Antisemitismus in Mittelalter und Neuzeit

Name:
Antisemitismus in Mittelalter und Neuzeit
26.02.2025

Wie äu­ßer­te sich An­ti­se­mi­tis­mus in Mit­tel­al­ter und Neu­zeit und warum?

Ein solch ver­zwei­fel­tes, durch­bös­tes, durch­gif­te­tes, durch­teu­fel­tes Ding ist’s um diese Juden, so diese 1400 Jahre un­se­re Plage, Pe­sti­lenz und alles Un­glück ge­we­sen [...] sind. [...]

Dass man ihre Syn­ago­ge oder Schu­le mit Feuer an­ste­cke [...] sol­ches soll man tun, un­serm Herrn und der Chris­ten­heit zu Ehren, damit Gott sehe, das wir Chris­ten seien.

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Be­trach­ten Sie die bild­li­chen Dar­stel­lun­gen zum mit­tel­al­ter­li­chen Ju­den­bild.
  • Be­schrei­ben Sie die Per­so­nen, ihr Ver­hält­nis zu­ein­an­der und die Hand­lun­gen, die sie voll­zie­hen.
  • Ar­bei­ten Sie Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten und Kli­schees, die den Juden zu­ge­schrie­ben wer­den, her­aus und no­tie­ren Sie diese.
Codex Ma­nes­se, fol. 355r, Süß­kind, der Jude von Trim­berg, 1305-1340.
https://en.m.wikipedia.org/wiki/File:Codex_Manesse_Süßkind_von_Trimberg.jpg
Kup­fer­stich: Ri­tu­al­mord sechs Re­gens­bur­ger Kna­ben, Mat­thä­us Rader, Ba­va­ria Sanc­ta Band III, 1627, S. 173.
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Datei:SEX_PUERI_RATISPONAE.jpg
Ein jü­di­scher Geld­ver­lei­her im 16. Jh. (Zeich­nung aus dem 19. Jh.).
https://www.schwaebische.de/kultur/die-unsichtbare-mauer-147070
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Lesen Sie die Quel­len­tex­te M1 und M2 und wei­sen Sie Än­de­run­gen und Kon­ti­nu­i­tä­ten im Ju­den­bild von Mit­tel­al­ter zur Neu­zeit nach. (Was hat sich ge­wan­delt? Wel­che Kli­schees blie­ben er­hal­ten?)
M1

Ga­bri­el Ries­ser in der Frank­fur­ter Pauls­kir­che, 1848

„Meine Her­ren! […] Ich nehme das Recht in An­spruch, vor Ihnen auf­zu­tre­ten im Namen einer seit Jahr­tau­sen­den un­ter­drück­ten Klas­se, der ich an­ge­hö­re durch die Ge­burt […]. Ich selbst […] hätte bis vor kur­zem in mei­ner Va­ter­stadt nicht das Amt eines Nacht­wäch­ters er­hal­ten kön­nen. Ich darf es als ein […] Wun­der des Rechts und der Frei­heit be­trach­ten, daß ich be­fugt bin, hier die hohe Sache der Ge­rech­tig­keit und der Gleich­heit zu ver­tei­di­gen, ohne zum Chris­ten­tum über­ge­gan­gen zu sein.“

M1

Ga­bri­el Ries­ser in der Frank­fur­ter Pauls­kir­che, 1848

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M2

His­to­ri­ker und Reichs­tags­ab­ge­ord­ne­ter Hein­rich von Treit­sch­ke, 1879

„Un­be­streit­bar hat das Se­mi­tenthum […] eine schwe­re Mit­schuld an jenem schnö­den Ma­te­ri­a­lis­mus un­se­rer Tage […]; in tau­sen­den deut­schen Dör­fern sitzt der Jude, der seine Nach­barn wu­chernd aus­kauft. [...] Bis in die Krei­se der höchs­ten Bil­dung hin­auf […] er­tönt es heute wie aus einem Munde: Die Juden sind unser Un­glück!“

M2

His­to­ri­ker und Reichs­tags­ab­ge­ord­ne­ter Hein­rich von Treit­sch­ke, 1879

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Lesen Sie den Dar­stel­lungs­text zur Ge­schich­te des An­ti­se­mi­tis­mus und no­tie­ren Sie Grün­de für die Stig­ma­ti­sie­rung von Juden in der Ge­schich­te.
M3

