• Gruppenarbeit zu ,,Utopia" von Thomas Morus
  • gassenpoetin
  • 30.06.2020
  • Allgemeine Hochschulreife
  • Ethik
  • 10
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,,Uto­pia" von Tho­mas Morus (Grup­pe 1: Geo­gra­phie)

Thomas Morus (1478-1535)
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Lies den vor­lie­gen­den Text­ab­schnitt über die geo­gra­phi­schen Ge­gen­hei­ten auf Uto­pia.
  • Schrei­be an­hand des Tex­tes fünf Merk­ma­le auf, die das Zu­sam­men­le­ben auf Uto­pia kenn­zeich­nen.

Die Geo­gra­phie

Die Insel hat 54 Städ­te, alle ge­räu­mig und präch­tig, in Spra­che, Sit­ten, Ein­rich­tun­gen und Ge­set­zen ein­an­der völ­lig gleich. Sie sind alle in der­sel­ben Weise an­ge­legt und haben, so­weit das bei der Ver­schie­den­heit des Ge­län­des mög­lich ist, das­sel­be Aus­se­hen. Die ge­rings­te Ent­fer­nung zwi­schen ihnen be­trägt 24 Mei­len; an­der­seits wie­der ist keine so ab­ge­le­gen, dass man nicht von ihr aus eine an­de­re an einem Tage zu Fuß er­rei­chen könn­te.

Aus jeder Stadt kom­men all­jähr­lich drei er­fah­re­ne Grei­se in Amau­ro­tum zu­sam­men, um sich über ge­mein­sa­me An­ge­le­gen­hei­ten der Insel zu be­ra­ten. Diese Stadt wird näm­lich als erste und als Haupt­stadt be­trach­tet, weil sie gleich­sam im Her­zen des Lan­des und somit für die Ab­ge­ord­ne­ten aller Lan­des­tei­le be­quem liegt.

Das Acker­land ist den Städ­ten plan­mä­ßig zu­ge­teilt, und zwar so, dass einer jeden nach jeder Rich­tung hin min­des­tens 12 Mei­len An­bau­flä­che zur Ver­fü­gung ste­hen, nach man­chen Rich­tun­gen hin je­doch noch viel mehr, näm­lich dort, wo die Städ­te wei­ter aus­ein­an­der­lie­gen. Keine Stadt ist auf Er­wei­te­rung ihres Ge­bie­tes be­dacht; denn die Ein­woh­ner be­trach­ten sich mehr als seine Be­bau­er denn als seine Be­sit­zer.

Auf dem Lande haben die Uto­pi­er Höfe, die zweck­mä­ßig über die ganze An­bau­flä­che ver­teilt und mit land­wirt­schaft­li­chen Ge­rä­ten ver­se­hen sind; in ihnen woh­nen Bür­ger, die ab­wech­selnd dort­hin zie­hen. Jeder länd­li­che Haus­halt zählt an Män­nern und Frau­en min­des­tens 40 Köpfe, wozu noch zwei zur Schol­le ge­hö­ri­ge Knech­te kom­men. Einem Haus­hal­te ste­hen ein Haus­va­ter und eine Haus­mut­ter vor, ge­setz­te und an Er­fah­rung rei­che Per­so­nen, und an der Spit­ze von je 30 Fa­mi­li­en steht ein Phyl­arch.

Aus jeder Fa­mi­lie wan­dern jähr­lich 20 Per­so­nen in die Stadt zu­rück, nach­dem sie zwei ganze Jahre auf dem Lande zu­ge­bracht haben, und wer­den durch eben­so viel neue aus der Stadt er­setzt. Diese wer­den dann von denen, die schon ein Jahr dort ge­we­sen sind und des­halb grö­ße­re Er­fah­rung in der Land­wirt­schaft be­sit­zen, an­ge­lernt, um ih­rer­seits wie­der­um im fol­gen­den Jahre an­de­re zu un­ter­wei­sen. Da­durch will man Feh­ler in der Ge­trei­de­ver­sor­gung ver­hü­ten, die in­fol­ge Man­gels an Er­fah­rung ge­macht wer­den könn­ten, wenn alle dort zu glei­cher Zeit un­er­fah­re­ne Neu­lin­ge wären. Diese Sitte, mit den Be­bau­ern zu wech­seln, ist zwar die ge­wöhn­li­che, weil nie­mand gegen sei­nen Wil­len und nur unter Zwang das müh­sa­me­re Leben auf dem Lande län­ger ohne Un­ter­bre­chung zu­brin­gen soll; viele je­doch, denen die Land­wirt­schaft von Natur Freu­de macht, er­wir­ken sich einen Auf­ent­halt von mehr Jah­ren.[…]

