Methodischer Schwerpunkt

    1+2

    Wiederholung Bedingungen (polit., wirtschaftl., sozial) um 1930
    Kennenlernen Begriffe und Konzepte: „Volksgemeinschaft“, Antisemitismus, Rassismus mittels verschiedener Quellen (Zeitungsartikel, Gesetzestext)

    Quellenanalyse und -interpretation,

    3+4

    Material: Ausgrenzung und Verfolgung der Juden (Stationen der Judenverfolgung), Terrorapparat, Nürnberger Gesetze, Wannseekonferenz, Reichspogromnacht

    Empathie und Perspektivwechsel, Quelleninterpretation

    5+6

    Material: Regionalgeschichte Chemnitz (9.11.1938), Gedenkstätte, Shoa/ Holocaust

    Empathie und Perspektivwechsel, Quelleninterpretation

    7+8

    Vgl. Material, SuS-Befinden,
    Weg in den Zweiten Weltkrieg (Phasen), Vernichtungskrieg im Osten

    evtl. mündliche Note: freiwilliges Präsentieren des Materials

    9+10

    -Leistungskontrolle: Stationen Judenverfolgung mit Gesetzestexten, Shoa Holocaust, Erinnerungskultur, Quellenarbeit (45 Minuten)
    -Möglichkeiten des Widerstands gegen Terror und Gewalt (Begriffe, Recht
    Unrecht)

    11+12

    Möglichkeiten des Widerstands gegen Terror und Gewalt (Formen, Motive, Bedeutung)
    Rückwirkung von Terror und Gewalt auf Dt. (Bombardierung dt. Städte, Kriegsgefangene und Vertreibung) → Regionalgeschichte

    T1: Lernbereichsplanung LB 3: Die nationalsozialistische Diktatur - ein System von Terror und Gewalt
  • 2. Inhaltliche Schwerpunktsetzung/ Sachanalyse

    Keine Phase wird so sehr mit der Judenverfolgung in Verbindung gebracht, wie die Zeit des Nationalsozialismus. Juden waren im „Dritten Reich“ Menschen zweiter Klasse und dies ließ man sie spüren. Man gliedert die betrachtete Zeitspanne von 1933 bis 1945 in drei Schritte: Ausgrenzung, Verfolgung und Vernichtung. Die jeweiligen Abschnitte sind durch markante Ereignisse geprägt. Die Ausgrenzung der Juden im „Dritten Reich“ begann mit der Machtübernahme der NSDAP am 30.01.1933. Mit dem Geschäftsboykott am 1. April 1933 gab es die erste Aktion gegen die jüdische Bevölkerung. Hierbei wurden SS und SA Mitglieder beauftragt, der Bevölkerung aufzuzeigen, dass entsprechende Läden zu meiden seien, da sie von Juden geführt wurden. Weiterhin sollte vorm Einkauf gewarnt werden (Hilde, 2009, 47). Unter dem Motto „kauf nicht bei Juden“ erlangte der Boykott in der Bevölkerung allerdings nicht viel Zuspruch (Herzig, 2010). Die Ausgrenzung aus dem Berufs- und Geschäftsleben wurde immer deutlicher. 7. April 1933 wurde das „Gesetz zur Widerherstellung des Berufsbeamtentums“ widerrechtlich eingeführt und führte zur Kündigung von ca. 5000 Juden im öffentlichen Dienst. Der beginnende Verdrängungsprozess aus dem Wirtschaftsleben hatte 1938 zur Folge, dass 70% der jüdischen Bevölkerung, welche im Handel tätig waren, arbeitslos wurden (Herzig, 2010). Jüdische Ärzte und Rechtsanwälte waren von diesen Ausgrenzungsmaßnahmen ebenfalls betroffen. Mit den Nürnberger Rassengesetzen ging man 1935 noch einen Schritt weiter. Die Bevölkerung wurde anhand ihrer Abstammung kategorisiert und in „Jude“, „Viertel-Jude“ und „Nicht-Jude“ eingeteilt. Relevant war hierbei die Religionszugehörigkeit der beiden Großelternpaare. Nach den Gesetzen durften beispielsweise auch Geschäfte und Praxen von sogenannten „Viertel-Juden“ geschlossen werden (Herzig, 2010). „Nicht-Juden“ und „Juden“ durften untereinander nicht heiraten, Ärzte bekamen keine Zulassung mehr und jüdische Studenten wurden von Prüfungen ausgeschlossen (Herzig, 2010). Mit der Reichspogromnacht im November 1938 erreichte das Vorgehen gegenüber der jüdischen Gemeinschaft eine neue Etappe: die Verfolgung. Jüdisches Eigentum wurde beschlagnahmt und Geschäfte zerstört. Weiterhin wurden Synagogen in Brand gesteckt und Teile der jüdischen Bevölkerung verhaftet oder durch die SS und Gestapo in Konzentrationslagern gebracht (Landeszentrale für politische Bildung-Baden-Württemberg). „Die Juden“ wurden zu Menschen „zweiter Ordnung“. Seit 1933 gab es Konzentrationslager und diese wurden zur Gefangennahme und systematische Ermordung genutzt. 1940 wurde das KZ Auschwitz errichtet und es steht bis heute als Symbol und Mahnmal für die systematische Ermordung von vor allem Juden (Oertle, 2015). Es wurde ursprünglich für polnische Gefangene genutzt. Durch Exekutionen, Hunger, Krankheit oder Folter kamen die Inhaftierten ums Leben. Ab März 1941 wurde die Lagerkapazität von ca. 10 000 auf 20 000 Insassen erhöht. Ebenfalls wurden sowjetische Kriegsgefangene hier untergebracht und schließlich durch Giftgas ermordet (Oertle, 2015). Mit dem Beschluss des Mordes an europäischen Juden 1941,

