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  • Deutsch
  • 9, 10, 11, 3. Lehrjahr, B2, C1
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    Aussageweisen finiter Verbformen

    Konjunktiv II

    Der Konjunktiv II ist der Modus der finiten Verbformen, mit dem man im Allgemeinen ausdrückt, dass der Sprecher das, was er sagt, nicht für wirklich hält oder meint, dass die dafür nötigen Bedingungen nicht erfüllt sind.

    1. Der Konjunktiv II als Ausdruck der Irrealität und Ungewissheit

    Der Konjunktiv II steht hauptsächlich für das nur Vorgestellte, bloß Gedachte und damit letztlich Irreale.

    Abb.1
    Abb.1
    Abb.2
    Abb.2

    Die Äußerung des Mannes zeigt, dass er sich lediglich vorstellt, wie es wäre, wenn seine Partnerin sich über den Kauf eines Autos freuen würde.

    Die Frau bringt ihre Aussage im gleichen Sinn und damit auch gleichen Modus der Nichtwirklichkeit (Irrealität) als Antwort zum Ausdruck.

    2. Der Konjunktiv II als Ausdruck der Höflichkeit und Unverbindlichkeit

    Neben der oben dargestellten Verwendung taucht der Konjunktiv II auch in Formulierungen auf, die als besonders höflich gelten sollen:

    • Ich wünschte, dass Sie mir jetzt einmal alle genau zuhörten.

    • Es wäre so auf jeden Fall zu überlegen.

    • Wir würden uns glücklich schätzen, wenn wir Sie als Gäste begrüßen dürften.

    • Hätten Sie vielleicht noch ein Stückchen Kuchen für mich?

    Setzt man die obigen Sätze in den Indikativ (z.B. Wir sind glücklich, wenn wir sie als Gäste begrüßen dürfen), so spürt man gleich, dass sie irgendwie direkter, schroffer und härter klingen und ankommen. (vgl. DUDEN Grammatik 1973, S. 103)

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    3. Der Konjunktiv II als Understatement

    Wenn man etwas in seiner Wichtigkeit zurücknehmen will, kann der Konjunktiv II auch verwendet werden.

    Dies erkennt man beispielsweise an den nebenstehenden Äußerungen.

    4. Der Konjunktiv II als Ersatzform bei der indirekten Rede (Ersatzregel)

    Der Konjunktiv II spielt auch als Ersatzform bei nicht eindeutigen und missverständlichen Formen des Konjunktiv I in der indirekten Rede eine große Rolle.

    In den Fällen, in denen sich die Indikativ-Präsens-Formen nicht von den Konjunktiv-I-Formen unterscheiden, übernehmen die entsprechenden Konjunktiv-II-Formen die Aufgabe, die indirekte Wiedergabe kenntlich zu machen.

    Die folgenden Beispiele verdeutlichen diesen Sachverhalt:

    1. Die Bedienung beklagte, dass die Kunden bei den hohen Getränkepreisen kaum noch Trinkgeld geben.

    2. Die Bedienung beklagte, dass die Kunden bei den hohen Getränkepreisen kaum noch Trinkgeld gäben.

    Der Unterschied zwischen beiden Äußerungen ist nicht unerheblich. Nur im zweiten Beispiel ist klar ausgedrückt, dass der Sprecher eine Äußerung der Bedienung wiedergibt. Im ersten Beispiel könnte es sich genau so gut um die Meinung des Sprechers handeln, die zwar mit der der Bedienung übereinstimmt, aber nicht in jedem Fall so von der Bedienung geäußert worden sein muss. Grundsätzlich betrachtet sollte man daher in solchen Fällen die entsprechenden Ersatzformen verwenden.

    Die Ersatzregel ist nicht wirklich zwingend

    Man muss die Ersatzregel aber bei der indirekten Rede nicht unbedingt verwenden, weil bei der indirekten Wiedergabe meistens noch weitere Signale (Wiedergabeindizes) wie z. B. redeeinleitende Verben und Formulierungen, Parenthesen verwendet werden. (vgl. Engel, Ulrich: Deutsche Grammatik, Heidelberg: Julius Groos Verlag 1988;1996, S.112)

    Die Konjunktive oft ohne Bedeutungsunterschied

    Oft hängt es einfach vom Kontext ab, ob der Konjunktiv I oder II verwendet wird. In öffentlichen, Situationen ist der Konj II eher gebräuchlich als in nicht-öffentlichen Situationen. Zudem; Der Konjunktiv II ist nicht immer eindeutig: in wiedergegebenen Texten ist z. B. oft unklar, ob die Primäräußerung selbst schon im Konjunktiv II stand oder nicht. (vgl. Bausch, K.-H. (1975): Die situationsspezifische Variation der Modi in der indirekten Rede, DS 3, S. 332-344)

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    So wird der Konjunktiv II gebildet

    Die Formen des Konjunktiv II werden aus dem Präteritalstamm (3.Stammform des Verbs) gebildet. Bei den schwachen Verben wird an diesen Stamm, wenn in der vorliegenden Verbindung nicht schon ein e enthalten ist, ein e angehängt.

    Alltagssprachlich schon mal würde, schriftsprachlich aber Konjunktiv II

    Da die Indikativ-Formen des Präteritums mit den Konjunktiv-II-Formen (des Präteritums) bei den meisten schwachen Verben übereinstimmen, wird hier meistens die weniger elegant wirkende würde-Umschreibung des Konditional benutzt, um Zweideutigkeiten zu vermeiden. Ansonsten sollte man, zumindest im schriftsprachlichen Bereich die Konjunktiv-II-Formen verwenden.

    Bei den starken Verben werden die Vokale, die in einen Umlaut umgewandelt werden können, entsprechend umgelautet. Dies betrifft die Vokale a, au, o, u.

    Bei vielen starken Verben stimmen aber auch die mit den Personal- formen wir und sie verbundenen Formen des Präteritums mit denen des Konjunktiv II überein.

    Daher kommt auch in diesen Fällen die würde-Umschreibung des Konditional zum Zuge.

    Daneben gibt es auch noch weitere Formen des Konjunktiv II wie: lief-e, wär-e, würd-e, lächel-t-e.