• Handreichung - der Weg in die Katastrophe
  • anonym
  • 06.09.2020
  • Geschichte
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  • Der Weg in die Katastrophe

    Q1: Edwardian Era, Europe WW1 Cartoons Raven Hill Punch Magazine, 1912
    Q2: Gabriele Galantara in: Der wahre Jacob, 1913

    1. Kurzbeschreibung des Arbeitsblattes:

    Das Arbeitsblatt ist geeignet für Klassenstufe 8 eines Gymnasiums, sowie mit weiterer Reduktion für die Oberschule. Für die Bearbeitung der gesamten Aufgaben, sollte mindestens eine 90 Minuten-Einheit eingeplant werden, plus möglicher Eigenarbeit zuhause. Inhaltlich sollen die Ursachen für den ersten Weltkrieg herausgearbeitet und mittels eines Quiz und der Interpretation einer Karikatur angewandt werden. Dabei lernen die Schülerinnen und Schüler (SuS) eine Onlinesammlung kennen, welche sie anschließend bewerten sollen. Abschließend sollen die SuS sich zu Zitaten zur Kriegsschuldfrage positionieren. Methodisch stehen diverse Erklärvideos zur Verfügung, sowie ein gemeinsames Padlet zur Sicherung der Ergebnisse der Klasse.

    Erklärvideo Onlinesammlung "Der wahre Jakob"

    www.t1p.de//90ng

    Quiz

    Ursachen erster Weltkrieg

    www.t1p.de//r7pd

    Erklärvideo

    Interpretation einer Karikatur

    www.t1p.de//crbm

  • 2. Lehrplanverortung

    Das Arbeitsblatt "Der Weg in die Katastrophe" ist nach dem Lehrplan des sächsischen Staatsministerium für Kultus (SMK), vorrangig für eine 8. Klasse eines Gymnasiums geeignet. Im Lehrplan Geschichte für das Gymnasium lässt sich das Arbeitsblatt in Lernbereich 4 "vom übersteigerten Nationalismus zum Ersten Weltkrieg" verorten (Staatsministerium für Kultus, 2019, S. 21). Das Arbeitsblatt ist in 4 Aufgaben-Settings gegliedert.

    Das erste Aufgaben-Setting widmet sich den Ursachen für den Ersten Weltkrieg und ist Gegenstand des Geschichtsunterrichts der 8. Klasse (SMK, 2019, S. 19). Dabei werden Themen des Lernbereichs 4 behandelt, unter anderem die europäische Bündnispolitik, imperialistische Bestrebungen der Großmächte, Kolonialismus und Wettrüsten (SMK, 2019, S. 21) in Aufgabe 1 & 2 und in Aufgabe 3 in einem Quiz gesichert.

    Im zweiten Aufgaben-Setting lernen die SuS eine Onlinesammlung zum Ersten Weltkrieg kennen, sodass die Lernenden mit "traditionellen und digitalen Medien" (SMK, 2019, S. 19) umgehen können. Dabei können die SuS "bereits bekannte Quellenarten und Darstellungsformen" (SMK, 2019, S. 19) analysieren und beurteilen, wie beispielsweise Karikaturen und Zeitungsartikel.

    Anschließend sollen die SuS im dritten Aufgaben-Setting Karikaturen interpretieren, welche im Lernbereich 4 als Methode vorgeschlagen wird (SMK, 2019, S. 21). Dabei soll eine Arbeit an internationalen Beispielen erfolgen, indem die SuS sich zuerst mit einer britischen Karikatur aus dem 'Punch Magazine' beschäftigen und danach eine deutsche Karikatur aus 'der Wahren Jacob' selbstständig interpretieren. Damit lernt die Klasse die "Selbst- und Fremdwahrnehmung verschiedener Großmächte" (SMK, 2019, S. 21) kennen und entwickelt eine Mehrperspektivität auf die damalige Zeit. Des weiteren sind die SuS zunehmend in der Lage, "Aussagen von Karikaturen zu erarbeiten und in den historischen Zusammenhang einzuordnen" (SMK, 2019, S. 19).

