Spanische Grippe Gruppe A

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Spanische Grippe Gruppe A

Die Spanische Grippe im Spiegel der deutschen Presse

Die folgenden Quellen stammen (großteils) aus der sozialdemokratischen Bergischen Arbeiterstimme. Sie sind dem Gemeinschaftsprojekt rheinischer Archive zur Geschichte des Ersten Weltkriegs entnommen und in den Stadtarchiven Solingen, Hilden, Troisdorf sowie Düsseldorf im Original überliefert.

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Lies dir die folgenden Ausschnitte aufmerksam durch und notiere für jeden Bericht eine passende Zeitungsschlagzeile.
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Vergleiche und bewerte anschließend in Partnerarbeit mit deinem Sitznachbarn deine gesammelten Eindrücke.
Gibt es Auffälligkeiten in der Berichterstattung? Welche Fakten/Informationen stechen deiner Meinung nach besonders hervor? Kommen dir die hier geschilderten Ereignisse in irgendeiner Form bekannt vor?
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Versucht nun - ausgehend von euren gemeinsamen Austausch - den hier geschilderten Verlauf der Spanischen Grippe mittels eines Zeitstrahls oder einer ähnlichen Visualisierung euren Klassenkollegen/kolleginnen zu präsentieren.
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Diskutiert abschließend gemeinsam im Klassenplenum mögliche Parallelen/Unterschiede des hier dargestellten Verlaufs der Spanischen Grippe im Vergleich zur heutigen Corona-Pandemie.
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Spanische Grippe Gruppe A
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1. Juli 1918: __________________________________________________________________________________________

Solingen. Die Spanische Grippe auch in Solingen? Wie der „General-Anzeiger“ berichtet, sind in Solingen in den letzten Tagen verschiedentlich, namentlich bei Kindern, influenzaartige leichte Krankheitserscheinungen beobachtet worden, die vielleicht als Fälle der neuerdings auch nach Deutschland gelangten Spanischen Grippe anzusehen sind. Aus Nürnberg, Bonn und anderen Städten werden bereits Fälle von Grippe gemeldet, die aber sämtlich absolut harmlos verlaufen und zu Besorgnissen nicht den allergeringsten Anlaß geben.

(Stadtarchiv Solingen, Bergische Arbeiterstimme 1. Juli 1918)

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2. Juli 1918: _________________________________________________________________________________________

Die spanische Influenza auch in Deutschland. Die vor kurzem in Spanien aufgetretene Massenerkrankung hat überraschenderweise auch ihren Einzug in Deutschland gehalten. Aus Nürnberg wird berichtet, daß dort in mehreren Bureaus und Arbeitsräumen plötzlich eine Anzahl Personen unter Mattigkeit und Fiebererscheinungen erkrankt ist. Allem Anschein nach handelt es sich um Influenza. Der Bezirksarzt Medizinalrat Dr. Wetzel erläßt eine Kundmachung, in der er Ratschläge zur Verhütung von Ansteckung, Anweisung zur Pflege der Kranken gibt, zugleich aber betont, daß kein Grund zu ernster Besorgnis vorhanden sei, da die Krankheit regelmäßig verlaufe. Auch aus Bonn wird das Auftreten der Krankheit gemeldet. In letzter Zeit ist dort, wie die „Bonner Zeitung“ von sachverständiger Seite erfährt, ein gehäuftes Auftreten einer eigenartigen grippeartigen Erkrankung zu beobachten gewesen. Die Krankheit beginnt meist mit Fieber, schwerem Krankheitsgefühl, stärkeren Kopfschmerzen und katarrhalischen Erscheinungen. Ernste Krankheitserscheinungen oder gar Todesfälle sind bisher nicht gesehen worden, die Krankheit scheint vielmehr trotz des manchmal schwer gestörten Allgemeinbefindens einen harmlosen Charakter zu haben, wenn sie auch eine bis zwei Wochen andauern kann. Anscheinend sind auch anderswo in Deutschland ähnlich gehäufte Krankheitsfälle beobachtet worden. Ob es sich um dieselbe Erkrankung handelt, die vor kurzem in Spanien massenhaft aufgetreten ist, kann man noch nicht sagen. Influenzabazillen sind bis jetzt nicht nachgewiesen worden.

