Gerechter Friede

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Gerechter Friede

Ge­rech­ter Frie­de - Ver­ant­wor­tung für glo­ba­le Ge­rech­tig­keit

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Er­läu­te­re, was du unter ge­rech­ten Frie­den ver­ste­hen wür­dest. Wel­che Be­din­gun­gen müss­ten er­füllt sein?

Ein ge­rech­ter Frie­de ist ein Pro­zess, in dem alle Men­schen mehr und mehr gleich­be­rech­tigt, si­cher und in Har­mo­nie zu­sam­men­le­ben. Er be­deu­tet mehr als nur das Schwei­gen der Waf­fen oder das Ende von Kon­flik­ten. Ge­rech­ter Frie­de um­fasst so­zi­a­le Ge­rech­tig­keit, Men­schen­rech­te und das Be­mü­hen um ein aus­ge­wo­ge­nes, re­spekt­vol­les Mit­ein­an­der. Um einen ge­rech­ten Frie­den zu er­rei­chen, muss man die Ur­sa­chen von Kon­flik­ten ver­ste­hen und be­he­ben. Dazu ge­hö­ren Armut, Un­gleich­heit und Dis­kri­mi­nie­rung.

Ein we­sent­li­cher Aspekt ist die Stär­kung der in­ter­na­ti­o­na­len Zu­sam­men­ar­beit. Län­der müs­sen zu­sam­men­ar­bei­ten, um Kon­flik­te durch Dia­log und Di­plo­ma­tie bei­zu­le­gen, an­statt durch Ge­walt. Bil­dung spielt dabei eine zen­tra­le Rolle, denn sie för­dert das Ver­ständ­nis zwi­schen ver­schie­de­nen Kul­tu­ren und bil­det die Grund­la­ge für ein re­spekt­vol­les Zu­sam­men­le­ben. Ein ge­rech­ter Frie­de be­deu­tet auch, wirt­schaft­li­che Un­gleich­hei­ten zu be­sei­ti­gen. Alle Men­schen soll­ten Zu­gang zu Bil­dung, Ge­sund­heits­ver­sor­gung und ge­rech­ten Ar­beits­be­din­gun­gen haben.

Dar­über hin­aus ist es wich­tig, die Um­welt zu schüt­zen. Viele Kon­flik­te haben ihren Ur­sprung in Res­sour­cen­knapp­heit. Sau­be­res Was­ser, frucht­ba­re Böden und sau­be­re Luft sind für ein fried­li­ches Mit­ein­an­der es­sen­zi­ell. Zu­sam­men­fas­send ist ge­rech­ter Frie­de ein kom­ple­xes Ziel, das eine ge­mein­sa­me An­stren­gung von allen er­for­dert. Er be­ginnt im Klei­nen, in der Fa­mi­lie, in der Schu­le und in der Ge­mein­schaft, und wirkt sich auf glo­ba­le Be­zie­hun­gen aus.

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Lies den Text. Schrei­be aus dem Text her­aus, was einen ge­rech­ten Frie­den cha­rak­te­ri­siert. No­tie­re sie dir stich­punkt­ar­tig in dei­nem Hef­ter.
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Grup­pen­ar­beit: Stellt euch vor, ihr dürf­tet einen neuen Staat grün­den. Eure Auf­ga­be ist es als Klas­se ein Kon­zept zu ent­wi­ckeln, mit dem die­ser Staat ver­sucht, ge­rech­ten Frie­den zu ver­wirk­li­chen. Stellt an­schlie­ßend die wich­tigs­ten Ideen eures Frie­dens­kon­zepts der Klas­se vor. Was war euch be­son­ders wich­tig?
  • Gebt eurem Staat einen Namen.
    Über­legt: Wie sorgt euer Staat für ge­rech­ten Frie­den?
    Po­li­ti­sches Sys­tem & Rech­te
    Wel­che Grund­rech­te gel­ten?
    Wie wird Mit­be­stim­mung or­ga­ni­siert?
  • Ge­rech­tig­keit im In­nern
    Wie sorgt ihr für Chan­cen­gleich­heit (Bil­dung, Ge­sund­heit, Ar­beit)?
    Wie geht ihr mit Min­der­hei­ten um?
    Rolle in der Welt
    Wie hal­tet ihr Frie­den mit an­de­ren Staa­ten? Habt ihr eine Armee?
    Unter wel­chen Be­din­gun­gen dürft ihr Waf­fen ex­por­tie­ren (oder gar nicht)?
  • Um­welt und Kli­ma­ge­rech­tig­keit
    Wie schützt ihr die Um­welt?
    Wie gleicht ihr glo­ba­le Ver­ant­wor­tung aus?
    Wirt­schaft & Fair­ness
    Was pro­du­ziert ihr? Wie wer­den Ge­win­ne ver­teilt?
    Gibt es einen Min­dest­lohn oder Grund­ein­kom­men?
    Wel­che Rolle spie­len Un­ter­neh­men?
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Gerechter Friede

