Leib und Seele – Wer gewinnt den Kampf bei Alzheimer?

Leib und Seele – Wer ge­winnt den Kampf bei Alz­hei­mer?

Ar­beits­blatt - Teil 1 - Ma­te­ri­al

Er­in­ne­rung an die Whiteboard-​Aussage:

„Alz­hei­mer zer­stört un­se­re Er­in­ne­run­gen und das Ge­hirn.

Das be­weist:

Die Seele ist kom­plett vom Kör­per ab­hän­gig und stirbt mit ihm.“

Po­si­ti­on A: Der Phi­lo­soph Prof. Jo­na­than Berg (Gegen die Aus­sa­ge)



„Man­che sagen, die Seele stirbt durch Alz­hei­mer. Das ist falsch! Ja, die

Krank­heit macht das Ge­hirn ka­putt und ver­än­dert den Men­schen. Aber die Seele ist trotz­dem noch da! Das sieht man an den ‚kla­ren Mo­men­ten‘: Wenn Kran­ke plötz­lich ihre Fa­mi­lie wie­der­erken­nen und tiefe Liebe zei­gen, ist das ein Be­weis. Die Seele kämpft sich für einen kur­zen Mo­ment durch das kran­ke

Ge­hirn nach drau­ßen. Selbst wenn die alten Er­in­ne­run­gen weg sind:

Die Seele bleibt.“

Po­si­ti­on B: Die Neu­ro­lo­gin Dr. Anna Mül­ler (Für die Aus­sa­ge)



„Aus Sicht der Me­di­zin gibt es keine un­ab­hän­gi­ge Seele. Alles, was uns

aus­macht – un­se­re Er­in­ne­run­gen, un­se­re Ge­füh­le, un­se­re Iden­ti­tät –, ist im

Ge­hirn ge­spei­chert. Alz­hei­mer ist eine kör­per­li­che Krank­heit, die genau diese Ge­hirn­zel­len zer­stört. Wenn das Ge­hirn ka­putt­geht, ver­schwin­det auch die

so­ge­nann­te ‚Seele‘. Die ‚kla­ren Mo­men­ten‘ haben nichts mit einer Seele zu tun. Es sind nur letz­te, zu­fäl­li­ge che­mi­sche Re­ak­ti­o­nen im ka­put­ten Ge­hirn.“

Leib und Seele – Der Kampf mit Alz­hei­mer.

Ar­beits­blatt - Teil 2 - Auf­ga­ben

1
ICH – Ein­zel­ar­beit und Text­ver­ständ­nis (10 Min.)
Ar­bei­te in ab­so­lu­ter Stil­le für dich al­lein. Be­ar­bei­te die Auf­ga­ben schrift­lich in dei­nem Heft.

  • Fasse in ei­ge­nen Wor­ten zu­sam­men: Was ist laut Prof. Berg der Be­weis dafür, dass die Seele noch da ist?

  • Er­klä­re: Wie be­grün­det Dr. Mül­ler, dass die Seele mit dem ka­put­ten Ge­hirn ver­schwin­det?

  • Dein Ur­teil: Wel­cher der bei­den Po­si­ti­o­nen stimmst du eher zu? Be­grün­de deine Ent­schei­dung in 2-3 ei­ge­nen Sät­zen auf Basis der Texte.
2
DU/WIR – Aus­tausch am Grup­pen­tisch (10 Min.)
Lest euch am Tisch eure ei­ge­nen Ur­tei­le (Auf­ga­be 1c) vor.
  • Dis­ku­tiert: Gibt es Wi­der­sprü­che? Wel­ches Ar­gu­ment über­zeugt am meis­ten?

  • Er­geb­nis si­chern: Ei­nigt euch auf das stärks­te Ar­gu­ment eurer Grup­pe. Schreibt die­ses unter der Über­schrift Unser Gruppen-​Fazit in euer Heft.

  • Be­stimmt eine Spre­che­rin / einen Spre­cher für das Ple­num.
3
WIR – Vor­be­rei­tung für das Ple­num (5 Min.)

Be­stimmt einen Spre­cher oder eine Spre­che­rin. Ent­schei­det ge­mein­sam: Wer­det ihr euer rotes Kreuz am White­board gleich ver­schie­ben oder bleibt ihr bei eurem schwar­zen Kreuz vom An­fang?

Experten-​Arbeitsblatt: Was macht unser Ich aus?

Der Phi­lo­soph Les­zek Kołakowski über das Ge­dächt­nis:

„Die Angst vor dem Tod ist nicht nur die Angst davor, dass das Herz

auf­hört zu schla­gen. Es ist die Angst davor, sein Leben zu ver­lie­ren.

Unser in­ne­res Ich be­steht aus all den Er­in­ne­run­gen an das, was wir bis­her er­lebt haben. Wenn je­mand durch eine Krank­heit alles ver­gisst, ist das wie der Tod. Wenn die Ver­gan­gen­heit weg ist, ver­schwin­det auch die Per­son, die man ein­mal war.“

4
Zusatz-​Aufgaben für schnel­le Den­ker:

  • Er­klä­re: Warum ver­gleicht der Phi­lo­soph den Ver­lust der Er­in­ne­rung mit dem Tod?

  • Ver­glei­che Kołakowskis An­sicht mit den Tex­ten vom Haupt-​Arbeitsblatt: Würde er eher dem Phi­lo­so­phen (Prof. Berg) oder der Neu­ro­lo­gin
    (Dr. Mül­ler) zu­stim­men? Be­grün­de.

Er­war­tungs­ho­ri­zont

1
Haupt-​Arbeitsblatt:

  • 1a (Prof. Berg): Der Be­weis sind die kla­ren Mo­men­te. Sie zei­gen, dass die Seele noch exis­tiert und sich ge­le­gent­lich durch das kran­ke Ge­hirn
    (den Kör­per) hin­durch­kämpft.

  • 1b (Dr. Mül­ler): Sie be­grün­det das me­di­zi­nisch. Alles, was uns aus­macht, ist im Ge­hirn ge­spei­chert. Wenn diese Zel­len zer­stört wer­den, löscht das die Seele aus. Klare Mo­men­te sind nur rein che­mi­sche Re­ak­ti­o­nen.

  • 1c / 2b (Gruppen-​Fazit / Ziel PK4): * Ar­gu­ment gegen die These: Der Kör­per ist nur die Hülle. Auch ohne Fak­ten­wis­sen emp­fin­den Pa­ti­en­ten in kla­ren Mo­men­ten noch Liebe. Ge­füh­le brau­chen kein in­tak­tes Ge­hirn, sie kom­men aus der Seele.
2
Experten-​Arbeitsblatt:

  • Auf­ga­be 1: Unser Ich be­steht aus Er­in­ne­run­gen. Ohne diese Er­in­ne­run­gen weiß man nicht mehr, wer man ist. Die alte Per­son stirbt quasi, auch wenn der Kör­per noch lebt.

  • Auf­ga­be 2: Kołakowski würde der Neu­ro­lo­gin (Dr. Mül­ler) zu­stim­men. Er sieht die Iden­ti­tät stark an die Er­in­ne­run­gen ge­bun­den. Da Alz­hei­mer diese Ge­hirn­zel­len zer­stört, ist das alte Ich (die Seele) aus sei­ner Sicht ver­nich­tet.

Leib und Seele – Wer gewinnt den Kampf bei Alzheimer?

von Philippe Pohl

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