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  • Deutsch
  • 9, 10, 1. Lehrjahr, 2. Lehrjahr, 3. Lehrjahr, B2
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    Erörterndes Schreiben

    Kommentierender Leserbrief

    Mit einem Leserbrief äußert sich im Allgemeinen ein Rezipient eines Offline- oder Online-Pressemediums in schriftlicher Form zu einem Artikel oder sonstigen Beitrag dieses Mediums.

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    Als schulische Schreibform kann man ihn zum erörternden Schreiben zählen, da mit ihm zu einem oder mehreren Problemen oder Sachverhalten kritisch Stellung genommen werden soll. Dieses Problem ist entweder allgemeiner Art oder ist in einem Text oder sonstigen Beitrag eines Pressemediums (z. B. Offline- oder Online-Zeitung oder Zeitschrift) publiziert.

    Die entweder bloß vorgestellte oder vorgegebene allgemeine Kommunikationssituation gibt dabei unter Auslassung einer in der realen Situation dazwischen geschalteten Redaktion vor, dass sich der Leserbrief an die allgemeine oder die Öffentlichkeit des jeweiligen Mediums richtet.

    Kritisch Stellung nehmen

    Beim kommentierenden Leserbrief, der sich je nach vorgegebener Kommunikationssituation und Referenztextbezugs mal eher der freien Erörterung/Problemerörterung oder mal eher der Texterörterung zuordnen lässt, wird eine kritische und vernunftorientierte Auseinandersetzung mit überzeugend angelegten Argumenten verlangt. Dazu gehören die Verwendung plausibler Argumentationsmuster, Begründungspflicht, sowie die redliche Bezugnahmen auf Gesagtes und implizit Vorausgesetztes logische Gültigkeit und Sachlichkeit. Dem Gebot der Sachlichkeit steht dabei nicht entgegen, dass auch der angemessene Ausdruck von Gefühlen, die z.B. der Missbilligung bestimmter Dinge Ausdruck verleihen, bei einem kommentierenden Leserbrief dazugehören. Gerade dieses expressive Schreiben, also die Artikulation von Gefühlen und ihre angemessene sprachlich-stilistische Gestaltung, macht einen der wesentlichen Unterschiede zu einer textbezogenen Stellungnahme aus, mit der der kommentierende Leserbrief aber teilt, dass am Ende kein ausgewogenes Sach- und Werturteil stehen muss, wie dies z. B. bei der Erörterung als schulischer Schreibform verlangt wird. Man darf also seinen Überzeugungen durchaus auch das eine oder andere Mal polemisch Nachdruck verleihen, solange damit keine Herabsetzungen anderer Personen verbunden sind. Der rhetorischer Giftschrank sollte allerdings auch für diese eher subjektive, teilweise expressive und tendenziell persuasive (überredende) Schreibform nicht extensiv genutzt werden, selbst wenn ihr eristische Argumentationstechniken in der Polemik nicht grundsätzlich versagt sein können. Nur: Bloßes, dazu noch suggestives Überreden im Sinne unfairen Argumentierens kann und wird niemals Schreibziel dieser schulischen Form des Leserbriefes sein.

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    Formen des kommentierenden Leserbriefs

    Je nach Art des Ausgangs-textes bzw. der Primär-äußerung lassen sich zwei verschiedene Formen von kommen-tierenden Leserbriefen unterscheiden (s. Abb.)

    • Der freie kommentierende Leserbrief setzt an einem Problem, einer Zeiterscheinung oder einem beliebigen Sachverhalt an und nimmt dazu Stellung. Das strittige Problem kann also auf unterschiedlichsten Sachverhalten etc. beruhen und muss sich nicht auf einen bestimmten Text oder eine bestimmte Primäräußerung beziehen.

    • Der textbezogene kommentierende Leserbrief orientiert sich dagegen eindeutig an Aussagen, die in textlicher – mündlicher oder schriftlicher – Form vorliegen und bezieht sich mit seiner Stellungnahme ausdrücklich auf den Inhalt, die Form oder die Bedeutung dieser Primäräußerung.

