Name:
Spanische Grippe Gruppe B

Die folgenden Quellen stammen (großteils) aus der sozialdemokratischen Bergischen Arbeiterstimme. Sie sind dem Gemeinschaftsprojekt rheinischer Archive zur Geschichte des Ersten Weltkriegs entnommen und in den Stadtarchiven Solingen, Hilden, Troisdorf sowie Düsseldorf im Original überliefert.
20. September 1918:
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Seid sparsam mit Kohlen. Wenn der Mangel an Arbeitskräften die Förderung der Bergwerke schon sehr ungünstig beeinflußt hat, so ist die Förderung weiter aber noch wesentlich durch die im Sommer unter der Bergarbeiterschaft besonders stark aufgetretene Erkrankung an Grippe gestört worden. Der entstandene Ausfall wird auf arbeitstäglich mehrere tausend Waggon berechnet und summiert sich im ganzen auf eine große Menge, so daß es notwendig ist, den Ausfall bei der vorgesehenen Verteilung zu berücksichtigen. Es muß jeder Verbraucher diesen bedauerlichen Umständen Rechnung tragen und seinen Bedarf an Heizmitteln auf das allernotwendigste einschränken. Das Heizen der Wohn- und Geschäftsräume ist so lange auszusetzen, wie eben möglich, um zu vermeiden, daß in der eigentlichen kalten Winterzeit wegen Mangel an Brennstoffen das Heizen eingestellt werden muß.
(Stadtarchiv Solingen, Bergische Arbeiterstimme 20. September 1918)
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12. Oktober 1918:
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Die „spanische Krankheit“ oder Grippe tritt nun auch in unserem Kreise erneut in heftiger Weise auf. Mancher Betrieb hat durch die Krankheit zu leiden. In Solingen macht sich das erneute Auftreten noch nicht so scharf bemerkbar; nur wenige Fälle sind bei der Ortskrankenkasse angemeldet worden, doch befindet sich auch hier die Zahl der Erkrankungen im Zunehmen.
(Stadtarchiv Solingen, Bergische Arbeiterstimme 12. Oktober 1918)
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18. Oktober 1918:
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Die neue Grippeepidemie. Nach kurzer Pause ist auch in unserem Kreise die spanische Grippe wieder im Fortschreiten. In nahezu allen Betrieben grassiert das Uebel mehr oder weniger scharf. Die Krankmeldungen bei allen Krankenkassen unseres Kreises nehmen täglich zu, zum Teil ist diese Ziffer so groß geworden, daß zur Bewältigung der Unterstützungsauszahlung noch Extratage festgesetzt werden müssen. Es kann nicht dringend genug gewarnt werden, die Krankheit leicht zu nehmen. Sofort zum Arzt, wenn du verhindern willst, daß durch Hinzutreten von andern Krankheiten, wie Lungenentzündung, Schlimmeres eintritt.
(Stadtarchiv Solingen, Bergische Arbeiterstimme 18. Oktober 1918)
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18. Oktober 1918:
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Solingen. Infolge zahlreicher Erkrankungen des Personals wird der Schalterdienst bei der Postzweigstelle Solingen 2 (Kaiserstraße) bis auf weiteres auf die Zeit von 9 – 12 Uhr vorm[ittags] und 3 – 6 Uhr nachm[ittags] eingeschränkt; die Annahme von Postanweisungen und Zahlkarten wird aufgehoben.
(Stadtarchiv Solingen, Bergische Arbeiterstimme 18. Oktober 1918)
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21. Oktober 1918:
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Die Grippe greift jetzt in recht besorgniserregender Weise um sich. In einzelnen Schulen fehlten heute morgen bis zu 35 Kinder; auch eine Anzahl Lehrer der Gemeinde[n] des oberen Kreises sind erkrankt. In den nächsten Tagen dürften in unserem Kreise einige Schulen aus diesem Anlaß geschlossen werden. Auch in den industriellen Betrieben sind sehr viele Arbeiter und Angestellte an der Grippe erkrankt, einzelne Abteilungen mußten infolgedessen ganz aussetzen. Da die Grippe diesmal sehr ernsthaft auftritt, liegt es im Interesse aller, sich bei Erkrankung sofort an den Arzt zu wenden. Dazu wird uns noch mitgeteilt, daß die Erkrankungen unter den SchülerInnen, besonders in den einzelnen Klassen des Solinger Lyzeums, so zahlreich geworden sind, daß der Unterricht bis nächsten Montag ausgesetzt werden muß.
