• Immanuel Kants Kritik am ontologischen Gottesbeweis
  • anonym
  • 30.11.2023
  • Ethik
  • 12
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Kants Kri­tik am on­to­lo­gi­schen Got­tes­be­weis

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Dies ist eine War­nung, von der Mög­lich­keit der Be­grif­fe (lo­gi­sche) nicht so­fort auf die Mög­lich­keit der Dinge (reale) zu schlie­ßen.

Gott ist all­mäch­tig; das ist ein not­wen­di­ges Ur­teil. Die All­macht kann nicht auf­ge­ho­ben wer­den, wenn ihr eine Gott­heit, das ist ein un­end­li­ches Wesen, setzt, mit des­sen Be­griff jener iden­tisch ist. Wenn ihr aber sagt: "Gott ist nicht", so ist weder die All­macht noch ir­gend­ein an­de­res sei­ner Prä­di­ka­te ge­ge­ben; denn sie sind alle mit­samt dem Sub­jek­te auf­ge­ho­ben, und es zeigt sich in die­sem Ge­dan­ken nicht der min­des­te Wi­der­spruch.



[...] Unser Be­griff von einem Ge­gen­stan­de mag also ent­hal­ten, was und wie viel er wolle, so müs­sen wir doch aus ihm her­aus­ge­hen, um die­sem die Exis­tenz zu er­tei­len. Bei Ge­gen­stän­den der Sinne ge­schieht die­ses durch den Zu­sam­men­hang mit ir­gend­ei­ner mei­ner Wahr­neh­mun­gen nach em­pi­ri­schen Ge­set­zen; aber für Ob­jek­te des rei­nen Den­kens ist ganz und gar kein Mit­tel, ihr Da­sein zu er­ken­nen, weil es gänz­lich a pri­o­ri er­kannt wer­den müss­te, unser Be­wusst­sein aller Exis­tenz aber [...] ge­hö­ret ganz und gar zur Ein­heit der Er­fah­rung, und eine Exis­tenz außer die­sem Felde kann zwar nicht schlech­ter­dings für un­mög­lich er­klärt wer­den, sie ist aber eine Vor­aus­set­zung, die wir durch nichts recht­fer­ti­gen kön­nen. Der Be­griff eines höchs­ten We­sens ist eine in man­cher Ab­sicht sehr nütz­li­che Idee; sie ist aber eben darum, weil sie bloß Idee ist, ganz un­fä­hig, um ver­mit­telst ihrer al­lein un­se­re Er­kennt­nis in An­se­hung des­sen, das exis­tiert, zu er­wei­tern. Sie ver­mag nicht ein­mal so viel, dass sie uns in An­se­hung der Mög­lich­keit eines Meh­re­ren be­leh­re­te. Das ana­ly­ti­sche Merk­mal der Mög­lich­keit, das darin be­steht, dass bloße Po­si­ti­o­nen (Re­a­li­tä­ten) kei­nen Wi­der­spruch er­zeu­gen, kann ihm zwar nicht be­strit­ten wer­den; da aber die Ver­knüp­fung aller re­a­len Ei­gen­schaf­ten in einem Dinge eine Syn­the­sis ist, über deren Mög­lich­keit wir a pri­o­ri nicht ur­tei­len kön­nen, weil uns die Re­a­li­tät spe­zi­fisch nicht ge­ge­ben, und, wenn die­ses auch ge­schä­he, über­all gar kein Ur­teil darin statt­fin­det, weil das Merk­mal der Mög­lich­keit syn­the­ti­scher Er­kennt­nis­se immer nur in der Er­fah­rung ge­sucht wer­den muss, zu wel­cher aber der Ge­gen­stand einer Idee nicht ge­hö­ren kann.



[...] Es ist also an dem so be­rühm­ten (car­te­si­a­ni­schen) Be­wei­se, vom Da­sein eines höchs­ten We­sens, aus Be­grif­fen, alle Mühe und Ar­beit ver­lo­ren, und ein Mensch möch­te wohl eben­so wenig aus blo­ßen Ideen an Ein­sich­ten rei­cher wer­den als ein Kauf­mann an Ver­mö­gen, wenn er, um sei­nen Zu­stand zu ver­bes­sern, sei­nem Kas­sen­be­stan­de ei­ni­ge Nul­len an­hän­gen woll­te.

Im­ma­nu­el Kant - Kri­tik der rei­nen Ver­nunft (I. Tran­szen­den­ta­le Ele­men­tar­leh­re)

Gott ist all­mäch­tig; das ist ein not­wen­di­ges Ur­teil. Die All­macht kann nicht auf­ge­ho­ben wer­den, wenn ihr eine Gott­heit, das ist ein un­end­li­ches Wesen, setzt, mit des­sen Be­griff jener iden­tisch ist. Wenn ihr aber sagt: "Gott ist nicht", so ist weder die All­macht noch ir­gend­ein an­de­res sei­ner Prä­di­ka­te ge­ge­ben; denn sie sind alle mit­samt dem Sub­jek­te auf­ge­ho­ben, und es zeigt sich in die­sem Ge­dan­ken nicht der min­des­te Wi­der­spruch.