    Die Arbeitsschritte, mit denen man die Schreibaufgabe bei den beiden Formen des kommentierenden Leserbriefes in einem Schritt-für-Schritt-Schreiben bewältigen kann, sind unterschiedlich.

    Operator "Kritisch Stellung nehmen"

    Zu einzelnen Meinungen, Textaussagen, Problemstellungen eine auf der Grundlage fachlicher Kenntnisse und Einsichten beruhende, wertende Einschätzung abgeben, die nach kritischer Prüfung und sorgfältiger Abwägung der zu beachtenden Gesichtspunkte erfolgt.

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    So kann man Schritt für Schritt vorgehen

    Arbeitssschritte beim freien kommentierenden Lesebrief

    Äußert man sich zu einem freigewählten Problem oder irgendeiner Zeiterscheinung kann man den folgenden 5 Arbeitsschritten folgen, die mit Leitfragen versehen sind. Dabei verstehen sich die Arbeitsschritte als ein Vorschlag ohne Anspruch auf Verbindlichkeit.

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    So kann man Schritt für Schritt vorgehen

    Arbeitssschritte beim textbezogenen kommentierenden Lesebrief

    Die nachfolgende Abfolge von Arbeitsschritten ist ein Vorschlag, um die Schreibaufgabe in einem Schritt-für-Schritt-Schreiben zu bewältigen.

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    Beispielthema

    "Besaufen gehört einfach dazu"

    von Claudia Kester*





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    Eine Stadt im Ausnahmezustand: Zwischen 40 000 und 50 000 Mäschgerle feierten am "Schmotzge" (Schmutziger Donnerstag), dem Haupttag der Konstanzer Fasnacht, meist friedlich auf den Straßen des alten Stadtteils Niederburg. Das fröhliche Treiben wurde jedoch von einigen schweren Zwischenfällen getrübt. "Das sind Verhältnisse, die ich sonst nur aus dem Fernsehen vom Oktoberfest kenne", klagt Joachim Felgenhauer, Leiter des Polizeireviers Konstanz. Und dies nicht ohne Grund, denn die Bilanz der Konstanzer Polizei nach den närrischen Tagen fällt mehr als negativ aus: Doppelt so viele Straf- und Gewalttaten, darunter zahlreiche Körperverletzungen lassen aufhorchen. Und nicht nur die Zahl erschreckt. Felgenhauer meint über die Jahre hinweg beobachtet zu haben, dass Jugendliche immer gewaltbereiter geworden seien. "Und das liegt besonders an dem sinnlosen Alkoholkonsum vieler Jugendlicher" betont der Polizist. Hinzu kommt noch, dass die Alkoholleichen immer jünger werden. So wurde zum Beispiel schon am Donnerstagvormittag eine Fünfzehnjährige mit 1,7 Promille von der Polizei aufgegriffen - kein Ausnahmefall. Und immer mehr Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren greifen zu den "harten Sachen". So genannte Alcopos, Liköre mit hohem Alkoholgehalt, Wodka- oder Whiskymixgetränke werden vorwiegend bei den Teenies gefunden. "Ich habe mir Alkohol in einem Laden gekauft - das war kein Problem", gibt der Fünfzehnjährige Janick zu Protokoll, und: "Besaufen gehört einfach dazu." Andere prahlen unverhohlen damit, sich schon mal den Ausweis vom älteren Bruder besorgt zu haben, um an die begehrten hochprozentigen Sachen zu kommen. Und unisono gaben alle spontan befragten Jugendlichen zur Antwort, dass die Eltern von der ganzen Sauferei nichts mitbekommen hätten. Sie schlafen meist schon, heißt es, wenn ihre volltrunkenen Kinder nach Hause torkeln. Der Alkohol im Blut bringt aber längst nicht alle Jugendlichen dazu, "gut drauf zu sein", wie sie gerne sagen. Mit dem Anstieg des Alkoholpegels steigt bei manchen auch die Gewaltbereitschaft. Über 100 Notrufe nahm die Polizei am Donnerstag und und der Nacht zum Freitag entgegen. Neben insgesamt 12 Körperverletzungen, davon vier schwere, zählte die Polizei auch einige Sachschäden. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) wurde insgesamt 34 Mal gerufen und das Krankenhaus war mit Verletzten und Volltrunkenen so überfüllt, dass die Patienten auf Leintüchern in den Fluren der Klinik behandelt werden mussten. Kein Wunder, wenn man den 14jährigen Dario reden hört: "Wir haben uns am Schmutzigen Alkohol von Kollegen besorgt, die schon 18 sind. Dann habe ich getrunken, bis ich in der Ecke lag. An Fasnet muss man das machen, weil es Spaß macht. Wenn das meine Eltern mitbekommen würden, gäb's richtig Ärger." Ja, wenn ... Konjunktiv II eben!

