Name:
Antisemitismus in Mittelalter und Neuzeit
26.02.2025
Ein solch verzweifeltes, durchböstes, durchgiftetes, durchteufeltes Ding ist’s um diese Juden, so diese 1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen [...] sind. [...]
Dass man ihre Synagoge oder Schule mit Feuer anstecke [...] solches soll man tun, unserm Herrn und der Christenheit zu Ehren, damit Gott sehe, das wir Christen seien.



Gabriel Riesser in der Frankfurter Paulskirche, 1848
„Meine Herren! […] Ich nehme das Recht in Anspruch, vor Ihnen aufzutreten im Namen einer seit Jahrtausenden unterdrückten Klasse, der ich angehöre durch die Geburt […]. Ich selbst […] hätte bis vor kurzem in meiner Vaterstadt nicht das Amt eines Nachtwächters erhalten können. Ich darf es als ein […] Wunder des Rechts und der Freiheit betrachten, daß ich befugt bin, hier die hohe Sache der Gerechtigkeit und der Gleichheit zu verteidigen, ohne zum Christentum übergegangen zu sein.“
Gabriel Riesser in der Frankfurter Paulskirche, 1848
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Historiker und Reichstagsabgeordneter Heinrich von Treitschke, 1879
„Unbestreitbar hat das Semitenthum […] eine schwere Mitschuld an jenem schnöden Materialismus unserer Tage […]; in tausenden deutschen Dörfern sitzt der Jude, der seine Nachbarn wuchernd auskauft. [...] Bis in die Kreise der höchsten Bildung hinauf […] ertönt es heute wie aus einem Munde: Die Juden sind unser Unglück!“
Historiker und Reichstagsabgeordneter Heinrich von Treitschke, 1879
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Auszug aus Geschichte des Antisemitismus
Mittelalter
Im Mittelalter wurde in fast allen Teilen Europas der christliche Glaube zur beherrschenden Religion. Obwohl jüdischer und christlicher Glaube die gleichen Wurzeln haben, waren viele ChristInnen der jüdischen Bevölkerung gegenüber feindselig eingestellt. Diese Feindschaft wurde vor allem religiös begründet und wird als Antijudaismus bezeichnet. Antijudaismus beruht auf religiösen und sozialen Vorurteilen. Vielfach mussten Juden und Jüdinnen als Sündenböcke für Katastrophen und Unheil herhalten. Soziale und rechtliche Ausgrenzung und gewalttätige Verfolgung waren oftmals die Folge solcher religiös motivierter Anschuldigungen.
Das Christentum betrachtet Jesus als den Sohn Gottes und als Messias. Das Judentum glaubt an einen einzigen Gott und erwartet einen Messias. Die Vorstellung eines Gottessohns widerspricht jedoch seinen Lehren, ebenso der christliche Anspruch, Jesus sei der Messias. Dieser religiöse Unterschied führte zu zahlreichen Konflikten. Juden wurden als Christusmörder bezeichnet und beschuldigt, mit dem Teufel im Bunde zu stehen. Dieser weitverbreitete Aberglaube führte zu immer abstruseren Anschuldigungen. Juden wurden etwa beschuldigt, Ritualmorde an Christen, vor allem an Kindern, zu begehen oder Hostien zu schänden. Das hatte oftmals schreckliche Gewalttaten an Menschen jüdischen Glaubens zur Folge. [...]
Der kirchliche Glaube verbot den Christen, Geld zu verleihen und dafür Zinsen zu erhalten. Deshalb wurde der Geldhandel im mittelalterlichen Europa vor allem von Menschen anderer Glaubensrichtungen betrieben. Der damit verbundene wirtschaftliche Erfolg führte zu Neid und Missgunst und zum Vorurteil des „Wucherjuden“ (als „Wucher“ wurde die überhöhte Verzinsung von verliehenem Geld bezeichnet). Mit der Verfolgung der jüdischen Geldgeber (deren wirtschaftlichen Dienstleistungen man aber auch brauchte) bereicherte man sich an ihrem Vermögen und befreite sich von Schuldbriefen.
Neuzeit
Der Beginn der Reformation im 16. Jahrhundert brachte zunächst eine tolerantere Einstellung andersgläubigen Menschen gegenüber mit sich. Später wurden jedoch die mittelalterlichen Vorurteile gegenüber Juden und Jüdinnen auch in der Reformationsbewegung wieder aufgegriffen. Martin Luther, der Begründer der Reformation, schrieb beispielsweise 1543 die antisemitische Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“. Darin forderte er dazu auf, jüdische Häuser und Synagogen zu verbrennen. [...]
Auszug aus Geschichte des Antisemitismus
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