Was die Städ­te an­geht: Wer eine Stadt kennt, kennt alle: so völ­lig ähn­lich sind sie un­ter­ein­an­der, so­weit nicht die Be­schaf­fen­heit des Ge­län­des dem ent­ge­gen­steht.[…]

Die Stra­ßen sind eben­so zweck­mä­ßig für den Wa­gen­ver­kehr wie für den Wind­schutz an­ge­legt. Die Häu­ser sind kei­nes­wegs un­an­sehn­lich; man über­sieht ihre lange und längs der gan­zen Stra­ße un­un­ter­bro­che­ne Reihe von der ge­gen­über­lie­gen­den Häu­ser­front aus. Der Weg zwi­schen die­sen bei­den Fron­ten ist 30 Fuß breit. An der Rück­sei­te der Häu­ser zieht sich die ganze Stra­ße ent­lang eine brei­te Gar­ten­an­la­ge hin, die von der Rück­sei­te an­de­rer Häu­ser­rei­hen ein­ge­zäunt ist.

Jedes Haus hat einen Ein­gang von der Stra­ße her und eine Hin­ter­tür, die in den Gar­ten führt. Die Türen haben zwei Flü­gel, las­sen sich durch einen lei­sen Druck mit der Hand öff­nen und schlie­ßen sich dann von selbst wie­der, so dass ein jeder ins Haus hin­ein kann: so wenig ist ir­gend­wo etwas Ei­gen­tum eines ein­zel­nen; denn sogar die Häu­ser wech­selt man alle zehn Jahre, und zwar ver­lost man sie.

Quel­le: Tho­mas Morus: Uto­pia - Ka­pi­tel 4

Tho­mas Morus: Uto­pia - Ka­pi­tel 4, Zwei­tes Buch





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Quel­le: Tho­mas Morus: Uto­pia - Ka­pi­tel 4

Tho­mas Morus: Uto­pia - Ka­pi­tel 4, Zwei­tes Buch

,,Uto­pia" von Tho­mas Morus (Grup­pe 2: Ob­rig­kei­ten)

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Lies den vor­lie­gen­den Text­ab­schnitt über die Ob­rig­kei­ten Uto­pi­as.

Er­stel­le an­hand der im Text ge­ge­be­nen In­for­ma­tio­nen eine Über­sicht (sche­ma­tisch oder stich­punkt­ar­tig) über die Ein­rich­tun­gen des po­li­ti­schen Sys­tems.
Thomas Morus (1478-1535)

Die Ob­rig­kei­ten

Je drei­ßig Fa­mi­li­en wäh­len sich all­jähr­lich einen Vor­ste­her; in der alten Lan­des­spra­che heißt er Sy­pho­grant, in der jün­ge­ren Phyl­arch. Zehn Sy­pho­gran­ten mit ihren Fa­mi­li­en un­ter­ste­hen einem Vor­ge­setz­ten, der jetzt Pro­to­phyl­arch ge­nannt wird, in alten Zei­ten aber Tra­ni­bo­re hieß.

