• Tutory statt Homepage?
  • jenslindstroem.de
  • 30.06.2020
  • fächerverbindend
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Die DGSVO hat viele pri­va­te Crea­tor davon ab­ge­schreckt, ihre ei­ge­ne Home­page oder ihren ei­ge­nen Blog zu un­ter­hal­ten. Zu groß ist die Un­si­cher­heit mit kom­pli­zier­ten Ge­set­zes­tex­ten. Ge­fühlt muss man Ju­rist sein, um die Da­ten­schutz­kon­for­mi­tät her­zu­stel­len. Es folgt also eine Suche nach Al­ter­na­ti­ven. Wie kann ich als Lehr­kraft etwas ver­öf­fent­li­chen, ohne mei­nen ei­ge­nen Blog zu hos­ten? Letzt­lich geht es ja um nichts Gro­ßes. Man be­nö­tigt eine brauch­ba­re Text­ver­ar­bei­tung, man möch­te Fotos hin­zu­fü­gen kön­nen, Links ein­bet­ten und even­tu­ell mal ein Zitat her­vor­he­ben.

Wie kann ich als Lehr­kraft etwas ver­öf­fent­li­chen, ohne mei­nen ei­ge­nen Blog zu hos­ten?"

Au­ßer­dem be­nö­tigt man eine Landing-​Page. Eine Start-​Seite auf der die neu­es­ten Ein­trä­ge zu sehen sind und man durch die ver­schie­de­nen Ein­trä­ge su­chen kann. Im Op­ti­mal­fall sind dort auch ein paar Grund­le­gen­de In­for­ma­tio­nen über den Sei­ten­in­ha­ber zu fin­den. All diese Funk­tio­nen bie­tet Tu­to­ry. Ein Blog­ein­trag könn­te als Ar­beits­blatt ver­öf­fent­lich wer­den. Des­halb stellt sich die Frage, ob man Tu­to­ry als Er­satz für eine Home­page ein­set­zen kann und ich habe es ein­fach mal aus­pro­biert.

Der Preis

Tu­to­ry ist für bis zu 6 Ar­beits­blät­ter kos­ten­los. Ein Blog braucht aber mehr als 6 Ein­trä­ge. Des­halb muss man auf die Basic-​Version für 2,50€ im Monat zu­rück grei­fen. Das ist mit den kos­ten eines selbst­ge­hos­te­ten Web­space ver­gleich­bar. Gleich­zei­tig schal­tet man damit alle Text­bau­stei­ne für die ei­ge­nen Bei­trä­ge frei.

Die Text­ver­ar­bei­tung

Im Be­reich der Text­ver­ar­bei­tung bringt Tu­to­ry alle grund­le­gend wich­ti­gen Funk­tio­nen mit. Fette, kur­si­ve und un­ter­stri­che­ne Schrift, Schrift­grö­ße, Textaus­rich­tung und Num­me­rie­rung sind an Board. Wei­te­re Funk­tio­nen wie hoch­ge­stell­te, tief­ge­stell­te und far­bi­ge Schrift sind un­nö­tig kom­pli­ziert ein­zu­stel­len. Hat man den Dreh ein­mal raus, geht das je­doch recht schnell. Ins­ge­samt sind die For­ma­tie­rungs­funk­tio­nen auf das Nö­tigs­te be­schränkt, aber für einen Blog reicht es si­cher. In der Basic-​Version ste­hen alle 7 Schrift­ar­ten zur Ver­fü­gung. Eine Recht­schreib­prü­fung sucht man lei­der ver­ge­bens. Ge­nau­so ver­mis­se ich die Funk­ti­on, ein Wort mit einem Link zu hin­ter­le­gen. Hier muss der Link in Gänze ein­ge­ge­ben wer­den.

Bil­der ein­fü­gen

Suchergebnis Fahrrad auf Pixabay

Bil­der kön­nen pro­blem­los ein­ge­fügt wer­den. Al­ler­dings hat man in der An­ord­nung und For­ma­tie­rung nicht die Fülle an Op­tio­nen, wie in ak­tu­el­len Office-​Textverarbeitungen. Der Clou ist al­ler­dings, dass man in­ner­halb von Tu­to­ry di­rekt auf Flickr, Pix­a­bay, Open­clip­art und Wi­ki­pe­dia nach Bil­dern unter of­fe­nen Li­zen­zen su­chen kann.

In­ter­ak­ti­ve Ele­men­te

Tu­to­rys große Stär­ke liegt ei­gent­lich in den in­ter­ak­ti­ven Ele­men­ten, die in die ein­zel­nen Ar­beits­blät­ter ein­ge­baut wer­den kön­nen. Diese Stär­ke kann im Blog­be­reich kaum aus­ge­spielt wer­den. Her­vor­he­bens­wert ist al­ler­dings die Funk­ti­on, in Tu­to­ry QR-​Codes zu ge­ne­rie­ren und di­rekt ein­zu­fü­gen. Auch das Ein­fü­gen von Funk­tio­nen, Wert­e­ta­bel­len und For­meln könn­te für man­che Lehr­kräf­te in­ter­es­sant sein.