Wehr­dienst/-​pflicht? - Als Christ*in Sol­dat*in sein

Ge­ne­ral­ma­jor Mi­cha­el Hoch­wart war zu­letzt von Sep­tem­ber 2021 bis Sep­tem­ber 2024 Kom­man­deur des Aus­bil­dungs­kom­man­dos in Leip­zig. Zudem ist er Christ und be­schäf­tigt sich vor allem nun in sei­nem Ru­he­stand mit der evan­ge­li­schen Theo­lo­gie. In einem In­ter­view sagt er zum Thema Wehr­dienst/-​pflicht als Christ:



So­wohl der Haupt­mann von Ka­per­na­um (Lk 7) als auch der Haupt­mann Kor­ne­li­us (Apt 10) sind beide Haupt­män­ner ge­blie­ben [...] und der Herr Gott hat mit kei­nem Wort er­wähnt, dass sie viel­leicht was än­dern müss­ten. Wenn es denn ir­gend­wie wich­tig ge­we­sen wäre, hätte er das ja wohl er­wähnt. Ich brin­ge auch immer gern die prak­ti­schen Bei­spie­le, also Sre­bren­cia* und Ru­an­da**. Da war der Nicht-​Einsatz schlim­mer als ein Ein­satz ge­we­sen. Also kann man einem Völ­ker­mord ein­fach zu sehen? Für mei­nen Ge­schmack kann man es nicht. Ist auch bi­blisch nicht ge­recht­fer­tigt.
Ich bin ein Ver­fech­ter der Wehr­pflicht auch die gan­zen Jahre ge­we­sen. [...] Ent­we­der ich will die­ses Land ver­tei­di­gen oder nicht, und das kann man auch gerne ge­samt­ge­sell­schaft­lich sehen. Das be­zieht sich ja auch auf an­de­re Be­rei­che. Es müs­sen dann ja auch Kran­ken­häu­ser, Pfle­ge­diens­te und so wei­ter mit­spie­len. [...] Das sehen wir schon bei grö­ße­ren Ka­ta­stro­phen, im Kriegs­fall na­tür­lich erst recht. 
Raten würde ich jedem jun­gen Men­schen, mache ir­gend­was. Also, wenn ich jetzt das Grund­ge­setz än­dern könn­te, würde ich sagen, wir ma­chen mal einen all­ge­mei­nen Dienst für Männ­lein und Weib­lein 12 Mo­na­te für die­ses Land. Leis­te dei­nen Wehr­dienst oder leis­te eine an­de­re Maß­nah­me, aber mach was. Mach ein­fach mal was au­ßer­halb dei­ner ge­wahr­ten Kar­ri­e­re, Aus­bil­dungs­pla­nung, son­dern ir­gend­was für die Ge­sell­schaft.

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Ge­ne­ral Mi­cha­el Hoch­wart
www.lvz.de

* Zwi­schen dem 11. und 17 Juli 1995 ist es in Sre­bren­cia zu einem Völ­ker­mord wäh­rend des Bos­ni­en­krie­ges ge­kom­men, bei denen über 8000 Men­schen er­mor­det wur­den.

** Die Bun­des­wehr er­rich­te­te einen Luft­brü­cke zwi­schen dem 18. Juli und 31. De­zem­ber 1994 zur Ver­sor­gung von Flücht­lin­gen auf­grund von eines Völ­ker­mor­des wäh­rend des Bür­ger­krie­ges in Ru­an­da.

