• Aus dem Leben eines Taugenichts
  • anonym
  • 05.12.2023
  • Deutsch
  • 8
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Das Rad an mei­nes Va­ters Mühle braus­te und rausch­te ... - Ein stim­mungs­vol­ler Er­zähl­an­fang

Das Rad an mei­nes Va­ters Mühle braus­te und rausch­te schon wie­der recht lus­tig, der Schnee tröp­fel­te emsig vom Dache, die Sper­lin­ge zwit­scher­ten und tum­mel­ten sich da­zwi­schen; ich saß auf der Tür­schwel­le und wisch­te mir den Schlaf aus den Augen; mir war so recht wohl in dem war­men Son­nen­schei­ne. Da trat der Vater aus dem Hause; er hatte schon seit Ta­ges­an­bruch in der Mühle ru­mort und die Schlaf­müt­ze schief auf dem Kopfe, der sagte zu mir: »Du Tau­ge­nichts! da sonnst du dich schon wie­der und dehnst und reckst dir die Kno­chen müde und läßt mich alle Ar­beit al­lein tun. Ich kann dich hier nicht län­ger füt­tern. Der Früh­ling ist vor der Tür, geh auch ein­mal hin­aus in die Welt und er­wirb dir sel­ber dein Brot.« – »Nun,« sagte ich, »wenn ich ein Tau­ge­nichts bin, so ists gut, so will ich in die Welt gehn und mein Glück ma­chen.« Und ei­gent­lich war mir das recht lieb, denn es war mir kurz vor­her sel­ber ein­ge­fal­len, auf Rei­sen zu gehn, da ich die Gold­am­mer, wel­che im Herbst und Win­ter immer be­trübt an un­serm Fens­ter sang: Bauer, miet mich, Bauer, miet mich! nun in der schö­nen Früh­lings­zeit wie­der ganz stolz und lus­tig vom Baume rufen hörte: Bauer, be­halt dei­nen Dienst! Ich ging also in das Haus hin­ein und holte meine Geige, die ich recht artig spiel­te, von der Wand, mein Vater gab mir noch ei­ni­ge Gro­schen Geld mit auf den Weg, und so schlen­der­te ich durch das lange Dorf hin­aus. Ich hatte recht meine heim­li­che Freu­de, als ich da alle meine alten Be­kann­ten und Ka­me­ra­den rechts und links, wie ges­tern und vor­ges­tern und im­mer­dar, zur Ar­beit hin­aus­zie­hen, gra­ben und pflü­gen sah, wäh­rend ich so in die freie Welt hin­aus­strich. Ich rief den armen Leu­ten nach allen Sei­ten recht stolz und zu­frie­den Adjes zu, aber es küm­mer­te sich eben kei­ner sehr darum. Mir war es wie ein ewi­ger Sonn­tag im Ge­mü­te. Und als ich end­lich ins freie Feld hin­aus­kam, da nahm ich meine liebe Geige vor und spiel­te und sang, auf der Land­stra­ße fort­ge­hend:



»Wem Gott will rech­te Gunst er­wei­sen,

Den schickt er in die weite Welt,

Dem will er seine Wun­der wei­sen

In Berg und Wald und Strom und Feld.



Die Trä­gen, die zu Hause lie­gen,

Er­qui­cket nicht das Mor­gen­rot,

Sie wis­sen nur vom Kin­der­wie­gen,

Von Sor­gen, Last und Not um Brot.



Die Bäch­lein von den Ber­gen sprin­gen,

Die Ler­chen schwir­ren hoch vor Lust,

Was sollt ich nicht mit ihnen sin­gen

Aus vol­ler Kehl und fri­scher Brust?