    Letztlich sollen die Lernenden im vierten Aufgaben-Setting "sich positionieren zur Kriegsschuldfrage des Ersten Weltkrieges" (SMK, 2019, S. 21). "Die SuS entwickeln historische Urteilsfähigkeit, indem sie den Zusammenhang von Nationalismus, Imperialismus und Krieg erkennen" (SMK, 2019, S. 19).

    In nachfolgenden Stunden kann man auf die aktuell aufkommenden nationalen Bestrebungen auf der Welt eingehen, um den Geschichtsunterricht mit der "Gegenwart und Zukunft" (SMK, 2019, S. 1) lebendig zu verknüpfen.

  • Mögliche Lernbereichsplanung
    LB 4: Vom übersteigerten Nationalismus zum Ersten Weltkrieg - 14 Ustd.

    Stunde

    Thema/ Inhalt

    methodischer Schwerpunkt

    1 + 2

    europäische Bündnispolitik zur Zeit Bismarcks

    Geschichtskarten + Konfliktbewältigung

    3 + 4

    Die Vorherrschaft der europäischen Großmächte auf der Welt

    Erkennen von übersteigertem Nationalismus und Rassismus

    5 + 6

    Weltpolitik des deutschen Kaiserreichs

    Fallstudie: konkurierende Kolonialpolitik

    7 + 8

    Der Weg in die Katastrophe - Ursachen für den Ersten Weltkrieg

    digitale Medien + Karikatur Interpretation

    9 + 10

    Eine neue Dimension der Kriegsführung

    Feldpostbriefe auswerten

    11 + 12

    Leistungsüberprüfung + Propaganda im Krieg

    Plakate analysieren

    13 + 14

    Vertrag von Versailles und seine Folgen

    Debatte

    T1: Lernbereichsplanung LB 4, Klasse 8 Gymnasium
  • 3. Inhaltliche Schwerpunktsetzung / Sachanalyse

    Unser Arbeitsmaterial "der Weg in die Katastrophe" setzt seinen Fokus inhaltlich auf die Ursachen des Ersten Weltkrieges. Das Attentat von Sarajewo durch den "serbischen Nationalist Gavrilo Princip am 28. Juni 1914 den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau auf offener Straße erschoss, gilt allgemein als Auslöser" (Kruse, 2009, S. 5) für den Ersten Weltkrieges.

    Doch das dieses lokal begrenzte tragische Ereignis einen Flächenbrand entfachte setzt sich aus vielfältigen Ursachen zusammen.

    Ein erstes Puzzleteil ist das Machtvakuum auf dem Balkan aufgrund der Schwäche des osmanischen Reiches, welches durch die Nationalbewegungen der hier lebenden Völker, insbesondere Serben, Rumänen, Bulgaren, Griechen" (Kruse, 2009, S. 5) bedroht wurde. Zeitgleich wollten die konkurrierenden Großmächte Österreich-Ungarn und Russland eigene Machtansprüche auf dem Balkan durchsetzten. Dabei hatte Österreich-Ungarn das Ziel nach "imperialistischer Expansion und hatte 1908 Bosnien Herzegowina annektiert" (Kruse, 2009, S. 5), wodurch nicht zuletzt die slawischen Völker verstärkt die Habsburger als Feind ihrer Nationalbewegungen verstanden. Den slawischen Völkern stand Russland zur Seite, das sich "im Zeichen des Panslawismus als Schutzmacht" (Kruse, 2009, S. 5) verstand, um somit seinen Einfluss auf dem Balkan auszudehnen. In den beiden Balkankriegen 1912 und 1913 gingen schließlich neue Staaten hervor, insbesondere Serbien als Profiteur, welches nun nach einen großserbischen Staat strebte (vgl. Unterseher, 2014, S. 3). Daher ist das Attentat von Sarajewo durch einen serbischen Nationalisten entscheidend für den Krisenherd Balkan, dem ein Ultimatum von Österreich-Ungarn an Serbien folgte, das sich zum Krieg gedrängt fühlte (vgl. Weinrich, 2013, S. 246).