    Eine Stadt im Ausnahmezustand: Zwischen 40 000 und 50 000 Mäschgerle feierten am "Schmotzge" (Schmutziger Donnerstag), dem Haupttag der Konstanzer Fasnacht, meist friedlich auf den Straßen des alten Stadtteils Niederburg. Das fröhliche Treiben wurde jedoch von einigen schweren Zwischenfällen getrübt. "Das sind Verhältnisse, die ich sonst nur aus dem Fernsehen vom Oktoberfest kenne", klagt Joachim Felgenhauer, Leiter des Polizeireviers Konstanz. Und dies nicht ohne Grund, denn die Bilanz der Konstanzer Polizei nach den närrischen Tagen fällt mehr als negativ aus: Doppelt so viele Straf- und Gewalttaten, darunter zahlreiche Körperverletzungen lassen aufhorchen. Und nicht nur die Zahl erschreckt. Felgenhauer meint über die Jahre hinweg beobachtet zu haben, dass Jugendliche immer gewaltbereiter geworden seien. "Und das liegt besonders an dem sinnlosen Alkoholkonsum vieler Jugendlicher" betont der Polizist. Hinzu kommt noch, dass die Alkoholleichen immer jünger werden. So wurde zum Beispiel schon am Donnerstagvormittag eine Fünfzehnjährige mit 1,7 Promille von der Polizei aufgegriffen - kein Ausnahmefall. Und immer mehr Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren greifen zu den "harten Sachen". So genannte Alcopos, Liköre mit hohem Alkoholgehalt, Wodka- oder Whiskymixgetränke werden vorwiegend bei den Teenies gefunden. "Ich habe mir Alkohol in einem Laden gekauft - das war kein Problem", gibt der Fünfzehnjährige Janick zu Protokoll, und: "Besaufen gehört einfach dazu." Andere prahlen unverhohlen damit, sich schon mal den Ausweis vom älteren Bruder besorgt zu haben, um an die begehrten hochprozentigen Sachen zu kommen. Und unisono gaben alle spontan befragten Jugendlichen zur Antwort, dass die Eltern von der ganzen Sauferei nichts mitbekommen hätten. Sie schlafen meist schon, heißt es, wenn ihre volltrunkenen Kinder nach Hause torkeln. Der Alkohol im Blut bringt aber längst nicht alle Jugendlichen dazu, "gut drauf zu sein", wie sie gerne sagen. Mit dem Anstieg des Alkoholpegels steigt bei manchen auch die Gewaltbereitschaft. Über 100 Notrufe nahm die Polizei am Donnerstag und und der Nacht zum Freitag entgegen. Neben insgesamt 12 Körperverletzungen, davon vier schwere, zählte die Polizei auch einige Sachschäden. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) wurde insgesamt 34 Mal gerufen und das Krankenhaus war mit Verletzten und Volltrunkenen so überfüllt, dass die Patienten auf Leintüchern in den Fluren der Klinik behandelt werden mussten. Kein Wunder, wenn man den 14jährigen Dario reden hört: "Wir haben uns am Schmutzigen Alkohol von Kollegen besorgt, die schon 18 sind. Dann habe ich getrunken, bis ich in der Ecke lag. An Fasnet muss man das machen, weil es Spaß macht. Wenn das meine Eltern mitbekommen würden, gäb's richtig Ärger." Ja, wenn ... Konjunktiv II eben!

