Pandemien in der Zeit: ein Vergleich von Pest und Corona

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Pandemien in der Zeit: ein Vergleich von Pest und Corona

Grup­pe 1: Pest als Stra­fe Got­tes

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Auf­ga­ben­stel­lung:


  • Lest die Quel­le.
    Un­ter­strei­che Text­stel­len im Text, wie sich die Men­schen die Ent­ste­hung der Pest er­klär­ten. (re­li­gi­ö­se Er­klä­rung)
  • Er­klärt in ei­ge­nen Wor­ten auf eurer Taskcard:
    Warum sahen viele Men­schen die Pest als Stra­fe Got­tes an?
    Wel­che re­li­gi­ö­sen Prak­ti­ken (Gebet, Geiß­ler, Ab­lass­han­del) wur­den zur Be­wäl­ti­gung ge­nutzt?
2
Ver­gleicht mit heute:

a) Wel­che Er­klä­run­gen gibt es heute bei Krank­hei­ten?

b) Was hat sich ver­än­dert?

c) No­tiert auf eurer Taskcard die Un­ter­schie­de und Ge­mein­sam­kei­ten der Pest und Corona-​Pandemie in Bezug zum Thema Krank­hei­ten und Glau­be.

Hil­fe­stel­lung (Satz­an­fän­ge):

-„Da­mals ver­trau­ten die Men­schen vor allem auf
-​Heute ver­las­sen wir uns mehr auf…“

Be­grif­fe, die man ein­brin­gen kann
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Pandemien in der Zeit: ein Vergleich von Pest und Corona

Grup­pe 1: Pest als Stra­fe Got­tes

M1

Krank­hei­ten und Glau­be im Mit­tel­al­ter

Für die Men­schen im Mit­tel­al­ter waren Krank­hei­ten vor allem eine Stra­fe Got­tes. Des­halb nahm wäh­rend gro­ßer Seu­chen auch die Hei­li­gen­ver­eh­rung zu. Be­son­ders oft wurde zur Jung­frau Maria und dem Pest­hei­li­gen Se­bas­ti­an ge­be­tet. Auch un­ter­nah­men die Men­schen ver­mehrt Wall­fahr­ten zu hei­li­gen Orten.

Man­che Gläu­bi­ge be­gan­nen damit, sich selbst zu gei­ßeln: Sie zogen ta­ge­lang umher und schlu­gen sich wäh­rend­des­sen selbst blu­tig. Durch diese Maß­nah­men woll­ten sie für ihre Sün­den büßen und dafür sor­gen, dass sie es im Jen­seits gut haben wür­den.

Auch der Ab­lass­han­del der ka­tho­li­schen Kir­che nahm in den Zei­ten der Pest enorm zu. Mit­hil­fe von Ab­läs­sen konn­ten sich die Men­schen an­geb­lich für eine be­stimm­te Zeit von ihren Sün­den und somit auch vom ge­fürch­te­ten Fe­ge­feu­er frei­kau­fen.

Peith­mann, Na­net­te. Der Schwar­ze Tod – Die Pest wütet in Eu­ro­pa. Pla­net Wis­sen, 09. März 2018.
Peith­mann, Na­net­te. Der Schwar­ze Tod – Die Pest wütet in Eu­ro­pa. Pla­net Wis­sen, 09. März 2018.

Geiß­ler in Deutsch­land (1349)

Tipp

Schla­ge die fett­ge­druck­ten Be­grif­fe im Text im Duden nach oder suche im In­ter­net nach einer De­fi­ni­ti­on.

Ar­bei­te die De­fi­ni­ti­o­nen mit in die Prä­sen­ta­ti­on ein.