    wählte Heinrich Himmler Auschwitz für den Massenmord aus. Ab 1942 trafen die ersten Transporte mit jüdischen Menschen aus verschiedenen europäischen Ländern ein. Diese wurden „sortiert“ und deren Habe weiterverwertet. Mehrere Millionen Menschen, darunter 90% jüdischer Abstammung wurden in Auschwitz ermordet (Oertle, 2015).

    1940 fing die Phase der Vernichtung der jüdischen Bevölkerung an. Für diese Phase des Völkermordes gibt es mehrere Begriffe: Shoa, Holocaust oder auch „Endlösung“. Letzterer Begriff wurde von den NS- Führungspersönlichkeiten in der Wannsee-Konferenz 1942 diskutiert und meint die vollständige Vernichtung europäischer Juden.

  • Das hebräische Wort "Shoa" steht synonym für den Begriff "Holocaust/Holokaust" (Antisemitismus.net, Begriffsklärung: Holocaust - Shoah - Churban). Das Wort Holocaust (griechisch: "vollständiges Brandopfer") betone nach Ansicht vieler Juden allerdings zu sehr die Opferrolle der Ermordeten. „Der Begriff Shoa wird wiederum von manchen Vertretern nicht-jüdischer Opfergruppen des Holocaust abgelehnt, da er den Blick allein auf die ermordeten Juden einenge.“ (Antisemitismus.net, Begriffsklärung: Holocaust - Shoah - Churban). Der Begriff des „Holocaust“ war zu Beginn nur im englischen Sprachraum vertreten und etablierte sich erst später auch in der deutschen Sprache (Antisemitismus.net, Begriffsklärung: Holocaust - Shoah - Churban).

    Die im Material dargestellten Bildquellen stammen von Wikipedia und sind allgemeinfrei. Das Material zu den jüdischen Schicksalen aus Chemnitz zeigt einen Querschnitt verschiedener Geschichten und Biografien von jüdischen Familien und deren Erlebnisse zur Zeit des Nationalsozialismus. In der Online- Sammlung „Die Quellen sprechen“ gibt es eine Vielzahl an Dokumenten, aus denen für die Schüler*innen bestimmte Exemplare ausgesucht wurden, welche sowohl die Täter- als auch Opferrolle beschreiben. Zur Thematik „Auschwitz“ ist eine virtuelle 360° Umschau über das Gelände des Konzentrationslagers im Material eingebunden. Das preisgekrönte Projekt zeigt die Lebenswelt der vor allem jüdischen Gefangenen. Im Zusammenhang mit dem Denkmal am Stephansplatz in Chemnitz wird mit einer Website zu Stolpersteinen an die Erinnerungskultur angeknüpft.

