Lese-Training – Tandemlesen | Freundschaft & Zusammenhalt

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Text 6: Streit auf dem Pau­sen­hof

Die große Pause auf dem Schul­hof der Ge­samt­schu­le Sie­gen war wie immer ein cha­o­ti­sches Durch­ein­an­der. Wäh­rend ei­ni­ge Schü­ler en­thu­si­as­tisch[28] Fuß­ball spiel­ten, saßen an­de­re in Grüpp­chen zu­sam­men oder dräng­ten sich am Kiosk.

Plötz­lich durch­bra­chen ag­gres­si­ve Stim­men den üb­li­chen Lärm­pe­gel[29]. Eine Men­schen­trau­be[30]bil­de­te sich um zwei Jun­gen, die sich ve­he­ment[31] strit­ten: Finn und Amir aus der 6c.

Du hast ab­sicht­lich ge­foult! Das war re­gel­wid­rig[32]!, schrie Finn mit hoch­ro­tem Kopf.

Völ­li­ger Un­sinn! Du bist ein­fach ein mie­ser Ver­lie­rer!, kon­ter­te[33] Amir wü­tend.

Der Kon­flikt war beim Fuß­ball­spiel es­ka­liert. Finns Mann­schaft hatte knapp ver­lo­ren, und er war über­zeugt, dass Amirs Team sys­te­ma­tisch[34] un­fair ge­spielt hatte.

Ihr habt mich bru­tal um­ge­rannt! Der Schieds­rich­ter war of­fen­sicht­lich par­tei­isch[35]!, be­schul­dig­te Finn ve­he­ment.

Das war ein völ­lig nor­ma­ler Zwei­kampf[36]! Du bist von al­lei­ne hin­ge­fal­len!, ver­tei­dig­te sich Amir en­er­gisch.

Die Si­tu­a­ti­on es­ka­lier­te be­droh­lich. Ei­ni­ge Schü­ler so­li­da­ri­sier­ten[37] sich mit Finn, an­de­re stell­ten sich de­mons­tra­tiv[38]auf Amirs Seite.

In die­sem kri­ti­schen Mo­ment er­schien Frau Weber, die Ver­trau­ens­leh­re­rin. Stopp! Kommt beide so­fort mit in den Klas­sen­raum.

Im Klas­sen­raum saßen sich Finn und Amir ge­gen­über, die Arme ver­schränkt, un­ver­söhn­lich[39]. Frau Weber holte einen bun­ten Ball her­vor.

Das ist unser Re­de­stein, er­klär­te sie be­stimmt. Nur wer ihn hält, darf spre­chen. Die an­de­ren hören aktiv zu – ohne Un­ter­bre­chung, ohne Kom­men­tar. Finn, du be­ginnst.Finn nahm den Ball und at­me­te tief durch. Amir ist in mich rein­ge­rannt, als ich zum ent­schei­den­den Tor­schuss an­setz­te. Das war ein­deu­tig re­gel­wid­rig, aber der Schieds­rich­ter – der zu­fäl­lig aus Amirs Klas­se ist – hat nicht ge­pfif­fen. Dann haben sie das Sieg­tor ge­schos­sen. Das war ab­so­lut un­fair.

Amir nahm den Ball. Wir sind beide gleich­zei­tig zum Ball ge­lau­fen und kol­li­dier­ten[40]. Das ge­hört zum Fuß­ball. Finn ist frus­triert über die Nie­der­la­ge und sucht ver­zwei­felt nach Aus­re­den.

Ihr habt völ­lig un­ter­schied­li­che Per­spek­ti­ven auf die­sel­be Si­tu­a­ti­on, sagte Frau Weber. Die ent­schei­den­de Frage lau­tet: Was ist euch wich­ti­ger – Recht zu haben oder das Pro­blem zu lösen?

Finn schau­te ver­wirrt auf. Ist das nicht iden­tisch[41]?

Kei­nes­wegs, er­klär­te Frau Weber. Recht­ha­ben per­petu­iert[42] den Kon­flikt. Pro­blem­lö­sen er­for­dert Kom­pro­miss­be­reit­schaft. Das ist ein fun­da­men­ta­ler[43] Un­ter­schied.









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Drau­ßen hatte sich Lisa von Green­peace Sie­gen po­si­ti­o­niert, um über Kon­flikt­lö­sung zu re­fe­rie­ren – pas­send zum Un­ter­richts­the­ma Frie­den und Ge­rech­tig­keit.Kommt mit, schlug Frau Weber vor.

Lisa er­läu­ter­te glo­ba­le Kon­flik­te um Res­sour­cen[44]. Kon­flik­te sind un­ver­meid­lich, er­klär­te sie. Ent­schei­dend ist unser Um­gang damit: Es­ka­la­ti­on oder kon­struk­ti­ve[45] Lö­sun­gen?

Sie il­lus­trier­te: In man­chen Re­gi­o­nen kon­kur­rie­ren Men­schen um Was­ser. Die einen be­nö­ti­gen es für Land­wirt­schaft, die an­de­ren zum Über­le­ben. Beide Po­si­ti­o­nen sind le­gi­tim. Doch Kon­fron­ta­ti­on führt zu kol­lek­ti­ven Ver­lus­ten. Ko­ope­ra­ti­on und ge­rech­te Ver­tei­lung schaf­fen Win-​Win-​Situationen[46].

Finn mel­de­te sich. Aber was, wenn ob­jek­tiv einer mehr recht hat?

Ex­zel­len­te Frage, lobte Lisa. Ab­so­lu­te Wahr­heit exis­tiert sel­ten. Jeder in­ter­pre­tiert Si­tu­a­ti­o­nen sub­jek­tiv. Es­sen­ti­ell ist ge­gen­sei­ti­ges Ver­ständ­nis und Re­spekt für un­ter­schied­li­che Per­spek­ti­ven.

