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  • 08.01.2021
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  • Alle kleinen Kinder haben diese Fähigkeit, das ist ja wohl klar. Nach wenigen Monaten werden sie in eine nagelneue Wirklichkeit geschubst. Aber wenn sie dann heranwachsen, scheint diese Fähigkeit abzunehmen. Woher kann das kommen? Wenn ein kleines Baby reden könnte, würde es sicher erzählen, in was für eine seltsame Welt es gekommen ist. Denn obwohl das Kind nicht sprechen kann, sehen wir, wie es um sich zeigt und neugierig die Gegenstände im Zimmer anfasst. Wenn die ersten Wörter kommen, bleibt das Kind jedes Mal stehen, wenn es einen Hund sieht und ruft: „Wau-wau!“ Wir, die schon ein paar Jahre hinter uns haben, fühlen uns von der Begeisterung des Kindes vielleicht ein wenig überfordert. „Ja, ja, das ist ein Wauwau!“, sagen wir welterfahren, „aber setz dich jetzt schön wieder hin.“ Wir sind nicht so begeistert. Wir haben schon früher Hunde gesehen. Vielleicht wiederholt sich diese wüste Szene einige hundert Male, bis das Kind an einem Hund vorbeikommen kann, ohne außer sich zu geraten. Aber lange bevor das Kind richtig sprechen lernt - oder lange bevor es philosophisch denken lernt -, ist die Welt ihm zur Gewohnheit geworden.

    Wir machen noch ein gedankliches Experiment: Eines Morgens sitzen Mama, Papa und der kleine Thomas, der vielleicht zwei oder drei ist, in der Küche beim Frühstück. Plötzlich steht Mama auf und dreht sich zum Spülbecken um und dann - ja, dann schwebt Papa plötzlich unter der Decke. Was glaubst du, sagt Thomas dazu? Vielleicht zeigt er auf seinen Papa und sagt: „Papa fliegt!“ Sicher wäre Thomas erstaunt, aber das ist er ja sowieso. Papa macht so viele seltsame Dinge, dass ein kleiner Flug über den Frühstückstisch in seinen Augen keine große Rolle mehrspielt. Jeden Tag rasiert er sich mit einer witzigen Maschine oder er steckt den Kopf in den Automotor und kommt rabenschwarz wieder zum Vorschein. Und dann kommt Mama an die Reihe. Sie hat gehört, was Thomas gesagt hat, und dreht sich resolut um. Wie, glaubst du, wird sie auf den Anblick des frei schwebenden Papas über dem Küchentisch reagieren? Ihr fällt sofort das Marmeladenglas aus der Hand und sie heult vor  Entsetzen auf. Vielleicht muss sie zum Arzt, nachdem Papa wieder auf seinem Stuhl sitzt. (Er hätte schon längst bessere Tischmanieren lernen sollen.) Das Traurige ist, dass wir uns im Heranwachsen nicht nur an die Gesetze der Schwerkraft gewöhnen. Wir gewöhnen uns gleichzeitig an die Welt selber.

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    Die Fähigkeit, uns zu wundern, ist das Einzige, was wir brauchen, um gute Philo-
    sophen zu werden.





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    Die Fähigkeit, uns zu wundern, ist das Einzige, was wir brauchen, um gute Philo-
    sophen zu werden.

    Alle kleinen Kinder haben diese Fähigkeit, das ist ja wohl klar. Nach wenigen Monaten werden sie in eine nagelneue Wirklichkeit geschubst. Aber wenn sie dann heranwachsen, scheint diese Fähigkeit abzunehmen. Woher kann das kommen? Wenn ein kleines Baby reden könnte, würde es sicher erzählen, in was für eine seltsame Welt es gekommen ist. Denn obwohl das Kind nicht sprechen kann, sehen wir, wie es um sich zeigt und neugierig die Gegenstände im Zimmer anfasst. Wenn die ersten Wörter kommen, bleibt das Kind jedes Mal stehen, wenn es einen Hund sieht und ruft: „Wau-wau!“ Wir, die schon ein paar Jahre hinter uns haben, fühlen uns von der Begeisterung des Kindes vielleicht ein wenig überfordert. „Ja, ja, das ist ein Wauwau!“, sagen wir welterfahren, „aber setz dich jetzt schön wieder hin.“ Wir sind nicht so begeistert. Wir haben schon früher Hunde gesehen. Vielleicht wiederholt sich diese wüste Szene einige hundert Male, bis das Kind an einem Hund vorbeikommen kann, ohne außer sich zu geraten. Aber lange bevor das Kind richtig sprechen lernt - oder lange bevor es philosophisch denken lernt -, ist die Welt ihm zur Gewohnheit geworden.

    Wir machen noch ein gedankliches Experiment: Eines Morgens sitzen Mama, Papa und der kleine Thomas, der vielleicht zwei oder drei ist, in der Küche beim Frühstück. Plötzlich steht Mama auf und dreht sich zum Spülbecken um und dann - ja, dann schwebt Papa plötzlich unter der Decke. Was glaubst du, sagt Thomas dazu? Vielleicht zeigt er auf seinen Papa und sagt: „Papa fliegt!“ Sicher wäre Thomas erstaunt, aber das ist er ja sowieso. Papa macht so viele seltsame Dinge, dass ein kleiner Flug über den Frühstückstisch in seinen Augen keine große Rolle mehrspielt. Jeden Tag rasiert er sich mit einer witzigen Maschine oder er steckt den Kopf in den Automotor und kommt rabenschwarz wieder zum Vorschein. Und dann kommt Mama an die Reihe. Sie hat gehört, was Thomas gesagt hat, und dreht sich resolut um. Wie, glaubst du, wird sie auf den Anblick des frei schwebenden Papas über dem Küchentisch reagieren? Ihr fällt sofort das Marmeladenglas aus der Hand und sie heult vor  Entsetzen auf. Vielleicht muss sie zum Arzt, nachdem Papa wieder auf seinem Stuhl sitzt. (Er hätte schon längst bessere Tischmanieren lernen sollen.) Das Traurige ist, dass wir uns im Heranwachsen nicht nur an die Gesetze der Schwerkraft gewöhnen. Wir gewöhnen uns gleichzeitig an die Welt selber.

    Sophies Welt. Roman über die Geschichte der Philosophie, Jostein Gaarder (1993): S. 23-26, gekürzt
  • Wir wählen jährlich [...] einen vertrauenswürdigen Mann aus unserer Zunft in den Großen Rat. Außerdem bestimmen wir einen [...], der in den Kleinen Rat oder in das Gericht [...] abgeordnet wird. Desgleichen bestimmen alle anderen Zünfte, von denen es insgesamt 28 gibt, jeweils einen vertrauenswürdigen Mann für den Großen Rat [...]. [Fünf Meister leiten die Zunft. Weitere fünf übernehmen folgende Aufgaben:] Diese fünf sind dann für ein Jahr unsere Prüfer und Besiegler1 der Tuche, die die Tucher2 und die Weber machen.Diese fünf müssen schwören, alle Tuche zu prüfen, die guten besiegeln, die keine Fehler aufweisen, außerdem diejenigen mit einem besonderen Siegel kennzeichnen, die kleine Fehler haben, und den ganz fehlerhaften Tuchen ein Siegel verwehren[...]. Weiterhin lassen wir auch jede Nacht ein Zunftmitglied mit seinem einfachen Harnisch3 und Gewehr zusammen mit anderen aus den anderen Zünften auf Wache gehen. [...]Weiterhin ist uns zusammen mit zwei anderen Zünften eine Stelle an der Stadtmauer übergeben worden, um [...] zu schließen und zu öffnen. [...] Wenn jemand das Handwerk ausüben will, so muß er die Zunftmitgliedschaft mit dem dafür erforderlichen Betrag [...] erwerben. Dieses Geld wird zum Nutzen der gesamten Zunft verwandt. [...] Wenn [...] einem von uns Freud oder Leid widerfährt, so bewirten wir ihn auf unserer Stube. Begeht jemand den Todesfall eines der Seinigen, so gehen wir mit ihm zum Gottesdienst. [...] Weiterhin [...] sind wir verpflichtet, wenn [...] ein Aufruhr in der Stadt ausbricht, unter unserem Banner4 mit unserem ganzen Harnisch samt unseren Zunftvorstehern auf einen Platz zu den anderen Zünften zu ziehen, [...] um dort auf unsere Herren Bürgermeister und unsere Ratsherren zu warten. Außerdem sind aus allen Zünften etliche Leute dazu bestimmt, bei einem Feuer herbeizueilen, um zu löschen [...].

