• 95 Thesen | Luther twittert
  • empeiria
  • 30.06.2020
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  • Religion
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Lu­ther­s The­sen
Heute würde Lu­ther t­wit­tern...

Ein­stieg: Das Bild (Fo­to­mon­ta­ge­) wird – zu­nächst ohne Über­schrift – ge­zeig­t.

Die Schü­ler ...

  • Er­ken­nen Lu­ther (in einem Denk­mal)
  • Es er­folg­t einen zeit­ge­schicht­li­che Ein­ord­nung (Mittelalter-​>Neu­zeit)
  • Nun wird die Über­schrift er­gänz­t: Lu­ther hätte get­wit­tert ?! Was hätte er get­wit­tert?
  • Ver­knüp­fung zu den 95 The­sen wird her­ge­stell­t (vgl. Tweet).
  • Wel­che Me­di­en­ stan­den Lu­ther zur Ver­fü­gung (Brief, Flug­blatt...)

ÜL:

Am 31. Ok­to­ber 1517 ver­öf­fent­lich­te Mar­tin Lu­ther seine 95 The­sen, in denen er Kri­tik an der Kir­che übte. Lu­ther setz­te damit eine Pro­test­be­we­gung in Gang, die letzt­lich dazu führ­te, dass sich das Chris­ten­tum spal­te­te.

EA 1:

For­mu­liert auf der Grund­la­ge eures bis­he­ri­gen Wis­sens einen Tweet, wie er von Lu­ther ver­fasst wor­den sein könn­te. Packt seine theo­lo­gi­sche Bot­schaft in 140 Zei­chen. Ver­wen­det #Hash­tags. Be­müht euch um Prä­zi­si­on.

Mög­li­che In­hal­te:

  • Kri­tik am Reich­tum der Kir­che
  • Kri­tik am Papst
  • Kri­tik am Got­tes­bild
  • Kri­tik am Ab­lass
  • ...

Er­geb­nis­se wer­den im P­le­num ge­sich­tet, ge­prüft, be­spro­chen.

EA 2:

Nun wer­den pas­sen­de The­sen Lu­ther­s (in Aus­wahl) prä­sen­tiert.

  • Haben die S-​Tweets Lu­ther­s Ton ge­trof­fen?
  • Pas­sen Sie zu s­ei­ner theo­lo­gi­schen Aus­sa­ge? (Gnade, Er­lö­sung, Solus Chris­tus)
  • Worum geht es Lu­ther? (Spä­tes­tens jetzt kommt der Ab­lass ins Spiel)

ÜL:

Nennt s­pon­ta­ne As­so­zia­tio­nen zum Ab­lass. Was wisst ihr? (Er­lass zeit­li­cher Sün­den­stra­fen, für sich selbst oder Ver­stor­be­ne, Fe­ge­feu­er, Han­del, Rolle Tet­zels....)

EA 3:

Im Fol­gen­den wird Lu­ther­s Kri­tik am Ab­lass ge­nau­er in den Blick ge­nom­men. Die S er­hal­ten ein­zel­ne The­sen und/  oder den Brief an den Erz­bi­schof von Mainz, dem die The­sen ur­sprüng­lich an­ge­häng­t waren (der An­schlag ist wohl Le­gen­de).

LEK/Ver­tie­fung:Die 96. These – ggf. for­mu­lie­ren die SuS einen wei­te­ren Tweet, dies­mal zum Ab­lass.

Ak­tua­li­sie­rung:

„ec­cle­sia s­em­per re­forman­da est“ (Au­gus­ti­nus zu­ge­schrie­be­nes Zitat)

  • eine blei­ben­de Auf­ga­be?

Wir be­fin­den uns im sog. Lu­ther­jahr. 500 Jahre nach Lu­ther­s ließe sich Kir­che si­cher­lich wei­ter / wie­der re­for­mie­ren.

  • Wel­che Vor­schlä­ge zur Ver­än­de­rung wür­det ihr heute ma­chen?
  • Wo seht ihr Hand­lungs­be­dar­f?
  • ...

ÜL = Über­lei­tung | EA = Er­ar­bei­tung | LEK = Lern­erfolgs­kon­trol­le

Lu­ther t­wit­tert...

For­mu­liert einen Tweet, wie er von Lu­ther ver­fasst wor­den sein könn­te. Packt seine theo­lo­gi­sche Bot­schaft in 140 Zei­chen. Ver­wen­det Hash­tags. Be­müht euch um sprach­li­che Prä­zi­si­on.