Be­grif­fe er­klä­ren:

Ab­lass­han­del um­schrei­ben

Fe­ge­feu­er: ein Ort, an dem man für läss­li­che Sün­den sühnt: heute: die Er­kennt­nis, dass man feh­ler­haft ist

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Grup­pe 2: Me­di­zin, Heil­mit­tel und Um­gang mit der Pest

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Auf­ga­ben­stel­lung:

a) Lest den Quel­len­text. Un­ter­streicht das Aus­se­hen und die Werk­zeu­ge der Pe­st­ärz­te und dem (me­di­zi­ni­schen) Um­gang mit der Pest.

Ver­mu­tet, wofür diese Klei­dungs­stü­cke gut waren



c) Er­klärt in ei­ge­nen Wor­ten auf eurer Taskcard:
  • Was glaub­te man über die An­ste­ckung der Pest?
  • Wel­che Schutz­maß­nah­men gab es?
  • Wel­che Maß­nah­men waren sinn­voll - wel­che wir­kungs­los?
  • Gab es ein Heil­mit­tel gegen die Pest?
2
Ver­gleich mit heute:

a) Wel­che Schutz­maß­nah­men gab es in der Corona-​Zeit?

b) Was ist gleich ge­blie­ben (z. B. Maske)?

c) Was ist völ­lig an­ders (z. B. me­di­zi­ni­sche Kennt­nis­se)?

d) No­tiert auf eurer Taskcard die Un­ter­schie­de und Ge­mein­sam­kei­ten der Pest und Corona-​Pandemie in Bezug auf den me­di­zi­ni­schen Um­gang mit der Pest.

Hil­fe­stel­lung:
„Da­mals schütz­ten sich die Men­schen vor allem mit­hil­fe von… Heute ver­hal­ten wir uns bei Krank­hei­ten und Pan­de­mien…“
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Grup­pe 2: Me­di­zin, Heil­mit­tel und Um­gang mit der Pest

M1

Me­di­zin und Schutz vor der Pest

Als sich die Pest im Mit­tel­al­ter schnell über Eu­ro­pa aus­brei­te­te, waren die Men­schen völ­lig über­for­dert. In­ner­halb kur­zer Zeit star­ben in vie­len Städ­ten Tau­sen­de Men­schen. Da nie­mand wuss­te, woher die Krank­heit kam, such­te man nach Er­klä­run­gen – und ver­such­te, sich ir­gend­wie zu schüt­zen.

Viele glaub­ten, die Pest werde durch ver­dor­be­ne Luft über­tra­gen. Diese schlech­te Luft nann­te man Mi­as­ma oder Pest­hauch. Man stell­te sich vor, dass ge­fähr­li­che Dämp­fe aus dem Osten her­über­zo­gen und Men­schen krank mach­ten. An­de­re Be­ob­ach­tun­gen zeig­ten je­doch, dass die Krank­heit auch durch Ge­gen­stän­de oder Waren, die von Stadt zu Stadt trans­por­tiert wur­den, wei­ter­ge­ge­ben wer­den konn­te. Diese Idee nann­te man Con­ta­gio: Die Vor­stel­lung, dass „etwas Stoff­li­ches“ an Klei­dung, Schif­fen oder Waren haf­tet und die Krank­heit wei­ter­trägt. Man­che Men­schen glaub­ten au­ßer­dem, der An­blick eines Pest­kran­ken könne die Krank­heit über­tra­gen, doch diese Idee war we­ni­ger ver­brei­tet.

