• LK 11/2 - Außenpolitik des Deutschen Reichs
  • anonym
  • 30.06.2020
  • Allgemeine Hochschulreife
  • Geschichte
  • 11
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LK Die Au­ßen­po­li­tik des Deut­schen Reichs

Deutsch­land ist rings­um ein­ge­schlos­sen von Län­dern einer ent­wi­ckel­ten und alten staat­li­chen Kul­tur. Es grenz­t an kein Ge­biet mög­li­cher ko­lo­nia­ler Ex­pan­si­on. Es liegt in der Mitte der Groß­mäch­te. Kein an­de­rer Staat ist in der glei­chen Lage. Alle seine Nach­barn haben ein mög­li­ches Ex­pan­si­ons­ge­biet vor der Türe. Ruß­lan­d hat Asien, Österreich-​Ungarn den Bal­kan, Frank­reich und Ita­li­en die afri­ka­ni­sche Nord­küs­te, das meer­um­flos­se­ne Eng­lan­d die Welt. Alle diese Staa­ten haben mehr oder we­ni­ger nur eine Seite zu ver­tei­di­gen und die an­de­re frei. Das in der Mitte Eu­ro­pas ge­le­ge­ne Deutsch­land ist von der po­li­ti­schen Kon­stel­la­ti­on Eu­ro­pas ab­hän­gi­ger als seine Nach­barn. Es ist schwe­rer gegen feind­li­che Bünd­nis­se zu si­chern und be­darf zu sol­cher Si­che­rung einen grö­ße­ren Auf­wan­d an di­plo­ma­ti­schen oder mi­li­tä­ri­schen Macht­mit­teln. Auf der Er­kennt­nis die­ser Lage be­ruh­te die Po­li­tik Bis­marcks, die, im we­sent­li­chen Kon­ti­nen­tal­po­li­tik, den Not­wen­dig­kei­ten die­ser Kon­ti­nen­tal­po­li­tik die Wünsch­bar­keit der Welt­po­li­tik un­ter­ord­ne­te. [...] In die­sem Zu­sam­men­hang zwi­schen Welt­po­li­tik und Kon­ti­nen­tal­po­li­tik liegt, wenn man so will, der Cir­cu­lus vi­tio­sus (Teu­fels­kreis) der aus­wär­ti­gen Po­li­tik des Deut­schen Rei­ches. Welt­po­li­ti­sche Un­ter­neh­mun­gen haben Rück­wir­kun­gen auf die Kon­ti­nen­tal­po­li­tik, unter deren Ein­fluß das Deut­sche Reich­sich welt­po­li­tisch be­schrän­ken muß.

Welt­po­li­tik indes muß ge­trie­ben wer­den. Die wirt­schaft­li­che Ex­pan­si­on und der Le­bens­wil­le des Vol­kes drän­gen hin­aus. Die deut­sche Po­li­tik muß dem Cir­cu­lus vi­tio­sus ent­rin­nen. Sie kann nicht für reine Kon­ti­nen­tal­po­li­tik op­tie­ren. Die Auf­ga­be, die diese Si­tua­ti­on stellt, ist das ei­gent­li­che Pro­blem der aus­wär­ti­gen Po­li­tik des Deut­schen Rei­ches. Alles, was ge­schieht, läßt sich als Ver­such ihrer Lö­sung auf­fas­sen. Es ist klar, daß die welt­po­li­ti­sche Be­we­gungs­frei­heit des Deut­schen Rei­ches desto grö­ßer ist, je un­ab­hän­gi­ger von der Kon­stel­la­ti­on der Mäch­te seine kon­ti­nen­ta­le Stel­lung ist. [...] Daher ist das erste Er­for­der­nis der deut­schen Welt­po­li­tik, daß Deutsch­land auf dem Kon­ti­nent so stark ist, daß jeder mög­li­chen Kon­stel­la­ti­on ge­gen­über die Chan­cen des Sie­ges­ auf sei­ner Seite sind. Nur dann wird es bei welt­po­li­ti­schen Un­ter­neh­mun­gen die Rück­wir­kun­gen auf die kon­ti­nen­ta­le Kon­stel­la­ti­on auf sich neh­men kön­nen. [...]

Unter dem P­seud­onym J. J. Ruederof­fer schrie­b 1914 Kurt Rie­z­ler zur deut­schen Au­ßen­po­li­tik:





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Aus: Rue­dorf­fer, J. J. (i.e. Rie­z­ler, Kurt): Grund­zü­ge der Welt­po­li­tik. Stutt­gart/ Ber­lin 1915. S.102ff, 106ff.