    Die Straßburger Tucherzunft erklärt ihre Zunftordnung, 15. Jahrhundert





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    Die Straßburger Tucherzunft erklärt ihre Zunftordnung, 15. Jahrhundert

    Wir wählen jährlich [...] einen vertrauenswürdigen Mann aus unserer Zunft in den Großen Rat. Außerdem bestimmen wir einen [...], der in den Kleinen Rat oder in das Gericht [...] abgeordnet wird. Desgleichen bestimmen alle anderen Zünfte, von denen es insgesamt 28 gibt, jeweils einen vertrauenswürdigen Mann für den Großen Rat [...]. [Fünf Meister leiten die Zunft. Weitere fünf übernehmen folgende Aufgaben:] Diese fünf sind dann für ein Jahr unsere Prüfer und Besiegler1 der Tuche, die die Tucher2 und die Weber machen.Diese fünf müssen schwören, alle Tuche zu prüfen, die guten besiegeln, die keine Fehler aufweisen, außerdem diejenigen mit einem besonderen Siegel kennzeichnen, die kleine Fehler haben, und den ganz fehlerhaften Tuchen ein Siegel verwehren[...]. Weiterhin lassen wir auch jede Nacht ein Zunftmitglied mit seinem einfachen Harnisch3 und Gewehr zusammen mit anderen aus den anderen Zünften auf Wache gehen. [...]Weiterhin ist uns zusammen mit zwei anderen Zünften eine Stelle an der Stadtmauer übergeben worden, um [...] zu schließen und zu öffnen. [...] Wenn jemand das Handwerk ausüben will, so muß er die Zunftmitgliedschaft mit dem dafür erforderlichen Betrag [...] erwerben. Dieses Geld wird zum Nutzen der gesamten Zunft verwandt. [...] Wenn [...] einem von uns Freud oder Leid widerfährt, so bewirten wir ihn auf unserer Stube. Begeht jemand den Todesfall eines der Seinigen, so gehen wir mit ihm zum Gottesdienst. [...] Weiterhin [...] sind wir verpflichtet, wenn [...] ein Aufruhr in der Stadt ausbricht, unter unserem Banner4 mit unserem ganzen Harnisch samt unseren Zunftvorstehern auf einen Platz zu den anderen Zünften zu ziehen, [...] um dort auf unsere Herren Bürgermeister und unsere Ratsherren zu warten. Außerdem sind aus allen Zünften etliche Leute dazu bestimmt, bei einem Feuer herbeizueilen, um zu löschen [...].

  • Deutsche Volksgenossen, deutsche Volksgenossinnen!

    Die Schuldigen an diesem wahnwitzigen Verbrechen, an dieser niederträchtigen Greuel- und Boykotthetze sind die Juden in Deutschland. Sie haben ihre Rassengenossen im Ausland zum Kampf gegen das deutsche Volk aufgerufen. Sie haben die Lügen und Verleumdungen hinausgemeldet. Darum hat die Reichsleitung der deutschen Freiheitsbewegung beschlossen, in Abwehr der verbrecherischen Hetze ab Sonnabend, den 1. April 1933, vorm. 10 Uhr, über alle jüdischen Geschäfte, Warenhäuser, Kanzleien usw. den Boykott zu verhängen. Dieser Boykottierung Folge zu leisten, dazu rufen wir euch, deutsche Frauen und Männer, auf. Kauft nicht in jüdischen Geschäften und Warenhäuser, geht nicht zu jüdischen Rechtsanwälten, meidet jüdische Ärzte. Zeigt den Juden, daß sie nicht ungestraft Deutschland in seiner Ehre herabwürdigen und beschmutzen können. Wer gegen diese Aufforderung handelt, beweist damit, daß er auf Seiten der Feinde Deutschlands steht.

    Es lebe der ehrwürdige Generalfeldmarschall aus dem großen Kriege, der Reichspräsident Paul v. Hindenburg.

    Es lebe der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler.

    Es lebe das deutsche Volk und das heilige Vaterland!

    (gez.) Streicher*

    *Julius Streicher war der Herausgeber des antisemitischen Hetzblattes Der Stürmer.

    Q4 Aufruf zum Boykott aller jüdischer Betriebe vom 31. März 1933





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    Q4 Aufruf zum Boykott aller jüdischer Betriebe vom 31. März 1933

    Deutsche Volksgenossen, deutsche Volksgenossinnen!

    Die Schuldigen an diesem wahnwitzigen Verbrechen, an dieser niederträchtigen Greuel- und Boykotthetze sind die Juden in Deutschland. Sie haben ihre Rassengenossen im Ausland zum Kampf gegen das deutsche Volk aufgerufen. Sie haben die Lügen und Verleumdungen hinausgemeldet. Darum hat die Reichsleitung der deutschen Freiheitsbewegung beschlossen, in Abwehr der verbrecherischen Hetze ab Sonnabend, den 1. April 1933, vorm. 10 Uhr, über alle jüdischen Geschäfte, Warenhäuser, Kanzleien usw. den Boykott zu verhängen. Dieser Boykottierung Folge zu leisten, dazu rufen wir euch, deutsche Frauen und Männer, auf. Kauft nicht in jüdischen Geschäften und Warenhäuser, geht nicht zu jüdischen Rechtsanwälten, meidet jüdische Ärzte. Zeigt den Juden, daß sie nicht ungestraft Deutschland in seiner Ehre herabwürdigen und beschmutzen können. Wer gegen diese Aufforderung handelt, beweist damit, daß er auf Seiten der Feinde Deutschlands steht.

    Es lebe der ehrwürdige Generalfeldmarschall aus dem großen Kriege, der Reichspräsident Paul v. Hindenburg.

    Es lebe der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler.

    Es lebe das deutsche Volk und das heilige Vaterland!

    (gez.) Streicher*

    *Julius Streicher war der Herausgeber des antisemitischen Hetzblattes Der Stürmer.

    D: Schultheß 49 (1933) S. 81.

    Der Rassengrundsatz

    Die im nationalsozialistischen Denken verwurzelte Auffassung, daß es oberste Pflicht eines Volkes ist, sein Blut von fremden Einflüssen rein zu halten und die in den Volkskörper eingedrungenen fremden Blutseinschläge wieder auszumerzen, gründet sich auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Erblehre und Rassenforschung. Dem Denken des Nationalsozialismus entsprechend, jedem anderen Volke volle Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, ist dabei niemals von höher- oder minderwertigen, sondern stets nur von f r e m d e n Rasseneinschlägen die Rede.

    Der Begriff der arischen Abstammung.

    Da nach den Erkenntnissen der Rassenlehre daß deutsche Volk neben dem Einfluss der nordischen Rasse auch in geringem und rechnungsmäßig nicht erfassten Umfange andere mehr oder minder verwandte Rassenbestandteile enthält, die auch die Bausteine der europäischen Nachbarvölker sind, hat man für diesen übergeordneten Begriff der Gesamtheit der im deutschen Volke enthaltenen Rassen die Bezeichnung a r i s c h (abweichend von der Sprachwissenschaft!) gewählt, und damit das deutsche und das diesem eng verwandte Blut zu einer rassischen Einheit zusammengefaßt. Genau den gleichen Umfang hat der Begriff „deutsches oder artverwandtes Blut“ im Reichsbürgergesetz. Arischer Abstammung (=„deutschblütig“) ist demnach derjenige Mensch, der frei von einem vom deutschen Volke aus gesehen, fremdrassigen Blutseinschlag ist. Als fremd gilt hier vor allem das Blut der auch im europäischen Siedlungsraume lebenden (...).

    Q8 Auszug zu einem Ahnenpaß (Ariernachweis)





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    Q8 Auszug zu einem Ahnenpaß (Ariernachweis)

    Der Rassengrundsatz

    Die im nationalsozialistischen Denken verwurzelte Auffassung, daß es oberste Pflicht eines Volkes ist, sein Blut von fremden Einflüssen rein zu halten und die in den Volkskörper eingedrungenen fremden Blutseinschläge wieder auszumerzen, gründet sich auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Erblehre und Rassenforschung. Dem Denken des Nationalsozialismus entsprechend, jedem anderen Volke volle Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, ist dabei niemals von höher- oder minderwertigen, sondern stets nur von f r e m d e n Rasseneinschlägen die Rede.

    Der Begriff der arischen Abstammung.

    Da nach den Erkenntnissen der Rassenlehre daß deutsche Volk neben dem Einfluss der nordischen Rasse auch in geringem und rechnungsmäßig nicht erfassten Umfange andere mehr oder minder verwandte Rassenbestandteile enthält, die auch die Bausteine der europäischen Nachbarvölker sind, hat man für diesen übergeordneten Begriff der Gesamtheit der im deutschen Volke enthaltenen Rassen die Bezeichnung a r i s c h (abweichend von der Sprachwissenschaft!) gewählt, und damit das deutsche und das diesem eng verwandte Blut zu einer rassischen Einheit zusammengefaßt. Genau den gleichen Umfang hat der Begriff „deutsches oder artverwandtes Blut“ im Reichsbürgergesetz. Arischer Abstammung (=„deutschblütig“) ist demnach derjenige Mensch, der frei von einem vom deutschen Volke aus gesehen, fremdrassigen Blutseinschlag ist. Als fremd gilt hier vor allem das Blut der auch im europäischen Siedlungsraume lebenden (...).

    Auszug aus einem Ahnenpaß (Ariernachweis) des „Reichsverband der Standesbeamten Deutschlands (RDSD)“, 31. Ausgabe, Verlag für Standesamtswesen G.m.b.H. Berlin SW 61, S. 41.
  • Von der Jugend hängt die Zukunft des deutschen Volkes ab. Die gesamte deutsche Jugend muß deshalb auf ihre zukünftigen Pflichten vorbereitet werden.Die Reichsregierung hat daher das folgende Gesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird:

    § 1. Die gesamte deutsche Jugend ist in der Hitler-Jugend zusammengefaßt.

    § 2. Die gesamte deutsche Jugend ist außer in Elternhaus und Schule in der Hitler-Jugend körperlich, geistig und sittlich im Geiste des Nationalsozialismus zum Dienst am Volk und zur Volksgemeinschaft zu erziehen.