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Mar­kie­re dir Aus­sa­gen, denen du zu­stimmst, die dich über­ra­schen, die du hin­ter­fragst.
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Dis­ku­tiert in der Klas­se, was ihr dem Ge­ne­ral ant­wor­ten wür­det.
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Gerechter Friede

Leh­rer­hand­rei­chung

Ge­rech­ter Frie­de
  • Ziel: Die Schü­ler kön­nen den Be­griff „ge­rech­ter Frie­de“ an­hand des Tex­tes er­schlie­ßen, die zen­tra­len Merk­ma­le (so­zi­a­le Ge­rech­tig­keit, Men­schen­rech­te, Bil­dung, Um­welt, in­ter­na­ti­o­na­le Zu­sam­men­ar­beit) be­nen­nen und diese schrift­lich struk­tu­rie­ren.

  • Stufe: 9.-10.Schul­jahr

  • Zeit­be­darf: mind. 1 Schul­stun­de (45 Mi­nu­ten), eine Dop­pel­stun­de wäre rat­sam

  • Ma­te­ri­al: je Schü­ler ein­mal das Ma­te­ri­al

Teil­lern­zie­le
  • Die Schü­ler kön­nen die Un­ter­schei­dung zwi­schen ne­ga­ti­vem Frie­den (Ab­we­sen­heit von Krieg) und ge­rech­tem Frie­den (um­fas­sen­de Ge­rech­tig­keit) am Bei­spiel der Text­aus­sa­gen her­aus­ar­bei­ten und in Be­zie­hung set­zen, indem sie eine ver­glei­chen­de Ge­gen­über­stel­lung er­ar­bei­ten.

  • Die Schü­ler kön­nen die im Ma­te­ri­al be­nann­ten Aspek­te eines Staa­tes (Po­li­ti­sches Sys­tem & Rech­te, so­zi­a­le Ge­rech­tig­keit, Um­welt, Wirt­schaft, in­ter­na­ti­o­na­le Rolle) dis­ku­tie­ren und deren Be­deu­tung für einen ge­rech­ten Frie­den re­flek­tie­ren, indem sie in Klein­grup­pen zu ein­zel­nen Be­rei­chen Lö­sungs­vor­schlä­ge sam­meln und struk­tu­rie­ren.

  • Die Schü­ler kön­nen ein kon­sis­ten­tes Frie­dens­kon­zept für einen fik­ti­ven Staat ent­wi­ckeln und prä­sen­tie­ren, indem sie ko­ope­ra­tiv in Grup­pen ar­bei­ten und ihre Er­geb­nis­se im Ple­num vor­stel­len.

Lö­sun­gen und An­mer­kun­gen

Auf­ga­be 1:

In­ner­halb die­ser Auf­ga­be wer­den die Schü­ler wahr­schein­lich ant­wor­ten, dass sie unter ge­rech­ten Frie­den ver­ste­hen, dass kein Krieg herrscht. Des Wei­te­ren kön­nen Stich­wör­ter wie Ge­rech­tig­keit, Gleich­stel­lung, Mei­nungs­frei­heit, fi­nan­zi­el­le Si­cher­heit, ge­rech­ter Zu­gang zu Bil­dung, …. Hier ist die Frage wie weit die Schü­ler ihren Frie­dens­be­griff fas­sen wer­den. Dabei kann die Lehr­kraft bei der Si­che­rung wei­te­re Aspek­te nen­nen, die von den Ler­nen­den nicht ge­sagt wur­den, und fra­gen, ob diese auch zu ihrem ge­rech­ten Frie­den ge­hö­ren.

Auf­ga­be 2:

Ge­rech­ter Frie­de ist ein Pro­zess (und kein Zu­stand), in dem alle Men­schen mehr und mehr gleich­be­rech­tigt, si­cher und in Har­mo­nie zu­sam­men­le­ben. Ge­rech­ter Frie­de be­deu­tet nicht nur, dass kein Krieg herrscht, son­dern so­zi­a­le Ge­rech­tig­keit, Men­schen­rech­te und ein re­spekt­vol­les Leben mit­ein­an­der. Schutz der Um­welt, in­ter­na­ti­o­na­le Zu­sam­men­ar­beit, Zu­gang zu Bil­dung, Ge­sund­heits­ver­sor­gung sind ei­ni­ge wich­ti­ge The­men des ge­rech­ten Frie­dens, um einen lang­fris­ti­gen Frie­den zu er­hal­ten.

