Lese-Training – Tandemlesen | Freundschaft & Zusammenhalt

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Text 2: Der ver­müll­te Schloss­gar­ten

Tom, Karim und Sarah waren in der glei­chen Klas­se und wohn­ten alle in der Sie­ge­ner In­nen­stadt. An einem son­ni­gen Frei­tag­nach­mit­tag be­schlos­sen sie, ihre Haus­auf­ga­ben im Schloss­gar­ten am Obe­ren Schloss zu ma­chen. Der Schloss­gar­ten war ein wun­der­schö­ner Ort mit alten Bäu­men, bun­ten Blu­men und einem tol­len Blick über die Stadt.

Als sie an­ka­men, waren sie scho­ckiert. Über­all lag Müll: leere Chips­tü­ten, Plas­tik­fla­schen, Fast-​Food-​Verpackungen. Sogar auf den Bän­ken lagen Es­sens­res­te.

Das ist ja eklig!, rief Sarah an­ge­wi­dert.

Wie kön­nen die Leute nur so rück­sichts­los sein?, är­ger­te sich Tom.

Karim zuck­te mit den Schul­tern. Ist doch nicht unser Pro­blem. Dafür gibt es doch die Stadt­rei­ni­gung.

Aber bis die kommt, sieht es hier furcht­bar aus, sagte Sarah. Und die Tiere könn­ten den Müll fres­sen und krank wer­den.

Was sol­len wir denn ma­chen? Den gan­zen Müll al­lei­ne auf­sam­meln?, frag­te Karim skep­tisch[11].

In die­sem Mo­ment kam eine junge Frau mit einer grü­nen Jacke auf sie zu. Auf der Jacke stand Green­peace Sie­gen. Sie trug Hand­schu­he und einen gro­ßen Müll­sack.

Hallo! Ich bin Julia von Green­peace Sie­gen. Wir ma­chen heute eine Müll­sam­mel­ak­ti­on im Schloss­gar­ten. Wollt ihr mit­ma­chen?

Sarah war so­fort be­geis­tert. Ja, gerne!

Tom nick­te zu­stim­mend. Nur Karim zö­ger­te.

Ich ver­ste­he nicht, warum wir den Müll von an­de­ren Leu­ten auf­sam­meln sol­len, sagte er. Die, die ihn hin­ge­wor­fen haben, soll­ten das ma­chen.

Julia lä­chel­te ver­ständ­nis­voll. Du hast recht, dass jeder sei­nen ei­ge­nen Müll ent­sor­gen soll­te. Aber manch­mal müs­sen wir auch Ver­ant­wor­tung für un­se­re Um­ge­bung über­neh­men, auch wenn wir den Müll nicht selbst ge­macht haben. Der Schloss­gar­ten ge­hört uns allen. Wenn wir wol­len, dass er schön bleibt, müs­sen wir uns darum küm­mern.

Aber das ist doch un­fair!, pro­tes­tier­te Karim.

Stimmt, sagte Tom. Aber weißt du, was noch un­fai­rer ist? Dass die Tiere hier lei­den müs­sen, weil Men­schen ihren Müll nicht weg­räu­men. Die Tiere kön­nen sich nicht weh­ren.



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Sarah fügte hinzu: Und wenn wir jetzt nichts tun, wird es immer schlim­mer. Ir­gend­wann kommt nie­mand mehr hier­her, weil es so dre­ckig ist.

Karim dach­te nach. Seine Freun­de hat­ten einen Punkt. Na gut, sagte er schließ­lich. Aber nur, wenn wir da­nach zur Stadt­ver­wal­tung gehen und for­dern, dass mehr Müll­ei­mer auf­ge­stellt wer­den.

Das ist eine super Idee!, lobte Julia. Das ist genau das, was wir brau­chen: Men­schen, die nicht nur auf­räu­men, son­dern auch dafür sor­gen, dass das Pro­blem lang­fris­tig ge­löst wird.