Die Maß­nah­men gegen die Pest folg­ten di­rekt aus die­sen Vor­stel­lun­gen. Wenn man glaub­te, die Luft sei ver­gif­tet, ver­such­te man sie zu rei­ni­gen. In vie­len Städ­ten zün­de­te man große Feuer an, weil man dach­te, der Rauch würde die Krank­heit ver­trei­ben. Men­schen hiel­ten sich Duft­schwäm­me, Kräu­ter oder in Essig ge­tränk­te Tü­cher vor die Nase, um „gute Luft“ gegen die schlech­te aus­zu­tau­schen. An­de­re tru­gen Räu­cher­werk mit sich, um sich zu schüt­zen. Gegen die Vor­stel­lung der „stoff­li­chen An­ste­ckung“ soll­ten glat­te, ge­wachs­te oder le­der­ne Klei­dungs­stü­cke hel­fen. An ihnen soll­te nichts haf­ten blei­ben, wenn man sich in die Nähe eines Pest­kran­ken be­ge­ben muss­te. An­fangs wur­den die Pest­kran­ken ohne be­son­de­re Vor­keh­run­gen in die ört­li­chen Hos­pi­tä­ler ge­bracht und die Toten wur­den nor­mal be­er­digt. Spä­ter kenn­zeich­ne­te man die Häu­ser von Pest­kran­ken mit einem Kreuz und die Be­trof­fe­nen muss­ten in Zwangs­un­ter­künf­te au­ßer­halb der Städ­te zie­hen.



Mit der zu­neh­men­den Zahl der Toten ver­brei­te­te die Pest Angst und Schre­cken unter den Men­schen. Das führ­te dazu, dass die Er­krank­ten oft von ihren ei­ge­nen Fa­mi­li­en und Freun­den im Stich ge­las­sen wur­den. Selbst Geist­li­che ver­wei­ger­ten ihren Bei­stand. Erst nach­dem meh­re­re Hun­dert­tau­send Men­schen ge­stor­ben waren, wurde man­chen klar, dass die Aus­brei­tung der Seu­che durch die Iso­la­ti­on der Kran­ken ein­ge­dämmt wer­den konn­te. Stadt­to­re wur­den ge­schlos­sen und Waren streng kon­trol­liert. 1377 zum Bei­spiel er­ließ die Stadt Ra­gusa (heute Du­brov­nik) ein Ge­setz, wo­nach es Schif­fen ver­bo­ten war, in den Hafen ein­zu­lau­fen, wenn diese aus einem von der Pest be­trof­fe­nen Ge­biet kamen. Die Be­sat­zung soll­te zu­erst 30 Tage auf einer na­he­ge­le­ge­nen Insel ver­brin­gen. Etwa zu die­ser Zeit führ­ten auch an­de­re eu­ro­päi­sche Städ­te der­ar­ti­ge Qua­ran­tä­ne­maß­nah­men ein, zum Bei­spiel Ve­ne­dig, wobei sie die Dauer der Iso­la­ti­on teils auf 40 Tage ver­län­ger­ten. Warum sie die Zeit­span­ne aus­dehn­ten, kön­nen His­to­ri­ker bis heute nicht genau be­ant­wor­ten. Wer reich genug war, ver­ließ die Stadt, um nicht an­ge­steckt zu wer­den.

Heute den­ken viele beim Wort „Pest“ an den be­rühm­ten Pest­arzt mit der Schna­bel­mas­ke. Diese Maske hatte vorne einen lan­gen Schna­bel, in den Duft­stof­fe ge­legt wur­den, damit der Arzt keine „schlech­te Luft“ ein­at­men muss­te. So hatte er beide Hände frei, um Kran­ke zu un­ter­su­chen.

Trotz der Angst und der fal­schen Vor­stel­lun­gen ver­än­der­te die Pest das Ge­sund­heits­we­sen nach­hal­tig. Viele Städ­te rich­te­ten ärzt­li­che Räte ein, die den Stadt­her­ren in Ge­sund­heits­fra­gen hel­fen soll­ten. Stu­dier­te Ärzte er­hiel­ten mehr Be­deu­tung und be­ka­men feste Auf­ga­ben. Man er­ließ Re­geln zum Um­gang mit Seu­chen und baute Pest­häu­ser und Pest­fried­hö­fe au­ßer­halb der Stadt­mau­ern, die in Kri­sen­zei­ten schnell ge­nutzt wer­den konn­ten. Diese Struk­tu­ren be­ein­fluss­ten das Ge­sund­heits­we­sen noch lange Zeit – auch für an­de­re Krank­hei­ten, die nach der Pest auf­tra­ten.



