D6 - Podcast 2

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Pod­cast 2

Hin­weis

Mache am Ende dei­ner Ar­beit einen Haken, wenn du alle Auf­ga­ben eines Lern­pa­kets ge­löst hast und lasse dir von dei­ner Fach­leh­re­rin oder dei­nem Fach­leh­rer mit einem Stem­pel be­stä­ti­gen, dass alles er­le­digt ist.

Teil­zie­le: Los geht's!

Merk­ma­le einer Sage

Ich lerne die Merk­ma­le einer Sage ken­nen und kann da­durch Sagen als Text er­ken­nen.

Pla­nen eines Pod­casts

Ich kenne alle Schrit­te, die ich zum Pla­nen und Vor­be­rei­ten eines Pod­cas­tes brau­che.

Er­stel­lung eines Pod­cast zum Thema Sagen

Ich er­stel­le einen Pod­cast zum Thema Sagen.

Meine Pla­nung

Auf­ga­be

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Kor­ri­giert?

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Merk­ma­le einer Sage

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Höre dir die Au­dio­da­tei Sa­gen­merk­ma­le in der Lern­platt­form auf­merk­sam an. Auf den fol­gen­den Zeile kannst du dir Wich­ti­ges her­aus­schrei­ben.
2
Mar­kie­re alle Merk­ma­le far­big, die zur Text­sor­te Sage ge­hö­ren.



münd­li­che Her­kunft be­gin­nen mit Es war ein­mal...

wun­der­sa­me Be­ge­ben­hei­ten kon­kre­te Ort­an­ga­ben

star­ke Re­gi­o­na­li­tät Zau­ber­sprü­che

Num­mern um­fas­sen­de Re­cher­che ver­schie­de­ne Per­spek­ti­ven Zoom­tech­nik

Über­na­tür­li­che Wesen mit be­stimm­ten Fä­hig­kei­ten

un­ter­halt­sa­me Be­richt­erstat­tung his­to­ri­scher Kern

In­ter­views ein­fa­che Struk­tur

kon­kre­te Zeit­an­ga­ben an­schau­li­che Spra­che und span­nen­de Schil­de­rung

Zi­ta­te über­na­tür­li­che Wesen mit be­son­de­ren Fä­hig­kei­ten

per­sön­li­che Ein­drü­cke der Au­torin lehr­haf­te Bot­schaft mit Wer­ten

will be­leh­ren und un­ter­hal­ten Ent­ste­hungs­an­lass

au­ßer­ge­wöhn­li­ches Er­eig­nis Tiere mit mensch­li­chen Ei­gen­schaf­ten

Mi­schung aus Fak­ten und Fik­ti­on

geo­gra­fi­sche Bin­dung kein Ort oder Zeit Moral oder Er­kennt­nis wird ver­mit­telt

an­ony­me Über­lie­fe­rung
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Lies die fol­gen­de Sage auf­merk­sam durch.
  • Un­ter­strei­che alle Wör­ter, die du nicht kennst.
  • Ist das un­ter­stri­che­ne Wort mit einem Stern­chen ver­se­hen, dann kannst du es in der Lern­platt­form nach­schla­gen.
  • Wenn das Wort kein Stern­chen hat, dann schrei­be das Wort an die Tafel. Soll­te das Wort dort schon ste­hen, dann mache da­hin­ter einen Strich.

Die Äb­tis­sin* im Schmer­len­ba­cher Walde



Im Klos­ter Schmer­len­bach war ein­mal eine Äb­tis­sin, eine gei­zi­ge und hart­her­zi­ge Frau. Statt die Hung­ri­gen zu spei­sen, ließ sie die Bett­ler mit Hun­den von der Pfor­te jagen, und sie ver­wei­ger­te auch den Armen, dass sie im Klos­ter­wal­de* dür­res Holz lasen*. Der Förs­ter soll­te die Leute ein­fan­gen und nach Schmer­len­bach brin­gen, wo sie in den tiefs­ten Kel­ler ge­sperrt wur­den und wegen der paar dür­ren Rei­ser hun­gern und frie­ren muss­ten.

Meh­re­re Jahre ging dies so zu, bis schließ­lich der Main­zer Kur­fürst* vom schmäh­li­chen* Trei­ben der Äb­tis­sin er­fuhr und eines Tages un­ver­mu­tet im Klos­ter Schmer­len­bach ein­traf. Er besah alle Räume und ver­lang­te auch in den Kel­ler ge­führt zu wer­den. Da zö­ger­te die Äb­tis­sin und wuss­te hier­ge­gen al­ler­lei ein­zu­wen­den. Doch es half ihr nichts, und sie muss­te auf fürst­li­chen Be­fehl den Kel­ler öff­nen. Dort drin­nen hock­ten nun die armen Men­schen auf dem feuch­ten Boden, frie­rend und halb ver­hun­gert.

Der er­zürn­te* Kur­fürst gab den Ge­fan­ge­nen au­gen­blick­lich die Frei­heit und ließ sie auf Kos­ten der Äb­tis­sin reich­lich* mit Essen und Trin­ken be­wir­ten.

Als der fürst­li­che Herr fort war, ge­riet die gei­zi­ge Alte in sol­che Wut, dass sie wet­ter­te* und schimpf­te und in ihrem maß­lo­sen* Zorne tot um­fiel.

Die Armen wein­ten ihr keine Träne nach. Jetzt durf­ten sie wie­der im Walde Holz lesen, so viel sie woll­ten. Aber sie er­schra­ken nicht wenig, als sie beim Rei­sersam­meln* plötz­lich die Äb­tis­sin zwi­schen den Bäu­men geis­tern sahen. Und son­der­bar: wo sie sich zeig­te, fan­den die armen Leute immer eine Menge dürre Holz­ste­cken. Es schien, als ob die Äb­tis­sin nach ihrem Tode gut­ma­chen wolle, was sie im Leben gegen die Armen ge­fehlt hatte.

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Un­ter­strei­che im Text Die Äb­tis­sin in Schmer­len­ba­cher Walde alle Merk­ma­le, an denen man die Sage er­kennt.
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Ordne deine ge­fun­de­nen Merk­ma­le in die Ta­bel­le ein.

