Am 15. April 1989 fand im Hillsborough-Stadion in Sheffield das Halbfinale des englischen FA-Cups zwischen dem FC Liverpool und Nottingham Forest statt. Für dieses Spiel waren über 50.000 Zuschauer erwartet worden. Die Tribüne auf der Westseite des Stadions, die sogenannte Leppings-Lane-Tribüne, war für die Liverpool-Fans vorgesehen. Der Zugang erfolgte durch wenige Drehkreuze, die bereits in den frühen Nachmittagsstunden zu langen Warteschlangen führten. Viele Fans trafen zudem verspätet ein, sodass sich kurz vor Spielbeginn Tausende Menschen gleichzeitig Zutritt verschaffen wollten.
Um den Druck vor den Toren zu verringern, entschied sich die Polizei kurz vor Anpfiff, ein zusätzliches Tor zu öffnen. Diese Maßnahme führte jedoch nicht zu einer Entlastung, sondern zu einer unkontrollierten und ungebremsten Flut von Menschen in die bereits stark gefüllten Blöcke 3 und 4 direkt hinter dem Tor. Anstatt die Zuschauerströme umzuleiten oder den Zugang zu regulieren, strömten die Massen direkt in die mittleren Stehplatzblöcke, die dadurch innerhalb kürzester Zeit massiv überfüllt waren. Ein geordnetes Einlassmanagement fand nicht statt.
Im Inneren des Stadions entwickelte sich innerhalb weniger Minuten eine lebensgefährliche Situation. Die Zuschauer wurden immer dichter zusammengedrängt und gegen die massiven Stahlgitter gedrückt, die den Block vom Spielfeld trennten. Bewegungsfreiheit war kaum noch vorhanden, zahlreiche Menschen verloren das Bewusstsein. Erste Anzeichen der Katastrophe waren sichtbar: Fans kletterten verzweifelt über die Zäune oder versuchten, andere über die Absperrungen zu ziehen, um sie in Sicherheit zu bringen.
Das Fehlverhalten der Verantwortlichen zeigte sich besonders in den folgenden Minuten. Ordner und Polizei erkannten das Ausmaß der Gefahr nicht sofort oder reagierten viel zu spät. Statt die Zäune zu öffnen, um die Menschenmassen zu entlasten, blieben diese verschlossen. Notausgänge wurden entweder nicht genutzt oder waren nicht zugänglich. Auch die Kommunikation zwischen Einsatzkräften und Stadionleitung war mangelhaft. Während auf den Rängen Menschen um ihr Leben kämpften, lief das Spiel zunächst weiter. Wichtige Minuten gingen verloren, in denen eine sofortige Evakuierung zahlreiche Leben hätte retten können.
Als schließlich die ersten Zuschauer bewusstlos über die Zäune gehoben wurden, setzte sich das Bild der Hilflosigkeit fort. Anstelle eines organisierten Rettungsdienstes waren es zunächst Fans selbst, die Verletzte versorgten. Tragen waren im Stadion nicht in ausreichender Zahl vorhanden. Aus der Not heraus wurden daher Werbeschilder von den Spielfeldumrandungen abmontiert und als improvisierte Tragen benutzt, um die Verletzten vom Spielfeldrand abzutransportieren. Dieses improvisierte Handeln verdeutlichte, wie unzureichend das Stadion auf eine Massenpanik vorbereitet war.
Der Rettungsdienst traf erst mit deutlicher Verspätung in ausreichender Stärke ein. Bis dahin waren es überwiegend Mitfans und einige wenige Ordner, die sich um die Opfer kümmerten. Notwendige Erste-Hilfe-Maßnahmen wurden vielfach nicht rechtzeitig eingeleitet. Die medizinische Versorgung war völlig unzureichend, sodass zahlreiche Menschen, die mit rechtzeitiger Hilfe hätten überleben können, noch am Ort des Geschehens starben.
Insgesamt verloren bei der Katastrophe 96 Menschen ihr Leben (später wurde ein weiteres Todesopfer offiziell hinzugerechnet), und über 700 wurden zum Teil schwer verletzt. Die Nachbereitung der Ereignisse machte deutlich, dass die Ursachen nicht allein in der großen Menschenmenge zu suchen waren, sondern in einer Kette von gravierenden Fehlentscheidungen und organisatorischen Mängeln:
das unkontrollierte Öffnen eines Tores ohne Lenkung der Zuschauerströme,
die fehlende Steuerung der Fanbewegungen in andere, weniger gefüllte Blöcke,
das Verschließen von Ausgängen und Zäunen trotz Überfüllung,
die mangelhafte Kommunikation zwischen Polizei, Stadionleitung und Rettungsdiensten,
das Fehlen ausreichender medizinischer Notfallausrüstung und geeigneter Transportmittel für Verletzte,
das verspätete Eingreifen des Rettungsdienstes.
Ein besonders schwerwiegendes Nachspiel hatte die Berichterstattung durch die Boulevardzeitung „The Sun“. Bereits wenige Tage nach der Katastrophe titelte sie mit „The Truth“ und schob die Schuld den Liverpool-Fans selbst zu. Es wurde behauptet, die Anhänger hätten betrunken die Katastrophe mitverursacht, Polizisten attackiert und sogar Opfer bestohlen. Diese Berichterstattung beruhte auf unbelegten Aussagen und erwies sich später als falsch. Sie führte jedoch zu einer massiven Stigmatisierung der Fans und zu großem Leid bei den Angehörigen der Opfer. Erst Jahrzehnte später wurden die falschen Anschuldigungen offiziell korrigiert und die Verantwortung klar bei den Behörden und der Polizei verortet. Für viele Betroffene war der Schaden durch diese mediale Vorverurteilung jedoch nicht wiedergutzumachen.
Die Hillsborough-Katastrophe gilt bis heute als eine der schwersten Stadionkatastrophen Europas und führte in England zu einem umfassenden Umdenken im Stadionbau und in der Sicherheitsorganisation. Sitzplatzpflichten, breitere Fluchtwege, klar definierte Kapazitätsgrenzen sowie verbesserte Notfallpläne wurden als Konsequenzen eingeführt.
Die Tragödie machte deutlich, dass ein Versagen in der Sicherheitsorganisation nicht nur einzelne Fehler, sondern eine ganze Kette von Fehlentscheidungen umfassen kann – von der unzureichenden Planung bis hin zum mangelhaften Handeln im Ernstfall. Ebenso zeigte sie, wie mediale Fehlberichterstattung die Aufarbeitung zusätzlich erschweren und das Vertrauen in Institutionen dauerhaft beschädigen kann.