Den lie­ben Gott laß ich nur wal­ten;

Der Bäch­lein, Ler­chen, Wald und Feld

Und Erd und Him­mel will er­hal­ten,

Hat auch mein Sach aufs best be­stellt!«



Das Rad an mei­nes Va­ters Mühle braus­te und rausch­te schon wie­der recht lus­tig, der Schnee tröp­fel­te emsig vom Dache, die Sper­lin­ge zwit­scher­ten und tum­mel­ten sich da­zwi­schen; ich saß auf der Tür­schwel­le und wisch­te mir den Schlaf aus den Augen; mir war so recht wohl in dem war­men Son­nen­schei­ne. Da trat der Vater aus dem Hause; er hatte schon seit Ta­ges­an­bruch in der Mühle ru­mort und die Schlaf­müt­ze schief auf dem Kopfe, der sagte zu mir: »Du Tau­ge­nichts! da sonnst du dich schon wie­der und dehnst und reckst dir die Kno­chen müde und läßt mich alle Ar­beit al­lein tun. Ich kann dich hier nicht län­ger füt­tern. Der Früh­ling ist vor der Tür, geh auch ein­mal hin­aus in die Welt und er­wirb dir sel­ber dein Brot.« – »Nun,« sagte ich, »wenn ich ein Tau­ge­nichts bin, so ists gut, so will ich in die Welt gehn und mein Glück ma­chen.« Und ei­gent­lich war mir das recht lieb, denn es war mir kurz vor­her sel­ber ein­ge­fal­len, auf Rei­sen zu gehn, da ich die Gold­am­mer, wel­che im Herbst und Win­ter immer be­trübt an un­serm Fens­ter sang: Bauer, miet mich, Bauer, miet mich! nun in der schö­nen Früh­lings­zeit wie­der ganz stolz und lus­tig vom Baume rufen hörte: Bauer, be­halt dei­nen Dienst! Ich ging also in das Haus hin­ein und holte meine Geige, die ich recht artig spiel­te, von der Wand, mein Vater gab mir noch ei­ni­ge Gro­schen Geld mit auf den Weg, und so schlen­der­te ich durch das lange Dorf hin­aus. Ich hatte recht meine heim­li­che Freu­de, als ich da alle meine alten Be­kann­ten und Ka­me­ra­den rechts und links, wie ges­tern und vor­ges­tern und im­mer­dar, zur Ar­beit hin­aus­zie­hen, gra­ben und pflü­gen sah, wäh­rend ich so in die freie Welt hin­aus­strich. Ich rief den armen Leu­ten nach allen Sei­ten recht stolz und zu­frie­den Adjes zu, aber es küm­mer­te sich eben kei­ner sehr darum. Mir war es wie ein ewi­ger Sonn­tag im Ge­mü­te. Und als ich end­lich ins freie Feld hin­aus­kam, da nahm ich meine liebe Geige vor und spiel­te und sang, auf der Land­stra­ße fort­ge­hend:



»Wem Gott will rech­te Gunst er­wei­sen,

Den schickt er in die weite Welt,

Dem will er seine Wun­der wei­sen

In Berg und Wald und Strom und Feld.



Die Trä­gen, die zu Hause lie­gen,

Er­qui­cket nicht das Mor­gen­rot,

Sie wis­sen nur vom Kin­der­wie­gen,

Von Sor­gen, Last und Not um Brot.



Die Bäch­lein von den Ber­gen sprin­gen,

Die Ler­chen schwir­ren hoch vor Lust,

Was sollt ich nicht mit ihnen sin­gen

Aus vol­ler Kehl und fri­scher Brust?



Den lie­ben Gott laß ich nur wal­ten;

Der Bäch­lein, Ler­chen, Wald und Feld

Und Erd und Him­mel will er­hal­ten,

Hat auch mein Sach aufs best be­stellt!«







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Quel­le: Pro­ject Gu­ten­berg: Jo­seph von Ei­chen­dorff: Aus dem Leben eines Tau­ge­nichts, unter: https://www.gu­ten­berg.org/files/35312/35312-h/35312-h.htm [letz­ter Zu­griff: 13.09.23]

1
Lest den An­fang der Er­zäh­lung laut vor.
Ach­tet beim Mit­le­sen und Zu­hö­ren, dar­auf, wer hier er­zählt!
2
Fasst in einer Ta­bel­le in Stich­wor­ten die wich­tigs­ten In­for­ma­ti­o­nen, die ihr durch den An­fang der Er­zäh­lung er­hal­tet zu­sam­men.
Ort, Zeit, Fi­gu­ren, Si­tu­a­ti­on, Er­zäh­ler, Stim­mung.
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