Schließ­lich er­nen­nen die Sy­pho­gran­ten in ihrer Ge­samt­heit, zwei­hun­dert an der Zahl, auch den Bür­ger­meis­ter. Nach­dem sie sich eid­lich ver­pflich­tet haben, den nach ihrer An­sicht Tüch­tigs­ten zu wäh­len, er­nen­nen sie auf Grund ge­hei­mer Ab­stim­mung einen der vier Bür­ger, die ihnen das Volk nam­haft macht, zum Bür­ger­meis­ter; jedes Stadt­vier­tel wählt näm­lich einen und schlägt ihn dem Senat vor. Das Amt wird auf Le­bens­zeit ver­lie­hen, wenn dem nicht der Ver­dacht ent­ge­gen­steht, es ge­lüs­te den In­ha­ber nach Al­lein­herr­schaft. Die Tra­ni­bo­ren wählt man jähr­lich, doch wech­selt man mit ihnen nicht ohne trif­ti­ge Grün­de. Die üb­ri­gen Be­am­ten wer­den alle auf ein Jahr ge­wählt. Alle drei Tage, im Be­darfs­fal­le bis­wei­len auch öfter, kom­men die Tra­ni­bo­ren mit dem Bür­ger­meis­ter zu einer Be­ra­tung zu­sam­men, be­spre­chen Stadt­an­ge­le­gen­hei­ten und ent­schei­den rasch etwa vor­lie­gen­de Pri­vat­strei­tig­kei­ten, die üb­ri­gens ganz sel­ten sind. Zu den Se­nats­sit­zun­gen wer­den re­gel­mä­ßig zwei Sy­pho­gran­ten hin­zu­ge­zo­gen, die jeden Tag wech­seln; dabei ist vor­ge­se­hen, daß keine städ­ti­sche An­ge­le­gen­heit ent­schie­den wird, über die nicht drei Tage vor der Be­schluß­fas­sung im Senat ver­han­delt wor­den ist. Au­ßer­halb des Se­nats oder der Volks­ver­samm­lun­gen über all­ge­mei­ne An­ge­le­gen­hei­ten zu be­ra­ten, ist bei To­des­stra­fe ver­bo­ten. Diese Be­stim­mung soll eine ty­ran­ni­sche Un­ter­drü­ckung des Vol­kes und eine Än­de­rung der Ver­fas­sung durch eine Ver­schwö­rung des Bür­ger­meis­ters und der Tra­ni­bo­ren er­schwe­ren. Und eben des­halb wird auch jede wich­ti­ge An­ge­le­gen­heit vor die Ver­samm­lun­gen der Sy­pho­gran­ten ge­bracht; diese be­spre­chen sie mit den Fa­mi­li­en, be­ra­ten dann unter sich und tei­len ihre Ent­schei­dung dem Senat mit. Zu­wei­len kommt die Sache vor den Rat der gan­zen Insel.

Auch ist es eine Ge­wohn­heit des Se­nats, über einen An­trag nicht gleich an dem Tage zu be­ra­ten, an dem er zum ers­ten Male ein­ge­bracht wird, son­dern die Ver­hand­lung auf die nächs­te Sit­zung zu ver­schie­ben. Es soll näm­lich nie­mand un­be­dacht­sam mit dem her­aus­plat­zen, was ihm zu­erst auf die Zunge kommt, und dann mehr auf die Ver­tei­di­gung sei­ner An­sicht als auf das In­ter­es­se der Stadt be­dacht sein. Auch soll nie­mand das Ge­mein­wohl der Er­hal­tung der guten Mei­nung von sei­ner Per­son op­fern, in einer Art sinn­lo­ser und ver­kehr­ter Scham, weil er sich nicht mer­ken las­sen will, dass er es im An­fang an der nö­ti­gen Vor­aus­sicht hat feh­len las­sen, wäh­rend er doch von vorn­her­ein dar­auf hätte be­dacht sein müs­sen, lie­ber über­legt als rasch zu spre­chen.

Quel­le: Tho­mas Morus: Uto­pia - Ka­pi­tel 6





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Quel­le: Tho­mas Morus: Uto­pia - Ka­pi­tel 6

,,Uto­pia" von Tho­mas Morus (Grup­pe 3: All­tags­le­ben)

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Lies den vor­lie­gen­den Text­ab­schnitt zum All­tags­le­ben der Uto­pi­er.

Be­schrei­be stich­punkt­ar­tig den Ta­ges­ab­lauf der Uto­pi­er, indem du auf die be­ruf­li­chen Mög­lich­kei­ten, den Ar­beits­all­tag und die Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten ein­gehst!
Thomas Morus (1478-1535)

Vom All­tags­le­ben der Uto­pi­er

Ein Ge­wer­be be­trei­ben alle, Män­ner und Frau­en ohne Un­ter­schied: den Acker­bau, und auf ihn ver­steht sich je­der­mann. […]

Neben der Land­wirt­schaft, die, wie ge­sagt, alle be­trei­ben, er­lernt jeder noch ir­gend­ein Hand­werk als sei­nen be­son­de­ren Beruf. Das ist in der Regel ent­we­der die Tuch­ma­che­rei oder die Lei­ne­we­be­rei oder das Maurer-​ oder das Zimmermanns-​ oder das Schmie­de­hand­werk. Der Schnitt der Klei­dung ist, ab­ge­se­hen davon, dass sich die Ge­schlech­ter sowie die Le­di­gen und die Ver­hei­ra­te­ten in der Tracht von­ein­an­der un­ter­schei­den, auf der gan­zen Insel ein­heit­lich und stets der glei­che in jedem Le­bens­al­ter. Diese Klei­dung fer­tigt sich jede Fa­mi­lie sel­ber an. Ja, wenn je­mand ein Hand­werk gründ­lich er­lernt hat und noch ein an­de­res dazu er­ler­nen will, so ist ihm das auf dem­sel­ben Wege mög­lich. Ver­steht er dann beide, so übt er aus, wel­ches er will, es sei denn, dass die Stadt eins von bei­den nö­ti­ger braucht.