Lu­ther t­wit­tert...

For­mu­liert einen Tweet, wie er von Lu­ther ver­fasst wor­den sein könn­te. Packt seine theo­lo­gi­sche Bot­schaft in 140 Zei­chen. Ver­wen­det Hash­tags. Be­müht euch um sprach­li­che Prä­zi­si­on.

Mar­tin Lu­ther­s 95 The­sen

Mar­tin Lu­ther­s 95 The­sen

wur­den am 31. Ok­to­ber 1517 als Bei­fü­gung an einen Brief an den Erz­bi­schof von Mainz erst­mals in Um­lauf ge­bracht. Lu­ther gab die The­sen an ei­ni­ge Be­kann­te wei­ter, die sie ver­öf­fent­lich­ten und damit zum Ge­gen­stand einer öf­fent­li­chen Dis­kus­si­on im ge­sam­ten Reich mach­ten. Dass Lu­ther seine 95 The­sen am 31. Ok­to­ber 1517 ei­gen­hän­dig an die Tür der Schloss­kir­che in Wit­ten­ber­g ge­na­gelt haben soll, ist wohl eine Le­gen­de.

11. Die­ses Un­kraut, daß man kirch­li­che Buß­stra­fen in Fe­ge­feu­er­stra­fen ver­wan­del­t, scheint si­cher­lich gesät wor­den zu sein, als die Bi­schö­fe schlie­fen.

28. Das ist gewiß, so­bald das Geld im Kas­ten kling­t, kön­nen Ge­winn und H­ab­gier zu­neh­men; das Für­bitt­werk der Kir­che steht aber im Er­mes­sen Got­tes­ al­lein.

36. Ein jeder Christ, der von wah­rer Reue er­füllt ist, hat völ­li­ge Ver­ge­bung von Stra­fe und Schuld, die ihm auch ohne Ab­laß­brie­fe ge­bührt.

43. Man lehre die Chris­ten, daß, wer dem Armen gibt oder dem Be­dürf­ti­gen leiht, bes­ser tut, als wenn er Ablaß löst.

68. Doch in Wirk­lich­keit sind sie (die A­b­läs­se) sehr ge­ring, ver­gli­chen mit der Gnade Got­tes­ und der Güte des Kreu­zes.

84. Was ist das für eine neue Fröm­mig­keit Got­tes­ und des Paps­tes, daß sie dem Gott­lo­sen und dem Fein­de um des Gel­des wil­len ge­stat­ten, eine from­me und von Gott ge­lieb­te Seele zu er­lö­sen, doch um der Not der from­men und ge­lieb­ten Seele selbst wil­len und aus frei­ge­schenk­ter Liebe er­lö­sen sie sie nicht?

Auf­ga­ben:

Lies die The­sen und be­stim­me dar­aus Lu­ther­s theo­lo­gi­sches Pro­gram­m.

Re­du­zie­re die­ses „Pro­gram­m“ auf ins­ge­samt­ 4-5 Schlag­wor­te.

6. Der Papst kann Schuld nur ver­ge­ben, indem er er­klärt und be­stä­tig­t, daß sie von Gott ver­ge­ben sei, je­den­falls in den Fäl­len, die ihm vor­be­hal­ten sind. Würde man dies miß­ach­ten, so blie­be die Schuld ganz und gar be­stehen.

Mar­tin Lu­ther

41. Be­hut­sam soll man vom päpst­li­chen Ablaß pre­di­gen, damit das Volk nicht fälsch­lich meint, die­ser sei den üb­ri­gen guten Wer­ken der Liebe vor­zu­zie­hen.

43. Man lehre die Chris­ten, daß, wer dem Armen gibt oder dem Be­dürf­ti­gen leiht, bes­ser tut, als wenn er Ablaß löst.

44. Denn durch das Werk der Liebe wächst die Liebe, und der Mensch wird bes­ser; durch den Ablaß aber wird er nicht bes­ser, son­dern le­dig­lich frei­er von Stra­fe.

Mar­tin Lu­ther

12. Einst wur­den ka­no­ni­sche Buß­stra­fen nicht nach, son­dern vor der Ab­so­lu­ti­on auf­er­leg­t, gleich­sam um zu prü­fen, ob die Reue auf­rich­tig ist.

Mar­tin Lu­ther

Dem hoch­wür­di­gen Vater in Chris­to und durch­lauch­tigs­ten Herrn, Al­bert,  Erz­bi­schof der Kir­chen zu Mag­de­burg und Mainz, Pri­mas, Mark­graf zu Bran­den­bur­g usw.,  s­ei­nem Herrn und Hir­ten in Chris­to, ge­ach­tet in Ehr­erbie­tung und Liebe!