    (nach: Anzeiger, Nr.6, 9. Februar 2005,

    *Name der Autorin frei erfunden

    Arbeitsanregungen

    Konstanz Hemdglonker 1908
    Konstanz Hemdglonker 1908

    Verfassen Sie einen kommentierenden Leserbrief zu dem Artikel von Claudia Kester und setzen Sie sich dabei mit den Positionen der Verfasserin kritisch auseinander.

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    Beispielthema

    Kommentierender Leserbrief zu Claudia Kester*, "Besaufen gehört einfach dazu"

    Musterlösung





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    Durchmachen lautet die Devise: Die Eltern schlafen durch, die Kinder saufen sich durch! So sieht dies Claudia Kester in ihrem Artikel "Besaufen gehört einfach dazu." vom 9.2.05 nach der Nacht der Nächte der Konstanzer Straßenfastnacht. Aber Eltern glänzen nicht nur durch Nichtstun, sondern machen häufig munter mit! Wenn Claudia Kester mit spürbarer Erschütterung zur Kenntnis bringt, dass Eltern, wenn ihre Kinder nachts betrunken noch Hause kommen, meist davon gar nichts mitbekommen, weil sie schon längst schlafen, dann ist dies meines Erachtens nur die halbe Wahrheit. Denn unter den 40 000 bis 50 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern finden sich viele Erwachsene, darunter natürlich auch eine Vielzahl von Eltern mit Kindern unterschiedlichen Alters, die dem Alkohol ebenso bis zum Umfallen zusprechen. Wenn die Alten saufen, warum dann nicht die Jungen? Tolle Vorbilder, mir wird schlecht. Wie kann man es bei solchen Vorbildern den Jugendlichen dann verübeln Gleiches zu tun? Und: Wer genau hinsieht, dem entgeht auch nicht, dass es häufig Erwachsene sind, die Minderjährige bei solchen Anlässen zum Saufen anstiften. Besoffene Rabeneltern: Ist doch immer wieder ein Riesenspaß mit anzusehen, wie so ein nettes kleines Ding unter den Tisch getrunken wird, oder? Und leider "verschlafen" Eltern zu Hause im Allgemeinen nicht, wenn es ihre Kids zum "Kampfsaufen" ins Fasnachtsgetümmel treibt. Denn bei jungen Leuten, die auf ihr Geld achten müssen, ist längst klar, dass ihnen während der Fastnacht überall mit überhöhten Preisen für Getränke das Geld aus den Taschen gezogen werden soll. Und weil solche Einsicht offenbar von wirtschaftlicher Vernunft zeugt, machen Eltern noch ehe die Kinder aus dem Haus gehen, oftmals gerne beide Augen zu, wenn der Sprössling, um Geld zu sparen und im Budget zu bleiben, das Haus am frühen Abend verlässt, um mit einem billigen Sixpack aus dem Penny oder einer billigen Flasche Fusel aus dem nahen Aldi ein paar Minuten später wieder nach Hause zurückzukehren. "Vorsaufen" nennt sich das, was sich dann in den eigenen vier Wänden abspielt: Erst wird der Sixpack noch zu Hause niedergemacht, ehe man sich dann, "schon gut drauf", ins Getümmel stürzt. Dort reichen dann ein paar Kurze aus und das Ziel ist erreicht. Wer dem Alkoholmissbrauch von Kindern und Jugendlichen begegnen will, muss bei den Eltern anfangen, das ist meine felsenfeste Überzeugung. Ohne ihr Vorbild und ihre Aufmerksamkeit für die Interessen und Sorgen ihrer Kinder werden die Berichte über Städte im Ausnahmezustand nicht abnehmen. Wer der Polizei die Arbeit erleichtern will, muss zuerst einmal zu Hause anpacken.

