Name:
Gerechter Krieg
Ich verspreche Ihnen, dass das der letzte Krieg sein wird – der Krieg, der alle Kriege beendet.

gerechtist?
Ein gerechter Krieg ist ein Konzept, das darauf abzielt, ethische und moralische Kriterien zu definieren, die erfüllt sein müssen, damit ein Krieg als gerecht angesehen werden kann. Diese Kriterien helfen dabei, die Umstände zu bewerten, unter denen Gewaltanwendung zulässig sein kann. Ein wichtiges Kriterium ist die gerechte Ursache. Es muss einen schwerwiegenden Grund geben, wie die Verteidigung gegen einen Angriff oder der Schutz unschuldiger Menschen.
Ein weiteres Kriterium ist die richtige Autorität. Ein Krieg darf nur von einer legitimen und anerkannten Regierung erklärt werden, nicht von Einzelpersonen oder Gruppen. Auch die richtige Absicht spielt eine Rolle. Das Hauptziel sollte der Frieden sein, nicht Rache oder Eroberung.
Verhältnismäßigkeit ist ebenfalls entscheidend. Das Leid, das der Krieg verursacht, sollte in einem angemessenen Verhältnis zum angestrebten Ziel stehen. Hierbei ist auch die Unterscheidung wichtig: Man muss zwischen Kombattanten und Nichtkombattanten unterscheiden, und alles tun, um zivile Opfer zu vermeiden.
Schließlich muss Krieg das äußerstes Mittel sein. Alle friedlichen und diplomatischen Lösungswege sollten erschöpft sein, bevor zu den Waffen gegriffen wird. Diese Kriterien sollen helfen, die Menschheit vor der Verheerung eines unüberlegten Krieges zu bewahren und sicherstellen, dass im Extremfall, wenn Krieg unausweichlich ist, er mit so viel Ethik und Moral geführt wird wie möglich.
Generalmajor Michael Hochwart war zuletzt von September 2021 bis September 2024 Kommandeur des Ausbildungskommandos in Leipzig. Zudem ist er Christ und beschäftigt sich vor allem nun in seinem Ruhestand mit der evangelischen Theologie. In einem Interview sagt er zum Thema gerechter Krieg
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Sowohl der Einsatz in Afghanistan, als auch mein Einsatz auf dem Balkan, den habe ich schon als gerecht empfunden. Wobei man eigentlich immer mehr sagen muss, ist es gerechtfertigt oder es ist nicht gerechtfertigt. Wenn man vom gerechtfertigten Krieg spricht, ist man eher auf der Ebene von Notwehr, Nothilfe, einschreiten, nicht einschreiten. Das gerecht bezieht sich dann oftmals auf, ist er denn völkerrechtlich und staatsrechtlich gerecht. Gerechtfertigt ist für mich eigentlich immer nur ein Krieg, wenn es denn ein Verteidigungskrieg ist. Da wäre ich beim gerechten Krieg von Martin Luther beispielsweise und dieser Verteidigungskrieg, der kann eben nicht nur Notwehr, sondern auch Nothilfe sein. Da beziehe ich schon Bündnispartner mit ein. Ich sag mal so, ein gerechter Krieg muss erstens gerechtfertigt und zweitens notwendig sein, wenn er nicht notwendig ist, ist es auch nicht gerechtfertigt und, wenn er nicht gerechtfertigt ist, dann wird er auch nicht gerecht. Also das ich finde ja das ist so ein bisschen eine Steigerung. Ein Krieg muss zudem die ultima ratio (äußerstes Mittel) sein. Er kann nicht ein normales mittel der Politik sein.
