Amalia

Cha­rak­ter­pro­fil Ama­lia von Edel­reich

Er­stel­le ein Cha­rak­ter­pro­fil von Ama­lia auf Grund­la­ge dei­ner Szene. Gehe hier­bei auf die von uns fest­ge­leg­ten Un­ter­punk­te ein.

Du darfst auch Aspek­te er­gän­zen, die in an­de­ren Sze­nen vor­kom­men!



Wich­tig: Be­grün­de ihre Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten!

  • Bei­spiel: Ama­lia ist lie­be­voll (sicht­bar im Um­gang mit dem alten Moor; liest ihm vor, singt für ihn)

Ohne Ama­lia - (k)ein Ver­lust!?

Stellt euch vor, ihr plant ge­mein­sam mit eurer Klas­se eine The­a­ter­auf­füh­rung von Schil­lers Die Räu­ber zu be­su­chen.

Ge­mein­sam blät­tert ihr durch das Heft zum Büh­nen­stück und seht euch die Be­set­zung an. Das Be­son­de­re? Ama­lia wurde nicht ge­cas­tet, kommt also in der Auf­füh­rung nicht vor!

1
Un­ter­su­che, wel­che Aspek­te (so­wohl in­halt­lich als auch the­ma­tisch) ver­lo­ren gehen, wenn Ama­lia in Die Räu­ber nicht vor­kom­men würde.
Be­rück­sich­ti­ge hier­bei die Er­ar­bei­tun­gen aus dem ers­ten Teil der Stun­de sowie den kur­zen Text­aus­zug auf der nächs­ten Seite.
2
Zu­satz: Nenne mög­li­che Grün­de , die es aus dei­ner Sicht dafür geben könn­te, das Stück ohne eine Ama­lia auf­zu­füh­ren.

Text­aus­zug 1: Frau­en im 18. Jahr­hun­dert



Zur Zeit des Sturm und Drang leb­ten Frau­en in einer klar pa­tri­ar­cha­lisch ge­präg­ten Ge­sell­schaft. Das be­deu­tet: Män­ner be­stimm­ten in Fa­mi­lie, Po­li­tik und Öf­fent­lich­keit. Frau­en hat­ten kaum recht­li­che oder po­li­ti­sche Mit­spra­che­rech­te. Bil­dung war für Mäd­chen zwar mög­lich, aber meist auf „weib­li­che Tu­gen­den“ be­schränkt: Re­li­gi­on, Haus­halts­füh­rung, An­stand und etwas mu­si­sche Bil­dung. Die wich­tigs­te ge­sell­schaft­li­che Rolle der Frau war die der Ehe­frau und Mut­ter. Eine „gute“ Frau soll­te ge­hor­sam, sitt­sam und treu sein. Ihre Ehre war eng mit ihrer se­xu­el­len Rein­heit ver­bun­den. Wirt­schaft­lich war sie in der Regel vom Vater oder Ehe­mann ab­hän­gig. Liebe und Hei­rat waren nicht immer freie Ent­schei­dun­gen. Oft spiel­ten Stand, Ver­mö­gen und fa­mi­li­ä­re In­ter­es­sen eine grö­ße­re Rolle als per­sön­li­che Ge­füh­le. Eine Frau, die sich ge­sell­schaft­li­chen Er­war­tun­gen wi­der­setz­te, ris­kier­te ihren Ruf und damit ihre Exis­tenz­grund­la­ge.         

Gleich­zei­tig be­gann sich lang­sam ein neues Ideal zu ent­wi­ckeln: das der „emp­find­sa­men“ Frau. Ge­füh­le wur­den auf­ge­wer­tet, be­son­ders im pri­va­ten Raum. Doch auch die­ses Ideal blieb be­grenzt – es stärk­te nicht die ge­sell­schaft­li­che Macht von Frau­en, son­dern be­ton­te ihre Rolle als mo­ra­li­sches Zen­trum der Fa­mi­lie. Vor die­sem Hin­ter­grund wird deut­lich: Auch weib­li­che Fi­gu­ren in Dra­men die­ser Zeit be­we­gen sich in engen Gren­zen. Ihre Hand­lungs­mög­lich­kei­ten sind stark ein­ge­schränkt. Wenn sie sich ent­schei­den, dann meist in­ner­halb die­ser ge­sell­schaft­li­chen Vor­ga­ben, nicht au­ßer­halb.