    § 3. Die Aufgabe der Erziehung der gesamten deutschen Jugend in der Hitler-Jugend wird dem Reichsjugendführer der NSDAP übertragen. Er ist damit „Jugendführer des Deutschen Reiches“. Er hat die Stellung einer obersten Reichsbehörde mit dem Sitz in Berlin und ist dem Führer und Reichskanzler unmittelbar unterstellt.

    § 4. Die zur Durchführung und Ergänzung dieses Gesetzes erforderlichen Rechtsverordnungen und allgemeinen Verwaltungsvorschriften erläßt der Führer und Reichskanzler.

    Berlin, den 1. Dezember 1936

    Der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler

    Der Staatssekretär und Chef der Reichskanzlei Dr. Lammers

    Q 1
    Das Gesetz über die Hitler-Jugend, 1936





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    Q 1
    Das Gesetz über die Hitler-Jugend, 1936

    Von der Jugend hängt die Zukunft des deutschen Volkes ab. Die gesamte deutsche Jugend muß deshalb auf ihre zukünftigen Pflichten vorbereitet werden.Die Reichsregierung hat daher das folgende Gesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird:

    § 1. Die gesamte deutsche Jugend ist in der Hitler-Jugend zusammengefaßt.

    § 2. Die gesamte deutsche Jugend ist außer in Elternhaus und Schule in der Hitler-Jugend körperlich, geistig und sittlich im Geiste des Nationalsozialismus zum Dienst am Volk und zur Volksgemeinschaft zu erziehen.

    § 3. Die Aufgabe der Erziehung der gesamten deutschen Jugend in der Hitler-Jugend wird dem Reichsjugendführer der NSDAP übertragen. Er ist damit „Jugendführer des Deutschen Reiches“. Er hat die Stellung einer obersten Reichsbehörde mit dem Sitz in Berlin und ist dem Führer und Reichskanzler unmittelbar unterstellt.

    § 4. Die zur Durchführung und Ergänzung dieses Gesetzes erforderlichen Rechtsverordnungen und allgemeinen Verwaltungsvorschriften erläßt der Führer und Reichskanzler.

    Berlin, den 1. Dezember 1936

    Der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler

    Der Staatssekretär und Chef der Reichskanzlei Dr. Lammers

    Arno Klönne, Jugend im Dritten Reich, Köln 2008, S. 29.

    § 1. Die Deutsche Arbeitsfront ist die Organisation der schaffenden Deutschen der Stirn und der Faust. In ihr sind insbesondere die Angehörigen der ehemaligen Gewerkschaften, der ehemaligen Angestelltenverbände und der ehemaligen Unternehmer-Vereinigungen als gleichberechtigte Mitglieder zusammengeschlossen.(...)

    § 2. Das Ziel der Deutschen Arbeitsfront ist die Bildung einer wirklichen Volks- und Leistungsgemeinschaft aller Deutschen. Sie hat dafür zu sorgen, daß jeder einzelne seinen Platz im wirtschaftlichen Leben der Nation in der geistigen und körperlichen Verfassung einnehmen kann, die ihn zur höchsten Leistung befähigt und damit den größten Nutzen für die Volksgemeinschaft gewährleistet.

    § 3. Die Deutsche Arbeitsfront  ist eine Gliederung der NSDAP im Sinne des Gesetzes zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat vom 1. Dezember 1933. Der Stabsleiter P.O.* führt die Deutsche Arbeitsfront. Er wird vom Führer und Reichskanzler ernannt. Er ernennt und enthebt die übrigen Führer der Deutschen Arbeiterfront. (...)

    § 7. (...) Die Bildung anderer Organisationen oder ihre Betätigung auf diesem Gebiet ist unzulässig.(...)

    Berlin, den 24. Oktober 1934

    (gez.) Adolf Hitler

    Der Führer und Reichskanzler

    *P.O.= Politische Organisation

    *Die KdF war eine Unterorganisation der neu gegründeten Gewerkschaft "Deutschen Arbeiterfront".

    Q2 Erlaß über die Deutsche Arbeitsfront von 24. Oktober 1934





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    Q2 Erlaß über die Deutsche Arbeitsfront von 24. Oktober 1934

    § 1. Die Deutsche Arbeitsfront ist die Organisation der schaffenden Deutschen der Stirn und der Faust. In ihr sind insbesondere die Angehörigen der ehemaligen Gewerkschaften, der ehemaligen Angestelltenverbände und der ehemaligen Unternehmer-Vereinigungen als gleichberechtigte Mitglieder zusammengeschlossen.(...)

    § 2. Das Ziel der Deutschen Arbeitsfront ist die Bildung einer wirklichen Volks- und Leistungsgemeinschaft aller Deutschen. Sie hat dafür zu sorgen, daß jeder einzelne seinen Platz im wirtschaftlichen Leben der Nation in der geistigen und körperlichen Verfassung einnehmen kann, die ihn zur höchsten Leistung befähigt und damit den größten Nutzen für die Volksgemeinschaft gewährleistet.

    § 3. Die Deutsche Arbeitsfront  ist eine Gliederung der NSDAP im Sinne des Gesetzes zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat vom 1. Dezember 1933. Der Stabsleiter P.O.* führt die Deutsche Arbeitsfront. Er wird vom Führer und Reichskanzler ernannt. Er ernennt und enthebt die übrigen Führer der Deutschen Arbeiterfront. (...)

    § 7. (...) Die Bildung anderer Organisationen oder ihre Betätigung auf diesem Gebiet ist unzulässig.(...)

    Berlin, den 24. Oktober 1934

    (gez.) Adolf Hitler

    Der Führer und Reichskanzler

    *P.O.= Politische Organisation

    *Die KdF war eine Unterorganisation der neu gegründeten Gewerkschaft "Deutschen Arbeiterfront".

    Aus: Dokumente der deutschen Politik. Bd . Hrsg. von Franz Alfred Six. Berlin: Junker und Dünnhaupt, 1941. S. 207-209.
  • (...) Deutschland wird entweder Weltmacht oder überhaupt nicht sein. Zur Weltmacht aber braucht es jene Größe, die ihm in der heutigen Zeit die notwendige Bedeutung und seinen Bürgern das Leben gibt. Damit ziehen wir Nationalsozialisten bewusst einen Strich unter die außenpolitische Richtung unserer Vorkriegszeit. Wir setzen dort an, wo man vor sechs Jahrhunderten endete. Wir stoppen den ewigen Germanenzug nach dem Süden und Westen Europas und weisen den Blick nach dem Land im Osten. Wir schließen endlich ab die Kolonial- und Handelspolitik der Vorkriegszeit und gehen über zur Bodenpolitik der Zukunft.

    Wenn wir aber heute in Europa von neuem Grund und Boden reden, können wir in erster Linie nur an Russland und die ihm untertanen Randstaaten denken.(...)

    Q6 Adolf Hitler über “Lebensraumpolitik” in “Mein Kampf” (1925)





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    Q6 Adolf Hitler über “Lebensraumpolitik” in “Mein Kampf” (1925)

    (...) Deutschland wird entweder Weltmacht oder überhaupt nicht sein. Zur Weltmacht aber braucht es jene Größe, die ihm in der heutigen Zeit die notwendige Bedeutung und seinen Bürgern das Leben gibt. Damit ziehen wir Nationalsozialisten bewusst einen Strich unter die außenpolitische Richtung unserer Vorkriegszeit. Wir setzen dort an, wo man vor sechs Jahrhunderten endete. Wir stoppen den ewigen Germanenzug nach dem Süden und Westen Europas und weisen den Blick nach dem Land im Osten. Wir schließen endlich ab die Kolonial- und Handelspolitik der Vorkriegszeit und gehen über zur Bodenpolitik der Zukunft.

    Wenn wir aber heute in Europa von neuem Grund und Boden reden, können wir in erster Linie nur an Russland und die ihm untertanen Randstaaten denken.(...)

    Adolf Hitler, Mein Kampf, München 1942, S. 742.

    Die nationale Front, einig in ihren Parteien, Bünden und Gruppen, von dem Willen beseelt, gemeinsam und geschlossen zu handeln, gibt folgendes kund:

    [...] Entschlossen, unser Land vor dem Chaos des Bolschewismus zu bewahren, unsere Politik durch wirksame Selbsthilfe aus dem Strudel des Wirtschaftsbankerotts zu retten und damit der Welt zu wirklichem Frieden zu verhelfen, erklären wir: Wir sind bereit [...] in national geführten Regierungen die Verantwortung zu übernehmen. [...] Wir müssen es aber ablehnen, die Erhaltung eines falschen Systems und Fortsetzung eines falschen Kurses [...] irgendwie zu stützen. Jede Regierung, die gegen den Willen der geschlossenen nationalen Opposition gebildet werden sollte, muß mit unserer Gegnerschaft rechnen. [...]