Die be­son­de­re und bei­na­he ein­zi­ge Auf­ga­be der Sy­pho­gran­ten ist es, sich an­ge­le­gent­lich darum zu küm­mern, dass nie­mand un­tä­tig her­um­sitzt, son­dern dass jeder sein Ge­wer­be mit Fleiß be­treibt, ohne sich je­doch, gleich einem Last­tie­re, in un­un­ter­bro­che­ner Ar­beit vom frü­hes­ten Mor­gen an bis in die tiefe Nacht ab­zu­mü­hen; denn das wäre eine mehr als skla­vi­sche Pla­cke­rei. Und doch ist das fast über­all das Los der Ar­bei­ter, außer bei den Uto­pi­ern. Diese tei­len näm­lich den Tag mit­samt der Nacht in vier­und­zwan­zig glei­che Stun­den ein und ken­nen eine Ar­beits­zeit von nur sechs Stun­den. Drei Stun­den ar­bei­ten sie am Vor­mit­tag; da­nach essen sie zu Mit­tag und hal­ten eine Rast von zwei Stun­den. Dann ar­bei­ten sie wie­der drei Stun­den und be­schlie­ßen den Tag mit dem Abend­essen. Da sie die erste Stun­de von Mit­tag an rech­nen, gehen sie gegen acht Uhr zu Bett; acht Stun­den brau­chen sie zum Schla­fen.

Über all die Zeit zwi­schen den Stun­den der Ar­beit, des Schla­fes und des Es­sens darf ein jeder nach sei­nem Be­lie­ben ver­fü­gen, nicht etwa um sie durch Schwel­ge­rei und Träg­heit schlecht aus­zu­nüt­zen, son­dern um die ar­beits­freie Zeit nach Her­zens­lust auf ir­gend­ei­ne an­de­re Be­schäf­ti­gung nutz­brin­gend zu ver­wen­den. Die meis­ten trei­ben in die­sen Pau­sen li­te­ra­ri­sche Stu­di­en. […]

Nach dem Abend­essen ver­brin­gen die Uto­pi­er noch eine Stun­de mit Spie­len, wäh­rend des Som­mers in ihren Gär­ten, wäh­rend des Win­ters aber in jenen Sälen, in denen sie ge­mein­sam essen. Ent­we­der trei­ben sie dort Musik, oder sie er­ho­len sich in der Un­ter­hal­tung. Das Wür­feln und an­de­re sol­che un­ge­hö­ri­ge und ver­derb­li­che Spie­le sind ihnen nicht ein­mal be­kannt; üb­lich je­doch sind bei ihnen zwei dem Schach nicht un­ähn­li­che Spie­le. Das eine ist der Zah­len­kampf, bei dem die Zah­len ein­an­der ste­chen; bei dem an­de­ren kämp­fen, in Schlacht­rei­he auf­ge­stellt, die Tu­gen­den mit den Las­tern. […]

Da die Uto­pi­er also alle in nütz­li­chen Ge­wer­ben be­schäf­tigt sind und diese selbst auch eine ge­rin­ge­re Ar­beits­zeit er­for­dern, braucht man sich nicht zu wun­dern, dass bis­wei­len alle Er­zeug­nis­se im Über­fluss vor­han­den sind. […] Die Be­hör­den zwin­gen näm­lich die Bür­ger nicht zu un­nö­ti­ger Ar­beit; denn die Ein­rich­tung die­ses Staa­tes hat das eine Haupt­ziel im Auge, so­weit es die drin­gen­den Be­dürf­nis­se des Staa­tes er­lau­ben, den Skla­ven­dienst des Kör­pers nach Mög­lich­keit ein­zu­schrän­ken, damit die da­durch ge­won­ne­ne Zeit auf die freie Aus­bil­dung des Geis­tes ver­wen­det wer­den kann. Darin liegt näm­lich nach ihrer An­sicht das Glück das Le­bens.

