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Pandemien in der Zeit: ein Vergleich von Pest und Corona
Krankheiten und Glaube im Mittelalter
Für die Menschen im Mittelalter waren Krankheiten vor allem eine Strafe Gottes. Deshalb nahm während großer Seuchen auch die Heiligenverehrung zu. Besonders oft wurde zur Jungfrau Maria und dem Pestheiligen
Sebastian gebetet. Auch unternahmen die Menschen vermehrt Wallfahrten zu heiligen Orten.
Manche Gläubige begannen damit, sich selbst zu geißeln: Sie zogen tagelang umher und schlugen sich währenddessen selbst blutig. Durch diese Maßnahmen wollten sie für ihre Sünden büßen und dafür sorgen, dass sie es im Jenseits gut haben würden.
Auch der Ablasshandel der katholischen Kirche nahm in den Zeiten der Pest enorm zu. Mithilfe von Ablässen konnten sich die Menschen angeblich für eine bestimmte Zeit von ihren Sünden und somit auch vom gefürchteten Fegefeuer freikaufen.

Geißler in Deutschland (1349)
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Begriffe erklären:
Ablasshandel umschreiben
Fegefeuer: ein Ort, an dem man für lässliche Sünden sühnt: heute: die Erkenntnis, dass man fehlerhaft ist
Medizin und Schutz vor der Pest
Als sich die Pest im Mittelalter schnell über Europa ausbreitete, waren die Menschen völlig überfordert. Innerhalb kurzer Zeit starben in vielen Städten Tausende Menschen. Da niemand wusste, woher die Krankheit kam, suchte man nach Erklärungen – und versuchte, sich irgendwie zu schützen.
Viele glaubten, die Pest werde durch verdorbene Luft übertragen. Diese schlechte Luft nannte man Miasma oder Pesthauch. Man stellte sich vor, dass gefährliche Dämpfe aus dem Osten herüberzogen und Menschen krank machten. Andere Beobachtungen zeigten jedoch, dass die Krankheit auch durch Gegenstände oder Waren, die von Stadt zu Stadt transportiert wurden, weitergegeben werden konnte. Diese Idee nannte man Contagio: Die Vorstellung, dass „etwas Stoffliches“ an Kleidung, Schiffen oder Waren haftet und die Krankheit weiterträgt. Manche Menschen glaubten außerdem, der Anblick eines Pestkranken könne die Krankheit übertragen, doch diese Idee war weniger verbreitet.
Die Maßnahmen gegen die Pest folgten direkt aus diesen Vorstellungen. Wenn man glaubte, die Luft sei vergiftet, versuchte man sie zu reinigen. In vielen Städten zündete man große Feuer an, weil man dachte, der Rauch würde die Krankheit vertreiben. Menschen hielten sich Duftschwämme, Kräuter oder in Essig getränkte Tücher vor die Nase, um „gute Luft“ gegen die schlechte auszutauschen. Andere trugen Räucherwerk mit sich, um sich zu schützen. Gegen die Vorstellung der „stofflichen Ansteckung“ sollten glatte, gewachste oder lederne Kleidungsstücke helfen. An ihnen sollte nichts haften bleiben, wenn man sich in die Nähe eines Pestkranken begeben musste. Anfangs wurden die Pestkranken ohne besondere Vorkehrungen in die örtlichen Hospitäler
gebracht und die Toten wurden normal beerdigt. Später kennzeichnete man die Häuser von Pestkranken mit einem Kreuz und die Betroffenen mussten in Zwangsunterkünfte außerhalb der Städte ziehen.
Mit der zunehmenden Zahl der Toten verbreitete die Pest Angst und Schrecken unter den Menschen. Das führte dazu, dass die Erkrankten oft von ihren eigenen Familien und Freunden im Stich gelassen wurden. Selbst Geistliche verweigerten ihren Beistand. Erst nachdem mehrere Hunderttausend Menschen gestorben waren, wurde manchen klar, dass die Ausbreitung der Seuche durch die Isolation der Kranken eingedämmt werden konnte. Stadttore wurden geschlossen und Waren streng kontrolliert. 1377 zum Beispiel erließ die Stadt Ragusa (heute Dubrovnik) ein Gesetz, wonach es Schiffen verboten war, in den Hafen einzulaufen, wenn diese aus einem von der Pest betroffenen Gebiet kamen. Die Besatzung sollte zuerst 30 Tage auf einer nahegelegenen Insel verbringen. Etwa zu dieser Zeit führten auch andere europäische Städte derartige Quarantänemaßnahmen ein, zum Beispiel Venedig, wobei sie die Dauer der Isolation teils auf 40 Tage verlängerten. Warum sie die Zeitspanne ausdehnten, können Historiker bis heute nicht genau beantworten. Wer reich genug war, verließ die Stadt, um nicht angesteckt zu werden.
Heute denken viele beim Wort „Pest“ an den berühmten Pestarzt mit der Schnabelmaske. Diese Maske hatte vorne einen langen Schnabel, in den Duftstoffe gelegt wurden, damit der Arzt keine „schlechte Luft“ einatmen musste. So hatte er beide Hände frei, um Kranke zu untersuchen.