    Literaturhinweise

    -http://www.antisemitismus.net/shoah/holocaust.htm, Begriffsklärung: Holocaust - Shoah – Churban, Stand 30.06.2020, 13:09.

    -https://www.lpb-bw.de/reichspogromnacht, Reichspogromnacht - 9./10.11.1938, Stand 26.06.2020, 15:56.

    - Oertle, J., Das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz, © Deutsches Historisches Museum, Berlin, 15. Mai 2015, Text: CC BY NC SA 4.0, in: https://www.dhm.de/lemo/kapitel/der-zweite-weltkrieg/voelkermord/konzentrations-und-vernichtungslager-auschwitz.html, Stand 27.06.2020, 10:22.

    -Herzig, A., 1933-1945: Verdrängung und Vernichtung, 2010, in: https://www.bpb.de/izpb/7687/1933-1945-verdraengung-und-vernichtung, Stand 27.06.2020, 10:04.

    -Hilde, M., Das Leben der Hamburger und Altonaer Juden unter dem Hakenkreuz: anhand ausgewählter Briefe des Prof. Joseph Carlebach, Lit Verlag, Berlin 2009, S. 47.

  • 3. Didaktische Schwerpunksetzung

    Das Material ist in fünf Schwerpunkte geteilt, die je eine Seite umfassen, gleichzeitig aufeinander aufbauen, in einem sinnvollen Zusammenhang stehen, dennoch in sich jeweils relativ abgeschlossen sind.

    Auf der ersten Seite (1. Ausgrenzung, Verfolgung und Vernichtung - Ein Überblick) erarbeiten sich die SuS   zunächst einen Überblick zur Judenverfolgung, der mithilfe eines  Zeitstrahls (und einer digitalen Tafel als Vergleichsmöglichkeit)  gesichert wird (Sachanalyse). Daran anknüpfend sollen die SuS die Begriffe “Shoa”, “Holocaust” und "Endlösung"  ordnen und hinsichtlich ihrer Angemessenheit beurteilen. Letzteres ist  das Sachurteil. Ein Werturteil findet sich auf dieser ersten  Überblicksseite nicht wieder. Das geschichtsdidaktische Prinzip, das  hier verwendet wird, ist der Längsschnitt. Dieser eignet sich sehr gut,  den SuS als Grundlage für die folgenden Seiten ein Überblickswissen der Thematik zu bilden (Günther-Arndt, 2003, 158-163).

    Der zweite Teil der Materialien befasst sich intensiv mit regionalgeschichtlichen Aspekten. (2. Chemnitzer Schicksale). Auch  hier finden sich Sachanalyse (Aufgaben 1und 2) und Sachurteil (Aufgabe  3), jedoch kein Werturteil, wieder. Auf dieser Seite wird an die  vorherige angeknüpft, indem das zuvor erlangte Überblickswissen vertieft  und beispielhaft verdeutlicht wird. Der Zeitzeugenbericht in Aufgabe  zwei sorgt für Multiperspektivität, da er die Judenverfolgung aus Sicht  eines Opfers darstellt. Weiterhin ist auf dieser Seite die  Regionalgeschichte als Prinzip präsent. Die Regionalgeschichte ist Teil  “der allgemeinen Geschichte” und sie eröffnet den SuS  die Möglichkeit, Geschichte näher an der eigenen Lebenswelt zu  erfahren. Auf der digitalen Tafel erfolgt eine Sammlung von kurzen  Steckbriefen, die dort von den SuS gepostet werden (Leeb, 1984, 72).