(Stadtarchiv Solingen, Bergische Arbeiterstimme 2. Juli 1918)

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3. Juli 1918:

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Hilden, 3. Juli. Die spanische Krankheit. Die geheimnisvolle Krankheit, welche in Spanien viel von sich reden machte, hat sich nun auch in Deutschland ausgebreitet. Insbesondere kommen die Meldungen hierüber aus Süd- und Ostdeutschland. Es ist anzunehmen, daß die die Krankheit, deren Symptome wir in unserer gestrigen Zeitung mitteilten, auch das dichtbevölkerte Westdeutschland und einige Personen in unserer Stadt ergreift. Wie gestern schon gesagt, ist die Krankheit ungefährlich. Vielleicht hängt die Krankheit mit dem guten Essen zusammen, das wir jetzt zu uns nehmen.

(Stadtarchiv Hilden, Rheinisches Volksblatt vom 3. Juli 1918)

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3. Juli 1918:

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Es wird viel von der kommenden Offensive geschrieben, die bald bevorstehen soll. Auf letzteren Umstand deuten die vielen Truppentransporte nach dem Westen, die Abberufung mancher in Urlaub sich hier befindenden Offiziere hin, aber sonst ist Näheres nicht zu erfahren. – Die geheimnisvolle sogenannte spanische Krankheit ist nun auch hier aufgetreten, die mit einem Male eine große Anzahl von Personen befällt und deren Erscheinungsformen sehr heftig sind. Die Kranken sind äußerst matt und hinfällig, leiden an Appetitlosigkeit und haben hohes Fieber. Bei dieser influenzaartigen Erkrankung stellt sich auch manchmal Erbrechen ein. Nach 3-4 Tagen läßt die Krankheit nach und nimmt dann einen guten Verlauf. In Friedenszeit würde sie gewöhnlich mit Kognak oder Schnaps erfolgreich bekämpft. Das fällt aber jetzt sehr schwer, da diese geistigen Getränke so gut wie gar nicht zu haben sind oder in einem solchen Preise stehen, daß sie nicht zu bezahlen sind.

(Stadtarchiv Düsseldorf, "Tagebuch Willy Spatz" 1914-1919)

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4. Juli 1918:

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Solingen. Was die spanische Krankheit nicht alles verursacht? Eine hiesige Händlerin war in Verdacht gekommen, den Käufern die Ware in dem geforderten Gewicht nicht gegeben zu haben. Von einem Polizeibeamten zur Rede gestellt, erklärte sie, sie leide seit einiger Zeit an der „spanischen Krankheit“, die ihr jedes Denk- und Urteilsvermögen geraubt habe. Die Händlerin wußte auch die anderen Folgen der Krankheit geradezu rührend zu schildern. Der Beamte stellte ihr eine Untersuchung an Gerichtsstelle in Aussicht. Hoffentlich machen sich die Begleiterscheinungen ähnlicher Art nicht bei anderen Geschäftsleuten bemerkbar.

(Stadtarchiv Solingen, Bergische Arbeiterstimme 4. Juli 1918)

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6. Juli 1918:

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Die „spanische“ Krankheit. Auch im Kreise Solingen tritt die neue Krankheit jetzt in verstärktem Maße auf. Das beweist die Tatsache, daß auf allen Krankenkassen, bei denen wir Erkundigungen einzogen, die Zahl der neuen Kranken in den letzten Tagen gestiegen ist. Zur Beunruhigung liegt trotzdem kein Grund vor, da es sich bei der neuen Krankheitserscheinung um die sogenannte Grippe handelt, die in ihrem Verlauf durchweg harmloser Art ist. In den seltensten Fällen tritt nach Angabe der Aerzte Fieber ein. Der Beginn der Krankheit zeigt sich zunächst durch das Eintreten von Schüttelfrost, Uebelsein, Kopfschmerz, weiter in Nacken- und Rückenschmerzen. Weitere Anfangssymptome sind mäßige katarrhalische Erscheinungen der oberen Luftwege (Nase,Rachen, Kehlkopf, größere Luftröhre). Bezeichnenderweise ist auch Brennen oder Stechen in den Augen vorhanden als Ausdruck katarrhalischer Entzündung der Augenbindehaut. Etwas Auswurf kann vorhanden sein, jedenfalls besteht oft ein quälender, sogenannter trockener Husten. Ob im Auswurf sichere Influenzabazillen vorhanden sind, muß zunächst noch abgewartet werden; jedenfalls wurden diese Erreger in vielen untersuchten Fällen bisher nicht gefunden. Es erscheint überhaupt fraglich, ob es sich um eine wirkliche Influenza handelt, wie sie z[um] B[eispiel]1890 in einer großen Epidemie beobachtet wurde. Auch sind die bis jetzt gesehenen Fälle fast alle durchaus harmlos, wenn auch subjektiv das Befinden recht schlecht sein kann. Todesfälle sind bisher nicht bekannt geworden. Auch bleibt auffallend, daß Komplikationen von seiten lebenswichtiger Organe, z[um] B[eispiel] die bei echter Influenza so gefürchtete, oft tödliche Lungenentzündung, recht selten zu sein scheinen. Auch Magen- und Darmerscheinungen, die bei der eigentlichen Influenza das Bild völlig beherrschen können, treten bei der jetzigen Epidemie sehr zurück, ebenso wie die bei echter Influenza beobachteten Symptome von seiten des Zentralnervensystems.

(Stadtarchiv Solingen, Bergische Arbeiterstimme 6. Juli 1918)

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9. Juli 1918:

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Der Sieglarer Bürgermeister Johann Lindlau meldet dem Landrat in Siegburg, dass er die Schule in Eschmar bis zum 15. Juli 1918 schließt. Grund sind die vielen Krankmeldungen der Schülerinnen und Schüler wegen der Spanischen Grippe.

(Stadtarchiv Troisdorf, "Schulverwaltung" 1918-1937, B 887)

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19. Juli 1918:

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Solingen. Ortskrankenkasse und Grippe. Wie die Ortskrankenkasse mitteilt, scheint der Höhepunkt der Grippeerkrankungen noch immer nicht ganz erreicht zu sein. Vorgestern erfolgten 104 Krankmeldungen, gestern dagegen 124. Dabei handelt es sich immer um Arbeitsunfähige. Leichte Erkrankungen sind dabei also nicht mitberücksichtigt worden. Man kann damit rechnen, daß an 100 Grippefälle bei der Krankenkasse täglich zu verzeichnen sind. Am letzten Samstag wurden an 865 Kranke 15 000 Mark Krankengelder ausgezahlt. Die Gesamtauszahlungen seit Ausbruch der Grippe belaufen sich auf 28 000 Mark, die größtenteils auf Rechnung dieser unbequemen Krankheit zu setzen sind. Seit dem Bestehen der Kasse sind Auszahlungen in solcher Höhe noch nicht festgestellt worden. Aller Wahrscheinlichkeit nach kann man damit rechnen, daß die Kurve der Erkrankungen noch etwas steigen wird. Allerdings verlaufen die weitaus meisten Fälle harmlos, sodaß die von der Krankheit Befallenen nach wenigen Tagen die Arbeit wieder aufnehmen können. Nur in einigen, ganz vereinzelten Fällen haben Komplikationen zu schwereren Erkrankungen, insbesondere Lungenentzündung, geführt. Beim nächsten Jahresabschluß der Krankenkasse wird sich die Wirkung der Grippe sehr unangenehm fühlbar machen.

(Stadtarchiv Solingen, Bergische Arbeiterstimme 19. Juli 1918)

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31. Juli 1918:

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Solingen. Die Grippe ist hier anscheinend im Erlöschen begriffen. Bei der Ortskrankenkasse sind in den letzten Tagen höchstens noch 30 Krankmeldungen täglich eingegangen, während zur Zeit des Höhepunktes der Grippeerkrankungen täglich weit über 100 Meldungen zu verzeichnen waren.

(Stadtarchiv Solingen, Bergische Arbeiterstimme 31. Juli 1918)

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von anonym

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