Merk­mal

Text­nach­weis

wahre Be­ge­ben­heit

Bett­ler weg­ja­gen und den Armen ver­wei­gern dür­res Holz im Wald zu sam­meln

Kur­fürst gab den Ge­fan­ge­nen die Frei­heit und ließ sie auf Kos­ten der Äbtin ver­sor­gen

Äbtin är­ger­te sich so sehr, dass sie starb

kon­kre­ter Ort oder Zeit

Schmer­len­ba­cher Wald

Klos­ter Schmer­len­bach

reale Per­son

Äbtin

Main­zer Kur­fürst

wun­der­sa­me Wesen

Äbtin als Geist zwi­schen den Bäu­men im Wald

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Pla­nen eines Pod­casts

Auf den fol­gen­den Sei­ten lernst du die ein­zel­ne Schrit­te ken­nen, die man für einen guten Pod­cast min­des­tens be­den­ken muss.

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Sor­tie­re die ein­zel­nen Ar­beits­schrit­te in die rich­ti­ge Rei­hen­fol­ge.
(1-11)
  • Lege die Ziel­grup­pe fest.
    Über­le­ge, wer den Pod­cast in­ter­es­sant fin­den soll.
  • Schnei­den des Pod­cast (wenn nötig)
    Lern­pa­ket 1
  • Lege die Rol­len und die Be­set­zung fest.
    Gibt es einen Spre­cher oder eine Spre­che­rin aus dem Off?
    Oder führt je­mand mo­de­rie­rend durch
    den Pod­cast?
    Wer macht was?
  • Schrei­be ein Dreh­buch für dei­nen Pod­cast.
  • Re­cher­che und Vor­be­rei­tung der Ele­men­te
    Spei­che­re und no­tie­re dir, wo sich was be­fin­det.
  • Pro­be­auf­nah­me ein­zel­ner Ele­men­te
    Tes­ten des bes­ten Ortes, der ein­zel­nen Tech­ni­ken, der Aus­spra­che, Mi­kro­fon
  • Auf­nah­me des Pod­casts
    Wärme deine Stim­me auf. Achte auf deine Aus­spra­che.
  • Spei­chern und Hoch­la­den
    Spei­che­re immer auf dei­nem iPad und lade dei­nen Pod­cast am Ende in der Lern­platt­form hoch.
  • Fest­le­gung der ein­zel­nen Ele­men­te, die be­nutzt wer­den.
    (Intro-​Musik, Ein­lei­tung (Vor­stel­lung des The­mas), Vor­stel­lung der Spre­che­rin­nen und
    Spre­cher, Ge­räu­sche, Spre­che­rin­nen und Spre­cher, Haupt­teil, Ka­te­go­rien = Ka­pi­tel/Ab­schnit­te im Haupt­teil, Fazit/Schluss­teil, Outro)
  • Fer­tig!
    An­hö­ren und ge­mein­sam ge­nie­ßen.
  • Lege das Thema fest.
    Schrei­be dir dazu in min­des­tens einem Satz auf, wel­ches Thema du hast.
    Name und Logo für den Pod­cast sind keine Pflicht.
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Bevor du mit dem Pod­cast be­ginnst, be­ar­bei­te die fol­gen­den Lern­mo­du­le der Me­di­en­box NRW.
Kli­cke je­weils auf Modul star­ten. No­ti­zen ge­hö­ren auf­ge­schrie­ben.
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Dreh­buch für einen Pod­cast

Ein Dreh­buch für einen Pod­cast ist ein struk­tu­rier­tes Do­ku­ment, das den In­halt, die Struk­tur und die Ab­läu­fe einer Podcast-​Episode fest­legt. Es dient als Leit­fa­den für die Pod­cas­ter, um si­cher­zu­stel­len, dass alle wich­ti­gen The­men an­ge­spro­chen wer­den und der Fluss der Epi­so­de rei­bungs­los ver­läuft.



Du siehst unten un­ter­schied­li­che Dreh­bü­cher, die du nut­zen könn­test.



Du fin­dest sie ein­mal als Aus­druck am Leh­rer­tisch oder in der Lern­platt­form zum di­gi­ta­len Aus­fül­len.

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Auf­ga­be Er­stel­le einen Pod­cast zum Thema Sagen

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Du sollst einen Pod­cast er­stel­len. Das Über­the­ma ist Sagen.

Es gibt ver­schie­de­ne Schwie­rig­keits­stu­fen, diese kannst du selbst be­stim­men.

Du kannst al­lei­ne, zu zweit oder zu dritt ar­bei­ten.

Nach der Ab­ga­be er­hältst du eine Note auf dei­nen Pod­cast.

  • Stufe 1
    Er­stel­le einen Pod­cast, in dem du drei Fra­gen zum Thema Sagen be­ant­wor­test.

  • Stufe 2
    Er­stel­le einen Pod­cast zum Thema Merk­ma­le der Sagen.

  • Stufe 3
    Er­stel­le einen Pod­cast, bei dem Du Spes­sart­sa­gen mit dei­nem Hin­ter­grund­wis­sen ver­knüpft vor­stellst.

  • Stufe 4
    Er­stel­le einen Pod­cast, bei dem Du deine ei­ge­nen Sage vor­stellst und an die­ser die Merk­ma­le und Be­son­der­hei­ten von Sagen dar­stellst.
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Da das Thema schon fest­steht, musst du dir nur noch einen Titel für dei­nen Pod­cast über­le­gen.
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Re­cher­chie­re zu dei­nem ge­wähl­ten Thema. Mache dir stich­wort­ar­tig No­ti­zen und no­tiert die Quel­len, aus denen du In­for­ma­ti­o­nen ent­nimmst.
Nutze zur Re­cher­che die fol­gen­den Sei­ten und auch das Lern­pa­ket 1 Pod­cast er­stel­len.
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Lege ein Skript für deine Podcast-​Folge an und no­tiert für jedes Ele­ment, was du planst. Du kannst frei wäh­len, wel­ches Dreh­buch du dazu nutzt.
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Für die Auf­nah­me dei­nes Pod­cast be­nö­tigst du dein iPad und ein Auf­nah­me­pro­gramm.

1. Suche dir für die Auf­nah­me einen ru­hi­gen Raum, in dem es keine Stör­ge­räu­sche gibt (lee­res Klas­sen­zim­mer, im­pro­vi­sier­te Spre­cher­ka­bi­ne).

2. Star­te die Auf­nah­me und mache zu­erst Pro­be­auf­nah­men. Nimm dann den Pod­cast in einem Stück auf.

3. Spei­che­re den Pod­cast auf dei­nem iPad und lege eine Si­che­rungs­ko­pie an.

4. Be­ar­bei­te nun den Pod­cast. Schnei­de Ver­spre­cher her­aus und un­ter­legt den Pod­cast mit Musik. Be­ach­tet, dass du nur li­zenz­freie Musik nut­zen darfst.