Text­aus­zug 2: Frau­en­bild im Sturm und Drang



Die Epo­che des Sturm und Drang (ca. 1765–1785) stellt das Ge­fühl über die Ver­nunft. Junge Dich­ter wie Fried­rich Schil­ler oder Jo­hann Wolf­gang von Goe­the fei­er­ten Lei­den­schaft, Frei­heit und In­di­vi­du­a­li­tät. Ihre männ­li­chen Hel­den sind oft kraft­voll, re­bel­lisch und be­reit, ge­sell­schaft­li­che Re­geln zu bre­chen. Sie kämp­fen gegen Au­to­ri­tä­ten wie Väter, Fürs­ten oder ge­sell­schaft­li­che Zwän­ge.

Doch wie wer­den Frau­en in die­ser Epo­che dar­ge­stellt? Häu­fig er­schei­nen sie als Ge­gen­bild zum männ­li­chen „Genie“. Wäh­rend Män­ner han­deln, kämp­fen und sich auf­leh­nen, blei­ben Frau­en meist im pri­va­ten Be­reich. Sie ver­kör­pern Treue, Ge­fühl, Moral und Be­stän­dig­keit. Oft sind sie ide­a­li­siert: schön, tu­gend­haft, lei­dens­fä­hig und hin­ge­bungs­voll. Ihre Auf­ga­be ist es nicht, selbst aktiv die Welt zu ver­än­dern, son­dern als mo­ra­li­scher Maß­stab oder als emo­ti­o­na­le Stüt­ze des Hel­den zu die­nen.           

Ty­pisch ist auch das Motiv der ab­so­lu­ten, selbst­auf­op­fern­den Liebe. Die Frau liebt be­din­gungs­los – selbst dann, wenn der Mann sich schul­dig macht oder sie ver­nach­läs­sigt. Da­durch wird sie häu­fig zur Pro­jek­ti­ons­flä­che männ­li­cher Sehn­süch­te: Sie steht für Rein­heit und Un­schuld in einer als un­ge­recht emp­fun­de­nen Welt. Gleich­zei­tig ent­steht ein Span­nungs­ver­hält­nis: Der Sturm und Drang for­dert Frei­heit und Selbst­be­stim­mung – doch diese For­de­rung gilt meist nur für Män­ner. Frau­en­fi­gu­ren blei­ben oft in tra­di­ti­o­nel­len Rol­len ge­fan­gen. Ihre Re­bel­li­on ist, wenn über­haupt, emo­ti­o­nal, nicht ge­sell­schaft­lich oder po­li­tisch.

Text­aus­zug 3: Schil­lers Be­wer­tung von Ama­lia



Info: Schil­ler ver­fass­te eine an­ony­me Selbst­re­zen­si­on zu sei­nem Werk Die Räu­ber, in der er auch Ama­lia be­ur­teilt. Aus­schnit­te hier­von fin­dest du im Fol­gen­den.