    Im vollen Bewußtsein der damit übernommenen Verantwortung erklären wir, daß die in der nationalen Opposition stehenden Verbände bei kommenden Unruhen [...] [diejenigen] verteidigen werden, die sich mit uns offen zur Nation bekennen, daß wir es aber ablehnen, die heutige Regierung und das heute herrschende System mit dem Einsatz unseres Blutes zu schützen. [...] Wir beschwören den [...] gewählten Reichspräsidenten v. Hindenburg, daß er dem stürmischen Drängen von Millionen vaterländischer Männer und Frauen, Frontsoldaten und Jugend entspricht und in letzter Stunde durch Berufung einer wirklichen Nationalregierung den rettenden Kurswechsel herbeiführt. Die Träger dieser Nationalregierung [...] haben die Entwicklung der letzten Jahre vorausgesagt. Der Ablauf der Geschehnisse hat die Richtigkeit ihrer Vorschläge und Forderungen erwiesen. Darin sehen wir in tiefstem Sinne die Berechtigung zur Übernahme der Regierungsgewalt. Nur der starke nationale Staat kann Wirtschaft und Arbeitsplatz schützen, nur der starke nationale Staat kann das Leistungsprinzip in jeder Form verwirklichen und die zur Herbeiführung einer wahren Volksgemeinschaft notwendigen sozialen Maßnahmen durchführen. Wir verlangen von allen Volksgenossen Pflichterfüllung und Opfer. Wir glauben an die Erfüllung unserer Aufgabe, weil wir auf die deutsche Kraft, auf die Zukunft unseres Volkes vertrauen.

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    Ver­schie­dene na­tio­na­lis­ti­sche Grup­pie­run­gen (z.B. NSDAP, DNVP, usw.) schlossen sich 1931 auf einer Ta­gung zur so­ge­nann­ten Harz­bur­ger Front zu­sam­men und veröffentlichten diese Hauptresolution:





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    Ver­schie­dene na­tio­na­lis­ti­sche Grup­pie­run­gen (z.B. NSDAP, DNVP, usw.) schlossen sich 1931 auf einer Ta­gung zur so­ge­nann­ten Harz­bur­ger Front zu­sam­men und veröffentlichten diese Hauptresolution:

    Die nationale Front, einig in ihren Parteien, Bünden und Gruppen, von dem Willen beseelt, gemeinsam und geschlossen zu handeln, gibt folgendes kund:

    [...] Entschlossen, unser Land vor dem Chaos des Bolschewismus zu bewahren, unsere Politik durch wirksame Selbsthilfe aus dem Strudel des Wirtschaftsbankerotts zu retten und damit der Welt zu wirklichem Frieden zu verhelfen, erklären wir: Wir sind bereit [...] in national geführten Regierungen die Verantwortung zu übernehmen. [...] Wir müssen es aber ablehnen, die Erhaltung eines falschen Systems und Fortsetzung eines falschen Kurses [...] irgendwie zu stützen. Jede Regierung, die gegen den Willen der geschlossenen nationalen Opposition gebildet werden sollte, muß mit unserer Gegnerschaft rechnen. [...]

    Im vollen Bewußtsein der damit übernommenen Verantwortung erklären wir, daß die in der nationalen Opposition stehenden Verbände bei kommenden Unruhen [...] [diejenigen] verteidigen werden, die sich mit uns offen zur Nation bekennen, daß wir es aber ablehnen, die heutige Regierung und das heute herrschende System mit dem Einsatz unseres Blutes zu schützen. [...] Wir beschwören den [...] gewählten Reichspräsidenten v. Hindenburg, daß er dem stürmischen Drängen von Millionen vaterländischer Männer und Frauen, Frontsoldaten und Jugend entspricht und in letzter Stunde durch Berufung einer wirklichen Nationalregierung den rettenden Kurswechsel herbeiführt. Die Träger dieser Nationalregierung [...] haben die Entwicklung der letzten Jahre vorausgesagt. Der Ablauf der Geschehnisse hat die Richtigkeit ihrer Vorschläge und Forderungen erwiesen. Darin sehen wir in tiefstem Sinne die Berechtigung zur Übernahme der Regierungsgewalt. Nur der starke nationale Staat kann Wirtschaft und Arbeitsplatz schützen, nur der starke nationale Staat kann das Leistungsprinzip in jeder Form verwirklichen und die zur Herbeiführung einer wahren Volksgemeinschaft notwendigen sozialen Maßnahmen durchführen. Wir verlangen von allen Volksgenossen Pflichterfüllung und Opfer. Wir glauben an die Erfüllung unserer Aufgabe, weil wir auf die deutsche Kraft, auf die Zukunft unseres Volkes vertrauen.

  • "Wenn es bei uns in der Familie Konflikte gab, verstand mein Vater wenig Spaß. Seine So-lange-du–deine-Füße-unter-meinen-Tisch-streckst-Formel ließ einem keine Wahl", sagt Sabine Rothfeld (63), Mutter von 3 erwachsenen Kindern, 2 davon gut verheiratet und schon lange außer Haus. Wenn sie darauf angesprochen wird, wieso ausgerechnet ihr ältester Sohn Kai im Alter von 32 Jahren immer noch im Elternhaus wohnt, klingt ihre Antwort fast ein wenig lakonisch: "Früher war das halt anders", fährt sie fort, "da wollte man einfach so schnell wie möglich von den Eltern weg." Sie erinnert sich noch genau an die Auseinandersetzungen, als ihr älterer Bruder seine Haare auch so lange wachsen lassen wollte, wie sein Idol, »John Lennon (1940-1980) von den »Beatles. Das Machtwort des Vaters und das Ganze war vom Tisch. Solange bis ihr Bruder in ihrer Heimatstadt sein Studium begann. Da zog er "von den Alten" fort, in eine »Mansarde mit einem winzigen Dachfenster. Dort atmete er die Freiheit, die seine Haare offenkundig zum Wachsen brauchten. Sabine Rothfeld ist seit 9 Jahren Witwe. Was sie als Witwenrente bekommt, ist auch nicht gerade üppig. "Ich komme schon irgendwie zurecht", meint sie und fährt in einem Atemzug fort: "Ich kann den Jungen doch nicht einfach hinauswerfen, wenn er mich noch braucht." Der Junge, ihr Sohn Kai, ist ein gut aussehender junger Mann, wirkt körperlich gepflegt und besucht regelmäßig das Fitness-Studio. Kai hat nur als Jugendlicher einmal eine Freundin gehabt, mit der er fast fünf Jahre lang zusammen war, danach mal so, mal so eben. "Ich genieße mein Single-Leben", sagt er und fügt hinzu: "Ich brauche meine Freiheit, die ist mir wichtiger als alles andere." Kai hat studiert, dabei das Jurastudium im fernen Köln nach 4 Semestern abgebrochen und ist dann nach dem Tod seines Vaters wieder bei seiner Mutter eingezogen, um ein BWL-Studium in seiner Heimatstadt aufzunehmen. Nach dem Abschluss seines Studiums hat er Glück und findet auf Anhieb einen gut bezahlten Job in einer 45 km entfernten Kleinstadt. Seitdem pendelt er jeden Morgen mit dem Zug hin und abends wieder zurück, weil er sich, wie er meint, "das Leben ohne den Puls einer Großstadt" nicht vorstellen kann. Der Fall von Sabine und Kai Rothfeld ist heutzutage nichts Außergewöhnliches mehr. Allenfalls das Alter von Kai ist auch für die Gruppe moderner Nesthocker sicher schon etwas weit fortgeschritten. Nichtsdestotrotz, wo eben in vergangener Zeit die frühe Nestflucht angesagt war, ist Nesthockerei heute bei einem größeren Teil der jungen Leute soziale Realität geworden. Alles Hoffen der Eltern auf ihr "eigenes Leben" (vgl. Beck, Eigenes Leben 1995) nach den Kindern ist für viele umsonst. Der Wenn-die-Kinder-erst-mal-aus-dem-Haus-sind-Traum vieler Eltern? Längst ein »Treppenwitz... Vielen, denen es geht wie Sabine Rothfeld, werden von ihren Kindern auch ohne Not um ein Stück ihres "eigenen Lebens" gebracht, wenn die Nesthocker ohne jeden Skrupel ihr eigenes Lebensprogramm durchziehen. "Sie wollen", wie es schon vor langer Zeit einmal in einer Glosse der Süddeutschen Zeitung (Das Streiflicht, 27.8.1996) hieß, "in ihrer wohligen Gleichgültigkeit den Eltern nicht direkt das Leben vergällen, es läuft aber darauf hinaus." Fragt man die jungen Leute zwischen 12 und 25 Jahren, die nicht mehr zur Schule gehen und noch bei ihrer Herkunftsfamilie wohnen, danach, weshalb sie das tun, werden vor allem drei Gründe genannt: 43% sagen, "dass es für alle am bequemsten ist". 46% geben an, dass sie "ausziehen würden, wenn sie es sich finanziell leisten könnten" und 2% sagen, sie zögen ja aus, wenn ihre Eltern sie nur ließen. Die restlichen 12% meinen, dass keiner der genannten Gründe zuträfen. (16. Shell-Jugendstudie 2010, (Leven u. a. 2010, S. 69) Interessant auch, dass junge Frauen zwischen 12 und 25 Jahren mit 69% deutlich seltener noch bei ihren Eltern wohnen als gleichaltrige junge Männer (76%). (vgl. ebd., S. 68) Natürlich nimmt die Gesamtzahl der Jugendlichen, welchen die Vorzüge des "Hotel Mama" zuteil werden, mit den Jahren ab. Bis 18 wohnt man ohnehin zu Hause. Aber auch im Alter von 18 bis 21 Jahren wohnen noch 77% aller Jugendlichen im elterlichen Haushalt, und auch bei den 22- bis 25-Jährigen leben noch 38% bei den Eltern bzw. in ihrer Herkunftsfamilie (vgl. ebd., S. 69) Im Allgemeinen wissen die jungen Leute, die länger als gemeinhin üblich zu Hause wohnen bleiben, den Service, der ihnen im "Hotel Mama" geboten wird (Catering zu jeder x-beliebigen Tageszeit, Wäsche- und Bügelservice nach Bedarf und psychologische