(Stadtarchiv Solingen, Bergische Arbeiterstimme 21. Oktober 1918)
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23. Oktober 1918:
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Die Grippe breitet sich immer weiter aus. Auch unser Kreis muß ihm diesmal sehr großen Tribut zahlen. In Solingen steht die Schließung aller Schulen bevor. In Ohligs wurde der Unterricht an den Volksschulen und der Fortbildungsschule bis 2. November ausgesetzt. Besonders schlimm grassierte diese Seuche im Bezirk Merscheid, wo nahezu jedes Haus einen oder mehrere Kranken birgt. In Wald steht es nicht viel besser. Hier mußten von heute an ebenfalls sämtliche Schulen bis zum 2. November geschlossen werden. Auch im unteren Kreise fordert die Grippe täglich ihre Opfer. Gestern starb in Opladen Herr Kreissekretär König nach dreitägiger Krankheit. Zu bedauern ist, daß es gerade jetzt an der notwendigen Zahl guter Aerzte und auch an den wichtigsten Arzneien mangelt. 3 und 4 Tage warten die Erkrankten auf den Arzt, es kommt aber in vielen Fällen niemand. Hoffen wir, daß das jetzt eingesetzte hübsche Herbstwetter etwas Besserung schafft.
(Stadtarchiv Solingen, Bergische Arbeiterstimme 23. Oktober 1918)
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25. Oktober 1918:
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Unhaltbare Zustände haben sich in einzelnen Gemeinden des oberen Kreises herausgebildet. Durch die recht große Zahl an Sterbefällen ist es für viele Gemeinden anscheinend schwer geworden, der Beerdigungsfrage Herr zu werden. So kommt es, daß viele Leichen weit über die gesetzlich zulässige Zeit in den Häusern liegen bleiben. Man sollte meinen, daß zu einer Zeit, in der eine böse Volksseuche an sich schon überaus viele Opfer fordert, von den Behörden alles geschehen müßte, um diese Opfer nicht noch zu vermehren. Schließlich geht die Gesundheit der Gesamtheit vor, und diese verlangt, daß nach gründlicher Untersuchung und Feststellung des Todes möglichst schnell die Leichen der Erde übergeben werden. – In einem Hause in Mangenberg starb vor einigen Tagen ein Mann an Schwindsucht. Er blieb volle 5 Tage liegen. Als der geschlossene Sarg auf die Straße getragen wurde, verbreitete er dort einen geradezu pestialischen Geruch. Wir wollen diese traurigen Dinge nicht weiter erörtern, sondern nur feststellen, daß die gesamte Bevölkerung seit Wochen von solchen Dingen spricht. Pflicht der Behörden ist es, unter allen Umständen für schleunige Abhilfe zu sorgen. Die Leichen müssen aus dem Bereiche der Lebenden, wenn die jetzt herrschende Seuche nicht noch weitere Kreise ziehen soll. Wir warnen!
(Stadtarchiv Solingen, Bergische Arbeiterstimme 25. Oktober 1918)
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26. Oktober 1918:
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Die Grippe. Mit der Ausbreitung der Grippe und ihrer Bekämpfung hat sich auf Veranlassung des Reichsamts des Innern der Reichsgesundheitsrat in einer Sitzung befaßt. Es hat sich hierbei folgendes ergeben: Nachdem die Grippe nach ihrem Auftreten im Juni und Juli d[ieses] J[ahre]s wesentlich zurückgegangen war, hat sie im Laufe des Oktobers wieder stark zugenommen. Die Zunahme erstreckt sich auf das ganze Reichsgebiet. Die Krankheit ist diesmal mit schwereren Erscheinungen verbunden als vordem. Besonders bei jüngeren Personen verläuft die Krankheit ziemlich heftig. Treten Komplikationen, namentlich Lungenentzündung hinzu, so endet sie nicht selten tödlich. Der einzelne Mensch wird sich, da der Krankheitsstoff vermutlich durch den Mund oder die Nase Eingang in den Körper findet, zweckmäßig dadurch gegen die Krankheit zu schützen suchen, daß er sorgfältig auf Reinlichkeit bedacht ist, insbesondere vor dem Essen sowie vor der Zubereitung der Speisen sich regelmäßig die Hände wäscht. Nach dem Ratschlag von erfahrenen Aerzten empfiehlt es sich ferner, täglich mehrmals zu gurgeln, z. B. mit warmem Wasser, dem etwas Kochsalz zugesetzt ist (eine Messer- oder Teelöffelspitze auf ein Glas Wasser). Bei älteren Leuten, bei Herzschwachen und bei Lungenleidenden nimmt die Krankheit erfahrungsgemäß nicht selten einen schweren Verlauf. Sie sollten deshalb, wie übrigens auch jedermann, dem seine Lebensweise und sein Beruf es gestatten, den Massenverkehr meiden, sich von Gelegenheiten fernhalten, wo sie mit vielen Menschen in nahe körperliche Berührung kommen oder von anderen angehustet werden können. Tritt trotz aller Vorsicht eine Erkrankung ein, so soll man nicht die Krankheit hinschleppen, indem man der gewohnten Beschäftigung weiter nachgeht. Man begebe sich vielmehr schon bei dem ersten Zeichen des Unwohlseins (Frostempfindungen, Fieber, Kopfweh, Schnupfen, Husten, Abgeschlagenheit oder Gliederschmerz) alsbald ins Bett.