    Die folgende Seite intensiviert die Quellenarbeit und gibt den SuS  nochmals die Möglichkeit, durch diese exemplarisch die Phasen der  Judenverfolgung einzuordnen. Die Rechercheaufgabe bildet die Sachanalyse  ab, durch das Einordnen in die jeweiligen Phasen findet das Sachurteil  statt und die Bewertung dieser Form Erinnerung der Vergangenheit, ermöglicht ein Werturteil. Auf der Hand liegt, dass diese Seite sehr multiperspektivisch angelegt ist.  Die SuS  recherchieren auf der Internetseite “Die Quellen sprechen” sowohl  Täter- als auch Opferquellen.  Durch die Sicherung in einer Tabelle  werden die Perspektiven gegenübergestellt und die Ergebnisse der  Recherche gesichert. Dies stellt zusätzlich eine Problemorientierung dar  (Probleme der Urteilsbildung), da die SuS sich widersprechende Quellen einordnen und bewerten müssen (Barricelli, 2013, 85). Die Multiperspektivität der Quellen eröffnet den SuS die Möglichkeit, sich in fremde Menschen hineinzuversetzen und deren Sichtweisen nachzuvollziehen (Lücke, 2012, 281-283).

    Die  vierte Seite des Materials baut auf den vorherigen Seiten auf, indem  sie sich ganz der Phase “Vernichtung” in ihrer schlimmsten Form widmet,  dem Vernichtungslager Auschwitz. Sie ist sehr werturteilslastig. Zunächst wird den SuS   anhand des virtuellen Rundgangs “Inside Auschwitz” (Geschichtskultur)  ein Einblick in das Vernichtungslager Auschwitz und dessen Dimensionen  gewehrt (Sachanalyse). Darauf aufbauend erfolgen in den Aufgaben zwei,  drei und vier Bewertungen in Form von Werturteilen statt. Aufgabe zwei  und drei befassen sich mit dem Verfassen eines Kommentars, der die Reaktion auf “Inside Auschwitz” verarbeiten soll. Die  vierte Aufgabe befasst sich mit der Beurteilung der Prämierung des  Videos, also erneut einer Beurteilung dieser Form der Erinnerung, wie  schon auf Seite drei.

  • Die abschließende Seite befasst sich noch einmal mit Erinnerungskultur und Regionalgeschichte, indem die SuS  sich Formen des Gedenkens an jüdische Menschen und Synagogen in  Chemnitz erschließen. Es sind alle Teile des didaktischen Dreischritts abgebildet. Zuerst sollen die SuS  sich ein bestehendes Denkmal ansehen und beschreiben (Sachanalyse) und anschließend weitere Formen der Erinnerung hinsichtlich ihrer  Vor- und Nachteile analysieren und dies in tabellarischer Form  festhalten (Sachanalyse bzw. Sachurteil). Auch hier wird erneut der  regionalgeschichtliche Bezug hergestellt, indem die SuS selbst in Chemnitz solche Formen der Erinnerung erforschen sollen. Die letzte Aufgabe bildet das Werturteil ab. Die SuS sind aufgefordert, einem Deportationszug zu gedenken, indem sie einen Vorschlag für ein Denkmal entwickeln.

    Das  Material ist primär für das Homeschooling ausgelegt. Bis auf die letzte  Aufgabe (Denkmalsentwurf) finden sämtliche Aufgaben in Einzelarbeit  statt und erfordern in aller Regel die Nutzung von Online-Medien. Durch  die digitale Tafel wird die Möglichkeit gegeben, den SuS   trotzdem untereinander Ergebnisse auszutauschen und zu vergleichen.   Insofern ist der Sozialformenaufbau (digital umgesetzt) in der Regel ein  Think-Share, auf eine Einzelarbeit folgt die Zusammentragung der  Ergebnisse auf der digitalen Tafel (Ergebnissicherung).  Die Aufgaben  sind, wie oben erwähnt, primär für das Homeschooling konzipiert, sodass  aus pragmatischer Sichtweise der Fokus auf Einzelarbeit liegen muss.  Er  ist aber auch methodisch sinnvoll, da die Recherchen und die Arbeit mit  Zeitzeugenvideos und Quellen für die Einzelarbeit geeignet sind.  Weiterhin legt unser Material sehr viel Wert auf die Arbeit mit Quellen  und Zeitzeugenberichten, die den SuS  den kritischen (und multiperspektiven) Umgang mit der Judenverfolgung  ermöglicht und ihnen selbst die Erarbeitung der Sachverhalte erlaubt (Handlungsorientierung).

