Lese-Training – Tandemlesen | Freundschaft & Zusammenhalt

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Text 3: Die Ver­samm­lung im Rat­haus

Die 5b der Re­al­schu­le Sie­gen hatte eine be­son­de­re Ein­la­dung er­hal­ten: Sie durf­ten an einer Ju­gend­ver­samm­lung im Rat­haus teil­neh­men. Das Thema lau­te­te: Wie wol­len wir in Zu­kunft in Sie­gen leben?

Lena war auf­ge­regt. Sie woll­te ihre Idee vor­stel­len: mehr Fahr­rad­we­ge in Sie­gen. Ihr Freund Karim hatte eine an­de­re Idee: mehr Sport­plät­ze für Ju­gend­li­che.

Ich finde, Fahr­rad­we­ge sind wich­ti­ger, sagte Lena auf dem Weg zum Rat­haus. Damit schüt­zen wir die Um­welt und die Luft wird sau­be­rer.

Aber Sport­plät­ze sind auch wich­tig, wi­der­sprach Karim. Viele Ju­gend­li­che haben kei­nen Ort, wo sie Sport ma­chen kön­nen.

Bei­des kos­tet Geld, gab Lena zu be­den­ken. Die Stadt kann nicht alles auf ein­mal ma­chen.

Im gro­ßen Sit­zungs­saal des Rat­hau­ses saßen etwa 50 Ju­gend­li­che aus ver­schie­de­nen Schu­len. Vorne saßen der Bür­ger­meis­ter, ei­ni­ge Stadt­rä­te und Ver­tre­ter von Green­peace Sie­gen.

Der Bür­ger­meis­ter er­öff­ne­te die Ver­samm­lung: Liebe Ju­gend­li­che, heute seid ihr die Ex­per­ten[15]. Wir wol­len eure Ideen hören. Jeder darf seine Mei­nung sagen, und wir neh­men eure Vor­schlä­ge ernst.Nach­ein­an­der stell­ten die Ju­gend­li­chen ihre Ideen vor: Mehr Müll­ei­mer, ein Jugendcafé, bes­se­re Bus­ver­bin­dun­gen, mehr Grün­flä­chen und kos­ten­lo­se Schwimm­bad­be­su­che.

Dann kam Lena an die Reihe. Ihr Herz klopf­te, aber sie sprach laut und deut­lich:

Ich bin Lena aus der 5b. Ich schla­ge vor, dass Sie­gen mehr Fahr­rad­we­ge be­kommt. Viele Kin­der wür­den gerne mit dem Fahr­rad zur Schu­le fah­ren, aber die Stra­ßen sind zu ge­fähr­lich. Si­che­re Fahr­rad­we­ge wären gut für die Um­welt und für un­se­re Ge­sund­heit.

Es gab Ap­plaus. Dann war Karim dran:

Ich bin Karim, auch aus der 5b. Wir brau­chen mehr Sport­plät­ze für Ju­gend­li­che. Viele haben keine Mög­lich­keit, Sport zu ma­chen, weil die Ver­ei­ne zu teuer sind. Ein öf­fent­li­cher Sport­platz wäre kos­ten­los und für alle zu­gäng­lich.





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Auch für Karim gab es Ap­plaus.

Nach allen Prä­sen­ta­ti­o­nen be­gann die Dis­kus­si­on. Eine Stadt­rä­tin mel­de­te sich: Alle Ideen sind gut, aber wir haben nur ein be­grenz­tes Bud­get[16]. Wir müs­sen Pri­o­ri­tä­ten[17] set­zen.

Herr Mül­ler von Green­peace Sie­gen un­ter­stütz­te Lenas Vor­schlag: Fahr­rad­we­ge sind nicht nur gut für die Um­welt, son­dern auch eine In­ves­ti­ti­on in die Zu­kunft.

Ein Stadt­rat un­ter­stütz­te Karim: Sport­plät­ze sind wich­tig für die so­zi­a­le Ge­rech­tig­keit. Ein öf­fent­li­cher Sport­platz gibt allen die glei­chen Chan­cen.

Der Bür­ger­meis­ter schlug vor: Lasst uns ab­stim­men. Jeder hat zwei Stim­men.

Lena über­leg­te. Beide Ideen waren gut. Sie gab eine Stim­me für Fahr­rad­we­ge und eine für Sport­plät­ze. Karim dach­te das­sel­be.

Nach der Aus­zäh­lung[18] stand fest:

Fahr­rad­we­ge (28 Stim­men)

Sport­plät­ze (25 Stim­men)

Mehr Grün­flä­chen (22 Stim­men)

Der Bür­ger­meis­ter ver­kün­de­te: Wir fan­gen mit den Fahr­rad­we­gen an. Im nächs­ten Jahr fol­gen die Sport­plät­ze.

Lena und Karim waren beide zu­frie­den. Auf dem Heim­weg spra­chen sie über die Ver­samm­lung.Am An­fang dach­te ich, nur meine Idee wäre wich­tig, sagte Lena. Aber jetzt sehe ich, dass auch an­de­re gute Ideen haben.

Mir geht es ge­nau­so, gab Karim zu. Und es ist gut, dass wir ab­stim­men konn­ten. So war es fair.

Das ist De­mo­kra­tie, sagte Lena. Jeder darf seine Mei­nung sagen, und dann ent­schei­den wir ge­mein­sam.

Drei Mo­na­te spä­ter wurde der erste neue Fahr­rad­weg ein­ge­weiht. Lena und Karim waren zur Er­öff­nung ein­ge­la­den.

Der Bür­ger­meis­ter dank­te ihnen: Ihr habt ge­zeigt, dass junge Men­schen wich­ti­ge Ideen haben. Eure Stim­men zäh­len, und star­ke In­sti­tu­ti­o­nen wie un­se­re Stadt hören euch zu.

Lena und Karim fühl­ten sich stolz. Sie hat­ten ge­lernt: In einer De­mo­kra­tie hat jeder eine Stim­me. Manch­mal be­kommt man nicht alles, was man will, aber wenn wir zu­sam­men­ar­bei­ten und Kom­pro­mis­se ein­ge­hen, kön­nen wir ge­mein­sam etwas be­we­gen.

De­mo­kra­tie be­deu­tet, dass jeder mit­re­den darf. Star­ke In­sti­tu­ti­o­nen sor­gen dafür, dass alle Stim­men ge­hört wer­den und Ent­schei­dun­gen fair ge­trof­fen wer­den. Manch­mal müs­sen wir Kom­pro­mis­se ein­ge­hen, aber ge­mein­sam kön­nen wir viel er­rei­chen.



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Wort­er­klä­run­gen:

(15) Ex­per­ten

Men­schen, die sich be­son­ders gut mit einem Thema aus­ken­nen oder eine wich­ti­ge Mei­nung dazu haben.

(16) be­grenz­tes Bud­get

Eine fest­ge­leg­te Menge an Geld, die zur Ver­fü­gung steht und nicht über­schrit­ten wer­den kann.

(17) Pri­o­ri­tä­ten

Die wich­tigs­ten Dinge, die zu­erst ge­macht wer­den sol­len, wenn man nicht alles auf ein­mal ma­chen kann.

(18) Aus­zäh­lung

Das Zäh­len aller ab­ge­ge­be­nen Stim­men bei einer Ab­stim­mung, um zu sehen, wel­che Idee die meis­ten Stim­men be­kom­men hat.

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von anonym

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