    Als zweites Puzzleteil sind die europäischen Bündnissysteme zu sehen, wodurch die Großmächte in Europa miteinander eng verzahnt waren. Bismarck als Weichensteller des noch jungen deutschen Reiches, verbündete sich unter dem Zweibund 1879 mit Österreich-Ungarn und später im Dreibund 1881 mit Italien. Nachdem die Isolation Frankreichs durch Bismarcks Bündnissysteme Ende des 19. Jahrhunderts scheiterte und sich England mit Frankreich 1904 mit dem Entente-Abkommen, 1907 mit dem Triple-Entente-Abkommen zusätzlich Russland verbündeten (vgl. Berghahn, 2004, S. 24), standen sich "schließlich zwei gegeneinander gerichtete Bündnissysteme der Großmächte" (Kruse, 2009, S. 6) gegenüber.

    "Diese Verfestigung wurde begleitet und z. T. vorangetrieben durch ein  Wettrüsten" (Berghahn, 2004, S. 25), das vom Seewettrüsten zwischen England und Deutschland sich weiter ,nach der zweiten Marokko-Krise 1911, auf die

  • Landheere im "Rüstungswettlauf der europäischen Mächte verschärfte"(Weinrich, 2013, S. 251).

    Als weitere Ursache gilt der Hochimperialismus, welcher besonders deutlich wurde "im 'Scramble for Africa', als die europäischen Großmächte in einem Wettlauf um die Aneignung von Macht- und Einflusssphären" (Kruse, 2009, S. 7) in Afrika eintraten. Während Frankreich, England und Russland bereits ihre Einflussgrenzen abstecken, trat das Deutsche Reich als kolonialistischer Nachzügler "besonders aggressiv in Erscheinung" (Kruse, 2009. S. 7).

    Der mit dem Hochimperialismus einhergehende verstärkte Nationalismus ist als weiterer Punkt entscheidend, welcher durch propagandistische Selbst- und Feindbilder gefestigt wurde (Osterhammel, 2012).

    Dieser Nationalismus steigerte sich bis hin zum Heroischen Fatalismus, der durch den starken öffentlichen Militarismus zu einer Flut von Rekruten und einer Welle von Kriegsbegeisterung letztlich den Krieg unausweichlich machte (Osterhammel, 2012).

    Dies sollen nur die auf dem Material thematisierten Ursachen konkretisieren, haben keinesfalls einen Anspruch auf Vollständigkeit der gesamten Ursachen für den Ersten Weltkrieg. Aufgrund dieser Komplexität ist nach wie vor die Kriegsschuldfrage in der Geschichtswissenschaft oft diskutiert (Weinrich, 2013, S. 233), jedoch weit entfernt von einem Konsens (Angelow, 2014, S. 76).

    Die verwendeten Quellen entstammen hauptsächlich Onlinedatenbanken des Punch Magazines oder von der Wahre Jacob, welche unten nochmals verlinkt sind. Dabei sind die Quellen, insbesondere die Karikaturen gemeinfrei. Die verwendeten Quellen sind aussagekräftig, insbesondere Q1-4 sehr bekannt und haben einen ikonischen Charakter.  Das unter M1 verwendete Erklärvideo ist von Educ'ARTE veröffentlichtes Programm "Mit offenen Karten" und kann auf arte.de oder direkt mittels einer Schullizenz verwendet werden. Die kostenlose Nutzung auf arte.de schließt jedoch nur aktuelle Folgen ein. Alle weiteren Videos sind selbst erstellt und können gemeinfrei verwendet werden.

    Literaturhinweise
    • Angelow, J.(2014). Der Kriegsausbruch von 1914. Historiografie und Kriegsschuldfrage. WeltTrends, (94), S. 72-77.
    • Berghahn, V. R. (2004). Der Erste Weltkrieg (2. Aufl.). München: Beck.
    • Kruse, W. (2009). Der Erste Weltkrieg. Darmstadt: WBG.
    • Weinrich, A. (2013). »Großer Krieg«, große Ursachen? Aktuelle Forschungen zu den Ursachen des Ersten Weltkriegs. Francia, Bd. 40 (2013), S. 233-252.
    • Osterhammel, J. (2012). 1880 bis 1914 | bpb. Bundeszentrale für politische Bildung. https://www.bpb.de/izpb/142137/1880-bis-1914?p=all, Stand 06.09.2020 15:00.
    • Unterseher, L. (2014). Der Erste Weltkrieg. Wiesbaden: Springer VS.