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  • Hier stoßen wir auch auf den inneren Grund, weswegen der Neger im großen und ganzen so schwer zur Vermehrung seiner Leistungen zu bewegen ist: seine Bedürfnisse sind nicht nur gering, sondern ihm fehlt auch der Trieb, sie zu vermehren, d. h. sich zu kultivieren. Der Neger ist nach keiner Richtung hin ein Qualitäts-, sondern ganz und gar ein Quantitätsmensch, und dementsprechend bewegen sich seine Bedürfnisse auf dem Gebiet der niederen Sinnlichkeit. Er ist befriedigt, wenn er reichlich zu essen und zu trinken hat und wenn ihm Weiber nach Wunsch zu Gebote stehen. Die Güter, die wir ihm als Entgelt für erhöhte Arbeit anzubieten imstande sind, locken ihn entweder zu wenig, oder wir dürfen ihn nicht in ihren Besitz setzen, um ihn nicht selbst zu ruinieren oder ihn zu einer Gefahr für uns zu machen. Alkohol z. B. und moderne Feuerwaffen sind Dinge, nach denen jeder Eingeborene mehr als nach allem andern begehrt und für die er auch willig wäre, zu arbeiten, aber es versteht sich von selbst, dass ihm das eine so sparsam wie möglich, das andere überhaupt nicht zugeführt werden darf. Mag er nun aber viel oder wenig arbeiten, das Entscheidende, worauf es einzig ankommt, ist, dass er nicht mehr arbeiten will, als bis er das hat, was er braucht. […]

    Auch der größte Negerfreund kann nicht behaupten, dass die schwarze Rasse im ganzen genommen mit der Summe körperlicher Arbeitskraft, über die sie verfügt, im Verhältnis annähernd soviel Werte schaffte, wie die übrigen Völker, die durch ihre Lebensumstände und durch ihre innere Charakterveranlagung zu wirklicher Arbeit getrieben werden. Dabei ist es falsch, nur an die weiße Rasse im Gegensatz zur afrikanischen zu denken: die Chinesen, die Japaner, die javanischen Malayen und noch manche andere Völker sind mindestens ebenso fleißig und stehen unter einem ebenso harten natürlichen Arbeitszwang, wie die Weißen. Es ist daher nicht einzusehen, woher die Schwarzen ein Privileg auf weniger Arbeit und mehr Nichtstun haben sollen, als alle übrigen Völker der Welt. […]

    Aus diesem Grunde ist es auch ein prinzipieller Fehler, die Frage der Rassenverschiedenheit damit erledigen zu wollen, dass man sagt, die Neger seien nur noch nicht soweit entwickelt wie wir; wenn man ihnen Zeit und Gelegenheit dazu gäbe, so würden sie alles nachholen. Wer so denkt, vergisst, dass diejenige Periode in der Entwicklung des Menschengeschlechts, die wir historisch übersehen und zu Vergleichen benutzen können, eine verschwindend kurze gegenüber denjenigen Zeiträumen ist, die vergangen sind, seitdem sich die Rassenunterschiede herausgebildet und befestigt haben. Die menschlichen Rassen, die heute vor uns stehen, sind, von unserem Standpunkt aus gesprochen, Endprodukte von Entwicklungsreihen, die nicht Jahrtausende, sondern Hunderttausende von Jahren beansprucht haben. […]

    1

    Paul Rohrbach (1869-1956) arbeitete von 1903 bis 1906 als Kolonialbeamter In Deutsch-Südwestafrika. Rohrbach veröffentlichte zahlreiche Bücher und Zeitschriften zu theologischen und politischen Fragen, unter anderem sein damals bekanntes Buch Das deutsche Kolonialwesen aus dem Jahr 1911, aus denen folgende Auszüge entnommen sind. Beachte bei der Untersuchung der Quelle, dass Begriffe wie „Neger“ oder „Rasse“ als abschätzig und beleidigend gelten und heute nicht mehr verwendet werden. Du solltest sie deshalb nicht einfach übernehmen, sondern entweder zitieren (mit Anführungsstrichen) oder umschreiben.





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    Paul Rohrbach (1869-1956) arbeitete von 1903 bis 1906 als Kolonialbeamter In Deutsch-Südwestafrika. Rohrbach veröffentlichte zahlreiche Bücher und Zeitschriften zu theologischen und politischen Fragen, unter anderem sein damals bekanntes Buch Das deutsche Kolonialwesen aus dem Jahr 1911, aus denen folgende Auszüge entnommen sind. Beachte bei der Untersuchung der Quelle, dass Begriffe wie „Neger“ oder „Rasse“ als abschätzig und beleidigend gelten und heute nicht mehr verwendet werden. Du solltest sie deshalb nicht einfach übernehmen, sondern entweder zitieren (mit Anführungsstrichen) oder umschreiben.

    Hier stoßen wir auch auf den inneren Grund, weswegen der Neger im großen und ganzen so schwer zur Vermehrung seiner Leistungen zu bewegen ist: seine Bedürfnisse sind nicht nur gering, sondern ihm fehlt auch der Trieb, sie zu vermehren, d. h. sich zu kultivieren. Der Neger ist nach keiner Richtung hin ein Qualitäts-, sondern ganz und gar ein Quantitätsmensch, und dementsprechend bewegen sich seine Bedürfnisse auf dem Gebiet der niederen Sinnlichkeit. Er ist befriedigt, wenn er reichlich zu essen und zu trinken hat und wenn ihm Weiber nach Wunsch zu Gebote stehen. Die Güter, die wir ihm als Entgelt für erhöhte Arbeit anzubieten imstande sind, locken ihn entweder zu wenig, oder wir dürfen ihn nicht in ihren Besitz setzen, um ihn nicht selbst zu ruinieren oder ihn zu einer Gefahr für uns zu machen. Alkohol z. B. und moderne Feuerwaffen sind Dinge, nach denen jeder Eingeborene mehr als nach allem andern begehrt und für die er auch willig wäre, zu arbeiten, aber es versteht sich von selbst, dass ihm das eine so sparsam wie möglich, das andere überhaupt nicht zugeführt werden darf. Mag er nun aber viel oder wenig arbeiten, das Entscheidende, worauf es einzig ankommt, ist, dass er nicht mehr arbeiten will, als bis er das hat, was er braucht. […]

    Auch der größte Negerfreund kann nicht behaupten, dass die schwarze Rasse im ganzen genommen mit der Summe körperlicher Arbeitskraft, über die sie verfügt, im Verhältnis annähernd soviel Werte schaffte, wie die übrigen Völker, die durch ihre Lebensumstände und durch ihre innere Charakterveranlagung zu wirklicher Arbeit getrieben werden. Dabei ist es falsch, nur an die weiße Rasse im Gegensatz zur afrikanischen zu denken: die Chinesen, die Japaner, die javanischen Malayen und noch manche andere Völker sind mindestens ebenso fleißig und stehen unter einem ebenso harten natürlichen Arbeitszwang, wie die Weißen. Es ist daher nicht einzusehen, woher die Schwarzen ein Privileg auf weniger Arbeit und mehr Nichtstun haben sollen, als alle übrigen Völker der Welt. […]

    Aus diesem Grunde ist es auch ein prinzipieller Fehler, die Frage der Rassenverschiedenheit damit erledigen zu wollen, dass man sagt, die Neger seien nur noch nicht soweit entwickelt wie wir; wenn man ihnen Zeit und Gelegenheit dazu gäbe, so würden sie alles nachholen. Wer so denkt, vergisst, dass diejenige Periode in der Entwicklung des Menschengeschlechts, die wir historisch übersehen und zu Vergleichen benutzen können, eine verschwindend kurze gegenüber denjenigen Zeiträumen ist, die vergangen sind, seitdem sich die Rassenunterschiede herausgebildet und befestigt haben. Die menschlichen Rassen, die heute vor uns stehen, sind, von unserem Standpunkt aus gesprochen, Endprodukte von Entwicklungsreihen, die nicht Jahrtausende, sondern Hunderttausende von Jahren beansprucht haben. […]

    Segu-Geschichtsunterricht
  • […] In Ostasien schien der Herr Abgeordnete Dr. Schoenlank [Reichstagsabgeordneter der SPD] zu fürchten, dass wir uns in Abenteuer stürzen wollten. Fürchten Sie gar nichts, meine Herren! Der Herr Reichskanzler ist nicht der Mann, und seine Mitarbeiter sind nicht die Leute, irgend unnütze Händel [meint: Streit] zu suchen. Wir empfinden auch durchaus nicht das Bedürfnis, unsere Finger in jeden Topf zu stecken. Aber allerdings sind wir der Ansicht, dass es sich nicht empfiehlt, Deutschland in zukunftsreichen Ländern von vornherein auszuschließen vom Mitbewerb anderer Völker. (Bravo!)