no civil casualties
Dass Kriegsverbrechen im höherem Ausmaße auf beiden Seiten in einem Krieg im Laufe der Zeit passieren, absichtlich oder unabsichtlich, wieder besseres Wissens oder ohne, dass man es weiß, was man da eigentlich gerade tut, lässt sich nicht ganz verhindern. Aber das entschuldigt ja nicht, dass man nicht versucht es nach bestem Gewissen zu verhindern und versucht das Ganze soweit das geht anständig zu führen. Wenn die Alliierten 1944 mit (keine Zivilisten werden verletzt oder getötet) angegriffen hätten, dann wären wir wahrscheinlich in einem furchtbaren System. Wenn ich da zwei Beispiele nehme war natürlich Dresden ein Kriegsverbrechen.* Das Ruhrgebiet und Hamburg mit erheblichen auch zivilen Toten eigentlich nicht, weil da wurde in erster Linie Hafenanlagen, Industrieanlagen und sonst was zerstört und das macht dann schon den Unterschied.** Für den Einzelnen der da gerade Pech gehabt hat natürlich nicht, aber für die Sache an sich schon. Das eine ist einfach nur Rache und das andere ist halt ein militärischer Einsatz.
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* Vom 13. bis 15 Februar 1945 haben Alliierte die Altstadt von Dresden bombardiert. 25000 Menschen starben durch die Angriffe.
** Vom 24.7 bis 2.8.1943 griffen Alliierte Industrie und Rüstungsunternehmen in Hamburg und 1943/44 im Ruhrgebiet an. In Hamburg starben ca. 34000 Menschen.
gerechter Krieg.
Ziel: Die Schüler können den Begriff „gerechter Krieg“ definieren und die dahinterstehenden ethischen und moralischen Kriterien erläutern, indem sie die Textinformationen erarbeiten und ihre Ergebnisse im Plenum vorstellen.
Stufe: 9.-10.Schuljahr
Zeitbedarf: mind. 1 Schulstunde (45 Minuten)
Material: je Schüler einmal das Material
Die Schüler können die fünf Kriterien eines gerechten Krieges benennen und in eigenen Worten erklären, indem sie den Informationstext bearbeiten und die Ergebnisse schriftlich festhalten.
Die Schüler können die Aussagen von Generalmajor Hochwart kritisch analysieren und in Beziehung zum Konzept des gerechten Krieges setzen, indem sie markierte Textstellen in Partnerarbeit diskutieren und ihre Positionen vertreten.
Die Schüler können zentrale Aussagen aus Zitaten und Textquellen (z. B. Wilson-Zitat, Interview Hochwart) herausarbeiten und strukturieren, indem sie markierende Lesestrategien anwenden und die Ergebnisse im Unterrichtsgespräch präsentieren.
Aufgabe 1:
Die Schüler werden sehr wahrscheinlich sagen, dass es keinen Krieg gibt, der alle Kriege beendet. Die Lehrkraft kann aber anmerken, dass die Menschen damals das von dem Ersten Weltkrieg wahrscheinlich gedacht haben. Es war der größte Krieg, den es damals bisher gab. Deswegen waren die Hoffnungen auf einer friedvollen Welt danach umso größer. Heute wissen wir, dass es nicht der Krieg war, der alle anderen beendete. Auf die Frage, ob es Situationen geben kann, in denen Krieg gerechtfertigt sein kann, könnten die Schüler antworten, dass es im Falle eines Verteidigungskrieges, wie es zum Beispiel in der Ukraine der Fall ist, gerechtfertigt sein kann. Ebenfalls könnten sie antworten, dass es im Falle eines Angriffs eine Bündnislandes, z.B. der Nato, es gerechtfertigt sein kann diesem Land im Krieg mit eignen Soldaten*innen zu helfen. Die Frage, wer entscheidet, was „gerecht“ ist, könnten die Schüler beantworten, indem sie sagen, dass es den Kriegsparteien überlassen ist, einzuschätzen, was „gerecht“ ist oder es eine individuelle Frage ist, die jeder für sich in so einem Falle beantworten muss. Ebenfalls kann die Lehrkraft mit Bezug auf das Bild mit der Klasse diskutieren, inwiefern Waffen Frieden bringen können und sie notwendig sind oder ob sie nicht doch nur mehr Leid verursachen.
Aufgabe 2:
Hier werden wahrscheinlich die Erkenntnisse der Diskussionen aus Aufgabe 1 aufgreifen und so Kriterium aufstellen. Dabei ist es wahrscheinlich, dass diese ähnlich sein könnten wie die aus der folgenden Aufgabe 3. Es kann aber auch sein, dass Schüler sagen, dass es für sie keinen gerechten Krieg gibt. Dies kann die Lehrkraft aufgreifen und mit der Klasse diskutieren.