Unter dem P­seud­onym J. J. Ruederof­fer schrie­b 1914 Kurt Rie­z­ler zur deut­schen Au­ßen­po­li­tik:

Deutsch­land ist rings­um ein­ge­schlos­sen von Län­dern einer ent­wi­ckel­ten und alten staat­li­chen Kul­tur. Es grenz­t an kein Ge­biet mög­li­cher ko­lo­nia­ler Ex­pan­si­on. Es liegt in der Mitte der Groß­mäch­te. Kein an­de­rer Staat ist in der glei­chen Lage. Alle seine Nach­barn haben ein mög­li­ches Ex­pan­si­ons­ge­biet vor der Türe. Ruß­lan­d hat Asien, Österreich-​Ungarn den Bal­kan, Frank­reich und Ita­li­en die afri­ka­ni­sche Nord­küs­te, das meer­um­flos­se­ne Eng­lan­d die Welt. Alle diese Staa­ten haben mehr oder we­ni­ger nur eine Seite zu ver­tei­di­gen und die an­de­re frei. Das in der Mitte Eu­ro­pas ge­le­ge­ne Deutsch­land ist von der po­li­ti­schen Kon­stel­la­ti­on Eu­ro­pas ab­hän­gi­ger als seine Nach­barn. Es ist schwe­rer gegen feind­li­che Bünd­nis­se zu si­chern und be­darf zu sol­cher Si­che­rung einen grö­ße­ren Auf­wan­d an di­plo­ma­ti­schen oder mi­li­tä­ri­schen Macht­mit­teln. Auf der Er­kennt­nis die­ser Lage be­ruh­te die Po­li­tik Bis­marcks, die, im we­sent­li­chen Kon­ti­nen­tal­po­li­tik, den Not­wen­dig­kei­ten die­ser Kon­ti­nen­tal­po­li­tik die Wünsch­bar­keit der Welt­po­li­tik un­ter­ord­ne­te. [...] In die­sem Zu­sam­men­hang zwi­schen Welt­po­li­tik und Kon­ti­nen­tal­po­li­tik liegt, wenn man so will, der Cir­cu­lus vi­tio­sus (Teu­fels­kreis) der aus­wär­ti­gen Po­li­tik des Deut­schen Rei­ches. Welt­po­li­ti­sche Un­ter­neh­mun­gen haben Rück­wir­kun­gen auf die Kon­ti­nen­tal­po­li­tik, unter deren Ein­fluß das Deut­sche Reich­sich welt­po­li­tisch be­schrän­ken muß.

Welt­po­li­tik indes muß ge­trie­ben wer­den. Die wirt­schaft­li­che Ex­pan­si­on und der Le­bens­wil­le des Vol­kes drän­gen hin­aus. Die deut­sche Po­li­tik muß dem Cir­cu­lus vi­tio­sus ent­rin­nen. Sie kann nicht für reine Kon­ti­nen­tal­po­li­tik op­tie­ren. Die Auf­ga­be, die diese Si­tua­ti­on stellt, ist das ei­gent­li­che Pro­blem der aus­wär­ti­gen Po­li­tik des Deut­schen Rei­ches. Alles, was ge­schieht, läßt sich als Ver­such ihrer Lö­sung auf­fas­sen. Es ist klar, daß die welt­po­li­ti­sche Be­we­gungs­frei­heit des Deut­schen Rei­ches desto grö­ßer ist, je un­ab­hän­gi­ger von der Kon­stel­la­ti­on der Mäch­te seine kon­ti­nen­ta­le Stel­lung ist. [...] Daher ist das erste Er­for­der­nis der deut­schen Welt­po­li­tik, daß Deutsch­land auf dem Kon­ti­nent so stark ist, daß jeder mög­li­chen Kon­stel­la­ti­on ge­gen­über die Chan­cen des Sie­ges­ auf sei­ner Seite sind. Nur dann wird es bei welt­po­li­ti­schen Un­ter­neh­mun­gen die Rück­wir­kun­gen auf die kon­ti­nen­ta­le Kon­stel­la­ti­on auf sich neh­men kön­nen. [...]

Aus: Rue­dorf­fer, J. J. (i.e. Rie­z­ler, Kurt): Grund­zü­ge der Welt­po­li­tik. Stutt­gart/ Ber­lin 1915. S.102ff, 106ff.
Aus: Rue­dorf­fer, J. J. (i.e. Rie­z­ler, Kurt): Grund­zü­ge der Welt­po­li­tik. Stutt­gart/ Ber­lin 1915. S.102ff, 106ff.
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Gib mit ei­ge­nen Wor­ten die Haupt­aus­sa­gen der Quel­le von Rie­z­ler wie­der.
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Er­läu­te­re den Wan­del (Ziele und Mit­tel) der deut­schen Au­ßen­po­li­tik(en) unter Bis­marck und Wil­helm II. unter Ein­be­zu­g der Quel­le.
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Nimm Stel­lung zu fol­gen­der Aus­sa­ge: Bis­marcks Au­ßen­po­li­tik legte den Grund­stein für über 40 Jahre Frie­den in Deutsch­land und Eu­ro­pa!
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Stil/Aus­druck
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Note