5. Höre dir deine Folge ein­mal im Gan­zen an und spei­che­re sie ab.
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LP 2
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Auf­bau von Sagen

1. In der Über­schrift wird das Er­eig­nis, die Er­schei­nung oder die Haupt­per­son ge­nannt, um die es in der Sage geht: Der Ess­lin­ger Post­mi­chel. 2. Die Ein­lei­tung gibt oft eine Vor­ge­schich­te wie­der. Häu­fig wer­den die Zeit, der Ort sowie der An­lass für die Ent­ste­hung der Sage ge­nannt: Im Jahre 1491 wurde auf der Ess­lin­ger Stei­ge ein wohl­ha­ben­der Bür­ger er­schla­gen ... 3. Im Haupt­teil wird er­klärt, wie es zu dem Er­eig­nis oder der Er­schei­nung ge­kom­men ist, von der die Sage han­delt. 4. Der Schluss ent­hält häu­fig einen Ver­weis auf die Ge­gen­wart: Heute er­in­nert … an …

Klar/Text 2, Schul­buch, Wes­ter­mann­ver­lag, S.87
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Auf­bau von Sagen

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Klar/Text 2, Schul­buch, Wes­ter­mann­ver­lag, S.87
Klar/Text 2, Schul­buch, Wes­ter­mann­ver­lag, S.87
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Ent­ste­hung von Sagen

Sagen ent­ste­hen über einen lan­gen Zeit­raum. Der Be­griff „Sage“ stammt aus dem Alt­hoch­deut­schen („saga“) und be­deu­tet „Ge­sag­tes“. Denn Sagen wur­den zu­nächst münd­lich durch wan­dern­de Hand­werks­bur­schen und fah­ren­des Volk über­lie­fert. Erst spä­ter wur­den sie auf­ge­schrie­ben. Auf diese Weise ver­än­der­ten sich Sagen immer wie­der, da jeder die Er­eig­nis­se auf eine an­de­re Weise ge­hört oder viel­leicht emp­fun­den hat. Da­durch konn­ten sich tat­säch­li­che Ge­scheh­nis­se mit an­de­ren Be­ge­ben­hei­ten ver­mi­schen. So woll­ten sich die Ha­mel­ner viel­leicht nicht ein­ge­ste­hen, ihre Kin­der hät­ten die Stadt ver­las­sen, weil ihnen ihre Hei­mat keine guten Zu­kunfts­aus­sich­ten bie­ten konn­te. Des­halb ver­knüpf­te man die Sage vom Aus­zug der Stadt­kin­der mit der Rat­ten­ver­trei­bungs­sa­ge.

Klar/Text 2, Schul­buch, Wes­ter­mann­ver­lag, S.85
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Ent­ste­hung von Sagen

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Klar/Text 2, Schul­buch, Wes­ter­mann­ver­lag, S.85
Klar/Text 2, Schul­buch, Wes­ter­mann­ver­lag, S.85
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Von der münd­li­chen Sage zum schrift­li­chen Kunst­werk

Kurze münd­li­che Sagen lie­fern häu­fig die Grund­la­ge für li­te­ra­ri­sche Werke von Schrift­stel­lern. Damit sie an­schau­lich und un­ter­halt­sam wir­ken und gerne ge­le­sen wer­den, schmü­cken Au­toren sie mit un­ter­schied­li­chen Mit­teln aus: – Per­so­nen­wer­den mit ihren Ei­gen­schaf­ten (z.B. mür­risch, gei­zig) be­schrie­ben. – Stim­mun­gen (z.B. angst­voll, fröh­lich) wer­den wie­der­ge­ge­ben. – Si­tu­a­ti­o­nen wer­den aus­führ­lich ge­schil­dert. – Häu­fig wird mit wört­li­cher Rede ge­ar­bei­tet. Ein be­son­ders ge­lun­ge­nes Bei­spiel für eine münd­li­che Sage, die zu einem schrift­li­chen Kunst­werk wurde, ist Die Ge­schich­te vom Ulmer Spatz.

Klar/Text 2, Schul­buch, Wes­ter­mann­ver­lag, S.89
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Von der münd­li­chen Sage zum schrift­li­chen Kunst­werk

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Klar/Text 2, Schul­buch, Wes­ter­mann­ver­lag, S.89
Klar/Text 2, Schul­buch, Wes­ter­mann­ver­lag, S.89
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So ge­stal­test du eine Sage aus



1. Nenne in der Ein­lei­tung den An­lass für die Sage (Er­eig­nis oder Er­schei­nung) sowie Ort und Zeit der Hand­lung. Schrei­be die Ein­lei­tung im Prä­sens: In ... er­zählt man sich ...



2. Mache einen Ab­satz und er­zäh­le im Haupt­teil, wie das Er­eig­nis er­klärt wird. Ver­wen­de dafür das Prä­ter­itum. Achte dar­auf, die Sage an­schau­lich zu er­zäh­len, so­dass deine Leser Spaß an der Ge­schich­te haben: – Ver­setz­edich in die Per­so­nen hin­ein und be­schrei­be, was sie er­le­ben, den­ken, hören, sehen, füh­len oder rie­chen. – For­mu­lie­re ab­wechs­lungs­reich, um die Stim­mung zum Aus­druck zu brin­gen oder um Span­nung zu er­zeu­gen. Ver­wen­de dafür an­schau­li­che Ad­jek­ti­ve, tref­fen­de Ver­ben und Span­nungs­wör­ter: Vol­ler Ent­set­zen lausch­ten die Um­her­ste­hen­den …, Plötz­lich be­weg­te sich etwas hin­ter dem Ofen … – Setze wört­li­che Rede ein: „Das gibt es doch nicht!“



3. Be­gin­ne mit einem neuen Ab­satz und schrei­be im Schluss­teil, was heute noch an die Sage er­in­nert (z.B. Spott­na­me). For­mu­lie­re den Schluss im Prä­sens: Noch heute nennt man ...



4. Über­le­ge dir eine kurze Über­schrift, die den An­lass oder die Haupt­per­son der Sage nennt.