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Auf­ga­be 3:

Die Auf­ga­be 3, bei der die Schü­ler*innen einen ei­ge­nen Staat grün­den sol­len, kann viel Zeit in An­spruch neh­men. Zudem gibt es nicht die rich­ti­ge Lö­sung. Es ist der Lehr­kraft über­las­sen, wie aus­führ­lich die Klas­se die Auf­ga­be be­ar­bei­ten soll und wie viel Zeit sie den Ler­nen­den geben will. Je nach­dem wie viel Zeit die Lehr­kraft in­ves­tie­ren will und wie groß die Klas­se ist, kann ent­we­der in Grup­pen meh­re­re Staa­ten oder nur ein Staat ge­grün­det wer­den. Wenn die Klas­se nur ein Staat grün­den soll, kön­nen drei Grup­pen ge­bil­det wer­den. Dabei sol­len die Grup­pen je­weils die Un­ter­punk­te und Fra­gen zu a), b) und c) be­ar­bei­ten. Im Falle, dass meh­re­re Staa­ten ge­grün­det wer­den sol­len, be­ar­bei­ten die Grup­pen alle Un­ter­punk­te. In bei­den Fäl­len sol­len die Schü­ler ihre Er­geb­nis­se der Klas­se vor­stel­len. Dabei kann die Lehr­kraft die Schü­ler*innen dafür sen­si­bi­li­sie­ren, dass ihre Lö­sung viel­leicht, auf­grund der Zeit, zu kurz ge­dacht ist und so die Schwie­rig­keit ge­rech­ter Frie­de um­zu­set­zen deut­lich zu ma­chen. Je nach­dem, wie sich die Schü­ler zu der Frage ge­äu­ßert haben, ob ihr Staat eine Armee hat, müs­sen sie sich mit dem Thema der Auf­ga­ben 4 und 5 aus­ein­an­der­set­zen.

Auf­ga­be 4:

In der Auf­ga­be 4 ist es schwie­rig zu sagen wel­che Aus­sa­gen die Schü­ler mar­kie­ren wer­den. Hoch­wart sagt aber deut­lich, dass Sol­dat sein nicht im Wi­der­spruch mit Christ sein steht. Zudem bringt er als Ar­gu­ment, dass zu­se­hen und nichts tun oft die schlech­te­re Op­ti­on wäre und dies auch nicht bi­blisch ver­ein­bar wäre. Eben­falls spricht er sich sogar stark für eine Wehr­pflicht (nicht Wehr­dienst) aus. Er bringt zudem an, dass diese in un­ter­schied­li­chen Be­rei­chen, wie Kran­ken­häu­ser oder auch in Pfle­ge­diens­ten, statt­fin­den kann. Hier ist an­ge­bracht an­zu­mer­ken, dass er als ehe­ma­li­ger Ge­ne­ral­ma­jor sich eher po­si­tiv zum Wehr­dienst/-​pflicht äu­ßert. Man kann hier auch mit der Klas­se hin­ter­fra­gen, wie sehr hier der Sol­dat als der Christ aus ihm spricht.

Auf­ga­be 5:

Bei die­ser Auf­ga­be ist es auch schwer vor­her­zu­sa­gen, wie die Schü­ler ihm ant­wor­ten wür­den. Die heu­ti­ge De­bat­te über den Wehr­dienst ist auch sehr zwie­ge­spal­ten. Ein Ge­gen­ar­gu­ment könn­te sein, dass die Ju­gend­li­chen eine große Be­las­tung aus­ge­setzt wären. Ihr Bil­dungs­weg hat schon durch die Co­ro­na­pan­de­mie ge­lit­ten und nun sol­len sie auch noch einen Wehr­dienst/-​pflicht ab­le­gen. All­ge­mein kann für die ak­tu­el­le The­ma­tik des Wehr­diens­tes eine ganze Un­ter­richts­stun­de ein­ge­plant wer­den, wenn es die Zeit her­gibt.

Gerechter Friede

von anonym

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