Straffälligkeit von Jugendlichen
Fall 1
Der 16-Jährige Marco lebt seit Jahren mit seiner Familie in einer kleinen Wohnung. Seine Eltern streiten häufig miteinander, manchmal beobachtet er auch körperliche Auseinandersetzungen. Diskussionen enden meistens in gewaltsamen Konflikten und lauten Schreien sowie Drohungen. Sein Vater bemüht sich ab und zu nett zu ihm zu sein, aber oft ist er alkoholisiert und emotional abwesend. Die Mutter ist erschöpft und zieht sich zurück, auch aus Angst.
Marco hat kaum eine Bindung zu seinen Eltern. Er versucht, seine Mutter zu beschützen, aber seinem Vater ist er körperlich unterlegen. Vor zwei Jahren ist sein Opa gestorben, zu dem er viel Kontakt hatte. Seitdem ist es für ihn zu Hause noch einmal schlimmer geworden, weshalb er sich seltener in der Wohnung aufhält. Er ist viel mit Freunden unterwegs, die er auf Partys kennengelernt hat. Sie laufen durch die Stadt, halten sich an öffentlichen Plätzen auf und trinken ebenfalls Alkohol.
Eines Abends warten sie an einer Bushaltestelle. Es kommt zu einem Streit zwischen ihnen und einer anderen Gruppe Jugendlicher. Marco wird angerempelt und fühlt sich provoziert. Anstatt die Situation mit Worten zu klären, schlägt er den anderen Jungen. Seine Freunde feuern ihn an und schnell entwickelt sich eine große Schlägerei. Die Polizei wird alarmiert und sammelt den verletzen Marco ein.
Fall 1
Fall 2
Fall 3
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Sozialkunde
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Straffälligkeit von Jugendlichen
Fall 2
Der 13-jährige Ben verbringt viel Zeit im Internet, vor allem auf Videoplattformen und in Online-Spielen. Viele seiner Freunde haben schon eigene Social-Media-Profile, und Ben möchte dazugehören. Eines Abends entdeckt er in einem Chatforum eine Anleitung, wie man „coole Videos“ aus dem Unterricht hochladen kann, um mehr Klicks zu bekommen. Ben versteht nicht, dass das Filmen von Mitschülern und das Veröffentlichen solcher Videos rechtlich problematisch sein kann. Ihm ist weder bewusst, dass er damit Persönlichkeitsrechte verletzt, noch, dass er sich strafbar machen könnte.
Am nächsten Tag nimmt Ben heimlich sein Smartphone mit in den Unterricht. Als ein Klassenkamerad sich beim Erklären einer Aufgabe verhaspelt, filmt Ben die Szene und schickt das Video zunächst an zwei Freunde. Die lachen darüber und ermutigen ihn, das Video auf seinem kleinen Social-Media-Kanal zu posten, weil es „bestimmt viral gehen könnte“. Ben denkt sich nichts weiter dabei.
Innerhalb weniger Stunden verbreitet sich das Video in der gesamten Schule. Der gefilmte Schüler ist zutiefst verletzt und schämt sich, was schließlich auch die Lehrkräfte aufmerksam macht. Als Ben zur Rede gestellt wird, ist er vollkommen überrascht und bricht in Tränen aus. Er erklärt mehrfach, dass er nicht wusste, dass dies verboten sei, und dass er nur „etwas Lustiges teilen“ wollte.