Klar/Text 2, Schul­buch, Wes­ter­mann­ver­lag, S.91
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So ge­stal­test du eine Sage aus


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Klar/Text 2, Schul­buch, Wes­ter­mann­ver­lag, S.91
Klar/Text 2, Schul­buch, Wes­ter­mann­ver­lag, S.91
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Wenn du selbst eine Sage schrei­ben möch­test, kannst du das fol­gen­de Bild und die ur­sprüng­li­che, münd­li­che Er­zäh­lung be­nut­zen.

An der Hohen Wenig, einer Fels­wand bei Wei­sen­bach, er­kennt man noch heute den Ab­druck eines Hufes. Einst, als die Floß­knech­te im Herbst wie­der in die Hei­mat zu­rück­kehr­ten, saßen sie in den Wirt­schaf­ten bei­sam­men. Da setz­te sich ein Frem­der dazu und spiel­te beim Kar­ten­spiel mit. Er ge­wann jede Runde. Das ge­fiel den Leu­ten nicht und sie droh­ten, den Frem­den vor Ge­richt zu brin­gen. Die­ser er­griff dar­auf­hin die Flucht und ver­schwand mit Ge­tö­se. Zu­rück blieb der Ab­druck eines Hufes.

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Ge­stal­te die Sage von Auf­ga­be 13 aus.

Gehe dabei so vor:

1 Plane dei­nen Text:
a) Un­ter­strei­che die Sa­gen­merk­ma­le im Text.
b) Samm­le in einem Clus­ter (unten auf der Seite ist dazu Platz) Ideen, wie du die Sage aus­ge­stal­ten könn­test. Du kannst dich dazu von dem Bild oben an­re­gen las­sen.
c) Lege in einem Schreib­plan fest, wel­che In­for­ma­ti­o­nen in die Ein­lei­tung, wel­che in den Haupt­teil und wel­che in den Schluss ge­hö­ren.
d) Er­gän­ze in dei­nem Schreib­plan auch, an wel­chen Stel­len du be­son­de­re Er­zähl­mit­tel ein­fü­gen möch­test, um deine Sage an­schau­lich zu er­zäh­len.

2 Schrei­be einen Ent­wurf dei­ner Sage. Be­rück­sich­ti­ge dabei fol­gen­de Hin­wei­se:
– Be­ach­te die Sa­gen­merk­ma­le.
– Er­klä­re das Er­eig­nis oder die Er­schei­nung, um die es in der Sage geht, fol­ge­rich­tig und für den Leser nach­voll­zieh­bar.
– Schrei­be Ein­lei­tung und Schluss im Prä­sens, den Haupt­teil im Prä­ter­itum.
– Achte dar­auf, an­schau­lich zu er­zäh­len.
– Suche eine kurze Über­schrift, die den An­lass oder die Haupt­per­son der Sage nennt.

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a) Über­ar­bei­te dei­nen Text, indem du über­prüfst, ob du alle Hin­wei­se aus Auf­ga­be 1 und 2 be­rück­sich­tigt hast.
b) Schrei­be dei­nen über­ar­bei­te­ten Text noch ein­mal feh­ler­frei ab.

Du musst nicht die fol­gen­den Sagen be­nut­zen, die im Lern­pa­ket vor­ge­schla­gen wer­den. Du kannst auch selbst­stän­dig auf der In­ter­net­sei­te https://t1p.de/kn1dg

dir eine Sage her­aus­su­chen.

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Das Spat­zen­bild zu Hes­sen­thal

Ein Hes­sen­tha­ler Bauer woll­te von Aschaf­fen­burg über die Hohe Warte nach Haus. Wie er so da­hin­ging, ver­nahm er auf ein­mal in der Luft ein gro­ßes Ge­schrei, blick­te auf und sah zwei Raben hef­tig mit­ein­an­der kämp­fen. Sie flo­gen sich immer wie­der ge­gen­sei­tig an und hack­ten mit ihren star­ken Schnä­beln wü­tend auf­ein­an­der los. Der Bauer blieb ste­hen, um zu be­ob­ach­ten, wie der Kampf aus­gin­ge. Der nahm zu­se­hends an Hef­tig­keit ab, und schließ­lich fiel der eine Rabe nicht weit vom Bau­ern tot zur Erde nie­der. Gleich dar­auf kam auch der zwei­te Rabe aus der Luft her­un­ter­ge­tor­kelt und platsch­te tot auf den Boden hin.

Der Bauer ging schnel­ler, um nach den toten Vö­geln zu sehen, die in der Nähe auf der Heide lie­gen muss­ten. Al­lein, wie er hin­kam, waren beide ver­schwun­den. Da er­in­ner­te sich der Bauer, dass er sich an dem Platz be­fand, wo vor vie­len Jah­ren zwei Män­ner ein­an­der in hit­zi­gem Strei­te er­schlu­gen. Die hat­ten im Grabe dann keine Ruhe ge­fun­den, und der Hes­sen­tha­ler Bauer ließ nun an der Mord­stel­le einen Bild­stock er­rich­ten, bei dem die Wan­de­rer in einem kur­zen Gebet der Er­schla­ge­nen ge­den­ken soll­ten.



Der Bild­stock hat die Auf­schrift:

HANSH

EN­RICHS

PATZ VON HE

SLEN­DA

HL 1745



(= Hans Hein­rich Spatz von Hes­len­dahl 1745)



Der Bild­stock, Spat­zen­bild ge­nannt, steht am Wege hin­ter Dörr­mors­bach, und zwar dort, wo man bald in die Hohe Warte ein­tritt.

Spessart-​Sagen, Va­len­tin Pfei­fer, Aschaf­fen­burg 1948, S. 56f
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Das Spat­zen­bild zu Hes­sen­thal

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Spessart-​Sagen, Va­len­tin Pfei­fer, Aschaf­fen­burg 1948, S. 56f
Spessart-​Sagen, Va­len­tin Pfei­fer, Aschaf­fen­burg 1948, S. 56f
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Wei­bers­brunn

Der Schwe­den­kö­nig Gus­tav Adolf hielt in sei­nem Heere auf stren­ge Zucht. Da durf­te kein Sol­dat plün­dern oder einem wehr­lo­sen Men­schen etwas zu­lei­de tun. Als aber der König in der Schlacht bei Lüt­zen den Tod fand, war es her­nach mit der Zucht im schwe­di­schen Heere aus. Die Ord­nung ver­fiel, die Sol­da­ten plün­der­ten, raub­ten und mor­de­ten. Selbst Kin­der und Frau­en wur­den nicht ver­schont. In ihrer Angst flüch­te­ten diese, wäh­rend die meis­ten Män­ner Kriegs­dienst taten, in den tie­fen Spes­sart und hiel­ten sich bei einem Brun­nen ver­bor­gen. Weil der Krieg noch lange Jahre nicht zu Ende ging und die Häu­ser vie­ler Flüch­ti­gen oh­ne­hin voll­stän­dig zer­stört waren, sie­del­ten sich man­che Frau­en mit ihren An­ge­hö­ri­gen für immer im ein­sa­men Wald bei dem Brun­nen an, und so er­hielt das mit­ten im Spes­sart ent­ste­hen­de Dorf den Namen Wei­bers­brunn.