Trotz der Angst und der falschen Vorstellungen veränderte die Pest das Gesundheitswesen nachhaltig. Viele Städte richteten ärztliche Räte ein, die den Stadtherren in Gesundheitsfragen helfen sollten. Studierte Ärzte erhielten mehr Bedeutung und bekamen feste Aufgaben. Man erließ Regeln zum Umgang mit Seuchen und baute Pesthäuser und Pestfriedhöfe außerhalb der Stadtmauern, die in Krisenzeiten schnell genutzt werden konnten. Diese Strukturen beeinflussten das Gesundheitswesen noch lange Zeit – auch für andere Krankheiten, die nach der Pest auftraten.
Umgang mit der Pest
„Sei nicht traurig, ärgere dich nicht, streite nicht, fluche nicht, sei nicht neidisch und ziehe keinen Neid auf dich, mache dir keine unnötigen Sorgen, denke nicht an den Tod und rede nicht über die Pest, sondern sei froh im Geiste. Zur Zerstreuung suche die Gesellschaft gleichgesinnter Freunde, verbringe mit ihnen die Zeit bei Würfel-, Schach- und Kartenspiel, aber spiele nicht um Geld, damit du deine gute Laune nicht mit Geld verlierst. Suche Ablenkung in Musik und bei einem Schluck Wein. Söhne dich mit Gott aus und ordne die Dinge so, dass du mit Frieden erwarten kannst, was Gott für dich bereithält. Wenn du nach meinem Rat handelst, kannst du deine Angelegenheiten auch während der Pest ohne Angst regeln ...“

M3: Pestärzte
Die Menschen wussten im Mittelalter noch nicht, welche Regeln einzuhalten waren, um eine Ansteckung mit der Pest zu vermeiden. Gleichwohl war ihnen bewusst, dass man im Umgang mit Infizierten vorsichtig sein musste. „Pestärzte“ trugen zu ihrem Schutz eine spezielle Maske, einen Hut und einen langen Mantel. In der Maske befanden sich Kräuter, die den Gestank der Kranken übertünchen sollten. So zogen sie von Stadt zu Stadt und versuchten zu helfen. In Wirklichkeit waren die „Pestärzte“ oft selbst schon infiziert und trugen zur raschen Verbreitung des Pesterregers bei.
Heilmittel gegen die Pest
Heilmittel gegen die Pest
Da die Menschen im Mittelalter sich nicht über den Ursprung der Krankheit im Klaren waren, konnten Ärzte auch keine sichere Behandlungsmethode für Pestkranke bestimmen. Ein gängiges Mittel war jedoch der Aderlass. Dazu entnahm man Blut, indem man dem Patienten in eine Vene schnitt und dadmit versuchte, die Pesterreger aus dem Körper zu holen.
Andere Erkrankte bekamen Brechmittel, um die giftigen Erreger aus dem Körper zu befördern. Heute ist bekannt, dass diese Methoden im Mittelalter den schwachen Patienten eher noch mehr zusetzten als nützten.
Wer ist schuld an der Pest? – Gerüchte gegen die jüdische Bevölkerung
Aus vielen Dörfern und Städten rund um Köln kommen im Jahr 1349 schlimme Nachrichten. Immer mehr Menschen sterben an einer unbekannten Krankheit. Es sind so viele Tote, dass man sie kaum noch bestatten kann. Viele Menschen fragen sich: Ist die Pest eine Strafe Gottes? Oder hat jemand dieses Unglück absichtlich verursacht?
Seit vielen Jahrhunderten werden Juden für Verbrechen, Seuchen und Unglücke verantwortlich gemacht. Bis heute werden sie zum Opfer von aberwitzigen Gerüchten, die sich teilweise seit dem Mittelalter halten. Manche Christen behaupteten im Mittelalter, Juden würden christliche Kinder ermorden oder geweihte Hostien beschädigen. Diese falschen Anklagen hatten dazu geführt, dass viele Menschen Juden misstrauten.
Als dann die Pest ausbrach und in manchen Orten über zwei Drittel der Bevölkerung starben, suchten die Menschen nach Erklärungen. In einem berühmten Prozess am Genfer See wurden jüdische Angeklagte gefoltert. Unter der Folter wurden von einzelnen Juden angebliche Geständnisse
erpresst, die deren verbrecherische Taten beweisen sollten. Dennoch begannen sich diese Gerüchte in Europa schnell zu verbreiten.
In der Nacht vom 23. auf den 24. August 1349 kam es in Köln zu einem gewalttätigen Überfall: Eine große Menge christlicher Einwohner stürmte das Judenviertel. Die Pest stand kurz davor, die Stadt zu erreichen, und viele Menschen hatten große Angst. Aus Gerüchten wurde für sie „Gewissheit“: Die Juden seien Schuld und müssten bestraft werden.