Quel­le: ab­ge­än­dert „Leben im Mit­tel­al­ter. Der Schwar­ze Tod – die Pest in Eu­ro­pa“ von An­drea Böhn­ke, Mar­ti­na Jan­ning, Na­net­te Peith­mann (Erst­ver­öf­fent­li­chung 2010. Letz­te Ak­tu­a­li­sie­rung 05.12.2022). WDR.
Quel­le: ab­ge­än­dert „Leben im Mit­tel­al­ter. Der Schwar­ze Tod – die Pest in Eu­ro­pa“ von An­drea Böhn­ke, Mar­ti­na Jan­ning, Na­net­te Peith­mann (Erst­ver­öf­fent­li­chung 2010. Letz­te Ak­tu­a­li­sie­rung 05.12.2022). WDR.
M2

Um­gang mit der Pest

„Sei nicht trau­rig, är­ge­re dich nicht, strei­te nicht, flu­che nicht, sei nicht nei­disch und ziehe kei­nen Neid auf dich, mache dir keine un­nö­ti­gen Sor­gen, denke nicht an den Tod und rede nicht über die Pest, son­dern sei froh im Geis­te. Zur Zer­streu­ung suche die Ge­sell­schaft gleich­ge­sinn­ter Freun­de, ver­brin­ge mit ihnen die Zeit bei Würfel-​, Schach- und Kar­ten­spiel, aber spie­le nicht um Geld, damit du deine gute Laune nicht mit Geld ver­lierst. Suche Ab­len­kung in Musik und bei einem Schluck Wein. Söhne dich mit Gott aus und ordne die Dinge so, dass du mit Frie­den er­war­ten kannst, was Gott für dich be­reit­hält. Wenn du nach mei­nem Rat han­delst, kannst du deine An­ge­le­gen­hei­ten auch wäh­rend der Pest ohne Angst re­geln ...“



Aus­zug aus dem Trak­tat des Arz­tes Jan Černý Spis o ne­mocech morních, kter­ak se mají lidé cho­va­ti před tím i po tom času (deutsch etwa: Schrift über Pest­krank­hei­ten, wie sich die Men­schen vor und nach die­ser Zeit ver­hal­ten sol­len) vom Be­ginn des 16. Jahr­hun­derts
Aus­zug aus dem Trak­tat des Arz­tes Jan Černý Spis o ne­mocech morních, kter­ak se mají lidé cho­va­ti před tím i po tom času (deutsch etwa: Schrift über Pest­krank­hei­ten, wie sich die Men­schen vor und nach die­ser Zeit ver­hal­ten sol­len) vom Be­ginn des 16. Jahr­hun­derts
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Pandemien in der Zeit: ein Vergleich von Pest und Corona

M3: Pe­st­ärz­te

Die Men­schen wuss­ten im Mit­tel­al­ter noch nicht, wel­che Re­geln ein­zu­hal­ten waren, um eine An­ste­ckung mit der Pest zu ver­mei­den. Gleich­wohl war ihnen be­wusst, dass man im Um­gang mit In­fi­zier­ten vor­sich­tig sein muss­te. „Pe­st­ärz­te“ tru­gen zu ihrem Schutz eine spe­zi­el­le Maske, einen Hut und einen lan­gen Man­tel. In der Maske be­fan­den sich Kräu­ter, die den Ge­stank der Kran­ken über­tün­chen soll­ten. So zogen sie von Stadt zu Stadt und ver­such­ten zu hel­fen. In Wirk­lich­keit waren die „Pe­st­ärz­te“ oft selbst schon in­fi­ziert und tru­gen zur ra­schen Ver­brei­tung des Pest­er­re­gers bei.