Aufgabe 3:
Das Konzept des „gerechten Krieges“ versucht mit ethischen und moralischen Kriterien zu definieren, wann ein Krieg als gerecht anzusehen ist. 1. Kriterium: Gerechter Ursache: es muss ein schwerwiegender Grund vorlegen, wie ein Angriff eines anderen Landes oder der Schutz von Zivilisten. Das 2. Kriterium wäre die richtige Autorität: ein Krieg kann nur von einer legitimen und anerkannten Regierung oder Staatsoberhaupt erklärt werden. Das 3. Kriterium wäre die richtige Absicht: Es muss Ziel sein Frieden wiederherzustellen und nicht Rache oder Eroberung. 4. Kriterium: Die Verhältnismäßigkeiten müssen gegeben sein, sodass das Leid der Bevölkerung im Maß gehalten wird zum angestrebten Ziel. Ebenfalls sollten zivile Opfer vermieden werden. Anzumerken ist, dass die Schüler vielleicht nicht wissen, was Kombattanten sind. Kombattanten sind Kampfteilnehmer, diese können Soldaten aber auch bewaffnete Zivilisten sein, die ihr Armee unterstützt. Als letztes und wichtigstes Kriterium sollte der Krieg äußerstes (nicht letztes) Mittel sein, denn es sollten vorher alle friedlichen und diplomatischen Lösungen ausprobiert wurden sein. Natürlich kann es sein, dass z.B. ein Angriff überraschend passiert ohne das diplomatische Lösungen vorher geschehen sind. Deshalb ist Krieg nicht das letzte, sondern äußerstes Mittel. Die Kriterien sind nicht dafür da Krieg zu begründen, sondern Kriege einzudämpfen. Die Lehrkraft könnte hierbei noch hinzufügen, dass es noch nie einen Krieg gab, der alle Kriterien erfüllte. Zudem ist die Lehre vom gerechten Krieg über mehrere Jahrhunderte entstanden, wobei Augustinus und Martin Luther diese sehr geprägt haben. Abschließend kann nochmal auf die Aufgabe 2 geschaut werden und die Ergebnisse beider Aufgaben verglichen werden. Würden die Schüler bei der eine oder bei der anderen Aufgabe ein Kriterium ergänzen wollen.
Aufgabe 4 und 5:
Bei der Aufgabe 4, wo die Schüler Textstelle markieren sollen, ist es schwierig zu sagen, wo sie zustimmen und wo sie widersprechen. Das ist sehr individuell abhängig vom jeweiligen Schüler. Hochwart orientiert sich bei seiner Erläuterung eng an den Kriterien eines gerechten Krieges. Er unterscheidet aber gerecht und gerechtfertigt, was näher in der Aufgabe 5 besprochen werden soll. Unter gerecht versteht Hochwart im rechtlichen bzw. politischen Sinne. Er erwähnt hier das Völkerrecht, das verbindliche Vorgaben und Regeln für internationale Beziehungen beinhaltet. Gerechtfertigt ist für ihn nur ein Verteidigungskrieg, wobei er auch Nothilfe mit einbezieht. Auch kann man untersuchen, welche Kriterien des gerechten Krieges sich bei seiner Argumentation sich wiederfinden. Überraschen könnte den Schüler die Aussagen Hochwarts zu zivilen Opfern, über die die Schüler ebenfalls in der Aufgabe 5 diskutieren sollen. Dabei unterscheidet er nicht anhand der Höhe der Opfer, ob es ein Kriegsverbrechen ist oder nicht, sondern über die Absicht des Angriffs. Er schaut nicht auf die einzelnen Opfer, sondern auf das vorrangige Ziel des Angriffs. Darüber sollte man innerhalb der Klasse diskutieren. Ist seine Sicht vielleicht sehr geprägt durch seine militärische Laufbahn? Ist nicht jeder Angriff, bei den Zivilsten ums Leben kommen, ein schlechter?
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