Spessart-​Sagen, Va­len­tin Pfei­fer, Aschaf­fen­burg 1948, S. 63
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Wei­bers­brunn

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Spessart-​Sagen, Va­len­tin Pfei­fer, Aschaf­fen­burg 1948, S. 63
Spessart-​Sagen, Va­len­tin Pfei­fer, Aschaf­fen­burg 1948, S. 63
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Der Jo­ckel und der Jo­cken­mül­ler

Zur Zeit des Kur­fürs­ten von Er­thal fuhr ein­mal der obere Mül­ler von Win­ters­bach al­ler­lei Jagd­ge­rät aus dem Aschaf­fen­bur­ger Zeug­hau­se nach Rohr­brunn. Hier ras­te­te er im Gast­haus zum Hoch­s­pes­sart und gönn­te sich einen guten Trank. Der­weil hielt sein Ge­spann drau­ßen auf dem Hof neben der so­ge­nann­ten Sohle. Die müden Pfer­de hat­ten sich hin­ge­streckt und schlie­fen.

Nun kam der kur­fürst­li­che Leib­jä­ger vor­über, der schlug aus blo­ßem Über­mut nach den Tie­ren, und dabei traf ihn das auf­ge­schreck­te Pferd so mit den Hufen, dass er im nächs­ten Au­gen­blick lang­wegs in der Sohle lag. Der schmutz­be­deck­te, zor­ni­ge Jä­gers­mann band das Pferd ab, setz­te sich dar­auf und hetz­te es, bis es tot zu­sam­men­brach. Sol­ches ward auch dem Fürs­ten kund, und der ließ als­dann Jäger und Mül­ler zur Tafel laden. Jener muss­te vor allen Gäs­ten das ganze Be­geb­nis er­zäh­len, und Scham und Angst trie­ben ihm den Schweiß aus der Stir­ne. Er wurde an­ge­wie­sen, dem Mül­ler all­jähr­lich eine be­stimm­te Summe Buß­geld zu ent­rich­ten. Der Jäger, wel­cher Jo­cken hieß, wurde zur Stra­fe nach dem ein­sa­men Ech­terspfahl ver­setzt. Von nun an führ­te der Ech­terspfahl auch den Namen Jo­ckei, und die Win­ters­ba­cher Mühle, in der sich alle Jahre der Jo­cken zur Leis­tung des Süh­ne­gel­des ein­fand, wurde seit­dem Jo­cken­müh­le ge­hei­ßen. Ihr Be­sit­zer ist bis in die jüngs­te Zeit der Jo­cken­mül­ler ge­blie­ben.

Betta Diet­rich

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Der Ech­terspfahl

Im Schlos­se zu Weck­bach (im Oden­wald) wohn­ten drei Brü­der aus dem Rit­ter­ge­schlecht der Ech­ter. Sie hat­ten sich dem Raube er­ge­ben und waren zum Schre­cken der gan­zen Ge­gend ge­wor­den. Der da­ma­li­ge Kai­ser Fried­rich der Rot­bart be­fahl ihnen, ihr un­ehr­li­ches Hand­werk ein­zu­stel­len; aber sie küm­mer­ten sich nicht darum und räu­ber­ten wei­ter. Nun sprach der Kai­ser die Acht über sie aus und zog mit einem klei­nen Heere in den Oden­wald, um die Un­ge­hor­sa­men zu züch­ti­gen. Doch sie flo­hen aus ihrer Burg in die ab­ge­le­ge­nen Täler des Spes­sarts. Der Si­cher­heit wegen trenn­ten sie sich, und jeder baute ein klei­nes Schloss, der eine bei Par­ten­stein, der an­de­re bei Lin­den­furt und der drit­te bei einer Quel­le, die Es­pel­born hieß. Hier leb­ten sie in voll­stän­di­ger Ein­sam­keit und tra­fen sich nur sel­ten auf der Höhe, wo jetzt das Forst­haus steht, an der Staats­stra­ße zwi­schen Aschaf­fen­burg und Würz­burg. Ihre Rosse ban­den sie dort an einen Pfahl, an dem drei Ringe be­fes­tigt waren.

Als sie spä­ter das Recht wie­der ach­ten ge­lernt hat­ten und ihnen der Kai­ser nicht mehr zürn­te, kehr­ten sie in den Oden­wald zu­rück. Doch führ­ten sie seit­dem zur Er­in­ne­rung an ihren Auf­ent­halt im Spes­sart einen sil­ber­nen Pfahl mit drei blau­en Rin­gen in ihrem Wap­pen. Und jene Stel­le, wo die Brü­der der Ech­ter zu­sam­men­ge­kom­men waren, heißt bis heute der Ech­terspfahl. Gleich neben dem Forst­haus am Wald­saume ist noch ein Pfahl zu sehen mit drei Ei­sen­rin­gen daran. Es wird auch er­zählt, dass die drei Ge­brü­der Ech­ter ihre Pfer­de an die­sen Pfahl ban­den, wenn sie von der Burg Me­s­pel­brunn aus zum Jagen in die wei­ten Spes­sart­wäl­der rit­ten.