M4

Heil­mit­tel gegen die Pest

Heil­mit­tel gegen die Pest

Da die Men­schen im Mit­tel­al­ter sich nicht über den Ur­sprung der Krank­heit im Kla­ren waren, konn­ten Ärzte auch keine si­che­re Be­hand­lungs­me­tho­de für Pest­kran­ke be­stim­men. Ein gän­gi­ges Mit­tel war je­doch der Ader­lass. Dazu ent­nahm man Blut, indem man dem Pa­ti­en­ten in eine Vene schnitt und dad­mit ver­such­te, die Pest­er­re­ger aus dem Kör­per zu holen.

An­de­re Er­krank­te be­ka­men Brech­mit­tel, um die gif­ti­gen Er­re­ger aus dem Kör­per zu be­för­dern. Heute ist be­kannt, dass diese Me­tho­den im Mit­tel­al­ter den schwa­chen Pa­ti­en­ten eher noch mehr zu­setz­ten als nütz­ten.



Quel­le: „Seu­chen. Die Pest: Der schwar­ze Tod des Mit­tel­al­ters“ von Sol­vejg Hoff­mann. https://www.geo.de/geolino/mensch/13515-rtkl-die-pest-der-schwarze-tod-des-mittelalters
Quel­le: „Seu­chen. Die Pest: Der schwar­ze Tod des Mit­tel­al­ters“ von Sol­vejg Hoff­mann. https://www.geo.de/geolino/mensch/13515-rtkl-die-pest-der-schwarze-tod-des-mittelalters
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Pandemien in der Zeit: ein Vergleich von Pest und Corona

Grup­pe 3: Ge­rüch­te gegen die jü­di­sche Be­völ­ke­rung

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Auf­ga­ben­stel­lung:

a) Lest die Quel­len sorg­fäl­tig. Un­ter­streicht Stel­len, die er­klä­ren, warum im Mit­tel­al­ter Juden be­schul­digt wur­den.

b) Fasst in ei­ge­nen Wor­ten in eurer Taskcard zu­sam­men:
- Wel­che Ge­rüch­te gab es über Brun­nen­ver­gif­tun­gen?
- Warum glaub­ten die Men­schen daran?
- Wel­che Fol­gen hat­ten diese Ge­rüch­te für jü­di­sche Ge­mein­den?

Wer­tet aus:
No­tiert zwei Grün­de, warum Men­schen in Kri­sen­zei­ten nach Sün­den­bö­cken su­chen.

2
Ver­gleich mit heute:

a) Nennt ein Bei­spiel für Ge­rüch­te oder Ver­schwö­rungs­er­zäh­lun­gen aus der Corona-​Zeit.

b) Ge­stal­tet eine Taskcard-​Spalte:
  • Links: „Das glaub­ten die Men­schen da­mals.“
  • Rechts: „Das wis­sen wir heute.“
  • Mitte: „So ent­ste­hen Ge­rüch­te in Pan­de­mien.“
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Grup­pe 3: Ge­rüch­te gegen die jü­di­sche Be­völ­ke­rung

M1

Wer ist schuld an der Pest? – Ge­rüch­te gegen die jü­di­sche Be­völ­ke­rung

Aus vie­len Dör­fern und Städ­ten rund um Köln kom­men im Jahr 1349 schlim­me Nach­rich­ten. Immer mehr Men­schen ster­ben an einer un­be­kann­ten Krank­heit. Es sind so viele Tote, dass man sie kaum noch be­stat­ten kann. Viele Men­schen fra­gen sich: Ist die Pest eine Stra­fe Got­tes? Oder hat je­mand die­ses Un­glück ab­sicht­lich ver­ur­sacht?