Hin­weis­fel­der eig­nen sich für ein­zel­ne Her­vor­ge­bun­gen

Die Start­sei­te

Zum Er­stel­len von Ar­beits­blät­tern muss jeder Nut­zer von Tu­to­ry einen Ac­count an­le­gen und in die­sem Zu­sam­men­hang be­kommt man auch eine ei­ge­ne Account-​Seite.
https://www.tu­to­ry.de/user/ka­eptnkeks
Hier kön­nen ein paar In­for­ma­tio­nen wie die Re­gi­on, Fä­cher und Schul­art ab­ge­legt wer­den. Au­ßer­dem fin­det man sämt­li­che ver­öf­fent­lich­ten Ar­beits­blät­ter. Jeder Blog­post er­scheint hier dann als ein­zel­nes Ar­beits­blatt mit Vor­schau. Im Prin­zip sind alle wich­ti­gen In­for­ma­tio­nen da. Nur eine Ver­knüp­fung mit Social-​Media-Accounts wäre noch wün­schens­wert. Die könn­te man al­ler­dings am Ende eines jeden Ar­beits­blat­tes hin­ter­le­gen.

Ent­wür­fe und Ver­öf­fent­li­chun­gen

In der Regel ent­wi­ckelt sich ein Blog­ein­trag über einen Zeit­raum hin­weg. Des­we­gen will man ihn erst ein­mal als Ent­wurf spei­chern, bevor man ihn gleich ver­öf­fent­licht. Tu­to­ry trennt hier sau­ber zwi­schen pri­va­ten und ver­öf­fent­li­chen Ar­beits­blät­tern. Fügt man neue Ele­men­te hinzu, schal­tet sich das Blatt au­to­ma­tisch wie­der in den pri­va­ten Modus. Dies liegt auch an den Li­zenz­rech­ten. Eine Funk­ti­on um die er­stell­ten Ein­trä­ge zu sor­tie­ren, zum Bei­spiel in Ar­beits­blät­ter und Blog­ein­trä­ge, fehlt lei­der. Ein mög­li­cher Work­around wäre ein Start-​Arbeitsblatt, in dem Links zu allen Ein­trä­gen hin­ter­legt sind.

Li­zenz­rech­te

Tu­to­ry kommt schon lange den Pflich­ten nach, vor denen mit Ar­ti­kel 13 alle Platt­for­men Angst haben. Ein Nut­zer muss vor der Ver­öf­fent­li­chung für jedes ein­zel­ne Ele­ment, sei es Bild oder Text, den Ur­he­ber und die Li­zenz an­ge­ben, unter der das Werk steht. So ist es quasi un­mög­lich, ur­he­ber­recht­lich ge­schütz­tes Ma­te­ri­al hoch­zu­la­den, ohne be­wusst fal­sche In­for­ma­tio­nen ein­zu­ge­ben. Das ist ein zeit­ge­mä­ßes und kon­se­quen­tes Fea­ture, wenn­gleich es auch manch­mal etwas ner­vig ist, für jeden Text­bau­stein se­pa­rat be­stä­ti­gen zu müs­sen, dass man ihn  selbst ge­schrie­ben hat. Bei den offen li­zen­sier­ten Bil­dern, die man über Pix­a­bay und Co di­rekt in Tu­to­ry ge­sucht hat, über­nimmt Tu­to­ry die Li­zen­sie­rung au­to­ma­tisch.

Fazit

Tu­to­ry bringt die wich­tigs­ten Funk­tio­nen mit, um als Homepage-​Ersatz ein­ge­setzt wer­den zu kön­nen. Le­dig­lich eine Recht­schreib­prü­fung ver­mis­se ich. Auch Links funk­tio­nie­ren merk­wür­dig, da sie nicht di­rekt über den Text ge­legt wer­den kön­nen, son­dern ex­pli­zit auf­ge­schrie­ben wer­den müs­sen. Au­ßer­dem ist die For­ma­tie­rung von Text teil­wei­se etwas fum­me­lig. Dafür sind aber tolle Fea­tures an Board, wie das ein­fü­gen eines QR-​Codes. Auch die au­to­ma­tisch er­stell­ba­ren Aufgaben-​Formate er­öff­nen in­ter­es­san­te Mög­lich­kei­ten für einen Blog und könn­ten ein Al­lein­stel­lungs­merk­mal sein. Eine Ein­bet­tung von HTML-​Code wäre dar­über hin­aus der Knal­ler. Da Tu­to­ry dazu da ist, aus­druck­ba­re Ar­beits­blät­ter zu er­stel­len, wer­den es sol­che Funk­tio­nen ver­mut­lich nicht in das Pro­gramm schaf­fen. Ob sich der Preis lohnt, muss jeder für sich ent­schei­den. Wer aber so­wie­so mit Tu­to­ry zum Er­stel­len ei­ge­ner Ar­beits­blät­ter ge­lieb­äu­gelt hat, hat jetzt viel­leicht einen Grund mehr, ein­fach mal los­zu­le­gen.