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D6 - Podcast 2
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Bei den drei Kreu­zen

Teil 1

Einst stand in der Nähe des Dor­fes Hai­bach eine Burg, worin der Jun­ker von Hay­de­bach wohn­te. Es war ein hüb­scher Mann von gro­ßer, eben­mä­ßi­ger Ge­stalt und einem fri­schen, stets hei­te­ren Ge­sicht. Die rit­ter­li­chen Küns­te, wie Fech­ten, Jagen und Rei­ten, ver­stand er wie kaum ein zwei­ter, und wenn der junge Mann im sei­de­nen Wams und mit dem weiß­blau­ro­ten Fe­der­schmuck auf sei­nem Samt­ba­rett da­hin­spreng­te, blick­te ihm man­ches Mäd­chen nach und ließ das Herz höher schla­gen. Frei­lich, einen gro­ßen Feh­ler hatte der ade­li­ge Jüng­ling! Er war zu ober­fläch­lich und leicht­sin­nig und nahm es auch mit der Liebe zu den Frau­en nicht ernst. Jedes hüb­sche Mäd­chen­ant­litz konn­te sein Herz in Brand set­zen, ganz gleich, ob es vom hohen Söl­ler oder aus einem schma­len Hüt­ten­fens­ter schau­te. Nun hat­ten zwei Hin­ter­sas­sen des Jun­kers je eine bild­schö­ne Toch­ter. Sie hie­ßen Maria und Ger­tru­de, waren Nach­bars­kin­der und mit­ein­an­der auf­ge­wach­sen, und sie lieb­ten sich ge­gen­sei­tig so herz­lich und innig wie zwei Schwes­tern. Der Jun­ker hatte bis­her noch keine von ihnen zu Ge­sicht be­kom­men. Als er aber wie­der ein­mal nach Aschaf­fen­burg rei­ten woll­te, er­blick­te er un­weit des Weges eine weib­li­che Ge­stalt, so schlank und rein­lich und so nett ge­klei­det, dass er sich nicht ent­hal­ten konn­te, sie näher zu be­trach­ten. Das Mäd­chen war ge­ra­de damit be­schäf­tigt, Gras zu schnei­den für das we­ni­ge Vieh, das zu Hause im Stal­le stand, und mit flin­ker Hand legte sie mit der Si­chel einen Gras­bü­schel nach dem an­de­ren um, so dass sie der junge Rit­ter dabei mit Wohl­ge­fal­len be­ob­ach­te­te. Jetzt grüß­te er freund­lich, Maria erhob sich vom Boden, und vor dem Jun­ker stand das hold­se­ligs­te Mäd­chen, das unter hohem Er­rö­ten kaum wagte die Augen auf­zu­schla­gen. Sie kann­te den Jun­ker gar wohl und hatte dem hüb­schen jun­gen Manne schon oft nach­ge­se­hen und ge­seufzt, wenn er an der Hütte ihres Va­ters vor­über ritt. Ein bit­te­rer Schmerz be­mäch­tig­te sich ihrer, wenn sie be­dach­te, dass sie kein Edel­fräu­lein sei, und dass der Jun­ker so hoch über ihr stehe und daher für sie un­er­reich­bar wäre. Der Jun­ker war ganz ent­zückt über Ma­ri­ens Lieb­reiz und Un­schuld, die aus jedem ihrer Bli­cke leuch­te­te und aus jedem ihrer Worte sprach. Aber er war klug genug und im Um­gan­ge mit dem zar­ten Ge­schlech­te zu er­fah­ren, um ein­zu­se­hen, dass er mit einem so from­men un­ver­dor­be­nen Kinde zart um­ge­hen müsse, und darum ritt er nach kur­zem Zwie­ge­spräch wie­der fort. Nur zu bald aber hatte der Jun­ker her­aus­ge­bracht, wel­che Gänge Maria zu ma­chen pfleg­te, und da auch sie ihm nicht aus­wich, so fan­den sie sich wie zu­fäl­lig schon in den nächs­ten Tagen wie­der, und bald waren ihre Zu­sam­men­künf­te nicht mehr zu­fäl­lig. Maria hatte an­fangs ihrer Freun­din Ger­tru­de nichts davon ge­sagt, was zwi­schen ihr und dem schmu­cken Jun­ker von Hay­de­bach vor­ge­gan­gen war. Denn die erste Liebe wird, einem kost­ba­ren Edel­stei­ne gleich, sorg­fäl­tig ein­ge­schlos­sen in den Hei­li­gen­schrein des jung­fräu­li­chen Her­zens. Als aber der Jun­ker dem gut­mü­ti­gen Mäd­chen ewige Liebe und Treue schwur und sie sich be­reits im Geis­te als Burg­frau von Hay­de­bach sah, da konn­te ihr Herz die Fülle ihres Glü­ckes nicht mehr in sich ver­schlie­ßen; jetzt erst mach­te sie die Freun­din zur Ver­trau­ten ihrer Liebe, ihrer Hoff­nun­gen und ihres ver­meint­li­chen Glü­ckes. Ger­tru­de war zwar ein gutes Mäd­chen, aber nicht frei von jener Ei­tel­keit, die in dem Her­zen jedes Wei­bes ein Plätz­chen fin­det. Sie hielt sich für schö­ner als Maria, und diese soll­te nun auf dem Schloß Hay­de­bach Edel­frau wer­den und sie sel­ber viel­leicht ihre Magd? Das war ein Sta­chel, der sie bei Tag und Nacht quäl­te. So lei­den­schaft­lich nun der Jun­ker Maria lieb­te, so war seine Liebe doch keine edle; ans Hei­ra­ten des armen, schlich­ten Bau­ern­mäd­chens dach­te er nicht. Zudem war Maria so tu­gend­sam, dass ihm wohl klar sein muss­te, sie sei der Ver­füh­rung un­zu­gäng­lich, und so er­kal­te­te nach und nach sein Ge­fühl für das brave, tu­gend­sa­me Land­mäd­chen. Ger­tru­dens Schön­heit war dem Jun­ker neu; die Leb­haf­tig­keit ihres Geis­tes, die Mun­ter­keit ihres gan­zen We­sens sagte dem Leicht­fer­ti­gen mehr zu als Ma­ri­ens stil­le Tu­gen­den, und da ihm Trude auf hal­bem Wege ent­ge­gen­kam, so ver­stan­den sie

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Bei den drei Kreu­zen

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D6 - Podcast 2
LP 2
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Bei den drei Kreu­zen