Seit vie­len Jahr­hun­der­ten wer­den Juden für Ver­bre­chen, Seu­chen und Un­glü­cke ver­ant­wort­lich ge­macht. Bis heute wer­den sie zum Opfer von aber­wit­zi­gen Ge­rüch­ten, die sich teil­wei­se seit dem Mit­tel­al­ter hal­ten. Man­che Chris­ten be­haup­te­ten im Mit­tel­al­ter, Juden wür­den christ­li­che Kin­der er­mor­den oder ge­weih­te Hos­ti­en be­schä­di­gen. Diese fal­schen An­kla­gen hat­ten dazu ge­führt, dass viele Men­schen Juden miss­trau­ten.

Als dann die Pest aus­brach und in man­chen Orten über zwei Drit­tel der Be­völ­ke­rung star­ben, such­ten die Men­schen nach Er­klä­run­gen. In einem be­rühm­ten Pro­zess am Gen­fer See wur­den jü­di­sche An­ge­klag­te ge­fol­tert. Unter der Fol­ter wur­den von ein­zel­nen Juden an­geb­li­che Ge­ständ­nis­se er­presst, die deren ver­bre­che­ri­sche Taten be­wei­sen soll­ten. Den­noch be­gan­nen sich diese Ge­rüch­te in Eu­ro­pa schnell zu ver­brei­ten.

In der Nacht vom 23. auf den 24. Au­gust 1349 kam es in Köln zu einem ge­walt­tä­ti­gen Über­fall: Eine große Menge christ­li­cher Ein­woh­ner stürm­te das Ju­den­vier­tel. Die Pest stand kurz davor, die Stadt zu er­rei­chen, und viele Men­schen hat­ten große Angst. Aus Ge­rüch­ten wurde für sie „Ge­wiss­heit“: Die Juden seien Schuld und müss­ten be­straft wer­den.

Doch neben Angst spiel­ten auch Wut, Hab­gier und per­sön­li­che Grün­de eine Rolle. Viele glaub­ten, im Ju­den­vier­tel wären wert­vol­le Schät­ze ver­steckt. An­de­re woll­ten Schul­den los­wer­den, die sie bei jü­di­schen Geld­ver­lei­hern hat­ten. Wäh­rend des An­griffs zer­stör­te der Mob Häu­ser – sogar ei­ni­ge christ­li­che Häu­ser wur­den ver­wüs­tet, weil die Menge außer Kon­trol­le ge­riet.

Nur we­ni­ge jü­di­sche Men­schen konn­ten sich in die Syn­ago­ge ret­ten. Man­che Be­rich­te sagen, dass auch Kin­der dort Schutz such­ten. Am Ende wurde das Got­tes­haus ge­stürmt und brann­te nie­der. Spä­ter ver­brei­te­te sich die Le­gen­de, die jü­di­sche Ge­mein­de hätte die Syn­ago­ge selbst an­ge­zün­det – eine wei­te­re fal­sche Be­haup­tung, die ihre Si­tu­a­ti­on nur noch schlim­mer mach­te.



Quel­le: ab­ge­än­dert „Leben im Mit­tel­al­ter. Der Schwar­ze Tod – die Pest in Eu­ro­pa“ von An­drea Böhn­ke, Mar­ti­na Jan­ning, Na­net­te Peith­mann (Erst­ver­öf­fent­li­chung 2010. Letz­te Ak­tu­a­li­sie­rung 05.12.2022). WDR.
Quel­le: ab­ge­än­dert „Leben im Mit­tel­al­ter. Der Schwar­ze Tod – die Pest in Eu­ro­pa“ von An­drea Böhn­ke, Mar­ti­na Jan­ning, Na­net­te Peith­mann (Erst­ver­öf­fent­li­chung 2010. Letz­te Ak­tu­a­li­sie­rung 05.12.2022). WDR.
M2