(Stadtarchiv Solingen, Bergische Arbeiterstimme 26. Oktober 1918)
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30. Oktober 1918:
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Weitere Verkehrseinschränkungen infolge der Grippe. Der Minister der öffentlichen Arbeiten gibt folgendes bekannt: Die zahlreichen Erkrankungen an Grippe wirken in ganz empfindlicher Weise auf den Eisenbahnbetrieb ein. Dank inzwischen durchgeführter Zugeinschränkungen konnte bis jetzt den Anforderungen des Verkehrs noch einigermaßen entsprochen werden. Die starke Zunahme der Erkrankungen – es sind gegenwärtig 4500 Bedienstete im Betrieb der preußisch-hessischen Staatseisenbahnen infolge der Grippe dienstunfähig – erfordert aber schleunigst die Aufhebung weiterer Züge zur Gewinnung von Lokomotiv- und Zugbegleiterpersonal, um ernste Schwierigkeiten bei der Abwicklung des kriegswichtigen und Nahrungsmittelverkehrs, insbesondere bei der Kartoffelversorgung, abzuwenden. Bei der ernsten Lage sah sich die Eisenbahnverwaltung daher genötigt, nun mehr auch die Personenzüge erheblich einzuschränken und einen großen Teil der zurzeit fahrenden Züge vorübergehend aufzuheben. Es ist jetzt mehr denn je die Pflicht eines jeden, die von der Eisenbahnverwaltung wiederholt ergangene Mahnung zu beherzigen und nur dann zu reisen, wenn unabweisbar dringende Gründe vorliegen.
(Stadtarchiv Solingen, Bergische Arbeiterstimme 30. Oktober 1918)
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2. November 1918:
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Wiederbeginn der Schulen. Die infolge des starken Auftretens der Grippe geschlossenen Schulen der verschiedenen Orte des Kreises nehmen heute und am Montag ihren Unterricht wieder auf.
(Stadtarchiv Solingen, Bergische Arbeiterstimme 2. November 1918)
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2. November 1918:
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Solingen. Uebertriebene Gerüchte schwirren durch die Luft. Im Krankenhause sollen Hunderte Personen an Grippe gestorben sein. Eine Anfrage an zuständiger Stelle ergab, daß seit Ausbruch der Grippe im Krankhause 23 Todesfälle zu verzeichnen sind, worunter 6 Soldaten, eine Zahl, die auch schon reichlich groß ist. Uebrigens steht jetzt fest, daß die Gripperkrankungen zurückgehen.
(Stadtarchiv Solingen, Bergische Arbeiterstimme 2. November 1918)
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30. November 1918:
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November 30. Im Sommer trat in unserm Orte die spanische Grippe auf. Sie war leichter Natur, sodaß die davon befallenen Kinder rasch gesundeten. Im Oktober nahm sie einen epidemischen Charakter an. Ganze Familien lagen daran schwer darnieder.
Hohes Fieber, Blutbrechen und starke Hinfälligkeit waren damit verbunden. In ein paar Tagen wurden 3 Personen davon hinweggerafft, darunter ein Schulkind. Vom 26. Oktober bis 11. November wurde die Schule geschlossen. Doch hatte mit der Wiederaufnahme des Unterrichts die Krankheit noch nicht ihren Höhepunkt erreicht. Wohl ein Drittel aller Schulkinder wurden von ihr heimgesucht. Die Zahl der Schüler, die entweder selbst oder deren Familienmitglieder an der Influenza erkrankt waren, betrug an einem Tage 50%. Jetzt ist sie im Abnehmen begriffen.
(Stadtarchiv Troisdorf, "Schulchronik Bergheim" 1900-1924, B 998, S. 62)
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