Ver­zeiht mir, ehr­wür­digs­ter Vater in Chris­to, durch­lauch­tigs­ter Kur­fürst, daß ich, der ge­rings­te unter den Men­schen, so un­be­son­nen und ver­mes­sen bin und es wage, an Eure höchs­te Er­ha­ben­heit einen Brief zu rich­ten. Der Herr Jesus ist mein Zeuge, daß ich, ein­ge­denk mei­ner Nied­rig­keit und Nichts­wür­dig­keit, lange auf­ge­scho­ben habe, was ich jetzt mit un­ver­schäm­ter­ Stirn voll­brin­ge. […]

Es wer­den Päpst­li­che A­b­läs­se im Namen Euer Kur­fürst­li­chen Gna­den zum Bau von St. Peter herum-​getragen. Dabei klage ich nicht so sehr das Aus­schrei­en der Ab­laß­pre­di­ger an, das ich nicht ge­hört habe, son­dern ich bin schmerz­lich be­sorg­t über die über­aus fal­schen An­schau­un­gen des Vol­kes, die aus dem ent­ste­hen, was man über­all und al­ler­orts im Munde führt: etwa, daß die un­glück­li­chen See­len glau­ben, daß sie, wenn sie die Ab­laß­brie­fe ge­kauf­t hät­ten, ihres Hei­les si­cher sind; des­glei­chen, daß die See­len so­fort aus dem Fe­ge­feu­er her­aus­flie­gen, so­bald sie ihren Be­trag in den Kas­ten ge­legt haben; fer­ner, daß diese Gna­den so stark sind, daß keine Sünde so groß sei, als daß sie nicht er­las­sen wer­den könn­te, […]; schließ­lich, daß der Mensch durch diese A­b­läs­se von jeder Stra­fe und Schuld frei sei. […]

Warum ma­chen sie also durch jene fal­schen Fa­beln und Ver­spre­chun­gen von Ver­ge­bung das Volk si­cher und furcht­los, wo doch die A­b­läs­se den See­len ge­ra­de­zu­ nichts Gutes zum Heil und zur Hei­lig­keit bei­tra­gen, son­dern le­dig­lich die äu­ße­re Stra­fe weg­neh­men, die man einst nach dem geist­li­chen Recht auf­zu­le­gen pfleg­te. Schließ­lich sind die Werke der Fröm­mig­keit und der Nächs­ten­lie­be u­n­end­lich bes­ser als A­b­läs­se und den­noch pre­dig­t man sie weder mit sol­chem Ge­prän­ge noch mit so gro­ßem Eifer, im Ge­gen­teil wegen der zu pre­di­gen­den Ab­laß­gna­den schweig­t man von ihnen, wo es doch die erste und ein­zi­ge Pflicht aller Bi­schö­fe ist, daß das Volk das E­van­ge­li­um­ und die Liebe Chris­ti lernt. Chris­tus hat nie­mals auf­ge­tra­gen, A­b­läs­se zu pre­di­gen, aber nach­drück­lich hat er ge­bo­ten, das E­van­ge­li­um­ zu pre­di­gen. […] Es kommt hinzu, hoch­wür­digs­ter Vater im Herrn, daß es in jener In­struk­ti­on für die Ab­laß­kom­mis­sa­re, die unter Eurem Namen aus­ge­gan­gen ist, heißt (si­cher ohne Euer Wis­sen und Eure Zu­stim­mung), die eine der Haupt­gna­den sei jenes un­ver­gleich­li­che Ge­schenk Got­tes­, durch das der Mensch mit Gott wie­der ver­söhnt wird und alle Stra­fen des Fe­ge­feu­ers ge­tilg­t wer­den; des­glei­chen, daß eine Reue nicht nötig für die sei, die See­len er­lö­sen oder Beicht­brie­fe kau­fen. […]

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Brief Mar­tin Lu­ther­s
vom 31. Ok­to­ber 1517
an Erz­bi­schof Al­brecht
von Mainz






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Brief Mar­tin Lu­ther­s
vom 31. Ok­to­ber 1517
an Erz­bi­schof Al­brecht
von Mainz


Dem hoch­wür­di­gen Vater in Chris­to und durch­lauch­tigs­ten Herrn, Al­bert,  Erz­bi­schof der Kir­chen zu Mag­de­burg und Mainz, Pri­mas, Mark­graf zu Bran­den­bur­g usw.,  s­ei­nem Herrn und Hir­ten in Chris­to, ge­ach­tet in Ehr­erbie­tung und Liebe!