Quel­le: Tho­mas Morus: Uto­pia - Ka­pi­tel 7





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Quel­le: Tho­mas Morus: Uto­pia - Ka­pi­tel 7

,,Uto­pia" von Tho­mas Morus (Grup­pe 4: Kriegs­we­sen)

Thomas Morus (1478-1535)
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Lies den vor­lie­gen­den Text­ab­schnitt zum Kriegs­we­sen.

No­tie­re vier mög­li­che Kriegs­grün­de und be­schrei­be in zwei Stich­punk­ten die Art der Kriegs­füh­rung der Uto­pi­er!

Das Kriegs­we­sen

Den Krieg ver­ab­scheu­en die Uto­pi­er als etwas ganz Bes­tia­li­sches mehr als alles an­de­re, und doch gibt sich mit ihm keine Art von Bes­ti­en so dau­ernd ab wie der Mensch. Der An­schau­ung fast aller Völ­ker zu­wi­der hal­ten die Uto­pi­er nichts für so un­rühm­lich wie den Ruhm, den man im Krie­ge ge­winnt. Mögen sie sich nun auch be­stän­dig an dafür fest­ge­setz­ten Tagen in der Kriegs­kunst üben, und zwar nicht bloß die Män­ner, son­dern auch die Frau­en, um im Be­darfs­fal­le kriegs­tüch­tig zu sein, so be­gin­nen sie einen Krieg doch nicht ohne wei­te­res, son­dern nur zum Schut­ze ihrer ei­ge­nen Gren­zen oder zur Ver­trei­bung der ins Land ihrer Freun­de ein­ge­drun­ge­nen Fein­de oder aus Mit­leid mit ir­gend­ei­nem Volk, das unter dem Dru­cke der Ty­ran­nei lei­det, um es mit ihrer ei­ge­nen Macht vom Skla­ven­joch des Ty­ran­nen zu be­frei­en, und das tun sie le­dig­lich aus Men­schen­lie­be.

Ihren Freun­den in­des­sen leis­ten sie ihre Hilfe nicht immer nur zur Ver­tei­di­gung, son­dern bis­wei­len auch, damit diese ein Un­recht, das man ihnen zu­ge­fügt hat, ver­gel­ten und rä­chen kön­nen. Je­doch grei­fen die Uto­pi­er erst dann ein, wenn man sie noch vor Be­ginn der Feind­se­lig­kei­ten um Rat fragt, wenn sie den Kriegs­grund bil­li­gen, wenn das, worum der Streit geht, zwar zu­rück­ge­for­dert, aber noch nicht zu­rück­ge­ge­ben ist, und wenn auf ihre Ver­an­las­sung hin der Krieg be­gon­nen wird. […]

Wird je­doch einer ihrer Lands­leu­te ir­gend­wo auf un­ge­rech­te Weise miss­han­delt oder gar ge­tö­tet, so las­sen die Uto­pi­er den Tat­be­stand durch ihre Ge­sand­ten er­mit­teln, ganz gleich, ob der An­schlag vom Staat oder von einer Pri­vat­per­son aus­ge­gan­gen ist, und sind nur durch Aus­lie­fe­rung der Schul­di­gen von einer so­for­ti­gen Kriegs­er­klä­rung ab­zu­hal­ten. Die Aus­ge­lie­fer­ten be­stra­fen sie für ihr Ver­ge­hen ent­we­der mit dem Tode oder mit Skla­ven­ar­beit.

Ein blu­ti­ger Sieg be­rei­tet den Uto­pi­ern nicht nur Ver­druss, son­dern sie schä­men sich sogar sei­ner, weil sie sich sagen, es sei eine Tor­heit, auch noch so kost­ba­re Waren zu teuer zu kau­fen. Haben sie aber durch Ge­schick und List den Sieg er­run­gen und den Feind be­zwun­gen, so prah­len sie laut damit, fei­ern aus die­sem An­lass von Staats wegen einen Tri­umph und er­rich­ten ein Sie­ges­denk­mal, als hät­ten sie eine Hel­den­tat voll­bracht. Ihrer Mann­haf­tig­keit und Tap­fer­keit rüh­men sie sich näm­lich immer erst dann, wenn sie so ge­siegt haben, wie es kein Le­be­we­sen außer dem Men­schen ver­mocht hätte, das heißt mit den Kräf­ten des Geis­tes. Denn mit den Kräf­ten des Kör­pers, so sagen sie, füh­ren Bären, Löwen, Eber, Wölfe, Hunde und die üb­ri­gen wil­den Tiere den Kampf; die meis­ten von ihnen sind uns zwar an Kraft und Wild­heit über­le­gen, aber alle zu­sam­men über­tref­fen wir an Geist und Ver­nunft.