Die vier sam­mel­ten eine Stun­de lang Müll. Sie füll­ten fünf große Säcke! Dabei re­de­ten sie über ver­schie­de­ne Lö­sun­gen:

Wir könn­ten Schil­der auf­stel­len, die an die Müll­ent­sor­gung er­in­nern, schlug Sarah vor.Oder Pfand[12] auf alle Ver­pa­ckun­gen ein­füh­ren, mein­te Tom.

Und re­gel­mä­ßi­ge Kon­trol­len durch die Stadt, er­gänz­te Karim.

Am Ende der Ak­ti­on sah der Schloss­gar­ten wie­der wun­der­schön aus. Die Kin­der waren stolz auf ihre Ar­beit.

Wisst ihr was?, sagte Karim. Ihr hat­tet recht. Es fühlt sich gut an, etwas für un­se­ren Schloss­gar­ten getan zu haben.

Julia gab ihnen In­for­ma­ti­o­nen über die nächs­te Stadt­rats­sit­zung[13]. Dort könnt ihr eure Ideen vor­tra­gen. Die Stadt Sie­gen hört auf die Stim­men jun­ger Men­schen.

In der fol­gen­den Woche be­rei­te­ten Tom, Karim und Sarah ge­mein­sam eine Prä­sen­ta­ti­on vor. Sie sam­mel­ten Un­ter­schrif­ten von Mit­schü­lern und Nach­barn. Bei der Stadt­rats­sit­zung durf­ten sie ihre Vor­schlä­ge vor­tra­gen.

Der Stadt­rat war be­ein­druckt. Zwei Mo­na­te spä­ter wur­den im Schloss­gar­ten zu­sätz­li­che Müll­ei­mer auf­ge­stellt und Hin­weis­schil­der an­ge­bracht. Green­peace Sie­gen or­ga­ni­sier­te re­gel­mä­ßi­ge Müll­sam­mel­ak­ti­o­nen, bei denen viele Sie­ge­ner mit­mach­ten.

Die drei Freun­de lern­ten: Manch­mal sind wir un­ter­schied­li­cher Mei­nung, wie man Pro­ble­me lösen soll. Aber wenn wir un­se­re Ideen zu­sam­men­brin­gen und ge­mein­sam han­deln, kön­nen wir wirk­lich etwas ver­än­dern. Und star­ke In­sti­tu­ti­o­nen wie die Stadt Sie­gen und Green­peace hel­fen dabei, dass un­se­re Stim­men ge­hört wer­den.

Frie­den mit der Natur be­ginnt bei uns selbst. De­mo­kra­tie[14] be­deu­tet, dass jeder seine Mei­nung sagen darf und ge­mein­sam Lö­sun­gen ge­fun­den wer­den.



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Wort­er­klä­run­gen:

(11) skep­tisch

Zwei­felnd oder un­si­cher, ob etwas eine gute Idee ist oder funk­ti­o­niert.

(12) Pfand

Ein Geld­be­trag, den man beim Kauf einer Fla­sche oder Ver­pa­ckung be­zahlt und zu­rück­be­kommt, wenn man sie zu­rück­bringt. So wer­den die Ver­pa­ckun­gen nicht weg­ge­wor­fen, son­dern wie­der­ver­wen­det.

(13) Stadt­rats­sit­zung

Ein Tref­fen, bei dem ge­wähl­te Ver­tre­ter der Stadt (der Stadt­rat) zu­sam­men­kom­men, um über wich­ti­ge The­men und Ent­schei­dun­gen für die Stadt zu spre­chen.

(14) De­mo­kra­tie

Eine Re­gie­rungs­form, in der alle Men­schen mit­be­stim­men dür­fen. Jeder hat das Recht, seine Mei­nung zu sagen, und ge­mein­sam wer­den Ent­schei­dun­gen ge­trof­fen.

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von anonym

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