Gaisböck
GESCHICHTE

Scheinbarer Friede
Nachdem das NS-Regime die Macht übernommen hatte, gaukelte es offiziell eine Fortsetzung der friedlichen Außenpolitik der Weimarer Republik vor. Im Jänner 1934 vereinbarte das Deutsche Reich den Nichtangriffspakt mit Polen. Ein Jahr später schloss Hitler ein Flottenabkommen mit England, in dem er zusicherte, dass er einer Beschränkung der deutschen Flottenstärke auf 35 Prozent der Stärke der britischen Kriegsmarine zustimmen würde. Schließlich veranstaltete das Deutsche Reich 1936 die Olympischen Spiele in Berlin. Dieses Spektakel wurde zu massiver Friedenspropaganda genützt.
Deutschland bricht den Versailler Vertrag
Tatsächlich verfolgte Hitler außenpolitisch vor allem zwei Ziele. Der Versailler Vertrag sollte revidiert und ein „Großdeutsches Reich errichtet werden. Das NS-Regime setzte auf Konfrontation. 1933 verkündete Deutschland den Austritt aus dem Völkerbund. 1935 gab Hermann Göring die Existenz der deutschen Luftwaffe bekannt und Hitler befahl die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht. Beide Schritte stellten schwere Verstöße gegen den Versailler Vertrag dar. Als Frankreich 1936 ein Bündnis mit der Sowjetunion schloss, antwortete Deutschland mit der Besetzung des entmilitarisierten Rheinlands - ein weiterer Bruch der Versailler Friedensordnung. Von 1936 bis 1939 nahmen deutsche Truppen am Spanischen Bürgerkrieg teil. Die militärische Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Reich und Italien im Spanischen Bürgerkrieg führte schließlich zu einem Bündnis zwischen den beiden Mächten (Achse-Berlin-Rom
).
...und die Großmächte sehen zu.
Nach dem Zustandekommen der Achse-Berlin-Rom stand Österreich nicht mehr länger unter dem Schutz Italiens, das Österreich lange vor einem Anschluss an das Deutsche Reich bewahrt hatte. In der Nacht vom 12. auf den 13. März marschierten deutsche Truppen in Österreich ein, ohne dabei auf Widerstand zu stoßen. Die meisten Österreicher_innen zeigten sogar große Begeisterung, nun Teil des Deutschen Reiches zu sein. Die europäischen Großmächte nahmen diesen Gewaltakt widerstandslos hin, um den Frieden in Europa zu wahren. Nach dem „Anschluss
Österreichs forderte Hitler völlige Autonomie für die Sudetendeutschen. Verhandlungen über diese Autonomie wurden allerdings regelmäßig abgebrochen. Im Abkommen von München wurden alle überwiegend von Deutschen bewohnten Gebiete an das Deutsche Reich abgetreten. Alle nichtdeutschen Bewohner_innen mussten diese Gebiete räumen. Die Tschechoslowakei, die von diesem Abkommen am meisten betroffen war, war von den Verhandlungen aus- geschlossen gewesen. Die Großmächte hatten noch einmal nachgegeben. Das Münchner Abkommen gilt als Höhepunkt der Appeasementpolitik.

Die Großmächte beenden die Appeasementpolitik.
Auf Befehl der deutschen Regierung marschierten Im März 1939 deutsche Truppen in die Tschechoslowakei ein. Um die von Deutschland angedrohte Bombardierung zu verhindern, leistete die tschechische demokratische Regierung keinen Widerstand. Es folgte die Umwandlung von Tschechien in das „Reichsprotektorat Böhmen und Mähren". Die Slowakei erklärte sich für selbstständig, unterstellte sich aber dem Schutz Deutschlands. Für die Großmächte war dies ein klarer Verstoß gegen das Münchner Abkommen. Sie beendeten daher ihre Appeasementpolitik und begannen mit der Aufrüstung.
Der Angriff auf Polen wird vorbereitet.
Im April 1939 kündigte Hitler das Flottenabkommen mit England und den Nichtangriffspakt mit Polen vorzeitig. England und Frankreich sicherten Polen daraufhin ihre Unterstützung für den Fall eines deutschen Angriffs zu. Der Abschluss des Hitler-Stalin-Paktes im August 1939 bannte für das Deutsche Reich die Gefahr eines Zweifrontenkriegs und machte den Weg für den Angriff auf Polen frei. In diesem Nichtangriffspakt vereinbarten das Deutsche Reich und die Sowjetunion Neutralität für den Fall, dass einer der beiden Partner mit einer dritten Nation Krieg führe. Ein geheimes Zusatzprotokoll sah für den Fall einer territorialen Neuordnung Europas die Teilung Polens zwischen den Vertragspartnern vor.

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