    Durchmachen lautet die Devise: Die Eltern schlafen durch, die Kinder saufen sich durch! So sieht dies Claudia Kester in ihrem Artikel "Besaufen gehört einfach dazu." vom 9.2.05 nach der Nacht der Nächte der Konstanzer Straßenfastnacht. Aber Eltern glänzen nicht nur durch Nichtstun, sondern machen häufig munter mit! Wenn Claudia Kester mit spürbarer Erschütterung zur Kenntnis bringt, dass Eltern, wenn ihre Kinder nachts betrunken noch Hause kommen, meist davon gar nichts mitbekommen, weil sie schon längst schlafen, dann ist dies meines Erachtens nur die halbe Wahrheit. Denn unter den 40 000 bis 50 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern finden sich viele Erwachsene, darunter natürlich auch eine Vielzahl von Eltern mit Kindern unterschiedlichen Alters, die dem Alkohol ebenso bis zum Umfallen zusprechen. Wenn die Alten saufen, warum dann nicht die Jungen? Tolle Vorbilder, mir wird schlecht. Wie kann man es bei solchen Vorbildern den Jugendlichen dann verübeln Gleiches zu tun? Und: Wer genau hinsieht, dem entgeht auch nicht, dass es häufig Erwachsene sind, die Minderjährige bei solchen Anlässen zum Saufen anstiften. Besoffene Rabeneltern: Ist doch immer wieder ein Riesenspaß mit anzusehen, wie so ein nettes kleines Ding unter den Tisch getrunken wird, oder? Und leider "verschlafen" Eltern zu Hause im Allgemeinen nicht, wenn es ihre Kids zum "Kampfsaufen" ins Fasnachtsgetümmel treibt. Denn bei jungen Leuten, die auf ihr Geld achten müssen, ist längst klar, dass ihnen während der Fastnacht überall mit überhöhten Preisen für Getränke das Geld aus den Taschen gezogen werden soll. Und weil solche Einsicht offenbar von wirtschaftlicher Vernunft zeugt, machen Eltern noch ehe die Kinder aus dem Haus gehen, oftmals gerne beide Augen zu, wenn der Sprössling, um Geld zu sparen und im Budget zu bleiben, das Haus am frühen Abend verlässt, um mit einem billigen Sixpack aus dem Penny oder einer billigen Flasche Fusel aus dem nahen Aldi ein paar Minuten später wieder nach Hause zurückzukehren. "Vorsaufen" nennt sich das, was sich dann in den eigenen vier Wänden abspielt: Erst wird der Sixpack noch zu Hause niedergemacht, ehe man sich dann, "schon gut drauf", ins Getümmel stürzt. Dort reichen dann ein paar Kurze aus und das Ziel ist erreicht. Wer dem Alkoholmissbrauch von Kindern und Jugendlichen begegnen will, muss bei den Eltern anfangen, das ist meine felsenfeste Überzeugung. Ohne ihr Vorbild und ihre Aufmerksamkeit für die Interessen und Sorgen ihrer Kinder werden die Berichte über Städte im Ausnahmezustand nicht abnehmen. Wer der Polizei die Arbeit erleichtern will, muss zuerst einmal zu Hause anpacken.

    Arbeitsanregungen

    Untersuchen Sie den kommentierenden Leserbrief zu dem Zeitungsbericht von Claudia Kester, Besaufen gehört einfach dazu.

    1. Zeigen Sie, auf welche Aussagen des Originaltextes Bezug genommen wird.

    2. Wie ist der Leserbrief aufgebaut?

    3. Was kennzeichnet die sprachlich-stilistische Gestaltung des Leserbriefes?

    4. Nehmen Sie zu dem obigen Leserbrief in einem weiteren Leserbrief kritisch Stellung. Versetzen Sie sich dabei in die Rolle eines Vaters, der nicht sieht, wie er seinen 16jährigen Sohn noch beeinflussen kann.