    Durch den Fokus auf digitale Lernformen sind den SuS   viele Möglichkeiten zur Förderung ihrer Methodenkompetenz gegeben.    Nach dem NRW-Bezugsrahmen werden durch die Materialien verschiedene  Medienkompetenzen abgedeckt (welche an späterer Stelle detailliert  aufgelistet sind).

    Unser Material bietet den SuS  viel Potential zur Herausbildung von Geschichtsbewusstsein in  verschiedenen Dimensionen (Pandel, 1987). Zum einen lässt sich hier das  Identitätsbewusstsein fördern. Die SuS  werden durch die Materialien angeregt, sich kritisch mit der deutschen  Geschichte auseinanderzusetzen, mit der Ausgrenzung einer Gruppe von  Menschen. Sie sind angehalten, dieses Vorgehen der Nazis, eine  willkürliche Einteilung von "wir", "Deutsche", und "sie", die "Juden",  und die verheerenden Folgen, die dies hatte, zu bewerten.  Auch das  politische Bewusstsein wird gefördert, da sich die Materialien um die  konkreten Folgen von ungleichen Herrschaftsverhältnissen bewegen, dass  eine Gruppe, die "Juden", einer anderen Gruppe, den "Deutschen" sehr  willkürlich untergeordnet sind. Eine weitere Dimension ist die  moralische, dass die SuS letztlich die Bewertung vornehmen, dass die Ausgrenzung, Verfolgung und systematische Vernichtung der europäischen Juden eine moralische Katastrophe (und damit falsch) waren.

    Das Material liegt in zwei verschiedenen Niveaustufen vor, die sich im Grad der Hilfestellung unterscheiden. In der leichteren Fassung werden die SuS mehr an die Hand genommen, d.h. es werden zusätzliche Beispiele vorgegeben, an denen die SuS  sich dann orientieren können oder Aufgaben werden in ihrer Komplexität  reduziert. Beispielsweise werden Antwortmöglichkeiten vorgegeben oder  Rechercheaufgaben in ihrem Umfang reduziert.

  • Im  Material ist eine schriftliche Leistungsüberprüfung enthalten, die sich  an den inhaltlichen Schwerpunktsetzungen der Arbeitsblätter orientiert.  Diese besteht aus sechs Aufgaben, welche die unterschiedlichen  Anforderungsbereiche abdecken.

    Literaturhinweise

    -Barricelli,  Michele: Problemorientierung. In: Mayer, Ulrich/Pandel,  Hans-Jürgen/Schneider, Gerhard (Hrsg.): Handbuch Methoden im  Geschichtsunterricht. Schwalbach/Ts. 2013, S.78-90.

    -Lücke, Martin: Multiperspektivität, Kontroversität, Pluralität. In: Barricelli, Michele/Lücke, Martin: Handbuch Praxis des Geschichtsunterrichts. Bd.1 Schwalbach/Ts. 2012, S.281-288.

    -Leeb,  Thomas: Regionalgeschichte im Unterricht. Analyse-Instrumente und  empirische Ergebnisse, In: Koch, Peter/Leeb, Thomas (Hrsg.): Heimat oder  region? Grundzüge einer Didaktik der Regionalgeschichte. Frankfurt am Main 1984, S.72-75.

    -Günther-Arndt,  Hilke: Methodik des Geschichtsunterrichts. In: Günther-Arndt, Hilke  (Hrsg.): Geschichts-Didaktik. Praxishandbuch für die Sekundarstufe I und  II. Berlin 2003, S.158-163.

    -Pandel,  Hans-Jürgen (1987): Dimensionen des Geschichtsbewusstseins. Ein  Versuch, seine Struktur für Empirie und Pragmatik diskutierbar zu  machen, Sowi Online, verfügbar unter: https://www.sowi-online.de/book/export/html/774. (23.07. 2020, 8:39 Uhr).

  • W

    K

    W

    -Die SuS kennen die Phasen der Judenverfolgung und wichtige dazugehörende Ereignisse und Gesetze.

    -Die SuS können Zeitzeugenberichten beschriebene Maßnahmen entnehmen und diese den Phasen der Judenverfolgung zuordnen.