Nach der Ver­an­stal­tung re­flek­tier­ten Finn und Amir mit Frau Weber.

Viel­leicht war es tat­säch­lich keine Ab­sicht, kon­ze­dier­te[47] Finn zö­gernd.

Und mein Kom­men­tar war un­nö­tig ver­let­zend, räum­te Amir ein.

Wie wäre es mit einem Rück­spiel unter kla­ren, ver­bind­li­chen Re­geln?, schlug Frau Weber vor.

Am nächs­ten Tag or­ga­ni­sier­ten beide ge­mein­sam ein neues Spiel. Vor­her de­fi­nier­ten alle Spie­ler die Re­geln:

Schieds­rich­ter­ent­schei­dun­gen sind ver­bind­lich und wer­den re­spek­tiert.

Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten wer­den nach dem Spiel kon­struk­tiv dis­ku­tiert.

Fair Play[48] und ge­gen­sei­ti­ger Re­spekt sind ob­li­ga­to­risch.Un­ab­hän­gig vom Re­sul­tat er­folgt ein sport­li­cher Hand­schlag.

Das Spiel ver­lief har­mo­ni­scher. Dis­kus­si­o­nen gab es, aber keine Es­ka­la­ti­o­nen. Finns Mann­schaft ge­wann, beide Teams gra­tu­lier­ten sich sport­lich.

Es macht deut­lich mehr Spaß ohne Kon­flik­te, kon­sta­tier­te Amir.

Ab­so­lut, grins­te Finn. Nächs­te Woche Re­van­che[49]?

Die bei­den hat­ten eine wich­ti­ge Lek­ti­on ge­lernt: Kon­flik­te sind un­ver­meid­lich. Doch unser Um­gang damit de­ter­mi­niert, ob fried­li­ches Zu­sam­men­le­ben mög­lich ist. All­ge­mein gül­ti­ge Re­geln und ver­mit­teln­de In­sti­tu­ti­o­nen ga­ran­tie­ren Ge­rech­tig­keit.

 Frie­den be­deu­tet nicht Kon­flikt­frei­heit, son­dern kon­struk­ti­ve Kon­flikt­lö­sung. Ge­rech­tig­keit ent­steht durch all­ge­mein gül­ti­ge Re­geln und die Be­reit­schaft, un­ter­schied­li­che Per­spek­ti­ven zu ver­ste­hen und zu re­spek­tie­ren.

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Wort­er­klä­run­gen:

(28) en­thu­si­as­tisch

Mit gro­ßer Be­geis­te­rung und Freu­de bei etwas dabei sein.

(29) Lärm­pe­gel

Die Laut­stär­ke oder der Ge­räusch­pe­gel an einem Ort; wie laut es ist.

(30) Men­schen­trau­be

Eine Grup­pe von Men­schen, die sich um etwas herum ver­sam­melt haben, um zu sehen, was pas­siert.

(31) ve­he­ment

Sehr hef­tig, lei­den­schaft­lich oder en­er­gisch; mit gro­ßer In­ten­si­tät.

(32) re­gel­wid­rig

Gegen die Re­geln ver­sto­ßend; etwas, das nicht er­laubt ist.

(33) kon­ter­te

Eine schnel­le, schar­fe Ant­wort oder Ge­gen­re­ak­ti­on geben.

(34) sys­te­ma­tisch

Nach einem be­stimm­ten Plan oder Sys­tem; ab­sicht­lich und durch­dacht.

(35) par­tei­isch

Nicht neu­tral oder fair sein; eine Seite be­vor­zu­gen.

(36) Zwei­kampf

Eine Si­tu­a­ti­on im Sport, in der zwei Spie­ler um den Ball kämp­fen.

(37) so­li­da­ri­sier­ten

Sich mit je­man­dem ver­bün­den oder auf seine Seite stel­len; Un­ter­stüt­zung zei­gen.

(38) de­mons­tra­tiv

Etwas ab­sicht­lich und deut­lich zei­gen, damit alle es sehen.

(39) un­ver­söhn­lich

Nicht be­reit, sich zu ver­söh­nen oder nach­zu­ge­ben; sehr stur und ab­leh­nend.

(40) kol­li­dier­ten

Zu­sam­men­sto­ßen; auf­ein­an­der­pral­len.

(41) iden­tisch

Genau gleich; das­sel­be.

(42) per­petu­iert

Etwas am Lau­fen hal­ten oder fort­set­zen; dafür sor­gen, dass etwas wei­ter­geht.

(43) fun­da­men­ta­ler

Grund­le­gen­der, sehr wich­ti­ger; ein we­sent­li­cher Un­ter­schied.

(44) Res­sour­cen

Na­tür­li­che Roh­stof­fe oder Mit­tel, die Men­schen zum Leben brau­chen (z.B. Was­ser, Holz, Nah­rung).

(45) kon­struk­ti­ve

Auf­bau­en­de, hilf­rei­che Lö­sun­gen, die das Pro­blem wirk­lich lösen.

(46) Win-​Win-​Situationen

Si­tu­a­ti­o­nen, in denen beide Sei­ten ge­win­nen und pro­fi­tie­ren; alle sind zu­frie­den.

(47) kon­ze­dier­te

Etwas zu­ge­ben oder ein­räu­men; an­er­ken­nen, dass der an­de­re viel­leicht recht hat.

(48) Fair Play

Fai­res, sport­li­ches Ver­hal­ten; sich an die Re­geln hal­ten und den Geg­ner re­spek­tie­ren.

(49) Re­van­che

Ein Rück­spiel oder eine neue Chan­ce, um sich für eine Nie­der­la­ge zu rä­chen oder es bes­ser zu ma­chen.

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von anonym

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