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  • Deutsch
  • 10, 11, 12, B2, C1
  • https://www.tutory.de/w/52365310

    Formen des schriftlichen Erörterns

    Erörtern ist zunächst einmal schriftliches Argumentieren. In unserer Alltagssprache meinen wir damit aber auch das mündliche Argumentieren. Dementsprechend reicht seine Bedeutung dann von abhandeln, verhandeln über diskutieren, sich streiten und debattieren bis zu bereden, durchsprechen oder, umgangssprachlich, durchkauen.

    Wenn wir uns mit etwas Strittigem auseinandersetzen, tauschen wir meistens die Argumente, die wir haben mit jemandem anderen aus. Wir kommunizieren mit ihm, indem wir mit ihm über eine Sache diskutieren oder einfach ihm unseren Standpunkt klarmachen.

    Schriftliches Erörtern in der Schule unterscheidet sich davon: Hier erörtert man eine Menung zu einem Sachverhalt, einem Problem oder einer strittigen Frage ohne einen - abgesehen vom Korrekktor - unmittelbaren Adressaten, an den diese Äußerungen gerichtet wären (abgesehen vom Korrekktor). Im Idealfall zielt das erörternde Schreiben darauf, dass der Schreiber beim Erörtern Erkenntnisse gewinnt. Auf diese Weise soll er einen begründeten Standpunkt zu einem strittigen Problem einnehmen können.

    Schulische Formen der Erörterung

    In der Schule werden über nahezu alle Fächer hinweg Sachverhalte schriftlich erörtert. Wenn im Geschichts-, Politik- oder Ethikunterricht schriftliche Stellungnahmen verfasst werden, zählen diese ebenso zum erörternden Schreiben wie die traditionellen Aufsatzformen zum erörternden Schreiben im Deutschunterricht.

    Im Deutschunttericht spielen gewöhnlich drei verschiedene Grundformen beim schriftlichen Erörtern in der Schule eine Rolle:

    • Das freie, weil nicht an einen vorgegebenen Text gebundene, problem- bzw. sachverhaltsbezogene Erörtern (Problem- und Sacherörterung, freie literarische Erörterung)

    • Das textgebundene Erörtern, bei dem zentrale Aussagen eines vorgegebenen Textes erörtert werden müssen (Texterörterung, textgebundene literarische Erörterung)

    • Das materialgestützte Erörtern, bei dem aus der Analyse von verschiedenen kontinuierlichen und diskontinuierlichen Texten (z.B. Grafiken, Statistiken) in einem eindeutig prozessorientierten Vorgehen Standpunkte zu erarbeiten und zu begründen sind. (Materialgestützte bzw. dossiergestützte Erörterung)

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    Das unterscheidet die schulischen Schreibformen zur Erörterung

    EIn Kurzüberblick zur Abgrenzung

    Die drei Grundformen des schulischen Erörterungsaufsatzes (Problemerörterung, Texterörterung und materialgestützte Erörterung) verlangen eine jeweils unterschiedlich akzentuierte und strukturierte schriftliche Auseinandersetzung mit Strittigem..

    Die freie Erörterung wird "frei" genannt wird, weil sie sich nicht mit Problemen oder Sachverhalten auseinandersetzen muss, die in einem bestimmten Text dargelegt sind. Sie ist nsofern also textungebunden.

    Texterörterung und materialgestützte Erörterung haben dagegen einen klaren, aber unterschiedlichen Textbezug.

    Die Texterörterung ist im engeren Sinne textgebunden, weil sie sich mit Aussagen in einem bestimmten Text auseinandersetzen soll.

    Die materialgestützte Erörterung bezieht sich dagegen nicht auf einen einzelnen Text. Bei ihr kann man von einem materialorientierten Textbezug sprechen. Dieser soll die Produktion von Texten bei vor allem freieren Formen des Erörterns wie z. B. Glosse, Essay, Kommentar oder Rede erleichtern und den Schreibprozess entlasten.

    • Bei einer freien Problem- oder Sacherörterung ist das zu zu erörternde Problem im Thema bzw. der Themenstellung mehr oder minder präzise formuliert oder muss mit verschiedenen Erschließungsverfahren erst präzise herausgearbeitet werden (z. B. Betrachtung und Erschließung des Themas, Formulierung der Themafrage). Bei der Problemerörterung geht das Erörtern von einem in Frage- oder Aussageform bezeichneten Problem aus. Manchmal stellt auch ein Zitat den Ausgangspunkt einer freien Erörterung dar. Diese Form der Erörterung wird auch freie oder textungebundene Erörterung genannt. Früher sprach man auch vom Besinnungsaufsatz. Sie kommt als freie Problem- oder als freie Sacherörterung vor.

    • Die Texterörterung geht im Unterschied dazu von in der Regel einem einzigen vorgegebenen Text aus, der mit den Methoden des untersuchenden Erschließens inhaltlich erfasst und in seinem gedanklichen und argumentativen Aufbau beschrieben werden muss, ehe Aussagen des Textes textimmanent und/oder texttranszendierend erörtert werden. Die Texterörterung wird auch textgebundene Erörterung genannt. Hier geht es also stets um die kritische Auseinandersetzung mit einem bestimmten Text bzw. von Aussagen in einem Text. Dabei nimmt sie ausdrücklich Bezug auf die Argumentation in einem vorliegenden Text und setzt sich mit deren Wahrheit bzw. Schlüssigkeit etc. auseinander.

    • Die materialgestützte Erörterung ist eine Form des Erörterns bzw. des argumentativen Schreibens, die den Schreibprozess durch die Vorgabe einer Auswahl von herkömmlichen Texten (kontinuierliche T.) und/oder Grafiken, Statistiken und Bildern (diskontinuierlicher Texte) entlastet. Sie bietet dem Schreibenden nämlich Informationen und ggf. kontroverse Standpunkte zu einem bestimmten Thema anbi. Die Materialauswahl bewegt sich in einem festgelegten Rahmen innerhalb dessen sich die Auseinandersetzung mit dem Thema in unterschiedlichen Formen erörternden Schreibens bewegen soll. Sie kann auf der Grundlage einer vorgegebenen Auswahl solcher Texte (Dossier) erfolgen. Es kommt aber auch vor, dass in einem offener angelegten Schreibprozess die Zusammenstellung eines derartigen Dossiers als Kompendium (Materialzusammenstellung) selbst vorgenommen werden muss.

    Und die Stellungnahme?

    Eine Stellungnahme ist stets eine Form des (monologischen) erörternnden Schreibens. Der Begriff wird nicht selten gleichbedeutend (synonym) wie der Begriff Erörterung verwendet. Ob es sich dabei um ein textgebundenes oder textungebundenes schriftliches Argumentieren handelt, ergibt sich in der Regel aus der Aufgabenstellung zur Schreibaufgabe.