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    Beispielthema

    Der Körperkult treibt weiter Blüten

    von Hemuth Zuntger*





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    Die einen fahren jeden Sommer ans Meer zum Baden, die anderen leisten sich teure Klamotten oder kaufen sich alle paar Jahre ein nagelneues Auto. Malinee Müller, Mitte dreißig aus Zürich, gibt ihr Geld lieber für das eigene Gesicht aus: Sie lässt sich regelmäßig von einem Fachmann die Haut glätten. Davon verspricht sie sich mehr Lebensqualität. "Meine Schönheit und mein jugendliches Aussehen aufrechtzuerhalten, ist meine Art der Selbstverwirklichung", sagt Müller. Um dies zu erreichen, reist die Theologiestudentin und Bankangestellte mehrmals im Jahr zum Dermatologen1 Max König nach Bern. Von ihm lässt sie sich kleine Fältchen und die Lippen unterspritzen. Sie erklärt: "Ich wünsche mir, dass alle Frauen ihre Möglichkeiten kennen, das Beste aus ihrem Aussehen herauszuholen - auch ohne Narkose und mit nicht allzu viel Geld." Immer mehr Menschen denken so wie Malinee Müller. Ihrer Schönheit operativ nachgeholfen hat schon jede 40. Schweizerin, und jede zehnte würde es tun, wenn es billiger wäre. Der Grund: Die Ergebnisse können sich mehr denn je sehen lassen. Sie sind natürlicher geworden und zwar insofern, dass die Veränderungen immer weniger als Folge eines Kunstgriffs erkennbar sind. "In den letzten fünf Jahren haben wir enorme Fortschritte gemacht", sagt der plastische Chirurg Christoph Wolfensberger, "besonders die Narben sind heute so fein und gut versteckt, dass man sie kaum sieht." Der Arzt verschönert jedes Jahr ungefähr 500 Menschen. Und was besonders bemerkenswert ist: Es sind immer häufiger junge Frauen - und Männer. "Sie lassen sich meist Tränensäcke entfernen oder ein Hautpeeling machen", sagt Wolfensberger. "In Kalifornien lassen sich die Patienten neuerdings Waden, Gesäß oder - jetzt auch Männer - die Brust mit Silikon aufpolstern." Malinee Müller kümmert sich um Gesicht und Körper schon immer mit gesunder Ernährung und konsequenter Pflege. Müller: "Aber nicht alles kann man selber beeinflussen. Und so wie man von einem kulturellen Angebot Gebrauch macht, um das Leben zu versüßen, kann man auch die Hilfe eines Chirurgen beanspruchen. Wichtig ist, kritisch zu bleiben und die Grenzen zu sehen." Auch Wolfensberger glaubt, dass der Stellenwert von Äußerlichkeiten unterschätzt wird: "Gutes Aussehen wird oft bagatellisiert und als oberflächliche Angelegenheit abgetan. Dabei ist der Schönheitskult eine logische Folge von Design- und Stylingbemühungen bei Gegenständen." Offenbar stehen wir eher dazu, dass wir schöne Designgegenstände schätzen als schöne Menschen.

    Die einen fahren jeden Sommer ans Meer zum Baden, die anderen leisten sich teure Klamotten oder kaufen sich alle paar Jahre ein nagelneues Auto. Malinee Müller, Mitte dreißig aus Zürich, gibt ihr Geld lieber für das eigene Gesicht aus: Sie lässt sich regelmäßig von einem Fachmann die Haut glätten. Davon verspricht sie sich mehr Lebensqualität. "Meine Schönheit und mein jugendliches Aussehen aufrechtzuerhalten, ist meine Art der Selbstverwirklichung", sagt Müller. Um dies zu erreichen, reist die Theologiestudentin und Bankangestellte mehrmals im Jahr zum Dermatologen1 Max König nach Bern. Von ihm lässt sie sich kleine Fältchen und die Lippen unterspritzen. Sie erklärt: "Ich wünsche mir, dass alle Frauen ihre Möglichkeiten kennen, das Beste aus ihrem Aussehen herauszuholen - auch ohne Narkose und mit nicht allzu viel Geld." Immer mehr Menschen denken so wie Malinee Müller. Ihrer Schönheit operativ nachgeholfen hat schon jede 40. Schweizerin, und jede zehnte würde es tun, wenn es billiger wäre. Der Grund: Die Ergebnisse können sich mehr denn je sehen lassen. Sie sind natürlicher geworden und zwar insofern, dass die Veränderungen immer weniger als Folge eines Kunstgriffs erkennbar sind. "In den letzten fünf Jahren haben wir enorme Fortschritte gemacht", sagt der plastische Chirurg Christoph Wolfensberger, "besonders die Narben sind heute so fein und gut versteckt, dass man sie kaum sieht." Der Arzt verschönert jedes Jahr ungefähr 500 Menschen. Und was besonders bemerkenswert ist: Es sind immer häufiger junge Frauen - und Männer. "Sie lassen sich meist Tränensäcke entfernen oder ein Hautpeeling machen", sagt Wolfensberger. "In Kalifornien lassen sich die Patienten neuerdings Waden, Gesäß oder - jetzt auch Männer - die Brust mit Silikon aufpolstern." Malinee Müller kümmert sich um Gesicht und Körper schon immer mit gesunder Ernährung und konsequenter Pflege. Müller: "Aber nicht alles kann man selber beeinflussen. Und so wie man von einem kulturellen Angebot Gebrauch macht, um das Leben zu versüßen, kann man auch die Hilfe eines Chirurgen beanspruchen. Wichtig ist, kritisch zu bleiben und die Grenzen zu sehen." Auch Wolfensberger glaubt, dass der Stellenwert von Äußerlichkeiten unterschätzt wird: "Gutes Aussehen wird oft bagatellisiert und als oberflächliche Angelegenheit abgetan. Dabei ist der Schönheitskult eine logische Folge von Design- und Stylingbemühungen bei Gegenständen." Offenbar stehen wir eher dazu, dass wir schöne Designgegenstände schätzen als schöne Menschen.

