Lese-Training – Tandemlesen | Freundschaft & Zusammenhalt

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Text 1: Streit um die Scho­ko­la­de

Lena und Mia waren beste Freun­din­nen. Jeden Sams­tag tra­fen sie sich in der Stadt­bi­blio­thek am Markt, um ge­mein­sam zu lesen und Haus­auf­ga­ben zu ma­chen. Die alte Bi­blio­thek mit ihren hohen Re­ga­len war ihr Lieb­lings­ort.

An die­sem Sams­tag war je­doch etwas an­ders. Im Ein­gangs­be­reich hin­gen bunte Pla­ka­te. In der Bi­blio­thek fand eine Ver­an­stal­tung von Green­peace Sie­gen statt. Das Thema: Fai­rer Han­del[1] und Ge­rech­tig­keit[2].

Komm, lass uns rein­ge­hen!, sagte Lena auf­ge­regt.

Mia zö­ger­te. Ich woll­te ei­gent­lich für die Ma­theklau­sur ler­nen.

Das kön­nen wir da­nach immer noch. Das hier ist wich­tig!, dräng­te Lena.

Na gut, seufz­te Mia.

Die bei­den setz­ten sich in den hin­te­ren Be­reich. Eine junge Frau von Green­peace Sie­gen, Frau Weber, be­grüß­te die An­we­sen­den.

Sie zeig­te Bil­der von Ka­kao­plan­ta­gen[3] in Afri­ka. Auf den Fotos waren Kin­der zu sehen, die schwe­re Säcke mit Ka­kao­boh­nen tru­gen.

Diese Kin­der sind oft nicht älter als ihr, er­klär­te Frau Weber. Sie müs­sen hart ar­bei­ten, statt zur Schu­le zu gehen. Die Bau­ern be­kom­men nur sehr wenig Geld, wäh­rend große Fir­men viel Ge­winn ma­chen.

Lena war sicht­lich be­trof­fen. Sie hatte noch nie dar­über nach­ge­dacht, woher ihre Scho­ko­la­de kam.

Des­halb ist es wich­tig, faire Scho­ko­la­de zu kau­fen, fuhr Frau Weber fort. Bei fai­rer Scho­ko­la­de be­kom­men die Bau­ern einen ge­rech­ten Preis. Sie kön­nen ihre Kin­der zur Schu­le schi­cken. Das Fairtrade-​Siegel ga­ran­tiert, dass so­zi­a­le und öko­lo­gi­sche Stan­dards[4] ein­ge­hal­ten wer­den.

Lena mach­te sich eif­rig No­ti­zen.

Nach der Ver­an­stal­tung sagte Lena: Das wuss­te ich gar nicht! Ab jetzt kaufe ich nur noch faire Scho­ko­la­de.

Auf dem Heim­weg kamen sie an einem Su­per­markt vor­bei. Komm, lass uns kurz rein­ge­hen, schlug Lena vor.

Im Sü­ßig­kei­ten­re­gal such­te Lena nach dem Fairtrade-​Siegel[5]. Sie fand eine Tafel für 2,50 Euro. Da­ne­ben lag nor­ma­le Scho­ko­la­de für 1,20 Euro.

Warum ist die so teuer?, frag­te Mia.

Weil die Bau­ern fair be­zahlt wer­den, er­klär­te Lena.

Mia run­zel­te die Stirn. Aber ich be­kom­me nur 5 Euro Ta­schen­geld pro Woche. Wenn ich faire Scho­ko­la­de kaufe, kann ich mir sonst nichts mehr leis­ten.

Dann kauf halt we­ni­ger Scho­ko­la­de!, ent­geg­ne­te Lena etwas scharf.

Das ist leicht für dich zu sagen, sagte Mia ver­letzt. Du be­kommst 10 Euro Ta­schen­geld.





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Die bei­den schwie­gen. Die Stim­mung war plötz­lich an­ge­spannt. Lena kauf­te die faire Scho­ko­la­de, Mia die nor­ma­le. Auf dem Heim­weg spra­chen sie kaum mit­ein­an­der.

Am Abend dach­te Lena über den Streit nach. War sie zu hart ge­we­sen? Sie rief ihre Freun­din an.

Mia, es tut mir leid. Ich woll­te dich nicht ver­ur­tei­len[6].

Mir tut es auch leid, sagte Mia. Ich ver­ste­he ja, dass fai­rer Han­del wich­tig ist. Aber manch­mal ist es schwie­rig, das Rich­ti­ge zu tun, wenn man nicht viel Geld hat.

Lena über­leg­te. Weißt du was? Wir könn­ten zu­sam­men faire Scho­ko­la­de kau­fen und tei­len. Dann kos­tet es für jede von uns nur 1,25 Euro.