    -Die SuS beurteilen die Auswirkungen von Verfolgung auf die Opfer Judenverfolgung.

    -Die SuS kennen die Begriffe Holocaust, Shoa und “Endlösung” und deren Bedeutung.

    -

    -Die SuS beurteilen die Benutzung der Begriffe Holocaust, Shoa und “Endlösung” und ihre Angemessenheit.

    -Die SuS kennen Aspekte des jüdischen Lebens in Chemnitz (Synagogen, Zeitzeugen).

    -Die SuS können einen Zeitzeugenbericht (in Form eines Videobeitrages) recherchieren/analysieren.

    -Die SuS beurteilen Formen der Verfolgung und Auswirkungen auf die Opfer in einer Diktatur.

    -Die SuS kennen das Online-Angebot “Die Quellen sprechen” und seinen Aufbau.

    -Die SuS können Dokumenten der NS-Zeit aus Sicht der jüdischen Opfer und der Nationalsozialisten wesentliche Informationen entnehmen.

    -Die SuS beurteilen Formen der Verfolgung und Auswirkungen auf die Opfer in einer Diktatur

    -Die SuS kennen das Vernichtungslager Auschwitz, dessen Bedeutung und Aufbau.

    -Die SuS können dem Video “Inside Auschwitz” wesentliche Informationen zum KZ-Auschwitz und dessen Aufbau entnehmen.

    -Die SuS beurteilen die Rechtfertigung eines Preises für die Produktion Inside Auschwitz.

    -Die SuS kennen Formen der Erinnerung an die Verfolgung der jüdischen Gemeinde in Chemnitz (Stolpersteine, Denkmäler, Straßennamen).

    Die SuS kennen Beispiele für Stolpersteine, Denkmäler und Straßennamen in Chemnitz.

    -Die SuS können wesentliche Merkmale des Denkmals am Stephansplatz beschreiben.

    Die SuS können Stolpersteine, Straßennamen und Denkmäler, die der Verfolgung der Juden erinnern, selbstständig recherchieren (z.B. anhand der Website https://stolpersteinmap.de)

    -Die SuS beurteilen die Erinnerungskultur der Judenverfolgung in Chemnitz.

    T2: Lernziele
  • Seite. Aufgabe

    Medienkompetenzrahmen NRW

    1.1

    1.2

    1.3

    1.4


    Informieren und Recherchieren (Informationsrecherche,
    Informationsauswertung)

    Bedienen und Anwenden (Datenorganisation)
    (Bedienen und Anwenden (Datenorganisation))
    -

    2.1

    2.2

    2.3


    Informieren und Recherchieren (Informationsrecherche, Informationsauswertung)

    Bedienen und Anwenden (Datenorganisation), Informieren und Recherchieren (Informationsrecherche, Informationsauswertung)

    Analysieren und Reflektieren (Identitätsbildung)

    3.1

    3.2

    3.3

    3.4


    Informieren und Recherchieren (Informationsauswertung)

    Informieren und Recherchieren (Informationsrecherche, Informationsauswertung) Bedienen und Anwenden (Datenorganisation)

    Informieren und Recherchieren (Informationsrecherche, Informationsauswertung)

    Informieren und Recherchieren (Informationsbewertung), Analysieren und Reflektieren (Identitätsbildung)

    4.1

    4.2

    4.3

    4.4

    Informieren und Recherchieren (Informationsauswertung)

    Informieren und Recherchieren (Informationsrecherche, Informationsbewertung) Bedienen und Anwenden (Datenorganisation), Kommunizieren und Kooperieren

    Produzieren und Präsentieren (Medienproduktion und Präsentation), Kommunizieren und Kooperieren (Kommunikations- und Kooperationsregeln)

    -

    5.1

    5.2

    5.3

    Informieren und Recherchieren (Informationsauswertung), Bedienen und Anwenden (Datenorganisation)

    Informieren und Recherchieren (Informationsbewertung), Bedienen und Anwenden (Datenorganisation)

    Produzieren und Präsentieren (Gestaltungsmittel, Medienproduktion und Präsentation)

    T3: Aufgaben und Medienkompetenzrahmen NRW