Brun­nen­ver­gif­tung und Pest­po­gro­me

Den Vor­wurf, dass Epi­de­mien durch Brun­nen­ver­gif­tun­gen ver­ur­sacht wer­den, gibt es schon seit der An­ti­ke. Das Wis­sen darum, wie Krank­hei­ten über­tra­gen wer­den und warum sie sich teil­wei­se so schnell aus­brei­ten konn­ten, fehl­te den Men­schen da­mals. Die spe­zi­fi­sche Be­schul­di­gung von Jü­din­nen*Juden als Brun­nen­ver­gif­ter ist erst­mals 1321 in Süd­frank­reich do­ku­men­tiert. Seit dem Mit­tel­al­ter ist der Vor­wurf ein weit ver­brei­te­tes an­ti­se­mi­ti­sches Ste­reo­typ. Ins­be­son­de­re im Zuge der Aus­brei­tung der Pest Mitte des 14. Jahr­hun­derts wurde Jü­din­nen*Juden vor­ge­wor­fen, sie wür­den Brun­nen ver­gif­ten und da­durch die Pest ver­brei­ten, um Christ*innen zu töten. Die­ser Vor­wurf führ­te zur Ver­fol­gung und Aus­gren­zung von Jü­din­nen*Juden und gip­fel­te in einer Po­grom­wel­le, den so­ge­nann­ten Pest­po­gro­men. Die­sen fiel ein Groß­teil der jü­di­schen Be­völ­ke­rung zum Opfer, ganze Ge­mein­den wur­den zer­stört.

Bis heute wird die­ser Vor­wurf immer wie­der be­müht. 2016 etwa be­schwor der Prä­si­dent der pa­läs­ti­nen­si­schen Au­to­no­mie­be­hör­de, Mah­mud Abbas, die­ses Ste­reo­typ in einer Rede im EU-​Parlament.



Quel­le: Jes­si­ca Hoyer, So­zi­al­wis­sen­schaft­le­rin und So­zi­al­ar­bei­te­rin, ist wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­te­rin an der OTH Re­gens­burg im Rah­men des bay­e­ri­schen For­schungs­ver­bunds „For­GeRex“.
Quel­le: Jes­si­ca Hoyer, So­zi­al­wis­sen­schaft­le­rin und So­zi­al­ar­bei­te­rin, ist wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­te­rin an der OTH Re­gens­burg im Rah­men des bay­e­ri­schen For­schungs­ver­bunds „For­GeRex“.
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Pandemien in der Zeit: ein Vergleich von Pest und Corona

Grup­pe 4: Die Aus­brei­tung der Pest

1
Auf­ga­ben­stel­lung:
a) Lest die Quel­len sorg­fäl­tig.
Un­ter­streicht die Ur­sa­chen der schnel­len Aus­brei­tung und den Ver­lauf der Pest­epi­de­mie (M3).

b) Er­klärt in ei­ge­nen Wor­ten in eurer Taskcard:
- Warum brei­tet sich die Pest im 14. Jh. so schnell aus?
- Wel­che Rolle spiel­ten Städ­te, Han­del, Hy­gie­ne, Tiere?
- Er­klä­re, wie der Be­griff Qua­ran­tä­ne ent­stand.

c) Zeich­net in einem Schau­bild die zeit­li­che und räum­li­che Aus­brei­tung der Pest nach.



2
Ver­gleich mit heute:

a) Warum ver­brei­ten sich Krank­hei­ten heute oft schnel­ler (Rei­sen, Glo­ba­li­sie­rung)?
b) Warum ster­ben heute viel we­ni­ger Men­schen (Me­di­zin, Hy­gie­ne)?

c) No­tiert auf eurer Taskcard die Un­ter­schie­de und Ge­mein­sam­kei­ten der Aus­brei­tung von Krank­hei­ten da­mals und von heute. (z.B. in einer Ta­bel­le)



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Grup­pe 4: Die Aus­brei­tung der Pest