Das ist eine gute Idee!, freu­te sich Mia. Eine halbe Tafel reicht mir völ­lig.

Am nächs­ten Tag tra­fen sich die bei­den wie­der in der Bi­blio­thek. Ge­mein­sam hat­ten sie eine faire Tafel Scho­ko­la­de ge­kauft und teil­ten sie. Sie schmeck­te be­son­ders gut, weil sie wuss­ten, dass sie damit etwas Gutes taten.

Viel­leicht könn­ten wir in der Schu­le ein Pro­jekt star­ten, schlug Lena vor. Wir könn­ten an­de­re über fai­ren Han­del in­for­mie­ren.

Und wir könn­ten Green­peace Sie­gen ein­la­den, auch dort einen Vor­trag zu hal­ten, er­gänz­te Mia.

Wir könn­ten auch mit dem Schul­ki­osk spre­chen, fügte Lena hinzu. Wenn die faire Scho­ko­la­de an­bie­ten, könn­ten mehr Leute sie kau­fen.

Die bei­den waren vol­ler Ta­ten­drang[7] und mach­ten sich No­ti­zen für ihr Pro­jekt.

Die bei­den lern­ten an die­sem Wo­chen­en­de etwas Wich­ti­ges: Ge­rech­tig­keit ist nicht immer ein­fach. Manch­mal muss man ver­schie­de­ne Mei­nun­gen an­hö­ren und ge­mein­sam nach Lö­sun­gen su­chen. Nicht jeder hat die glei­chen Mög­lich­kei­ten, aber ge­mein­sam kann man Wege fin­den, die für alle funk­ti­o­nie­ren. Und wahre Freund­schaft be­deu­tet, ein­an­der zu ver­ste­hen, auch wenn man un­ter­schied­li­che Vor­aus­set­zun­gen[8] hat.



Ge­rech­tig­keit be­deu­tet, dass alle fair be­han­delt wer­den. Manch­mal braucht es Kom­pro­mis­se[9] und Zu­sam­men­ar­beit, um ge­rech­te Lö­sun­gen zu fin­den. Star­ke In­sti­tu­ti­o­nen[10] wie Green­peace Sie­gen hel­fen dabei, auf Un­ge­rech­tig­kei­ten auf­merk­sam zu ma­chen.

(5)

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Wort­er­klä­run­gen:

(1) Fai­rer Han­del

Ein Han­dels­sys­tem, bei dem Pro­du­zen­ten (z.B. Bau­ern) einen ge­rech­ten Preis für ihre Pro­duk­te be­kom­men, damit sie davon leben kön­nen.

(2) Ge­rech­tig­keit

Wenn alle Men­schen fair und gleich be­han­delt wer­den und jeder das be­kommt, was er ver­dient.

(3) Ka­kao­plan­ta­gen

Große Fel­der, auf denen Ka­kao­bäu­me wach­sen. Aus den Ka­kao­boh­nen wird Scho­ko­la­de her­ge­stellt.

(4) so­zi­a­le und öko­lo­gi­sche Stan­dards

Fest­ge­leg­te Re­geln zum Schutz der Men­schen (z.B. keine Kin­der­ar­beit, faire Be­zah­lung) und der Um­welt (z.B. kein Gift auf den Fel­dern).

(5) Fairtrade-​Siegel

Ein Zei­chen auf Pro­duk­ten, das zeigt, dass die Her­stel­ler fair be­zahlt wur­den und be­stimm­te Re­geln ein­ge­hal­ten wer­den.

(6) ver­ur­tei­len

Je­man­den für etwas kri­ti­sie­ren oder schlecht be­ur­tei­len, ohne seine Si­tu­a­ti­on zu ver­ste­hen.

(7) Ta­ten­drang

Große Lust und En­er­gie, etwas zu tun und aktiv zu wer­den.

(8) Vor­aus­set­zun­gen

Die Be­din­gun­gen oder Um­stän­de, die je­mand hat (z.B. wie viel Geld oder wel­che Mög­lich­kei­ten).

(9) Kom­pro­mis­se

Lö­sun­gen, bei denen beide Sei­ten etwas nach­ge­ben und sich in der Mitte tref­fen, damit alle zu­frie­den sein kön­nen.

(10) In­sti­tu­ti­o­nen

Or­ga­ni­sa­ti­o­nen oder Ein­rich­tun­gen, die be­stimm­te Auf­ga­ben in der Ge­sell­schaft haben (z.B. Green­peace, Schu­len, Stadt­ver­wal­tung).

(6)

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von anonym

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