    Die Zeiten, wo der Deutsche dem einen seiner Nachbarn die Erde überließ, dem anderen das Meer und sich selbst den Himmel reservierte, wo die reine Doktrin [meint hier: die Vorstellung von etwas, ohne danach zu handeln] thront (Heiterkeit – Bravo!) – diese Zeiten sind vorüber. Wir betrachten es als eine unserer vornehmsten Aufgaben, gerade in Ostasien die Interessen unserer Schifffahrt, unseres Handels und unserer Industrie zu fördern und zu pflegen. […] Ich kann aber doch folgendes sagen: wir sind gegenüber China erfüllt von wohlwollenden und freundlichen Absichten (Heiterkeit links!)

    Wir wollen China weder brüskieren noch provozieren. […] Wir müssen verlangen, dass der deutsche Missionar und der deutsche Unternehmer, die deutschen Waren, die deutsche Flagge und das deutsche Schiff in China geradeso geachtet werden wie diejenigen anderer Mächte. (Lebhaftes Bravo.) Wir sind endlich gern bereit, in Ostasien den Interessen anderer Großmächte Rechnung zu tragen, in der sicheren Voraussicht, dass unsere eigenen Interessen gleichfalls die ihnen gebührende Würdigung finden. (Bravo!)

    Mit einem Worte: wir wollen niemand in den Schatten stellen, aber wir verlangen auch unseren Platz an der Sonne. (Bravo!)

    1

    Bernhard von Bülow (1849-1929) war von 1897 bis 1900 Staatssekretär im Außenministerium und von 1900 bis 1909 deutscher Reichskanzler. In seiner bekannten Rede vor dem Reichstag am 6. Dezember 1897 forderte Bülow „unseren Platz an der Sonne“ und meinte damit einen größeren Einfluss des Deutschen Reichs in China, wo die Sonne früher aufgeht als in Europa. Der Ausdruck „Platz an der Sonne“ nach der Rede Bülows zu einem geflügelten Wort der deutschen Außenpolitik.





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    Bernhard von Bülow (1849-1929) war von 1897 bis 1900 Staatssekretär im Außenministerium und von 1900 bis 1909 deutscher Reichskanzler. In seiner bekannten Rede vor dem Reichstag am 6. Dezember 1897 forderte Bülow „unseren Platz an der Sonne“ und meinte damit einen größeren Einfluss des Deutschen Reichs in China, wo die Sonne früher aufgeht als in Europa. Der Ausdruck „Platz an der Sonne“ nach der Rede Bülows zu einem geflügelten Wort der deutschen Außenpolitik.

    […] In Ostasien schien der Herr Abgeordnete Dr. Schoenlank [Reichstagsabgeordneter der SPD] zu fürchten, dass wir uns in Abenteuer stürzen wollten. Fürchten Sie gar nichts, meine Herren! Der Herr Reichskanzler ist nicht der Mann, und seine Mitarbeiter sind nicht die Leute, irgend unnütze Händel [meint: Streit] zu suchen. Wir empfinden auch durchaus nicht das Bedürfnis, unsere Finger in jeden Topf zu stecken. Aber allerdings sind wir der Ansicht, dass es sich nicht empfiehlt, Deutschland in zukunftsreichen Ländern von vornherein auszuschließen vom Mitbewerb anderer Völker. (Bravo!)

    Die Zeiten, wo der Deutsche dem einen seiner Nachbarn die Erde überließ, dem anderen das Meer und sich selbst den Himmel reservierte, wo die reine Doktrin [meint hier: die Vorstellung von etwas, ohne danach zu handeln] thront (Heiterkeit – Bravo!) – diese Zeiten sind vorüber. Wir betrachten es als eine unserer vornehmsten Aufgaben, gerade in Ostasien die Interessen unserer Schifffahrt, unseres Handels und unserer Industrie zu fördern und zu pflegen. […] Ich kann aber doch folgendes sagen: wir sind gegenüber China erfüllt von wohlwollenden und freundlichen Absichten (Heiterkeit links!)

    Wir wollen China weder brüskieren noch provozieren. […] Wir müssen verlangen, dass der deutsche Missionar und der deutsche Unternehmer, die deutschen Waren, die deutsche Flagge und das deutsche Schiff in China geradeso geachtet werden wie diejenigen anderer Mächte. (Lebhaftes Bravo.) Wir sind endlich gern bereit, in Ostasien den Interessen anderer Großmächte Rechnung zu tragen, in der sicheren Voraussicht, dass unsere eigenen Interessen gleichfalls die ihnen gebührende Würdigung finden. (Bravo!)

    Mit einem Worte: wir wollen niemand in den Schatten stellen, aber wir verlangen auch unseren Platz an der Sonne. (Bravo!)

    segu-Geschichtunterricht
  • In der besten Ausgangsposition [zum Bierbrauen im Hoch- und Spätmittelalter] waren zunächst die Klöster. Viele von ihnen waren bereits bald nach der Wende zum 2. Jahrtausend dazu übergegangen, ihr professionell gebrautes Bier selbst auszuschenken und zu verkaufen. […] Des Weiteren erfuhren die Privilegien für den Klerus im 12. Jahrhundert mit dem privilegium immunitatis, das durch Kaiser Friedrich II. bestätigt wurde, ihre rechtliche Fixierung: Der Klerus im gesamten Reich wurde von bürgerlichen Abgaben und Lasten befreit.

    Auch fiel die Tatsache ins Gewicht, dass gegen die Klöster keine weltlichen Brauverbote verhängt werden konnten. Derartige Verbote wurden von den Landesherren immer dann erlassen, wenn Kriege oder Missernten zu Mangel an Brotgetreide und Preissteigerung geführt hatten. Blieb das Wirtshaus also geschlossen, boomte die Klosterschenke umso mehr. All diese Faktoren hatten zur Folge, dass die Stellung der Klöster […] im mittelalterlichen Bierhandel kontinuierlich stieg und auch dann noch stark blieb, als das städtische Braugewerbe zu seinem Höchstflug ansetzte. […]

    Dass das Bier in den Klöstern beliebt war, liegt auf der Hand, denn auch unter den Bedingungen der mittelalterlichen Landwirtschaft ließ es sich in passablen Mengen produzieren. Dass es aber auch wertgeschätzt wurde, muss verwundern, denn im Reigen der alkoholischen Getränke konnte es nicht mit dem Wein konkurrieren; zumal dieser als grundsätzlicher Zentralbaustein des Abendmahls besonderes Ansehen genoss […]. Aber Wein war in der Produktion stets viel aufwendiger und damit auch teurer, sodass er vielerorts vornehmlich für das Abendmahl eingesetzt wurde und als Alltagsgetränk für die einfachen Brüder und Schwestern kaum infrage kam. Diese Schieflage scheint man bereits auf den Synoden von Aachen (816-819) erkannt zu haben, denn das Bier wurde hier als Heilgetränk deklariert. […]

    Wir können festhalten, dass Bierbrauerei und Bierkonsum integrativer Bestandteil des mittelalterlichen Klosterlebens waren. Die Bedeutung des Bieres nahm mit der Kommerzialisierung des Verkaufs und Ausschanks seit dem 11. Jahrhundert zu. Das Klosterbier war im Vergleich zum weltlich gebrauten Bier von guter Qualität. Der Konsum in den Klöstern war regelmäßig, aber stets eingebunden in eine feste Ordnung der Chronologie [= zeitliche Abfolge] und der Menge. Je höher der soziale Status eines Klosterbewohners war, desto mehr Bier stand ihm zu, was auch für Frauen galt. Eine besondere Bedeutung kam den Bieren in den Fastenzeiten zu: Als „flüssiges Brot“ waren sie beliebt, halfen die entbehrungsreichen Phasen – jeweils 40 Tage vor Weihnachten und vor Ostern – zu überstehen.

    M 1 Im Bierhimmel: Das „flüssige Brot“ der Klosterbrauereien





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    M 1 Im Bierhimmel: Das „flüssige Brot“ der Klosterbrauereien

    In der besten Ausgangsposition [zum Bierbrauen im Hoch- und Spätmittelalter] waren zunächst die Klöster. Viele von ihnen waren bereits bald nach der Wende zum 2. Jahrtausend dazu übergegangen, ihr professionell gebrautes Bier selbst auszuschenken und zu verkaufen. […] Des Weiteren erfuhren die Privilegien für den Klerus im 12. Jahrhundert mit dem privilegium immunitatis, das durch Kaiser Friedrich II. bestätigt wurde, ihre rechtliche Fixierung: Der Klerus im gesamten Reich wurde von bürgerlichen Abgaben und Lasten befreit.

