• Wissenschaft und Verantwortung
  • Honigkuchenpferdchen
  • 30.06.2020
  • Ethik
  • 1. Ausbildungsjahr
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Ergänze die Lücken.

Ein Sommertag, 8 Uhr morgens. In Hiroshima beginnen die Menschen ihren Arbeitstag. Auf der Straße geschäftiges Treiben, trotz Krieg. Die Stadt ist bislang von amerikanischen Bombenangriffen verschont geblieben. Um 8:13 Uhr taucht am Himmel ein einzelnes Flugzeug auf: der amerikanische Bomber Enola Gay. Zwei Minuten später öffnet sich der Schacht und eine einzelne Bombe fällt ihrem Ziel entgegen: Little Boy heißt sie.
Der erste Blitz erreichte uns 43 Sekunden nach dem Abwurf der Bombe. Die ersten Wirkungen spürten wir 13 Sekunden später während des Abfluges. Wir spürten die Druckwelle und erhielten zwei heftige Stöße. Was wir da sahen, war mehr als wir verstehen konnten - eine ganze Stadt war unmittelbar vor unseren Augen verschwunden.
Die Zündung von Little Boy löst eine atomare Kettenreaktion aus. 14.000 Menschen im unmittelbaren Umkreis der Explosion verdampfen einfach. Nichts bleibt von ihnen übrig. Weitere 75.000 sterben in der anschließenden Druck- und Hitzewelle.
Nach einigen Minuten sehen wir, wie aus der Stadt das Tal herauf Gestalten sich auf uns zu bewegen. Sie sind geschwärzt im Gesicht, zerrissene Kleider und der gesamte Oberkörper ist wie einzige Brandwunde.
Bis zu 50.000 Menschen werden in den kommenden Jahren und Jahrzehnten an Leukämie und anderen Krebsarten sterben - Folgen der radioaktiven Strahlung. Die offizielle amerikanische Begründung für den Einsatz der Bombe: Sie habe fallen müssen, um den Krieg zu verkürzen, so der amerikanische Präsident Harry S. Truman drei Tage nach Hiroshima:

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Wir haben sie eingesetzt, um den Krieg abzukürzen, um das Leben tausender und abertausender Amerikaner zu erhalten. Wir werden sie so lange einsetzen, bis wir Japans Kriegspotenzial vollständig gebrochen haben.
Am gleichen Tag fällt die zweite Atombombe der Geschichte auf die Stadt Nagasaki. Die Explosion löscht noch einmal 60.000 Menschen aus.
Mit den beiden Abwürfen haben die USA die Menschheit ins Atomzeitalter katapultiert. Der Kalte Krieg zeichnet sich bereits ab und die Atombombe wird darin zur entscheidenden Waffe. Es beginnt das atomare Wettrüsten mit immer mehr Sprengköpfen und mit immer monströserem Vernichtungspotenzial.

Das Ende des Kalten Krieges in den 80ern bedeutete nicht das Ende des atomaren Wahnsinns. Immer noch gibt es weltweit rund 30.000 Atomsprengköpfe – mehr als genug, die Menschheit auszulöschen. Und auf viele Staaten übt die Bombe immer noch eine magische Anziehungskraft aus.
Nordkorea ist ein Land ohne Verbündete, mit einem Regime, das völlig bankrot ist. Der Iran ist rundum von amerikanischen Truppen umstellt. Diese beiden Länder haben, ob man sie nun mag oder nicht mag, ein riesen Sicherheitsproblem und mit der furchtbarsten Waffe unserer Zeit der weit überlegenen Supermacht drohen zu können, ist aus diesen sicherheitspolitischen Erwägungen für beide Länder leider sehr attraktiv.“
Sollte das Beispiel Nordkorea Schule machen, dann könnte es in den kommenden Jahren noch viel mehr Atomstaaten geben. Und je mehr Menschen an je mehr Schaltern sitzen, desto wahrscheinlicher wird es, dass irgendwer irgendwann den Knopf drückt und sich der 6. August 45 wiederholt.