[...] Unser Be­griff von einem Ge­gen­stan­de mag also ent­hal­ten, was und wie viel er wolle, so müs­sen wir doch aus ihm her­aus­ge­hen, um die­sem die Exis­tenz zu er­tei­len. Bei Ge­gen­stän­den der Sinne ge­schieht die­ses durch den Zu­sam­men­hang mit ir­gend­ei­ner mei­ner Wahr­neh­mun­gen nach em­pi­ri­schen Ge­set­zen; aber für Ob­jek­te des rei­nen Den­kens ist ganz und gar kein Mit­tel, ihr Da­sein zu er­ken­nen, weil es gänz­lich a pri­o­ri er­kannt wer­den müss­te, unser Be­wusst­sein aller Exis­tenz aber [...] ge­hö­ret ganz und gar zur Ein­heit der Er­fah­rung, und eine Exis­tenz außer die­sem Felde kann zwar nicht schlech­ter­dings für un­mög­lich er­klärt wer­den, sie ist aber eine Vor­aus­set­zung, die wir durch nichts recht­fer­ti­gen kön­nen. Der Be­griff eines höchs­ten We­sens ist eine in man­cher Ab­sicht sehr nütz­li­che Idee; sie ist aber eben darum, weil sie bloß Idee ist, ganz un­fä­hig, um ver­mit­telst ihrer al­lein un­se­re Er­kennt­nis in An­se­hung des­sen, das exis­tiert, zu er­wei­tern. Sie ver­mag nicht ein­mal so viel, dass sie uns in An­se­hung der Mög­lich­keit eines Meh­re­ren be­leh­re­te. Das ana­ly­ti­sche Merk­mal der Mög­lich­keit, das darin be­steht, dass bloße Po­si­ti­o­nen (Re­a­li­tä­ten) kei­nen Wi­der­spruch er­zeu­gen, kann ihm zwar nicht be­strit­ten wer­den; da aber die Ver­knüp­fung aller re­a­len Ei­gen­schaf­ten in einem Dinge eine Syn­the­sis ist, über deren Mög­lich­keit wir a pri­o­ri nicht ur­tei­len kön­nen, weil uns die Re­a­li­tät spe­zi­fisch nicht ge­ge­ben, und, wenn die­ses auch ge­schä­he, über­all gar kein Ur­teil darin statt­fin­det, weil das Merk­mal der Mög­lich­keit syn­the­ti­scher Er­kennt­nis­se immer nur in der Er­fah­rung ge­sucht wer­den muss, zu wel­cher aber der Ge­gen­stand einer Idee nicht ge­hö­ren kann.



[...] Es ist also an dem so be­rühm­ten (car­te­si­a­ni­schen) Be­wei­se, vom Da­sein eines höchs­ten We­sens, aus Be­grif­fen, alle Mühe und Ar­beit ver­lo­ren, und ein Mensch möch­te wohl eben­so wenig aus blo­ßen Ideen an Ein­sich­ten rei­cher wer­den als ein Kauf­mann an Ver­mö­gen, wenn er, um sei­nen Zu­stand zu ver­bes­sern, sei­nem Kas­sen­be­stan­de ei­ni­ge Nul­len an­hän­gen woll­te.

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Dies ist eine War­nung, von der Mög­lich­keit der Be­grif­fe (lo­gi­sche) nicht so­fort auf die Mög­lich­keit der Dinge (reale) zu schlie­ßen.





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Im­ma­nu­el Kant - Kri­tik der rei­nen Ver­nunft (I. Tran­szen­den­ta­le Ele­men­tar­leh­re)
Im­ma­nu­el Kant - Kri­tik der rei­nen Ver­nunft (I. Tran­szen­den­ta­le Ele­men­tar­leh­re)

Auf­ga­ben

1
Ge­mein­sa­me Klä­rung phi­lo­so­phi­scher Be­grif­fe.
2
Be­schrei­be die Po­si­ti­on Kants, die er in Z. 6-15 for­mu­liert.
3
Er­läu­te­re Kants Ar­gu­ment. In­wie­fern greift es Des­car­tes' on­to­lo­gi­schen Got­tes­be­weis an? Ver­wen­de Zei­len­an­ga­ben.
4
Po­si­ti­o­nie­re dich zu Kants Kri­tik. Das musst du nicht not­wen­di­ger­wei­se schrift­lich tun.
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