    Auch fiel die Tatsache ins Gewicht, dass gegen die Klöster keine weltlichen Brauverbote verhängt werden konnten. Derartige Verbote wurden von den Landesherren immer dann erlassen, wenn Kriege oder Missernten zu Mangel an Brotgetreide und Preissteigerung geführt hatten. Blieb das Wirtshaus also geschlossen, boomte die Klosterschenke umso mehr. All diese Faktoren hatten zur Folge, dass die Stellung der Klöster […] im mittelalterlichen Bierhandel kontinuierlich stieg und auch dann noch stark blieb, als das städtische Braugewerbe zu seinem Höchstflug ansetzte. […]

    Dass das Bier in den Klöstern beliebt war, liegt auf der Hand, denn auch unter den Bedingungen der mittelalterlichen Landwirtschaft ließ es sich in passablen Mengen produzieren. Dass es aber auch wertgeschätzt wurde, muss verwundern, denn im Reigen der alkoholischen Getränke konnte es nicht mit dem Wein konkurrieren; zumal dieser als grundsätzlicher Zentralbaustein des Abendmahls besonderes Ansehen genoss […]. Aber Wein war in der Produktion stets viel aufwendiger und damit auch teurer, sodass er vielerorts vornehmlich für das Abendmahl eingesetzt wurde und als Alltagsgetränk für die einfachen Brüder und Schwestern kaum infrage kam. Diese Schieflage scheint man bereits auf den Synoden von Aachen (816-819) erkannt zu haben, denn das Bier wurde hier als Heilgetränk deklariert. […]

    Wir können festhalten, dass Bierbrauerei und Bierkonsum integrativer Bestandteil des mittelalterlichen Klosterlebens waren. Die Bedeutung des Bieres nahm mit der Kommerzialisierung des Verkaufs und Ausschanks seit dem 11. Jahrhundert zu. Das Klosterbier war im Vergleich zum weltlich gebrauten Bier von guter Qualität. Der Konsum in den Klöstern war regelmäßig, aber stets eingebunden in eine feste Ordnung der Chronologie [= zeitliche Abfolge] und der Menge. Je höher der soziale Status eines Klosterbewohners war, desto mehr Bier stand ihm zu, was auch für Frauen galt. Eine besondere Bedeutung kam den Bieren in den Fastenzeiten zu: Als „flüssiges Brot“ waren sie beliebt, halfen die entbehrungsreichen Phasen – jeweils 40 Tage vor Weihnachten und vor Ostern – zu überstehen.

    Hirschfelder, Gunther und Manuel Trummer, Bier. Eine Geschichte von der Steinzeit bis heute. Darmstadt 2016, S. 110 ff.
  • Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
    Es ist der Vater mit seinem Kind;
    Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
    Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.


    Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? –
    Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
    Den Erlenkönig mit Kron' und Schweif? –
    Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. –


    Du liebes Kind, komm, geh mit mir!
    Gar schöne Spiele spiel' ich mit dir;
    Manch bunte Blumen sind an dem Strand;
    Meine Mutter hat manch gülden Gewand.


    Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
    Was Erlenkönig mir leise verspricht? –
    Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind!
    In dürren Blättern säuselt der Wind. –

    Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
    Meine Töchter sollen dich warten schön;
    Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
    Und wiegen und tanzen und singen dich ein.


    Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
    Erlkönigs Töchter am düstern Ort? –
    Mein Sohn, mein Sohn, ich seh es genau;
    Es scheinen die alten Weiden so grau. –


    Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
    Und bist du nicht willig, so brauch' ich Gewalt.

    Mein Vater, mein Vater, jetzt fasst er mich an!
    Erlkönig hat mir ein Leids getan! –


    Dem Vater grauset's, er reitet geschwind,
    Er hält in Armen das ächzende Kind,
    Erreicht den Hof mit Mühe und Not;
    In seinen Armen das Kind war tot.


    Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
    Es ist der Vater mit seinem Kind;
    Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
    Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.


    Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? –
    Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
    Den Erlenkönig mit Kron' und Schweif? –
    Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. –


    Du liebes Kind, komm, geh mit mir!
    Gar schöne Spiele spiel' ich mit dir;
    Manch bunte Blumen sind an dem Strand;
    Meine Mutter hat manch gülden Gewand.


    Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
    Was Erlenkönig mir leise verspricht? –
    Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind!
    In dürren Blättern säuselt der Wind. –

    Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
    Meine Töchter sollen dich warten schön;
    Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
    Und wiegen und tanzen und singen dich ein.


    Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
    Erlkönigs Töchter am düstern Ort? –
    Mein Sohn, mein Sohn, ich seh es genau;
    Es scheinen die alten Weiden so grau. –


    Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
    Und bist du nicht willig, so brauch' ich Gewalt.

    Mein Vater, mein Vater, jetzt fasst er mich an!
    Erlkönig hat mir ein Leids getan! –


    Dem Vater grauset's, er reitet geschwind,
    Er hält in Armen das ächzende Kind,
    Erreicht den Hof mit Mühe und Not;
    In seinen Armen das Kind war tot.

    http://www.handmann.phantasus.de/g_erlkoenig.html
  • Zu Dionys, dem Tyrannen, schlich Damon, den Dolch im Gewande:

    Ihn schlugen die Häscher in Bande,

    »Was wolltest du mit dem Dolche? sprich!«

    Entgegnet ihm finster der Wüterich.

    »Die Stadt vom Tyrannen befreien!«

    »Das sollst du am Kreuze bereuen.«

    »Ich bin«, spricht jener, »zu sterben bereit

    Und bitte nicht um mein Leben:

    Doch willst du Gnade mir geben,

    Ich flehe dich um drei Tage Zeit,

    Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit;

    Ich lasse den Freund dir als Bürgen,

    Ihn magst du, entrinn' ich, erwürgen.«

    Da lächelt der König mit arger List

    Und spricht nach kurzem Bedenken:

    »Drei Tage will ich dir schenken;

    Doch wisse, wenn sie verstrichen, die Frist,

    Eh' du zurück mir gegeben bist,

    So muss er statt deiner erblassen,

    Doch dir ist die Strafe erlassen.«

    Und er kommt zum Freunde: »Der König gebeut,

    Dass ich am Kreuz mit dem Leben

    Bezahle das frevelnde Streben.

    Doch will er mir gönnen drei Tage Zeit,

    Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit; So bleib du dem König zum Pfande,

    Bis ich komme zu lösen die Bande.«

    Und schweigend umarmt ihn der treue Freund

    Und liefert sich aus dem Tyrannen;

    Der andere ziehet von dannen.

    Und ehe das dritte Morgenrot scheint,

    Hat er schnell mit dem Gatten die Schwester vereint,

    Eilt heim mit sorgender Seele,

    Damit er die Frist nicht verfehle.

    Da gießt unendlicher Regen herab,

    Von den Bergen stürzen die Quellen,

    Und die Bäche, die Ströme schwellen.

    Und er kommt ans Ufer mit wanderndem Stab,

    Da reißet die Brücke der Strudel herab,

    Und donnernd sprengen die Wogen Dem Gewölbes krachenden Bogen.

    Und trostlos irrt er an Ufers Rand:

    Wie weit er auch spähet und blicket

    Und die Stimme, die rufende, schicket.

    Da stößet kein Nachen vom sichern Strand,

    Der ihn setze an das gewünschte Land,

    Kein Schiffer lenket die Fähre,

    Und der wilde Strom wird zum Meere.

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    Die Bürgschaft (Friedrich Schiller)

    Zu Dionys, dem Tyrannen, schlich Damon, den Dolch im Gewande:

    Ihn schlugen die Häscher in Bande,

    »Was wolltest du mit dem Dolche? sprich!«

    Entgegnet ihm finster der Wüterich.

    »Die Stadt vom Tyrannen befreien!«

    »Das sollst du am Kreuze bereuen.«

    »Ich bin«, spricht jener, »zu sterben bereit

    Und bitte nicht um mein Leben:

    Doch willst du Gnade mir geben,

    Ich flehe dich um drei Tage Zeit,

    Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit;

    Ich lasse den Freund dir als Bürgen,

    Ihn magst du, entrinn' ich, erwürgen.«

    Da lächelt der König mit arger List

    Und spricht nach kurzem Bedenken:

    »Drei Tage will ich dir schenken;

    Doch wisse, wenn sie verstrichen, die Frist,

    Eh' du zurück mir gegeben bist,

    So muss er statt deiner erblassen,

    Doch dir ist die Strafe erlassen.«

    Und er kommt zum Freunde: »Der König gebeut,

    Dass ich am Kreuz mit dem Leben

    Bezahle das frevelnde Streben.

    Doch will er mir gönnen drei Tage Zeit,

    Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit; So bleib du dem König zum Pfande,

    Bis ich komme zu lösen die Bande.«

    Und schweigend umarmt ihn der treue Freund

    Und liefert sich aus dem Tyrannen;

    Der andere ziehet von dannen.

    Und ehe das dritte Morgenrot scheint,

    Hat er schnell mit dem Gatten die Schwester vereint,

    Eilt heim mit sorgender Seele,

    Damit er die Frist nicht verfehle.

    Da gießt unendlicher Regen herab,

    Von den Bergen stürzen die Quellen,

    Und die Bäche, die Ströme schwellen.

    Und er kommt ans Ufer mit wanderndem Stab,

    Da reißet die Brücke der Strudel herab,

    Und donnernd sprengen die Wogen Dem Gewölbes krachenden Bogen.

    Und trostlos irrt er an Ufers Rand:

    Wie weit er auch spähet und blicket

    Und die Stimme, die rufende, schicket.

    Da stößet kein Nachen vom sichern Strand,

    Der ihn setze an das gewünschte Land,

    Kein Schiffer lenket die Fähre,

    Und der wilde Strom wird zum Meere.