Greift ir­gend­ein Fürst zu den Waf­fen gegen die Uto­pi­er und schickt er sich an, in ihr Ge­biet ein­zu­fal­len, so tre­ten sie ihm so­gleich mit star­ken Kräf­ten au­ßer­halb ihres Lan­des ent­ge­gen; denn weder füh­ren sie ohne Not im ei­ge­nen Lande Krieg, noch ist ir­gend­ei­ne Not je­mals so schlimm, dass sie die Uto­pi­er zwin­gen könn­te, frem­de Hilfs­trup­pen auf ihre Insel zu las­sen.

Quel­le: Tho­mas Morus: Uto­pia - Ka­pi­tel 11





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Quel­le: Tho­mas Morus: Uto­pia - Ka­pi­tel 11

,,Uto­pia" von Tho­mas Morus (Grup­pe 5: Re­li­gi­on)

Thomas Morus (1478-1535)
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Lies den vor­lie­gen­den Text­ab­schnitt zur Re­li­gi­on der Uto­pi­er!

Be­schrei­be die re­li­giö­sen Vor­stel­lun­gen der Uto­pi­er an­hand von zwei im Text vor­kom­men­den Bei­spie­len und cha­rak­te­ri­sie­re ihre Re­li­gi­ons­aus­übung!

Die Re­li­gi­on der Uto­pi­er

Die re­li­giö­sen Vor­stel­lun­gen sind nicht nur in den ein­zel­nen Tei­len der Insel, son­dern auch in den ein­zel­nen Städ­ten ver­schie­den, indem die einen die Sonne, die an­dern den Mond und wie­der an­de­re die­sen oder jenen Pla­ne­ten als Gott­heit an­be­ten. Ei­ni­ge ver­eh­ren auch einen be­lie­bi­gen Men­schen, der vor al­ters durch Tu­gend oder Ruhm ge­glänzt hat, nicht bloß als Gott, son­dern sogar als höchs­ten Gott. Aber der weit größ­te und zu­gleich weit­aus klü­ge­re Teil glaubt an nichts von al­le­dem, son­dern nur an ein ein­zi­ges, un­er­kann­tes, ewi­ges, un­end­li­ches und un­er­forsch­li­ches gött­li­ches Wesen, das über mensch­li­ches Be­griffs­ver­mö­gen er­ha­ben ist und die­ses ganze Welt­all er­füllt, und zwar als tä­ti­ge Kraft, nicht als kör­per­li­che Masse; man nennt es Vater. Ihm schreibt man Ur­sprung, Wachs­tum, Fort­schritt, Wan­del und Ende aller Dinge zu, und ihm al­lein er­weist man gött­li­che Ehren.

Mit den An­hän­gern die­ser Lehre stim­men auch alle an­de­ren trotz aller Glau­bens­un­ter­schie­de in die­sem einen Punk­te über­ein, dass sie an ein höchs­tes Wesen glau­ben, dem die Er­schaf­fung der Welt und die Vor­se­hung zu ver­dan­ken ist, und die­ses gött­li­che Wesen nen­nen sie alle ohne Un­ter­schied in ihrer hei­mi­schen Spra­che My­thras. Aber in­so­fern sind sie ver­schie­de­ner An­sicht, dass die ein­zel­nen ihn ver­schie­den auf­fas­sen. Dabei glaubt aber jeder, was es auch sein möge, das er per­sön­lich für das Höchs­te hält, es sei doch durch­aus das­sel­be Wesen, des­sen gött­li­che Macht und Ma­jes­tät al­lein nach der über­ein­stim­men­den Über­zeu­gung aller Völ­ker der In­be­griff aller Dinge ist. In­des­sen ma­chen sie sich alle im Laufe der Zeit von der Man­nig­fal­tig­keit aber­gläu­bi­scher Vor­stel­lun­gen frei und las­sen ihre An­schau­un­gen zu jener einen Re­li­gi­on ver­schmel­zen, die, wie es scheint, ver­nünf­ti­ger ist als die an­de­ren.[…]

