• Lösungsansätze der Sozialen Frage im 19. Jahrhundert
  • anonym
  • 30.06.2020
  • Geschichte
  • 8
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Sta­ti­on 2: Un­ter­neh­mer

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Cha­rak­te­ri­sie­re Al­fred Krupp als Un­ter­neh­mer in fünf Sät­zen.
Nutze dafür den In­for­ma­ti­ons­text und sei­ner Rede (Q1).
  • Mar­kie­re dir dafür wich­ti­ge Text­stel­len in sei­ner Rede.
  • Dif­fe­ren­zie­re seine Aus­sa­gen nach For­de­run­gen und Hilfs­maß­nah­men an seine An­ge­stell­ten
Der Un­ter­neh­mer Al­fred Krupp

Al­fred Krupp (1812-1887) war ein füh­ren­der In­dus­tri­el­ler und Vor­rei­ter des pri­va­ten Ar­bei­ter­woh­nungs­baus im Kai­ser­reich. In die­sem Aus­zug (s. AB 2) aus einer Rede an seine Be­schäf­tig­ten be­ruft sich der Stahl­ma­gnat auf seine un­ter­neh­me­ri­schen Leis­tun­gen und So­zi­al­vor­ha­ben, um sei­nen pa­tri­ar­cha­li­schen An­spruch des „Herrn im Hause“ zu un­ter­strei­chen­und zu be­kräf­ti­gen. Nicht nur so­zi­a­ler Auf­ruhr und Streiks, son­dern auch So­zi­a­lis­mus jeder Art stie­ßen in die­ser An­spra­che bei Krupp auf klare Ab­leh­nung.

Forderungen:
Hilfsmaßnahmen:
Alfred Krupp war
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Stell dir vor du bist An­ge­stell­ter bei Al­fred Krupp.
Schrei­be einen Brief in dem du dich für seine Un­ter­stüt­zung be­dankst. Übe ge­ge­be­nen­falls Kri­tik, wenn du mit sei­nen For­de­run­gen an seine An­ge­stell­ten nicht ein­ver­stan­den bist.
Sehr geehrter Herr Krupp,
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Die­ser Ent­wurf von Krupps Rede wurde sti­lis­tisch über­ar­bei­tet, dann ge­druckt und an die Be­schäf­tig­ten ver­teilt.

[ . . . ] Es ist be­kannt und braucht nicht wie­der­holt zu wer­den, daß im Jahre 1826 die ver­fal­le­ne Guß­stahl­fa­brik ohne Ver­mö­gen mir zur Füh­rung an­ver­traut wurde. Mit we­ni­gen Leu­ten fing ich an, sie ver­dien­ten mehr und leb­ten bes­ser als ich; so ging es fast fünf­und­zwan­zig Jahre fort mit Sor­gen und mü­he­vol­ler Ar­beit, und als ich dann eine grö­ße­re Zahl von Leu­ten be­schäf­tig­te, war den­noch mein Ver­mö­gen ge­rin­ger, als was heute man­cher Ar­bei­ter der Guß­stahl­fa­brik be­sitzt. Es waren sehr brave Leute, mit denen ich die Ar­bei­ten be­gon­nen und durch­ge­führt habe, und ich danke ihnen allen, den meis­ten be­reits ver­ewig­ten, auch nach­träg­lich für ihre Treue. Jene aber, die ich von der Herde, vom Pflug als ar­beits­lo­se Hand­wer­ker oder als Kin­der von Wit­wen an­ge­nom­men habe, tra­ten gern bei mir ein, weil sie ihr Los ver­bes­ser­ten, und sie haben in den meis­ten Fäl­len auch dafür ihren Dank gern aus­ge­drückt. Man­cher von ihnen ist ein wohl­ha­ben­der Mann ge­wor­den. [ . . . ] Es ist nie­man­dem je­mals ein­ge­fal­len, nach Emp­fang des2ver­ein­bar­ten Loh­nes noch einen An­spruch zu haben an den Ge­winn. Für die­sen An­spruch tre­ten aber heu­ti­gen Tages ge­lehr­te Volks­be­glü­cker mit den schö­nen Re­dens­ar­ten auf, und diese haben zu den so­zi­a­lis­ti­schen Leh­ren ge­führt.  [ . . . ] Ich habe den Mut ge­habt, für die Ver­bes­se­rung der Lage der Ar­bei­ter Woh­nun­gen zu bauen, worin be­reits 20 000 See­len un­ter­ge­bracht sind, ihnen Schu­len zu grün­den und Ein­rich­tun­gen zu tref­fen zur bil­li­gen Be­schaf­fung von allem Be­darf. Ich habe mich da­durch in eine3Schul­den­last ge­setzt, die ab­ge­tra­gen wer­den muß. Damit dies ge­sche­hen kann, muß jeder seine Schul­dig­keit tun in Frie­de und Ein­tracht und in Über­ein­stim­mung mit un­sern Vor­schrif­ten. [...]Ge­nie­ßet, was Euch be­schie­den ist. Nach ge­ta­ner Ar­beit ver­bleibt im Krei­se der Eu­ri­gen, bei den El­tern, bei der Frau und den Kin­dern und sinnt über Haus­halt und Er­zie­hung. Das sei Eure Po­li­tik, dabei wer­det Ihr frohe Stun­den er­le­ben. Aber für die große Lan­des­po­li­tik er­spart Euch die Auf­re­gung. Hö­he­re Po­li­tik trei­ben er­for­dert mehr freie Zeit und Ein­blick in die Ver­hält­nis­se, als dem Ar­bei­ter ver­lie­hen ist. Ihr tut Eure Schul­dig­keit, wenn Ihr durch Ver­trau­ens­per­so­nen emp­foh­le­ne Leute er­wählt.  [ . . . ]

