• Künstliche Intelligenz - II
  • anonym
  • 07.11.2019
  • Ethik
  • 8
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  • Künstliche Intelligenz und Bewusstsein

    (Von Jochen Zielke)

           

    Die Zahl der Roboter wird weiter wachsen.  Wenn sie mit Menschen interagieren, sollten sie im Idealfall ein  Bewusstsein für ihre Umgebung und vielleicht sogar für sich selbst  besitzen. Vordenker der KI-Forschung halten das in Zukunft für möglich.

    Lässt sich Bewusstsein nachbilden?

    Wenn man davon ausgeht, dass das Gehirn  ein materielles Objekt ist, das den Gesetzen der Physik unterliegt,  dann müsste man Gehirnprozesse auch im Computer nachbilden können.  Vorausgesetzt, man hat die Prozesse genau genug analysiert.

    Sind Bewusstsein und Intelligenz  demnach nichts anderes als ein Prozess der Informationsverarbeitung?  Schon heute versteht man die grundlegenden Prozesse der  Informationsverarbeitung zwischen den Nervenzellen relativ gut.  Letztlich gleichen sie biochemisch dem Ja/Nein-Entscheidungsprozess, der auch in Mikrochips abläuft. Und es ist ja sogar schon in ersten, einfachen  Versuchen gelungen, Nervenstränge durch Mikrochips miteinander zu  verbinden. Wenn, wie manche Wissenschaftler glauben, Bewusstsein nicht  mehr als die Summe unserer Gehirnfunktionen ist, dann müsste sich auch  bei Robotern Bewusstsein erzeugen lassen. Künstliche neuronale Netze, die die Funktion des  menschlichen Gehirns nachahmen, sollen Roboter das Lernen ermöglichen.

    Bewusstsein als Meta-Ebene?

    Aber im Prinzip ist heute noch nicht klar, was den  menschlichen Geist oder menschliches Bewusstsein eigentlich ausmacht.  Vermutlich ist es eine Meta-Ebene, die in der Lage ist, die  Informationsverarbeitungsvorgänge in den einzelnen Gehirnzentren  übergeordnet zu betrachten und zu bewerten. Vielleicht kommt der Großhirnrinde diese Funktion  zu. Sie erhält Informationen aus den sensorischen und motorischen Arealen, die hauptsächlich in den Tiefen des Gehirns liegen. Andererseits verweisen viele Forscher auch darauf,  dass es eben rein strukturell ein übergeordnetes Zentrum im  menschlichen Gehirn nicht gibt, sondern dass alle Areale parallel  miteinander verschaltet sind. Ein "Ich"  – die Meta-Ebene – könnte dann vielleicht durch die sich ständig  verändernde, neue Bewertung von Situationen entstehen, die gleichzeitig  mit gespeichertem Wissen abgeglichen werden.

    Und im Prinzip wäre dies genau der Prozess, der in  Roboter-Gehirnen ablaufen soll. Manche KI-Forscher glauben, es sei gar  nicht nötig, genau zu wissen, was Bewusstsein ist und wie es entsteht.  Man könnte darüber vielleicht viel bei der Evolution eines maschinellen  Geistes lernen.

    Das Computerwesen "PSI"

    Kann eine Maschine Gefühle entwickeln? Der  Bamberger Psychologe Dietrich Dörner versucht über das von ihm  mitentwickelte Computerwesen "PSI" die Vorgänge in einem menschlichen  Gehirn nachzuvollziehen und zu verstehen, wie Geist, Wille und Gefühl  zusammenwirken. Er hat mit PSI ein Programm geschrieben, in dem  sich die Hypothesen über die im Menschen ablaufenden psychischen  Prozesse widerspiegeln.

    PSI ist ein Kunstwesen, das in einer künstlichen  Welt lebt. Auf einer ihm unbekannten Insel hat es eine Aufgabe zu  erledigen – es soll Nukleotide einsammeln. Es hat also ein Motiv,  darüber hinaus wurden ihm Emotionen  wie Ärger, Wut, Schmerzen oder Freude einprogrammiert. PSI kann auch  Durst oder Hunger empfinden und hat einen Selbsterhaltungstrieb. Ein neuronales Netzwerk macht PSI auf seinen  Erkundungsgängen lernfähig. Wenn PSI in seiner Computerlandschaft etwas  unternimmt, führt es gleichzeitig

  • auch Protokoll über sein äußeres  Verhalten und die Auswirkung auf seinen inneren Zustand. Es reflektiert also seine eigenen Handlungen und  modifiziert sie auch.

    COG – lernfähiger Jongleur

    Ohne Körper, meint der Vater des humanoiden Roboters "COG", Rodney Brooks,  kann sich keine Intelligenz entwickeln. Intelligenz ist nur dann nötig,  wenn sich ein Wesen in seiner sich ständig verändernden Umwelt  behaupten muss. Dies sei die Triebkraft für die Intelligenz-Entwicklung. Und so ist es nur folgerichtig, wenn Rodney Brooks  versucht, COG sich in menschlicher Umgebung entwickeln zu lassen. COG  hat Augen, Ohren und Hände. Er reagiert auf Sprache und ist dank  neuronaler Netze lernfähig. Das Jonglieren mit einer Metallspirale hat  er sich selbst beigebracht.

    Kismet zeigt Emotionen

    Kismet soll ebenfalls lernen, sich wie ein Mensch  zu verhalten. Dahinter steckt das Ziel, einmal einen Roboter zu  entwickeln, der als Serviceroboter zum Beispiel Pflegedienste übernimmt –  dabei auch mit Menschen spricht und zusammenarbeitet.

    Kismet besitzt ein Gesicht, das in der Lage ist  Emotionen auszudrücken. Er spricht und versteht Menschen, zeigt bereits  erste emotionale Reaktionen in Gesprächen mit Menschen. Kismet lernt von Menschen, so wie ein Kind immer  neue Informationen gewinnt und sie nachzuahmen beginnt. Ein gewisses Bewusstsein über seinen  Körper besitzt Wamoeba.

    Visionen für das nächste Jahrhundert

    Ein Ur-Vater der KI-Forschung, Marvin Minsky,  meinte schon früh: "Geist ist nichts weiter als ein Produkt aus  geistlosen, aber intelligent ineinandergeschachtelten Ober- und  Unterprogrammen." Für den Robotik-Querdenker Hans Moravec ist völlig  klar: "Die Umwandlung der unzulänglichen, biologischen in eine bessere,  digitale Lebensform steht unmittelbar bevor – wir werden alle zu  Robotern." Schon Mitte dieses Jahrhunderts werden viele  Implantate den vergänglichen menschlichen Körper leistungsfähiger  machen, glaubt Moravec. Und das sei nur der Anfang. Dem setzt ein anderer – ebenfalls heftig  umstrittener Vordenker der Szene – noch eins drauf: Ray Kurzweil  beschreibt in einem Fahrplan die Zukunft der Künstlichen Intelligenz.  Danach wird sie schon Ende dieses Jahrhunderts den Menschen als Krone  der Schöpfung ablösen.

    Wenn Maschinen nicht sogar die Kontrolle über  unseren Alltag übernehmen, könnten Menschen vielleicht ihren Geist  scannen und in einem Roboterkörper oder im Computer weiterleben.

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