Es fin­det sich in der gan­zen Tra­gö­die nur ein Frau­en­zim­mer, man er­war­tet also [in ihr] die Re­prä­sen­tan­tin ihres gan­zen Ge­schlechts. We­nigs­tens wird die Auf­merk­sam­keit des Zu­schau­ers und Le­sers um so un­ver­wand­ter auf ihr haf­ten, je ein­sa­mer als sie im Krei­se der Män­ner und Aben­teu­rer steht, we­nigs­tens wird man von den wil­den, stür­mi­schen Emp­fin­dun­gen, worin uns die Räu­ber­sze­nen her­um­wer­fen, in ihrer sanf­ten weib­li­chen Seele aus­zu­ru­hen ge­den­ken. Aber zum Un­glück woll­te uns der Dich­ter [Schil­ler] hier etwas Au­ßer­or­dent­li­ches zu­kom­men las­sen, und hat uns um das Na­tür­li­che ge­bracht. [Schil­ler] scheint sich über­haupt mehr zum He­roi­schen und Star­ken zu nei­gen, als zum Wei­chen und Nied­li­chen. Daher schuf er uns hier ein weib­li­ches Ge­schöpf, wobei wir, un­be­scha­det all der schö­nen Emp­fin­dun­gen, all der lie­bens­wür­di­gen Schwär­me­rei doch immer das ver­mis­sen, was wir zu­erst su­chen: das sanf­te lei­den­de, schmach­ten­de Ding – das Mäd­chen.          
Auch han­delt sie im gan­zen Stück durch­aus zu wenig, ihr Roman bleibt durch die drei ers­ten Akte immer auf der­sel­ben Stel­le ste­hen. Sie kann sehr artig über ihren Rit­ter wei­nen, um den man sie ge­prellt hat, sie kann auch den Be­trü­ger aus vol­lem Halse her­un­ter­ma­chen, der ihn weg­ge­bis­sen hat, und doch auf ihrer Seite kein an­ge­leg­ter Plan, den Herz­ein­zi­gen ent­we­der zu haben, oder zu ver­ges­sen, oder durch einen an­dern zu er­set­zen; ich habe mehr als die Hälf­te des Stücks ge­le­sen und weiß nicht, was das Mäd­chen will, oder was der Dich­ter mit dem Mäd­chen ge­wollt hat, ahnde auch nicht, was etwa mit ihr ge­sche­hen könn­te, kein zu­künf­ti­ges Schick­sal ist an­ge­kün­det oder vor­be­rei­tet, und zudem läßt ihr Ge­lieb­ter bis zur letz­ten Zeile des – drit­ten Akts kein hal­bes Wört­chen von ihr fal­len.

Die Ent­schei­dung liegt bei dir...

Stell dir nun vor, du selbst bist The­a­ter­re­gis­seur am Gie­ße­ner Stadt­the­a­ter und planst mit der Auf­füh­rung von Schil­lers Die Räu­ber eine der größ­ten Pro­duk­ti­o­nen dei­ner Kar­ri­e­re. Es wer­den Gäste aus ganz Deutsch­land er­war­tet.

Nun stehst du vor der Ent­schei­dung, wie du mit der Figur Ama­lia in dei­nem The­a­ter­stück um­ge­hen sollst. Du ent­schei­dest dich dafür, ...



  • ... Ama­lia nicht zu cas­ten.

  • ... Ama­lia ge­nau­so um­zu­set­zen, wie es Schil­ler vor­sah.

  • ... deine ei­ge­ne Ama­lia zu er­schaf­fen.

1
Ent­schei­de dich für eine der drei Op­ti­o­nen be­züg­lich des Um­gangs mit Ama­lia in dei­nem The­a­ter­stück.
2
Be­grün­de deine Ent­schei­dung. Be­rück­sich­ti­ge hier­bei, wie dein Stück durch (die neue oder feh­len­de) Ama­lia ge­stal­tet wäre. Nutze hier­für die vor­an­ge­gan­ge­nen Er­ar­bei­tun­gen.
3
Be­rei­te dich dar­auf vor, deine Mei­nung im an­schlie­ßen­den Aus­tausch ver­tre­ten und be­grün­den zu kön­nen.

Zwi­schen­fa­zit: Ist Ama­lia (un)ver­zicht­bar?

1
Werte die Er­geb­nis­se der Dis­kus­si­on aus, in dem du dir noch­mals deine Ar­gu­men­te sowie die neu no­tier­ten Ar­gu­men­te vor Augen führst.
Wäge ab, ob du deine Ent­schei­dung als Re­ges­seur/in ver­än­dern möch­test.
2
For­mu­lie­re dein per­sön­li­ches Zwi­schen­fa­zit zur Figur Ama­lia in Die Räu­ber. Be­grün­de deine Be­ur­tei­lung kurz auf Grund­la­ge der Er­kennt­nis­se aus der heu­ti­gen Stun­de.
Du kannst hier auch Wün­sche an ihre wei­te­re Ent­wick­lung for­mu­lie­ren.

WICH­TIG: Be­wah­re das Blatt gut auf! Wir wer­den im wei­te­ren Ver­lauf der Ein­heit noch­mal auf das Zwi­schen­fa­zit zu­rück­bli­cken.

Haus­auf­ga­be bis Mon­tag



Ver­fas­se, nach­dem du Akt 3 voll­stän­dig ge­le­sen hast, unter Be­rück­sich­ti­gung der Er­geb­nis­se aus die­ser Stun­de eine kurze Szene, in der Karl und Ama­lia zum ers­ten Mal auf­ein­an­der tref­fen. Du darfst hier auch ei­ge­ne Prä­fe­ren­zen be­züg­lich oder Er­war­tun­gen an Ama­li­as Ent­wick­lung mit­ein­flie­ßen las­sen.

