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    Privater Brief und privater Geschäftsbrief

    Wie entwickeln sich die Briefkultur und die Briefformate?

    Der Liebesbrief 19 Jahrhundert
    Der Liebesbrief 19 Jahrhundert

    Im Zeitalter von SMS, E-Mail und sozialen Netzwerken ist das Schreiben von Briefen deutlich zurückgegangen. Und wie in anderen Fällen, in denen die Entwicklung der Mediengesellschaft sich auf bestimmte Kulturtechniken und Gewohnheiten bei der Kommunikation der Menschen miteinander auswirkt, hat sie auch vor der Briefkultur nicht haltgemacht.

    Das 18. Jahrhundert:
    Die Blütezeit des privaten Briefeschreibens

    Die Blütezeit privaten Briefeschreibens war wohl im 18. Jahrhundert und hängt mit bestimmten gesellschaftlichen Entwicklunngen zusammen. In dieser Zeit nämlich verloren die Menschen zusehends die Gewissheit, dass auf Erden alles nach Gottes Wille geschehe. Statt sich von der Kanzel sagen zu lassen, wo es lang ging, begannen immer mehr Menschen, die schreiben und lesen gelernt hatten, sich mit anderen über die Dinge des Lebens zu verständigen. Bis ins 18. Jahrhundert gab es das nämlich kaum. Und erst in diesem Jahrhundert wurde die Möglichkeit, vertraute "Gespräche per Brief" zeitversetzt zu führen, Kult und Ausdruck gepflegter Briefkultur. Insbesondere der Freundschaftskult jener Zeit - nie stand Freundschaft höher im Kurs - tat mit seiner Briefflut ein Übriges dazu, dass man geradezu von einem Briefzeitalter gesprochen hat. Von den Liebesbriefen ganz zu schweigen...Die große Zeit des Privatbriefes ist jedenfalls längst dahin, auch wenn das mancher Zeitgenosse bedauert. Das Ende des Briefzeitalters ist dabei schon im im 19. Jahrhundert eingeläutet worden. (vgl. Stauf 2010)

    Langsamer Niedergang der Briefkultur und "neue" Medien

    Wer die Zeichen der Zeit lesen konnte, dem ist nicht entgangen, dass schon im 19. Jahrhundert das Ende des Briefzeitalters eingeläutet worden ist. (vgl. Stauf 2010) Dabei ist es keineswegs so, dass die neuen Formen der Kommunikation alles das leisten, was dem privaten Brief zukommt.

    Wer E-Mails statt privater Briefe schreibt, lieber eine SMS versendet oder etwas in einem sozialen Netzwerk postet, dem geht es wahrscheinlich nicht so sehr darum, eine persönliche Aussprache zu suchen oder einen Sachverhalt genau zu erläutern. Hier geht es allem Anschein nach eher um die schnelle Mitteilung und Selbstdarstellung in aller Kürze und vom Partner wird auch weniger eine bedachtsame Antwort als eine umgehende Rückmeldung, und seien es bloß "Likes", erwartet.

    Und auch Blogs, die ähnlich wie das private Briefschreiben eine sehr subjektive Ausdrucksform darstellen, orientieren sich eher an einer tagebuchähnlichen Selbstdarstellung als an der Zuwendung zu einem Dialogpartner. (vgl. Schöttker 2010)

    Schon davor:
    Geschäftsbriefe zur urkundlichen Dokumentation

    Natürlich gab es auch lange vor der Entdeckung des Briefes für die private (Selbst-)Verständigung der Menchen schon "Geschäftsbriefe".

    Darin ging es um vielfältige Aktivitäten zwischen Regierungen, Institutionen und Geschäftsleuten. Vorzugweise dienten sie zur Information und dazu Vereinbartes schriftlich zu fixieren (urkundliche Dokumentation).

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    Die persönliche Handschrift für besondere Gelegenheiten

    Mit Sicherheit ist das private Briefschreiben auch in der modernen Mediengesellschaft nicht dem vollständigen Untergang geweiht.

    Wenn heute jeder per WhatsApp oder anderen Diensten Fotos und Videos versendet und versenden kann, muss das nicht das Ende der individuellen Handschrift sein. Es ist sogar denkbar, dass das herkömmliche Schreiben eines Briefs mit Papier und Tinte bei etlichen Menschen sogar wieder attraktiver und sogar exklusiver wird.

    Wer versteht, dass die Handschrift mehr als Gekritzel nämlich ein körperlicher und vollkommen individueller Ausdruckdes Menschen darstellt, der sie schreibt, wird vielleicht ihre Authentizität zu schätzen wissen. Ein allgemeiner Trend wird es wohl dennoch nicht werden.