    Friedrich Schiller
  • Q3: Deutsche in Amerika, erschienen 1953 in der Gartenlaube
    Und sei versichert, mein lieber Bruder, das Loos eines Einwanderers ist anfangs nicht

    beneidenswerth. Von ihren Leiden, die sie unterwegs ausgestanden, könnte man Bücher

    füllen. Im zweiten Jahre meines Hierseins kamen circa 10,000 Deutsche in New-York an,

    davon mußten 400 sogleich in’s Krankenhaus geschafft werden, mehr als 100 waren

    unterwegs gestorben. Ein in Amerika erschienenes Buch erzählt, daß auf dem Schiffe

    Pontiac von 230 Auswanderern 40 schon unterwegs in’s Meer versenkt wurden, die übrigen

    traten an’s Land gleich Leichen, von Hunger, Schmutz und Schlägen entstellt. Von den 66

    Deutschen dabei wurden 45 sogleich in’s Krankenhaus geschafft, einige starben, andere

    wurden wahnsinnig. Und mit der Ausschiffung hat leider die Noth dieser armen Leute

    noch nicht ein Ende. Glaube um Gottes Willen nicht, daß ich die Zustände schwärzer

    schildere, als sie sind, was ich Dir erzähle, ist leider nur zu wahr und Du wirst gut thun,

    Deinen Freunden, die hierher kommen, das Nöthige davon als Warnung mitzutheilen, damit

    sie nicht wie viele Andere durch ihre Unwissenheit und Leichtgläubigkeit in’s Unglück

    rennen. Wenn sich der Ankommende an der Humanität der amerikanischen Zollbeamten

    erfreut hat, die gar auffallend gegen das barsche Benehmen der deutschen und englischen

    Douaniers absticht, so wird er gleich darauf völlig erschreckt durch die Masse lärmender

    und grüßender Landsleute, die bei der Ankunft vom Lande aus das Schiff überschwemmen.

    Das ist der Abschaum der Menschheit, der hier dem Auswanderer entgegentritt. Diese

    verhärteten Strolche, die zur Schande des deutschen Namens nur in der Absicht kommen,

    die auszuschiffenden Landsleute auf die nichtswürdigste Weise zu hintergehen und ihnen

    das Wenige, was sie mitgebracht haben, vollends abzunehmen, sind das Unglück vieler

    Deutschen. Mit der freundlichsten Miene stürzen sie den einwandernden Landsleuten

    entgegen, begrüßen sie auf das herzlichste, nennen sie bei Namen, den sie irgendwie

    erfahren, und wissen durch gute Rathschläge, durch Gefälligkeiten aller Art, ja oft sogar

    durch augenblickliche kleine Geldopfer das Vertrauen der Ankommenden, die froh sind,

    einen so guten gefälligen Menschen in der Fremde gefunden zu haben, so vollständig zu

    gewinnen, daß diese sich unbedingt dem guten Landsmann anvertrauen. Der neue Freund

    zeigt ihnen auch mit aller Gefälligkeit die Sehenswürdigkeiten der Stadt, verspricht für gute

    Weiterbeförderung der Effekten Sorge zu tragen und lockt die Arglosen unter Vorspiegelung

    billiger Wohnung in einen entlegenen Stadttheil, wo in irgend einer unbekannten

    Winkelkneipe das Geschäft geordnet

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    Q3: Deutsche in Amerika, erschienen 1953 in der Gartenlaube
    Und sei versichert, mein lieber Bruder, das Loos eines Einwanderers ist anfangs nicht

    beneidenswerth. Von ihren Leiden, die sie unterwegs ausgestanden, könnte man Bücher

    füllen. Im zweiten Jahre meines Hierseins kamen circa 10,000 Deutsche in New-York an,

    davon mußten 400 sogleich in’s Krankenhaus geschafft werden, mehr als 100 waren

    unterwegs gestorben. Ein in Amerika erschienenes Buch erzählt, daß auf dem Schiffe

    Pontiac von 230 Auswanderern 40 schon unterwegs in’s Meer versenkt wurden, die übrigen

    traten an’s Land gleich Leichen, von Hunger, Schmutz und Schlägen entstellt. Von den 66

    Deutschen dabei wurden 45 sogleich in’s Krankenhaus geschafft, einige starben, andere

    wurden wahnsinnig. Und mit der Ausschiffung hat leider die Noth dieser armen Leute

    noch nicht ein Ende. Glaube um Gottes Willen nicht, daß ich die Zustände schwärzer

    schildere, als sie sind, was ich Dir erzähle, ist leider nur zu wahr und Du wirst gut thun,

    Deinen Freunden, die hierher kommen, das Nöthige davon als Warnung mitzutheilen, damit

    sie nicht wie viele Andere durch ihre Unwissenheit und Leichtgläubigkeit in’s Unglück

    rennen. Wenn sich der Ankommende an der Humanität der amerikanischen Zollbeamten

    erfreut hat, die gar auffallend gegen das barsche Benehmen der deutschen und englischen

    Douaniers absticht, so wird er gleich darauf völlig erschreckt durch die Masse lärmender

    und grüßender Landsleute, die bei der Ankunft vom Lande aus das Schiff überschwemmen.

    Das ist der Abschaum der Menschheit, der hier dem Auswanderer entgegentritt. Diese

    verhärteten Strolche, die zur Schande des deutschen Namens nur in der Absicht kommen,

    die auszuschiffenden Landsleute auf die nichtswürdigste Weise zu hintergehen und ihnen

    das Wenige, was sie mitgebracht haben, vollends abzunehmen, sind das Unglück vieler

    Deutschen. Mit der freundlichsten Miene stürzen sie den einwandernden Landsleuten

    entgegen, begrüßen sie auf das herzlichste, nennen sie bei Namen, den sie irgendwie

    erfahren, und wissen durch gute Rathschläge, durch Gefälligkeiten aller Art, ja oft sogar

    durch augenblickliche kleine Geldopfer das Vertrauen der Ankommenden, die froh sind,

    einen so guten gefälligen Menschen in der Fremde gefunden zu haben, so vollständig zu

    gewinnen, daß diese sich unbedingt dem guten Landsmann anvertrauen. Der neue Freund

    zeigt ihnen auch mit aller Gefälligkeit die Sehenswürdigkeiten der Stadt, verspricht für gute

    Weiterbeförderung der Effekten Sorge zu tragen und lockt die Arglosen unter Vorspiegelung

    billiger Wohnung in einen entlegenen Stadttheil, wo in irgend einer unbekannten

    Winkelkneipe das Geschäft geordnet

  • [...] Trotz der Tatsache, dass die meisten deutschen arbeitsfähigen Menschen in der anerkennenswertesten Weise ihre Kräfte für die Kriegswirtschaft bereits eingesetzt haben, müssen unter allen Umständen noch erhebliche Reserven gefunden und freigemacht werden. [...]

    Die Aufgabe und ihre Lösung  

    [...]

    A. Die Aufgabe:  

    1. Die Kriegslage hat die Einziehung neuer Soldaten zu allen Wehrmachtsteilen in gewaltigem Ausmaß notwendig gemacht.  

     

    Das bedeutet  

     a. die Herausnahme von Arbeitern aus allen gewerblichen Betrieben, vor allem auch von einer sehr großen Anzahl von Fachkräften aus kriegswichtigsten Rüstungswerken [...]

    4. Die deutsche Hausfrau [...] darf besonders als Mutter durch den Krieg in ihrer Gesundheit nicht geschädigt, sie muss daher [...] entlastet werden.  

    B. Die Lösung:

    [...]

    Alle schon in Deutschland befindlichen Kriegsgefangenen, [...] müssen [...] der deutschen Rüstungs- und Ernährungswirtschaft zugeführt [...] werden.

    [...]

    Es ist [...]  notwendig, die in den eroberten sowjetischen Gebieten vorhandenen Menschenreserven voll auszuschöpfen. Gelingt es nicht, die benötigten Arbeitskräfte auf freiwilliger Grundlage zu gewinnen, so muss [...] zur Zwangsverpflichtung geschritten werden.  

               

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    Fritz Sauckels Programm des Arbeitseinsatzes im April 1942.





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    Fritz Sauckels Programm des Arbeitseinsatzes im April 1942.

    [...] Trotz der Tatsache, dass die meisten deutschen arbeitsfähigen Menschen in der anerkennenswertesten Weise ihre Kräfte für die Kriegswirtschaft bereits eingesetzt haben, müssen unter allen Umständen noch erhebliche Reserven gefunden und freigemacht werden. [...]

    Die Aufgabe und ihre Lösung  

    [...]

    A. Die Aufgabe:  

    1. Die Kriegslage hat die Einziehung neuer Soldaten zu allen Wehrmachtsteilen in gewaltigem Ausmaß notwendig gemacht.  

     

    Das bedeutet  

     a. die Herausnahme von Arbeitern aus allen gewerblichen Betrieben, vor allem auch von einer sehr großen Anzahl von Fachkräften aus kriegswichtigsten Rüstungswerken [...]

    4. Die deutsche Hausfrau [...] darf besonders als Mutter durch den Krieg in ihrer Gesundheit nicht geschädigt, sie muss daher [...] entlastet werden.  

    B. Die Lösung:

    [...]

    Alle schon in Deutschland befindlichen Kriegsgefangenen, [...] müssen [...] der deutschen Rüstungs- und Ernährungswirtschaft zugeführt [...] werden.

    [...]

    Es ist [...]  notwendig, die in den eroberten sowjetischen Gebieten vorhandenen Menschenreserven voll auszuschöpfen. Gelingt es nicht, die benötigten Arbeitskräfte auf freiwilliger Grundlage zu gewinnen, so muss [...] zur Zwangsverpflichtung geschritten werden.  

               

    Quelle: Deutsche Geschichte in Dokumenten und Bilder, Fritz Sauckels Programm des Arbeitseinsatzes. Aufrufbar unter: http://germanhistorydocs.ghi-dc.org/docpage.cfm?docpage_id=2413.