Doch neben Angst spielten auch Wut, Habgier und persönliche Gründe eine Rolle. Viele glaubten, im Judenviertel wären wertvolle Schätze versteckt. Andere wollten Schulden loswerden, die sie bei jüdischen Geldverleihern hatten. Während des Angriffs zerstörte der Mob Häuser – sogar einige christliche Häuser wurden verwüstet, weil die Menge außer Kontrolle geriet.
Nur wenige jüdische Menschen konnten sich in die Synagoge retten. Manche Berichte sagen, dass auch Kinder dort Schutz suchten. Am Ende wurde das Gotteshaus gestürmt und brannte nieder. Später verbreitete sich die Legende, die jüdische Gemeinde hätte die Synagoge selbst angezündet – eine weitere falsche Behauptung, die ihre Situation nur noch schlimmer machte.
Brunnenvergiftung und Pestpogrome
Den Vorwurf, dass Epidemien durch Brunnenvergiftungen verursacht werden, gibt es schon seit der Antike. Das Wissen darum, wie Krankheiten übertragen werden und warum sie sich teilweise so schnell ausbreiten konnten, fehlte den Menschen damals. Die spezifische Beschuldigung von Jüdinnen*Juden als Brunnenvergifter ist erstmals 1321 in Südfrankreich dokumentiert. Seit dem Mittelalter ist der Vorwurf ein weit verbreitetes antisemitisches Stereotyp. Insbesondere im Zuge der Ausbreitung der Pest Mitte des 14. Jahrhunderts wurde Jüdinnen*Juden vorgeworfen, sie würden Brunnen vergiften und dadurch die Pest verbreiten, um Christ*innen zu töten. Dieser Vorwurf führte zur Verfolgung und Ausgrenzung von Jüdinnen*Juden und gipfelte in einer Pogromwelle, den sogenannten Pestpogromen. Diesen fiel ein Großteil der jüdischen Bevölkerung zum Opfer, ganze Gemeinden wurden zerstört.
Bis heute wird dieser Vorwurf immer wieder bemüht. 2016 etwa beschwor der Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmud Abbas, dieses Stereotyp in einer Rede im EU-Parlament.
Quarantäne entstand.
M1: Hygiene in der Stadt
Besonders die Städte waren von der Pest betroffen. In den wachsenden Städten im Jahre 1400 wurde der Abfall auf die Straßen gekippt. Der Abfall bot willkommene Nahrung für frei herumlaufende Schweine, Hunde und Katzen, auch Mäuse und Ratten profitierten davon. Sogar die Kadaver der Tiere blieben auf der Straße liegen, Dreck lag überall herum, im Abstand von einigen Wochen gab es eine Reinigung der Straßen, indem man einfach Wasser durch die Straßen leitete. Das Wasser, das man nutzte, um die Straßen nach im Abstand von einigen Wochen zu reinigen, konnte nicht abfließen, da die Menschen damals nicht über unser heutiges Abwasserkanalsystem verfügten.
Der Gestank muss unvorstellbar gewesen sein. Friedhöfe waren um die Kirchen herum angelegt, ihre Entfernung zu städtischen Wasserquellen war nicht Gegenstand städtischer Planung. Auch Kloaken lagen oft in der Nähe von Quellen. Dazu kam noch die Enge in den Städten. Auf einem Hektar wohnten im späten Mittelalter z.B. in Köln 100. Zum Vergleich: Im Durchschnitt wohnen heute in den Städten 29 Einwohner auf einem Hektar, in Stadtkernen 40. Die Stadtobrigkeiten erkannten, anders als die Ärzte, in der Enge und im Kontakt der Menschen untereinander eine große Gefahr für die Gesundheit. Sie erließen zahlreiche Verbote und Gebote, um den Kontakt zwischen Kranken und Gesunden zu verhindern.
Auch Fremde wurden nicht mehr in die Stadt einreisen oder erst nach einer Quarantäne.
Der Pestbrief:
Insbesondere in Hafenstädten verbreitete sich die tödliche Krankheit. Deshalb wurde 1375 der sogenannte Pestbrief eingeführt. Das war eine Art Gesundheitspass. Reisende mit ihren Waren mussten 40 Tage (= ital. quaranta giorni) warten, bevor sie wieder in eine Stadt einreisen durften. In dieser Zeit beobachtete man. Ob sie gesund blieben. So entstand der Begriff Quarantäne.
Warum gab es in den mittelalterlichen Städten sehr oft Krankheiten und Seuchen?
Die Menschen wuschen sich damals sehr selten. Es gab keine eigenen Duschen oder fließendes Wasser. In den wenigen öffentlichen Badehäusern hatten Gesunde direkten Kontakt mit Kranken.
Auf den Straßen wimmelte es von Ratten, wilden Hunden und Katzen. Diese ernährten sich vom herumliegenden Müll. Oft wurden die Bewohner*innen von den Tieren gekratzt oder gebissen.
Die wenigsten Städte verfügten über eine Kanalisation oder Abfallbeseitigung. Der Müll wurde auf die Straße oder in die Flüsse geworfen. In Folge wurde das Trinkwasser in den Brunnen vergiftet.
M3: Der Ausbruch der Pest - eine räumliche und zeitliche Orientierung

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