Nach­dem die Uto­pi­er je­doch durch uns von Chris­ti Namen, Lehre, Art und Wun­dern ge­hört hat­ten und eben­so von der stau­nen­er­re­gen­den Stand­haf­tig­keit der zahl­rei­chen Mär­ty­rer, deren frei­wil­lig ver­gos­se­nes Blut so zahl­rei­che Völ­ker weit und breit zu Chris­tus be­kehrt hat, da nah­men auch sie mit einem kaum glaub­li­chen Ver­lan­gen seine Lehre an, sei es nun, weil es Gott ihnen mehr im ge­hei­men ein­gab, oder sei es, weil das Chris­ten­tum, wie es schien, der bei ihnen selbst am wei­tes­ten ver­brei­te­ten Lehre am nächs­ten kam.[…] Auch die, die vom Chris­ten­tum nichts wis­sen wol­len, ma­chen trotz­dem nie­man­den ab­spens­tig und las­sen jeden, der dazu über­tritt, un­be­hel­ligt.[…]

Uto­pus, Grün­der­va­ter Uto­pi­as hatte er­fah­ren, dass die Ein­ge­bo­re­nen vor sei­ner An­kunft be­stän­dig Re­li­gi­ons­kämp­fe mit­ein­an­der ge­führt hat­ten; er hatte auch be­ob­ach­tet, dass bei der all­ge­mei­nen Un­ei­nig­keit die Sek­ten ein­zeln für das Va­ter­land kämpf­ten und dass ihm die­ser Um­stand Ge­le­gen­heit bot, sie ins­ge­samt zu be­sie­gen. Als er dann den Sieg er­run­gen hatte, setz­te er Re­li­gi­ons­frei­heit für je­der­mann fest und be­stimm­te au­ßer­dem, wenn je­mand auch an­de­re zu sei­nem Glau­ben be­keh­ren wolle, so dürfe er es nur in der Weise be­trei­ben, dass er seine An­sicht ruhig und be­schei­den auf Ver­nunft­grün­den auf­baue, die an­de­ren aber nicht mit bit­te­ren Wor­ten zer­pflü­cke. Ge­lin­ge es ihm nicht, durch Zu­re­den zu über­zeu­gen, so solle er kei­ner­lei Ge­walt an­wen­den und sich nicht zu Schimpf­wor­ten hin­rei­ßen las­sen. Geht aber je­mand in die­ser Sache zu un­ge­stüm vor, so be­stra­fen ihn die Uto­pi­er mit Ver­ban­nung oder Skla­ven­dienst.

Quel­le: Tho­mas Morus: Uto­pia - Ka­pi­tel 12





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Quel­le: Tho­mas Morus: Uto­pia - Ka­pi­tel 12

,,Uto­pia" von Tho­mas Morus: Zu­sam­men­fas­sen­de Über­sicht der 5 Grup­pen­ar­bei­ten

Ver­voll­stän­di­ge das Ar­beits­blatt, indem du dir zu jedem Grup­pen­vor­trag die wich­tigs­ten Merk­ma­le no­tierst (4 bis 6 Stich­punk­te)!
Karte der Insel ,,Utopia" / Quelle: wikipedia
(1) Geo­gra­phie

(4) Kriegs­we­sen

(2) Ob­rig­kei­ten

(5) Re­li­gi­on

(3) All­tags­le­ben

Schlie­ße nun die Augen und stell dir das Leben der Bür­ger auf Uto­pia vor.

Kannst du dir vor­stel­len auf ,,Uto­pia" zu leben?
Be­grün­de deine Aus­sa­ge!

Zu­satz­auf­ga­be: Be­such in Uto­pia - Eine fik­ti­ve Reise

Über­schrift

Lies unter dem Link http://www.zeit.de/2013/14/utopien-​utopia-thomas-morus den Ar­ti­kel von Phil­ip Kovce über einen fik­ti­ven Be­such in Uto­pia nach.

Be­ant­wor­te fol­gen­de Fra­gen, die sich der Autor im letz­ten Ab­schnitt stellt!
  • Er­klä­re, wes­halb Uto­pia für Tho­mas Morus ein idea­ler Ge­gen­ent­wurf zu den ge­sell­schaft­li­chen Zu­stän­den sei­ner Zeit ge­we­sen sein könn­te!
  • Wäre das Leben auf Uto­pia für uns heute le­bens­wert? Be­grün­de deine Aus­sa­ge!