    (nach: Brückenbauer 9, 26.2.2002), *Name des Autors frei erfunden

    Arbeitsanregungen

    Verfassen Sie einen kommentierenden Leserbrief zu dem Artikel von Helmuth Zuntger* und setzen Sie sich dabei mit den Positionen desV erfasserskritisch auseinander.

  • https://www.tutory.de/w/4404f500

    Beispielthema

    Kommentierender Leserbrief zu Helmuth Zuntger, Der Körperkult treibt weiter Blüten

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    Nach dem Designer-Tisch nun auch der Designer-Mensch? - Nein, danke! Was Herr Wolfensberger in dem Artikel von Helmuth Zuntger "Der Körperkult treibt weiter Blüten" im "Brückenbauer" Nr. 9 vom 26.2.2002 zur Legitimation von Schönheitsoperationen heranzieht, spottet jeder Beschreibung. Da erscheinen Schönheitsoperationen einfach als "logische Folge von Design und Stylingbemühungen bei Gegenständen", einer Meinung, der im Übrigen auch der Autor des Artikels beizupflichten scheint. Ich frage mich, kommt also nach dem Designer-Stuhl, dem Designer-Tisch und dem Designer-Bett nun etwa der Designer-Mensch, das Designer-Gesicht, die Designer-Nase und der Designer-Hintern auf uns zu? Hinter diesen als "logische Folge" ausgegebenen Konsequenzen steht ein Menschenbild, das die Menschenwürde missachtet, indem es den Menschen mit einer Sache vergleichbar macht. Die Aufgabe eines Designer-Stuhls ist eben, jedenfalls in den meisten Fällen, wohl dem Menschen eine Sitzgelegenheit anzubieten und dazu unter dem Einfluss schnell wechselnder Moden zu gefallen. Die Funktionalität des Dinges jedenfalls steht von vornherein fest. Mag das Designobjekt, wenn es als Einzelstück hergestellt worden ist, auch eine gewisse Einzigartigkeit besitzen, Individualität, wie es die Natur beim Herausbilden des einzelnen Menschen bewirkt, schafft das Design eben nicht. Denn in Wahrheit ist es ja gerade andersherum: Wer sich den "Design"-Vorstellungen des Schönheitskultes unterwirft, der gibt seine individuelle Schönheit preis, zugunsten fragwürdiger Schönheitsideale einer Schönheitsindustrie, die ihre Gewinne mit einem Bombardement von offenkundiger und verschleierter "Schönheitswerbung" in den Medien einfährt. Darin erscheint dann auch das Herumschneiden im Gesicht, an Brust und Hintern als "natürliches Streben" nach Schönheit. In der Tat: Wer sich am Schönheitswahn nicht eine goldene Nase verdienen will, tut gut daran, zumindest jenes von kommerziellen Interessen diktierte "gute Aussehen" zu "bagatellisieren". Die Designer-Brust mit Körbchengröße XXL für menschliche Kunstprodukte aus Hollywood, die aufgespritzten Lippen ältlicher Damen oder, von mir aus auch, die unterspritzten Muskelprotze männlicher Art gleichen sich eben wie ein (faules) Ei dem anderen, äußerlich wie wohl auch charakterlich, dank ihres verräterischen Designs.