Teil 2

sich bald und wuss­ten sich zu fin­den, ohne dass Maria dabei war. Die Un­treue des Jun­kers konn­te aber Maria nicht lange ver­bor­gen blei­ben; es kamen ja die Be­stel­lun­gen nicht mehr, die des Jun­kers Die­ner so schlau aus­zu­rich­ten ge­wusst hatte. Ver­las­sen von dem Ge­lieb­ten, be­tro­gen von der Freun­din, der sie ihr Ge­heim­nis ge­of­fen­bart hatte, und ge­täuscht in ihren schöns­ten Hoff­nun­gen, wan­del­te sich ihre sanf­te Seele voll­stän­dig um. Sie be­gann die fal­sche Freun­din zu has­sen, weil sie von ihr glaub­te, sie habe durch ge­hei­me Küns­te den Bes­ten ab­spens­tig ge­macht; denn für die­sen weiß das schwa­che Frau­en­herz immer eine Ent­schul­di­gung. Maria woll­te nur erst ein­mal Trude in heim­li­cher Zu­sam­men­kunft mit dem Jun­ker über­ra­schen und dann Rache an ihr neh­men. Auf wel­che Weise? Das wuss­te sie selbst nicht. An einem schö­nen Abend schlich die ab­ge­härm­te Maria schwe­ren Her­zens dem Hügel zu, wo der Jun­ker sie zum ers­ten Male an­ge­spro­chen und wo sie so oft in sei­nen Armen ge­ruht hatte. Sie hatte den Die­ner des Jun­kers mit Ger­tru­de spre­chen sehen und be­merkt, wie sich diese mit einer Si­chel und einem Gras­tuch aus dem Orte ent­fern­te. Da nahm sie an, dass Ger­tru­de eine Zu­sam­men­kunft mit dem Jun­ker habe, und darum war sie auch schnell ent­schlos­sen, ihr mit Si­chel und Gras­tuch zu fol­gen. An dem ihr so wohl­be­kann­ten, trau­li­chen Plätz­chen sah sie den Jun­ker nicht, wohl aber die frü­he­re Freun­din, die sin­nend und träu­mend auf dem Raine saß. Maria konn­te sich nicht hal­ten, das Blut koch­te in ihren Adern. Die blas­sen Wan­gen vor Zorn ge­rö­tet, stürz­te sie auf ihre ver­hass­te, fal­sche Freun­din zu. Sie warf Ger­tru­de ihre Falsch­heit, ihren Ver­rat an der Freund­schaft vor, nann­te sie eine leicht­fer­ti­ge Dirne und erhob in der Hitze sogar die Hand mit der Si­chel, um Ger­tru­de einen Schlag zu ver­set­zen. Da er­griff der Zorn auch Ger­tru­de; sie wich dem Schlag nicht aus, son­dern schlug da­ge­gen, und der er­bit­ter­te Kampf dau­er­te so lange, bis zwei Her­zen zu schla­gen auf­ge­hört hat­ten, die sich vor­her in so in­ni­ger Liebe zu­ge­tan waren. Als der Jun­ker kam, fand er zwei blu­ti­ge Leich­na­me mit ver­zerr­ten Zügen und weit aus dem Ant­litz her­vor­ge­tre­te­nen, er­starr­ten Augen. Die Kunde des schreck­li­chen Dop­pel­mor­des ver­brei­te­te sich schnell in der Um­ge­gend, und all­ge­mein be­zeich­ne­te man den Jun­ker als den Ur­he­ber des­sel­ben. Er er­hielt des­we­gen eine La­dung vor das pein­li­che Ge­richt; dass aber ein Be­weis für seine Mit­schuld nicht er­bracht wer­den konn­te, das wuss­te er wohl. Al­lein eben­so ge­wiss war, dass er sich einem Got­tes­ur­tei­le un­ter­wer­fen muss­te, wie es da­mals Sitte war. Seine Hände waren zwar rein von Blut, aber sein Herz nicht rein von der Schuld; denn sein Leicht­sinn, seine Treu­lo­sig­keit hatte zwei Mäd­chen den Tod ge­bracht. Wie durf­te er also er­war­ten, dass Gott selbst seine Un­schuld be­zeu­gen werde? Er folg­te der La­dung des pein­li­chen Ge­rich­tes nicht, son­dern ver­ließ nächt­li­cher­wei­le die Burg sei­ner Ahnen, die Ge­gend und das Land und pil­ger­te in einem hä­renen Buß­ge­wan­de zu­erst nach Rom und dann ins Ge­lob­te Land ans Hei­li­ge Grab. Mehr als vier­zig Jahre waren ver­flos­sen. Die Burg und die Güter des Jun­kers waren Lehen des Stifts Peter und Alex­an­der zu Aschaf­fen­burg, und der Jun­ker war der Letz­te sei­nes Ge­schlechts. Als er meh­re­re Jahre lang ver­schol­len war, hatte das Stift das Lehen ein­ge­zo­gen und die Burg bre­chen las­sen. Wo Maria und Ger­tru­de ihren Geist aus­ge­haucht hat­ten, wur­den zwei stei­ner­ne Kreu­ze er­rich­tet, auf denen je eine Si­chel ein­ge­hau­en war. Nie­mand dach­te mehr an den Jun­ker. Da fand man eines Tages zwi­schen den zwei Kreu­zen einen Pil­ger mit schnee­wei­ßem Haare und einem Mu­schel­hut. Er schien zu schla­fen, aber als man ihn we­cken woll­te, stand er nicht mehr auf, denn er schlief den ewi­gen Schlaf. Es war der ehe­ma­li­ge Jun­ker von Hay­de­bach. Das Alter, die Reue und die Ge­fah­ren sei­ner lang­jäh­ri­gen Pil­ger­schaft hat­ten seine Haare ge­bleicht und seine Le­bens­kraft ge­bro­chen. Für ihn wurde nun ein drit­tes Kreuz er­rich­tet, denn der Tod ver­söhnt und ei­nigt ja alles. Zwei Kreu­ze ver­fie­len mit der Zeit. Das er­hal­ten ge­blie­be­ne drit­te ist ein mas­si­ves, plum­pes Stein­kreuz ohne In­schrift. Üb­ri­gens hat die Ge­mein­de Hai­bach an Stel­le der ver­fal­le­nen Kreu­ze zwei neue er­rich­ten las­sen, so dass es wie­der drei sind. Die neue Stra­ße, die zu ihnen hin­führt und von Sied­lungs­häu­sern um­stan­den ist, wurde Zu den drei Kreu­zen be­nannt.