M1: Hy­gie­ne in der Stadt

Be­son­ders die Städ­te waren von der Pest be­trof­fen. In den wach­sen­den Städ­ten im Jahre 1400 wurde der Ab­fall auf die Stra­ßen ge­kippt. Der Ab­fall bot will­kom­me­ne Nah­rung für frei her­um­lau­fen­de Schwei­ne, Hunde und Kat­zen, auch Mäuse und Rat­ten pro­fi­tier­ten davon. Sogar die Ka­da­ver der Tiere blie­ben auf der Stra­ße lie­gen, Dreck lag über­all herum, im Ab­stand von ei­ni­gen Wo­chen gab es eine Rei­ni­gung der Stra­ßen, indem man ein­fach Was­ser durch die Stra­ßen lei­te­te. Das Was­ser, das man nutz­te, um die Stra­ßen nach im Ab­stand von ei­ni­gen Wo­chen zu rei­ni­gen, konn­te nicht ab­flie­ßen, da die Men­schen da­mals nicht über unser heu­ti­ges Ab­was­ser­ka­nal­sys­tem ver­füg­ten.

Der Ge­stank muss un­vor­stell­bar ge­we­sen sein. Fried­hö­fe waren um die Kir­chen herum an­ge­legt, ihre Ent­fer­nung zu städ­ti­schen Was­ser­quel­len war nicht Ge­gen­stand städ­ti­scher Pla­nung. Auch Klo­a­ken lagen oft in der Nähe von Quel­len. Dazu kam noch die Enge in den Städ­ten. Auf einem Hekt­ar wohn­ten im spä­ten Mit­tel­al­ter z.B. in Köln 100. Zum Ver­gleich: Im Durch­schnitt woh­nen heute in den Städ­ten 29 Ein­woh­ner auf einem Hekt­ar, in Stadt­ker­nen 40. Die Stadt­ob­rig­kei­ten er­kann­ten, an­ders als die Ärzte, in der Enge und im Kon­takt der Men­schen un­ter­ein­an­der eine große Ge­fahr für die Ge­sund­heit. Sie er­lie­ßen zahl­rei­che Ver­bo­te und Ge­bo­te, um den Kon­takt zwi­schen Kran­ken und Ge­sun­den zu ver­hin­dern.

Auch Frem­de wur­den nicht mehr in die Stadt ein­rei­sen oder erst nach einer Qua­ran­tä­ne.

Der Pest­brief:

Ins­be­son­de­re in Ha­fen­städ­ten ver­brei­te­te sich die töd­li­che Krank­heit. Des­halb wurde 1375 der so­ge­nann­te Pest­brief ein­ge­führt. Das war eine Art Ge­sund­heits­pass. Rei­sen­de mit ihren Waren muss­ten 40 Tage (= ital. qua­ran­ta gior­ni) war­ten, bevor sie wie­der in eine Stadt ein­rei­sen durf­ten. In die­ser Zeit be­ob­ach­te­te man. Ob sie ge­sund blie­ben. So ent­stand der Be­griff Qua­ran­tä­ne.

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Warum gab es in den mit­tel­al­ter­li­chen Städ­ten sehr oft Krank­hei­ten und Seu­chen?

Die Men­schen wu­schen sich da­mals sehr sel­ten. Es gab keine ei­ge­nen Du­schen oder flie­ßen­des Was­ser. In den we­ni­gen öf­fent­li­chen Ba­de­häu­sern hat­ten Ge­sun­de di­rek­ten Kon­takt mit Kran­ken.

Auf den Stra­ßen wim­mel­te es von Rat­ten, wil­den Hun­den und Kat­zen. Diese er­nähr­ten sich vom her­um­lie­gen­den Müll. Oft wur­den die Be­woh­ner*innen von den Tie­ren ge­kratzt oder ge­bis­sen.

Die we­nigs­ten Städ­te ver­füg­ten über eine Ka­na­li­sa­ti­on oder Ab­fall­be­sei­ti­gung. Der Müll wurde auf die Stra­ße oder in die Flüs­se ge­wor­fen. In Folge wurde das Trink­was­ser in den Brun­nen ver­gif­tet.

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