    Der private Geschäfsbrief als Gebrauchstext

    Private Geschäftsbriefe sind so genannte Gebrauchstexte. Sie dienen bei "geschäftlichen Angelegenheiten" der schriftlichen Kommunikation zwischen Privatpersonen oder zwischen einer Privatperson und einer Institution, einer Körperschaft oder einem Unternehmen in einem offiziellen Rahmen.

    Dabei können private Geschäftsbriefe aus ganz unterschiedlichen Gründen geschrieben werden und ganz unterschiedliche Zwecke verfolgen. In der Regel gibt es dabei einen Hauptzweck, der mit dem Brief erreicht werden soll.

    Damit der private Geschäftsbrief überhaupt erreichen kann, was man mit ihm bezweckt, muss er so gestaltet sein, dass dem Empfänger des Schreibens dies unmissverständlich klar wird. Dabei kommt es auch besonders auf die Form an.

    Wer also eine Reklamation an einen Reiseveranstalter schreibt, weil das Urlaubshotel nicht den gebuchten Kategorien entsprochen hat, sollte sein Anliegen ohne Umschweife, aber mit den nötigen Informationen versehen, vorbringen. Vor allem muss der Verfasser eines Geschäftsbriefes ganz deutlich klar machen, was er von seinem Geschäftspartner erwartet.

    Das Beispiel zeigt, dass in einem Geschäftsbrief stets Handlungen vollzogen werden, die aufeinander bezogen und ggf. aufeinander abgestimmt sein müssen. Wer etwas bestellt, muss die entsprechenden Informationen zu dem Produkt genau angeben, wer ein Gerät während der Garantiezeit zurückschickt, muss in seinem Brief den Grund genau angeben und schreiben, was er von dem adressierten Unternehmen erwartet.

    Als offizielle Briefe dienen private Geschäftsbriefe nie ausschließlich der Kontaktpflege und heben sich damit grundlegend von Privatbriefen ab. Beide unterscheiden sich im Allgemeinen in Aufbau, Inhalt und (stilistischer) Form. Da ein privater Geschäftsbrief verwendet wird, um "offizielle" Beziehungen und "geschäftsmäßige" Sachverhalte zwischen Privatpersonen untereinander oder zwischen Privatpersonen und Unternehmen, Einrichtungen oder Körperschaften zu regeln, muss er auch den Gepflogenheiten bei der Gestaltung entsprechen, wie sie im Geschäftsverkehr üblich sind. Ein privater Brief kann als Mitteilung an einen oder mehrere Empfänger eigentlich ganz beliebig aussehen. Grundsätzlich betrachtet braucht ein solcher Brief nicht einmal eine Anrede, eine Unterschrift oder die Angabe des Briefdatums. Natürlich sehen private Briefe an unterschiedliche Leute und mit unterschiedlichen Zwecken auch anders aus. Der Brief an die eigenen Eltern ist eben nicht identisch mit einem Liebesbrief, der Tränen, Lippenabdrücke, Haarlocken und andere "Liebespfänder" aufnehmen kann, um seine Botschaft zu verdeutlichen.

    Demgegenüber ist der private Geschäftsbrief stark standardisiert. Er muss einfach bestimmte Angaben enthalten und eine bestimmte Form haben, damit er in den Geschäftsverkehr eingeordnet werden kann. Das sind z.B. Angaben zu Absender, Empfänger, Briefdatum, Briefzweck (Betreff), Anrede, Schlussformel, Anlagen und Unterschrift. Und selbstverständlich gehört zu einem privaten Geschäftsbrief auch ein Schreibstil, der sich von dem rein privater Ausführungen deutlich abhebt. Hier ist Standardsprache nicht Umgangssprache gefragt.

    Arbeitsanregungen:
    • Lesen Sie den Text und markieren Sie dabei wesentliche Gesichtspunkte.
    • Wie hat sich die Briefkultur entwickelt und wie wird die Entwicklung wohl weitergehen?

    Merkmale privater Geschäftsbriefe

    • regeln "offizielle" Beziehungen zwischen Privatpersonen und Geschäftspartnern,

    • zwischen Kunden und einer Firma etc.

    • besitzen einen individuellen Charakter

    • haben meist einen aktuellen Anlass

    • sind in ihrer äußeren Form mehr oder weniger standardisiert

    • müssen bestimmte Mindestinformationen enthalten (allerdings adressatenspezifische Unterschiede)

    • haben eine klare Gliederung (Abschnitte) sind in einer sachlichen Sprache verfasst

    • Lesen Sie den Text und markieren Sie dabei wesentliche Gesichtspunkte.
    • Wie hat sich die Briefkultur entwickelt und wie wird die Entwicklung wohl weitergehen?