Band 4. Reichs­grün­dung: Bis­marcks Deutsch­land 1866-1890 Al­fred Krupp, eine An­spra­che an seine An­ge­stell­ten (11. Fe­bru­ar 1877)

[ . . . ] Es ist be­kannt und braucht nicht wie­der­holt zu wer­den, daß im Jahre 1826 die ver­fal­le­ne Guß­stahl­fa­brik ohne Ver­mö­gen mir zur Füh­rung an­ver­traut wurde. Mit we­ni­gen Leu­ten fing ich an, sie ver­dien­ten mehr und leb­ten bes­ser als ich; so ging es fast fünf­und­zwan­zig Jahre fort mit Sor­gen und mü­he­vol­ler Ar­beit, und als ich dann eine grö­ße­re Zahl von Leu­ten be­schäf­tig­te, war den­noch mein Ver­mö­gen ge­rin­ger, als was heute man­cher Ar­bei­ter der Guß­stahl­fa­brik be­sitzt. Es waren sehr brave Leute, mit denen ich die Ar­bei­ten be­gon­nen und durch­ge­führt habe, und ich danke ihnen allen, den meis­ten be­reits ver­ewig­ten, auch nach­träg­lich für ihre Treue. Jene aber, die ich von der Herde, vom Pflug als ar­beits­lo­se Hand­wer­ker oder als Kin­der von Wit­wen an­ge­nom­men habe, tra­ten gern bei mir ein, weil sie ihr Los ver­bes­ser­ten, und sie haben in den meis­ten Fäl­len auch dafür ihren Dank gern aus­ge­drückt. Man­cher von ihnen ist ein wohl­ha­ben­der Mann ge­wor­den. [ . . . ] Es ist nie­man­dem je­mals ein­ge­fal­len, nach Emp­fang des2ver­ein­bar­ten Loh­nes noch einen An­spruch zu haben an den Ge­winn. Für die­sen An­spruch tre­ten aber heu­ti­gen Tages ge­lehr­te Volks­be­glü­cker mit den schö­nen Re­dens­ar­ten auf, und diese haben zu den so­zi­a­lis­ti­schen Leh­ren ge­führt.  [ . . . ] Ich habe den Mut ge­habt, für die Ver­bes­se­rung der Lage der Ar­bei­ter Woh­nun­gen zu bauen, worin be­reits 20 000 See­len un­ter­ge­bracht sind, ihnen Schu­len zu grün­den und Ein­rich­tun­gen zu tref­fen zur bil­li­gen Be­schaf­fung von allem Be­darf. Ich habe mich da­durch in eine3Schul­den­last ge­setzt, die ab­ge­tra­gen wer­den muß. Damit dies ge­sche­hen kann, muß jeder seine Schul­dig­keit tun in Frie­de und Ein­tracht und in Über­ein­stim­mung mit un­sern Vor­schrif­ten. [...]Ge­nie­ßet, was Euch be­schie­den ist. Nach ge­ta­ner Ar­beit ver­bleibt im Krei­se der Eu­ri­gen, bei den El­tern, bei der Frau und den Kin­dern und sinnt über Haus­halt und Er­zie­hung. Das sei Eure Po­li­tik, dabei wer­det Ihr frohe Stun­den er­le­ben. Aber für die große Lan­des­po­li­tik er­spart Euch die Auf­re­gung. Hö­he­re Po­li­tik trei­ben er­for­dert mehr freie Zeit und Ein­blick in die Ver­hält­nis­se, als dem Ar­bei­ter ver­lie­hen ist. Ihr tut Eure Schul­dig­keit, wenn Ihr durch Ver­trau­ens­per­so­nen emp­foh­le­ne Leute er­wählt.  [ . . . ]

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Die­ser Ent­wurf von Krupps Rede wurde sti­lis­tisch über­ar­bei­tet, dann ge­druckt und an die Be­schäf­tig­ten ver­teilt.





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Band 4. Reichs­grün­dung: Bis­marcks Deutsch­land 1866-1890 Al­fred Krupp, eine An­spra­che an seine An­ge­stell­ten (11. Fe­bru­ar 1877)
Band 4. Reichs­grün­dung: Bis­marcks Deutsch­land 1866-1890 Al­fred Krupp, eine An­spra­che an seine An­ge­stell­ten (11. Fe­bru­ar 1877)
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