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Straffälligkeit von Jugendlichen
Fall 3
An einem warmen Freitagabend trifft sich eine Gruppe von sechs Jugendlichen zwischen vierzehn und sechzehn Jahren wie üblich an einem abgelegenen See am Stadtrand. Innerhalb der Clique herrschen klare Rangordnungen: Die beiden Ältesten, Timo und Kaan, gelten als die Anführer und bestimmen meist, was die Gruppe unternimmt. Die jüngeren Mitglieder – darunter Jonas, fünfzehn Jahre alt – orientieren sich stark an ihnen und möchten unbedingt dazugehören. Während sie gemeinsam am Ufer sitzen, beklagt Timo, dass ihnen „etwas Action“ fehle, und schlägt vor, eine Mutprobe zu machen. In der Nähe befindet sich ein kleines Fischerhäuschen, in dem verschiedene Angel- und Campingutensilien lagern. Timo schaut herausfordernd in die Runde und fragt, wer von ihnen mutig genug sei, hineinzusteigen und „etwas Kleines mitzunehmen“.
Zunächst reagiert niemand, doch dann richtet Timo seinen Blick direkt auf Jonas und sagt spöttisch, er solle sich nicht wieder wie ein „Schisser“ anstellen. Die anderen lachen, und Jonas spürt, wie sich die Situation gegen ihn wendet. Er hat bereits mehrfach erlebt, wie er von den Älteren verspottet oder ausgeschlossen wurde, und möchte nicht erneut zum Außenseiter werden. Unter diesem sozialen Druck stimmt er schließlich zu, obwohl er eigentlich Angst hat. Er schleicht zu dem Häuschen, drückt ein lose sitzendes Fenster hoch und klettert hinein. Im Inneren nimmt er eine Taschenlampe und ein kleines Taschenmesser an sich, bevor er zur Gruppe zurückkehrt. Die Jugendlichen jubeln, klopfen ihm auf die Schulter und feiern ihn plötzlich als vollwertiges Mitglied der Clique.
Wenige Tage später meldet der Besitzer des Häuschens den Einbruch bei der Polizei, die aufgrund von Spuren und Aussagen schnell herausfindet, dass Jonas den Diebstahl begangen hat.
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Straffälligkeit von Jugendlichen
Fall 4
Der 15-jährige Justin lebt gemeinsam mit seiner Mutter und seinem jüngeren Bruder in einer kleinen Wohnung am Stadtrand. Seit sein Vater die Familie verlassen hat, versucht die Mutter, mit mehreren Minijobs über die Runden zu kommen, doch das Geld reicht kaum für die Miete, geschweige denn für ausreichend Lebensmittel. In den letzten Wochen fiel Justin zunehmend auf, dass zu Hause immer weniger zu essen da ist. Manchmal gibt es nur eine Packung Nudeln am Tag, und an manchen Abenden legt die Mutter sich hungrig schlafen, damit die Kinder mehr haben. Justin versteht nicht alle Hintergründe, aber ihm ist bewusst, dass die Familie in einer schwierigen Lage steckt.
An einem Freitagnachmittag geht Justin nach der Schule am Supermarkt vorbei. Er merkt, wie ihm vor Hunger der Magen knurrt, und denkt gleichzeitig an seinen kleinen Bruder, der am Morgen ohne Frühstück aus dem Haus gegangen ist. Als er die Backwarenabteilung sieht, überkommt ihn ein impulsives Gefühl der Verzweiflung. Er weiß, dass Stehlen verboten ist, doch in diesem Moment kann er keinen anderen Weg erkennen, wie er an etwas zu essen kommen sollte. Seine Mutter würde niemals darum bitten, und Justin schämt sich, in der Schule nach Unterstützung zu fragen.
Er schaut sich um, nimmt ein Brot aus dem Regal und steckt es in seinen Rucksack. Er hat kein Gefühl von Nervenkitzel oder Abenteuer – stattdessen eine Mischung aus Scham, Angst und dem Gedanken, dass es diesmal „einfach sein muss“. Beim Hinausgehen wird er jedoch vom Ladendetektiv angesprochen und in ein kleines Büro gebracht. Justin weint sofort und erklärt mit stockender Stimme, dass zu Hause kaum noch Essen da sei und er nicht wusste, was er sonst tun solle.
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Straffälligkeit von Jugendlichen
von anonym
Sozialkunde
8
16.11.2025
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