Zudem darfst du so­wohl das Set­ting (Wo? In wel­chem Kon­text?) als auch die sprach­li­che Ge­stal­tung frei wäh­len.

Hil­fe­blatt - Denk­an­stö­ße für die ein­zel­nen Ar­beits­pha­sen

Hil­fen zu Auf­ga­be 1 auf dem AB "Ohne Ama­lia - (k)ein Ver­lust?



  • Lies zu­nächst dei­nen Im­puls­text und mar­kie­re dir, wel­che neuen In­for­ma­ti­o­nen du dort in Bezug auf Ama­lia er­fährst.

  • Sieh dir nun noch­mal die im ers­ten Teil der Stun­de be­spro­che­nen Sze­nen (Akt 1, Szene 2; Akt 2, Szene 2; Akt 3, Szene 1) an und über­le­ge, was in­halt­lich ver­lo­ren gehen würde, wenn Ama­lia nicht auf­tritt.

  • Be­ach­te hier­bei auch ihre Rolle für an­de­re Per­so­nen des Dra­mas wie den alten Moor, Franz oder Karl.





Hil­fen zur Grup­pen­ar­beit



  • Über­legt aus­ge­hend von eurem Ver­gleich von Auf­ga­be 1, wel­che Be­deu­tung Ama­lia für das Drama bis­her be­sitzt.

  • For­mu­liert hier­für eure Punk­te aus Auf­ga­be 1 so um, dass sie die Funk­ti­on Ama­li­as deut­lich ma­chen.

  • Bei­spiel: In Auf­ga­be 1 schreibt ihr, dass es keine weib­li­che Figur im Drama geben würde. Dann ist eine Be­deu­tung Ama­li­as: Ama­lia ist die ein­zi­ge weib­li­che Ver­tre­te­rin im Drama.





Hil­fen zur Re­gie­ent­schei­dung



  • Rufe dir noch­mal die bis­he­ri­gen Er­geb­nis­se (Cha­rak­ter­pro­fil und Be­deu­tung) auf und über­le­ge, wie du davon aus­ge­hend Ama­li­as Rolle im Drama be­wer­test.

  • Dies ist sehr in­di­vi­du­ell. Wenn eine Be­deu­tung Ama­li­as ist, dass sie für das Ent­ste­hen einer Lie­bes­ge­schich­te sorgt, heißt das nicht, dass sie dei­ner Mei­nung nach des­halb un­be­dingt im Drama vor­kom­men muss! Hier ist deine Ein­schät­zung ge­fragt.

  • Ent­schei­dest du dich dafür, deine ei­ge­ne Ama­lia zu er­schaf­fen, über­le­ge, warum und in­wie­fern du ihr Auf­tre­ten ver­än­dern wür­dest.

  • Ge­nau­so be­grün­dest du bei einer an­de­ren Ent­schei­dung, warum du Ama­lia weg­las­sen wür­dest oder ge­nau­so um­set­zen wür­dest, wie Schil­ler es vor­sah.

Ar­beits­auf­trä­ge für die Grup­pen­ar­beit

3
Tauscht euch über eure Er­geb­nis­se aus Auf­ga­be 1 aus. Er­gänzt in euren Un­ter­la­gen Aspek­te, die aus eurer Sicht re­le­vant sind.
Geht ins­be­son­de­re auf die kur­zen Texte ein, die ihr zur Be­ant­wor­tung von Auf­ga­be 1 lesen soll­tet!
4
Hal­tet die Rolle und Be­deu­tung von Ama­lia für die bis­he­ri­ge Hand­lung aus­ge­hend von euren Über­le­gun­gen im ver­link­ten Flinga-​Board fest.
Er­gänzt dabei nur Punk­te, die an­de­re Grup­pen noch nicht an­ge­merkt haben.
5
Zu­satz: Dis­ku­tiert mög­li­che Grün­de, die es aus eurer Sicht dafür geben könn­te, das Stück ohne Ama­lia auf­zu­füh­ren.

Amalia

von anonym

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