Ver­zeiht mir, ehr­wür­digs­ter Vater in Chris­to, durch­lauch­tigs­ter Kur­fürst, daß ich, der ge­rings­te unter den Men­schen, so un­be­son­nen und ver­mes­sen bin und es wage, an Eure höchs­te Er­ha­ben­heit einen Brief zu rich­ten. Der Herr Jesus ist mein Zeuge, daß ich, ein­ge­denk mei­ner Nied­rig­keit und Nichts­wür­dig­keit, lange auf­ge­scho­ben habe, was ich jetzt mit un­ver­schäm­ter­ Stirn voll­brin­ge. […]

Es wer­den Päpst­li­che A­b­läs­se im Namen Euer Kur­fürst­li­chen Gna­den zum Bau von St. Peter herum-​getragen. Dabei klage ich nicht so sehr das Aus­schrei­en der Ab­laß­pre­di­ger an, das ich nicht ge­hört habe, son­dern ich bin schmerz­lich be­sorg­t über die über­aus fal­schen An­schau­un­gen des Vol­kes, die aus dem ent­ste­hen, was man über­all und al­ler­orts im Munde führt: etwa, daß die un­glück­li­chen See­len glau­ben, daß sie, wenn sie die Ab­laß­brie­fe ge­kauf­t hät­ten, ihres Hei­les si­cher sind; des­glei­chen, daß die See­len so­fort aus dem Fe­ge­feu­er her­aus­flie­gen, so­bald sie ihren Be­trag in den Kas­ten ge­legt haben; fer­ner, daß diese Gna­den so stark sind, daß keine Sünde so groß sei, als daß sie nicht er­las­sen wer­den könn­te, […]; schließ­lich, daß der Mensch durch diese A­b­läs­se von jeder Stra­fe und Schuld frei sei. […]

Warum ma­chen sie also durch jene fal­schen Fa­beln und Ver­spre­chun­gen von Ver­ge­bung das Volk si­cher und furcht­los, wo doch die A­b­läs­se den See­len ge­ra­de­zu­ nichts Gutes zum Heil und zur Hei­lig­keit bei­tra­gen, son­dern le­dig­lich die äu­ße­re Stra­fe weg­neh­men, die man einst nach dem geist­li­chen Recht auf­zu­le­gen pfleg­te. Schließ­lich sind die Werke der Fröm­mig­keit und der Nächs­ten­lie­be u­n­end­lich bes­ser als A­b­läs­se und den­noch pre­dig­t man sie weder mit sol­chem Ge­prän­ge noch mit so gro­ßem Eifer, im Ge­gen­teil wegen der zu pre­di­gen­den Ab­laß­gna­den schweig­t man von ihnen, wo es doch die erste und ein­zi­ge Pflicht aller Bi­schö­fe ist, daß das Volk das E­van­ge­li­um­ und die Liebe Chris­ti lernt. Chris­tus hat nie­mals auf­ge­tra­gen, A­b­läs­se zu pre­di­gen, aber nach­drück­lich hat er ge­bo­ten, das E­van­ge­li­um­ zu pre­di­gen. […] Es kommt hinzu, hoch­wür­digs­ter Vater im Herrn, daß es in jener In­struk­ti­on für die Ab­laß­kom­mis­sa­re, die unter Eurem Namen aus­ge­gan­gen ist, heißt (si­cher ohne Euer Wis­sen und Eure Zu­stim­mung), die eine der Haupt­gna­den sei jenes un­ver­gleich­li­che Ge­schenk Got­tes­, durch das der Mensch mit Gott wie­der ver­söhnt wird und alle Stra­fen des Fe­ge­feu­ers ge­tilg­t wer­den; des­glei­chen, daß eine Reue nicht nötig für die sei, die See­len er­lö­sen oder Beicht­brie­fe kau­fen. […]

Mar­tin Lu­ther
Mar­tin Lu­ther

Auf­ga­be:

Fasse Lu­ther­s Po­si­ti­on zum Ab­lass(han­del) zu­sam­men­ und er­läu­te­re sie in d­ei­nen ei­ge­nen Wor­ten!

a) Wie denkt das Kir­chen­volk?

b) Be­stim­me Lu­ther­s (Gegen)Po­si­ti­on.