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Spessart-​Sagen, Va­len­tin Pfei­fer, Aschaf­fen­burg 1948, S. 32 - 36.
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D6 - Podcast 2
LP 2

Be­wer­tungs­kri­te­ri­en

  • ge­wähl­te Schwie­rig­keits­stu­fe

  • Titel des Po­cas­tes

  • Kre­a­ti­vi­tät / Idee

  • pas­send für die Ziel­grup­pe

  • Intro vor­han­den

  • In­halt­li­che Tiefe

  • Auf­bau eines Pod­casts vor­han­den

  • pas­sen­de Musik und/oder Ge­räu­sche

  • Auf­nah­me­qua­li­tät



Schät­ze deine Ar­beit ein!
😊😊😊
🙂😊
😐
😕
☹️
Wie GUT war ich?
Wie SELBST­STÄN­DIG war ich?
Wie SCHNELL war ich?
Wie MO­TI­VIERT war ich?
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LP 2
Auf­ga­ben für Ex­per­ten



Ad­ver­bi­a­le Be­stim­mun­gen

Wie Wies­ba­den zu sei­nen Quel­len kam

Sei­nen Glanz ver­dankt die Stadt Wies­ba­den ihren hei­ßen Quel­len, und so rei­sen die Men­schen aus aller Welt seit lan­ger Zeit in diese wun­der­schö­ne Stadt, um dort das Leben zu ge­nie­ßen. Vor lan­ger Zeit lebte in den fins­te­ren Tau­nus­wäl­dern rund um Wies­ba­den ein Riese na­mens Ekko. Er wurde wo­chen­lang von einem Dra­chen be­droht. Da er in sei­ner Höhle nicht mehr ruhig schla­fen konn­te, über­leg­te Ekko, wie er sich bald vom Dra­chen be­frei­en könn­te.

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Im ers­ten Ab­schnitt der Sage sind ei­ni­ge ad­ver­bi­a­le Be­stim­mun­gen des Ortes und der Zeit un­ter­stri­chen. Lege eine Ta­bel­le an und ordne sie ein.

Wü­tend begab sich Ekko des­halb auf die Suche nach dem bösen Dra­chen. Nach einer er­folg­lo­sen Suche ge­riet er schließ­lich in Wut. Ekko glaub­te, den Dra­chen unten in der Erde zu hören. Weil er den Dra­chen töten woll­te, fing er an, mit sei­ner lan­gen spit­zen Lanze kräf­tig in den Boden zu ste­chen.

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Im zwei­ten Sa­gen­ab­schnitt sind die ad­ver­bi­a­len Be­stim­mun­gen der Art und Weise und des Grun­des un­ter­stri­chen. Lege eine wei­te­re Ta­bel­le an und ordne sie ein.

Dies führ­te (1. wann?) dazu, dass Ekko von einem hei­ßen Was­ser­strahl ge­trof­fen wurde, der (2. woher?) spru­del­te. (3. wie?) schrie er auf und stürz­te (4. wohin?). Dabei grub sich sein Arm (5. wohin?) ein und form­te so die Land­schaft, die Wies­ba­den (6. wann?) um­gibt.

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Im letz­ten Ab­schnitt feh­len die ad­ver­bi­a­len Be­stim­mun­gen. Setze in die Lü­cken pas­sen­de ad­ver­bi­a­le Be­stim­mun­gen ein. Schrei­be in dein Heft. Wähle aus den fol­gen­den aus: zu Boden – noch heute – tief in das Erd­reich – am Ende – schmerz­er­füllt – aus der Erde
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Das Komma zwi­schen Haupt- und Ne­ben­sät­zen

Der Mäg­de­sprung

[Im öst­li­chen Harz liegt zwi­schen Harz­ge­ro­de und Bal­len­stedt das Sel­ke­tal,] [wo ein hoher Fel­sen steht.] In dem Ge­stein gibt es unten und hun­dert Fuß höher eine Ver­tie­fung, so­dass man an eine Ähn­lich­keit mit den Fuß­stap­fen eines Men­schen denkt. Weil dies au­ßer­ge­wöhn­lich ist, er­zählt man sich diese Sage: Ein Rie­sen­mäd­chen war zor­nig, da es sich am Mor­gen mit sei­nem Vater ge­strit­ten hatte. Die­ser woll­te, dass das Mäd­chen einen be­stimm­tem Mann hei­ra­tet. Weil es den je­doch nicht woll­te, kam es zum Streit. Die Toch­ter schrie wü­tend, dass sie lie­ber ster­ben würde.

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a) Mar­kie­re die Prä­di­ka­te und tren­ne die Sinn­ein­hei­ten wie im Bei­spiel durch Klam­mern ab.
b) Krei­se in den Sät­zen die Kon­junk­ti­o­nen ein. Lies dazu Punkt 3 der INFO.
c) Un­ter­su­che, wo die Kon­junk­ti­o­nen je­weils in den Sät­zen ste­hen.
d) Kenn­zeich­ne die Ne­ben­sät­ze far­big.
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Ver­bin­de in der unten ste­hen­den Fort­set­zung der Sage je­weils zwei Sätze durch die Kon­junk­ti­on in Klam­mern. Denke an die Kom­ma­set­zung.

A Sie stampf­te auf den Boden. Sie woll­te die­sen Mann nicht hei­ra­ten. (da)
B Es war ein schö­ner Som­mer­tag. Das Mäd­chen lief trau­rig über das Ge­bir­ge zu dem Fel­sen. (ob­wohl)
C Das Mäd­chen sah auf. Es sah ihre Freun­din auf der an­de­ren Seite des Tals im Gras lie­gen. (als)
D Die Freun­din bat sie, sich zu ihr zu set­zen. Sie könn­ten mit­ein­an­der reden. (damit)
E Das Rie­sen­mäd­chen freu­te sich über die Ein­la­dung. Es sprang mit An­lauf auf die an­de­re Seite. (da)
F Es kam je­doch sehr kräf­tig auf. An der Stel­le am Rams­berg sind noch heute Ab­drü­cke von ihr zu sehen. (weil)
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Die Kom­ma­set­zung bei Haupt- und Ne­ben­sät­zen

1. Haupt­satz und Ne­ben­satz wer­den immer durch Komma ge­trennt.



2. Ein Ne­ben­satz kann nicht al­lein ohne einen Haupt­satz ste­hen:

Nach­dem ich ge­ges­sen hatte. -> geht nicht.

Ich er­le­dig­te meine Haus­auf­ga­ben, nach­dem ich ge­ges­sen hatte.



3. Ne­ben­sät­ze kön­nen mit einer Kon­junk­ti­on be­gin­nen:

Die Kin­der gehen ins Bett, nach­dem sie sich ge­wa­schen haben.

Kon­junk­ti­o­nen sind z.B. als, wo, weil, indem, damit, so­dass, wenn, dass, ob­wohl, wäh­rend, nach­dem, bis, wenn, falls.

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Die Kom­ma­set­zung bei Haupt- und Ne­ben­sät­zen

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