    Nach dem Designer-Tisch nun auch der Designer-Mensch? - Nein, danke! Was Herr Wolfensberger in dem Artikel von Helmuth Zuntger "Der Körperkult treibt weiter Blüten" im "Brückenbauer" Nr. 9 vom 26.2.2002 zur Legitimation von Schönheitsoperationen heranzieht, spottet jeder Beschreibung. Da erscheinen Schönheitsoperationen einfach als "logische Folge von Design und Stylingbemühungen bei Gegenständen", einer Meinung, der im Übrigen auch der Autor des Artikels beizupflichten scheint. Ich frage mich, kommt also nach dem Designer-Stuhl, dem Designer-Tisch und dem Designer-Bett nun etwa der Designer-Mensch, das Designer-Gesicht, die Designer-Nase und der Designer-Hintern auf uns zu? Hinter diesen als "logische Folge" ausgegebenen Konsequenzen steht ein Menschenbild, das die Menschenwürde missachtet, indem es den Menschen mit einer Sache vergleichbar macht. Die Aufgabe eines Designer-Stuhls ist eben, jedenfalls in den meisten Fällen, wohl dem Menschen eine Sitzgelegenheit anzubieten und dazu unter dem Einfluss schnell wechselnder Moden zu gefallen. Die Funktionalität des Dinges jedenfalls steht von vornherein fest. Mag das Designobjekt, wenn es als Einzelstück hergestellt worden ist, auch eine gewisse Einzigartigkeit besitzen, Individualität, wie es die Natur beim Herausbilden des einzelnen Menschen bewirkt, schafft das Design eben nicht. Denn in Wahrheit ist es ja gerade andersherum: Wer sich den "Design"-Vorstellungen des Schönheitskultes unterwirft, der gibt seine individuelle Schönheit preis, zugunsten fragwürdiger Schönheitsideale einer Schönheitsindustrie, die ihre Gewinne mit einem Bombardement von offenkundiger und verschleierter "Schönheitswerbung" in den Medien einfährt. Darin erscheint dann auch das Herumschneiden im Gesicht, an Brust und Hintern als "natürliches Streben" nach Schönheit. In der Tat: Wer sich am Schönheitswahn nicht eine goldene Nase verdienen will, tut gut daran, zumindest jenes von kommerziellen Interessen diktierte "gute Aussehen" zu "bagatellisieren". Die Designer-Brust mit Körbchengröße XXL für menschliche Kunstprodukte aus Hollywood, die aufgespritzten Lippen ältlicher Damen oder, von mir aus auch, die unterspritzten Muskelprotze männlicher Art gleichen sich eben wie ein (faules) Ei dem anderen, äußerlich wie wohl auch charakterlich, dank ihres verräterischen Designs.

    Botox Barbie. This neighborhood is hoppin'!
    Botox Barbie. This neighborhood is hoppin'!

    Arbeitsanregungen

    Analysieren Sie den kommentierenden Leserbrief zu dem Zeitungsbericht von Helmuth Zuntger, Der Körperkult treibt weiter Blüten.

    1. Zeigen Sie, auf welche Aussagen des Originaltextes Bezug genommen wird.

    2. Wie ist der Leserbrief aufgebaut?

    3. Was kennzeichnet die sprachlich-stilistische Gestaltung des Leserbriefes?

    4. Nehmen Sie zu dem obigen Leserbrief in einem weiteren Leserbrief Stellung. Versetzen Sie sich dabei in die Rolle einer Mutter, die ihre 18-jährige Tochter vor einer Brustvergrößerung abgeraten hat.