Aus­zug aus Ge­schich­te des An­ti­se­mi­tis­mus

Mit­tel­al­ter

Im Mit­tel­al­ter wurde in fast allen Tei­len Eu­ro­pas der christ­li­che Glau­be zur be­herr­schen­den Re­li­gi­on. Ob­wohl jü­di­scher und christ­li­cher Glau­be die glei­chen Wur­zeln haben, waren viele Chris­tIn­nen der jü­di­schen Be­völ­ke­rung ge­gen­über feind­se­lig ein­ge­stellt. Diese Feind­schaft wurde vor allem re­li­gi­ös be­grün­det und wird als An­ti­ju­da­is­mus be­zeich­net. An­ti­ju­da­is­mus be­ruht auf re­li­gi­ö­sen und so­zi­a­len Vor­ur­tei­len. Viel­fach muss­ten Juden und Jü­din­nen als Sün­den­bö­cke für Ka­ta­stro­phen und Un­heil her­hal­ten. So­zi­a­le und recht­li­che Aus­gren­zung und ge­walt­tä­ti­ge Ver­fol­gung waren oft­mals die Folge sol­cher re­li­gi­ös mo­ti­vier­ter An­schul­di­gun­gen.

Das Chris­ten­tum be­trach­tet Jesus als den Sohn Got­tes und als Mes­si­as. Das Ju­den­tum glaubt an einen ein­zi­gen Gott und er­war­tet einen Mes­si­as. Die Vor­stel­lung eines Got­tes­sohns wi­der­spricht je­doch sei­nen Leh­ren, eben­so der christ­li­che An­spruch, Jesus sei der Mes­si­as. Die­ser re­li­gi­ö­se Un­ter­schied führ­te zu zahl­rei­chen Kon­flik­ten. Juden wur­den als Chris­tus­mör­der be­zeich­net und be­schul­digt, mit dem Teu­fel im Bunde zu ste­hen. Die­ser weit­ver­brei­te­te Aber­glau­be führ­te zu immer ab­stru­se­ren An­schul­di­gun­gen. Juden wur­den etwa be­schul­digt, Ri­tu­al­mor­de an Chris­ten, vor allem an Kin­dern, zu be­ge­hen oder Hos­ti­en zu schän­den. Das hatte oft­mals schreck­li­che Ge­walt­ta­ten an Men­schen jü­di­schen Glau­bens zur Folge. [...]

Der kirch­li­che Glau­be ver­bot den Chris­ten, Geld zu ver­lei­hen und dafür Zin­sen zu er­hal­ten. Des­halb wurde der Geld­han­del im mit­tel­al­ter­li­chen Eu­ro­pa vor allem von Men­schen an­de­rer Glau­bens­rich­tun­gen be­trie­ben. Der damit ver­bun­de­ne wirt­schaft­li­che Er­folg führ­te zu Neid und Miss­gunst und zum Vor­ur­teil des „Wu­cher­ju­den“ (als „Wu­cher“ wurde die über­höh­te Ver­zin­sung von ver­lie­he­nem Geld be­zeich­net). Mit der Ver­fol­gung der jü­di­schen Geld­ge­ber (deren wirt­schaft­li­chen Dienst­leis­tun­gen man aber auch brauch­te) be­rei­cher­te man sich an ihrem Ver­mö­gen und be­frei­te sich von Schuld­brie­fen.



Neu­zeit

Der Be­ginn der Re­for­ma­ti­on im 16. Jahr­hun­dert brach­te zu­nächst eine to­le­ran­te­re Ein­stel­lung an­ders­gläu­bi­gen Men­schen ge­gen­über mit sich. Spä­ter wur­den je­doch die mit­tel­al­ter­li­chen Vor­ur­tei­le ge­gen­über Juden und Jü­din­nen auch in der Re­for­ma­ti­ons­be­we­gung wie­der auf­ge­grif­fen. Mar­tin Lu­ther, der Be­grün­der der Re­for­ma­ti­on, schrieb bei­spiels­wei­se 1543 die an­ti­se­mi­ti­sche Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“. Darin for­der­te er dazu auf, jü­di­sche Häu­ser und Syn­ago­gen zu ver­bren­nen. [...]

Ge­schich­te des An­ti­se­mi­tis­mus, Demokratie-​Webstatt
https://www.demokratiewebstatt.at/thema/thema-antisemitismus/geschichte-des-antisemitismus
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Aus­zug aus Ge­schich­te des An­ti­se­mi­tis­mus

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Antisemitismus in Mittelalter und Neuzeit

von John David Haack

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