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  • Argumentieren - Analyse von Alltagsargumentationen
  • Egle-www.teachsam.de
  • 13.12.2016
  • Deutsch
  • 11, 12, C1, C2
  • https://www.tutory.de/w/6f717a20

    Keine leichte Sache

    Alltagsargumentationen analysieren

    Wie wir im Alltag argumentieren, kann man mit formal-logischen Ansätzen und Überlegungen oft nicht so einfach analysieren. Oft macht es auch keinen Sinn. Wer es dennoch versucht, muss wissen, dass es „oft einiger Übung und Mühe" bedarf, "wenn man Argumente in Alltagsgesprächen, Zeitungsartikeln, politischen Reden oder wissenschaftlichen Texten auffinden will.“ (Bayer 1999, S.93f.)

    Das macht die Analyse von Alltagsargumentationen so schwer

    Dass sich Alltagsargumentationen nicht so einfach formal-logisch untersuchen lassen, hat vor allem zwei Gründe:

    1. Sie sind häufig nur mit impliziten Prämissen ausgestattet

    2. Sie werden auch ohne Konklusionen realisiert, bzw. lassen die Konklusionen kaum erkennen.

    Ohne die impliziten Prämissen zu klären, kann die Alltagsargumentation, wie im obigen Beispiel dargestellt, formal-logisch nicht aufgelöst werden.

    So kann man vorgehen

    Wer Alltagsargumentationen formal-logisch analyiseren will, sollte folgende Arbeitsschritte durchführen:

    1. Argumente als Argumente auffassen

      Dies bedeutet, dass wir bestimmte Behauptungen überhaupt erst einmal als Konklusionen begreifen, für die andere Behauptungen als Prämissen Gründe angeben.

    2. Konklusionen und Prämissen auffinden und voneinander unterscheiden

      Auch wenn dies in Alltagsargumentation schwer fällt: Es geht darum, in einem mitunter keineswegs verständlichen und klaren Zusammenhang sprachlicher Äußerungen, Sätze zu finden, die die Rolle von Konklusionen oder Prämissen spielen, und diese klar voneinander abzuheben, auch wenn es hierfür gar nicht so oft deutliche sprachliche Signale gibt.

    3. Fehlende Konklusionen und Prämissen ergänzen

      Wenn Prämissen nicht ausformuliert werden, was ja sehr häufig der Fall ist, dann müssen diese Prämissen ergänzt werden. Dies gilt noch mehr, wenn die Konklusion weggelassen wird, weil von derartigen Argumentationen eine suggestive Wirkung ausgehen kann, die nicht selten mit einer manipulativen Absicht einhergeht.

    4. Argument in vollständiger und expliziter Form niederschreiben.

      Um die Schlüssigkeit einer Argumentation, die Relevanz von Prämissen für eine Konklusion, überprüfen zu können, sollte das Argument in herkömmlicher Weise und mit den ergänzten Schritten niedergeschrieben werden. (vgl. Bayer 1999, S.97, Salmon 1983, S.19)

    Quellen:

    • Bayer, Klaus (1999): Argument und Argumentation. Logische Grundlagen der Argumentationsanalyse, Opladen/Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 1999

    • Salmon, Wesley C. (1983): Logik, Stuttgart: Reclam 1983

  • https://www.tutory.de/w/6f717a20

    Darauf sollte man achten

    Sprachliche Indikatoren in der Alltagsargumention

    Alltagsargumentationen sind nicht ohne Weiteres zu durchschauen. Das liegt vor allem daran, dass häufig ihre Prämissen nicht erwähnen oder nur halbherzig ausführen.

    Sie werden stattdessen stillschweigend vorausgesetzt. Aber selbst wenn ein Argument mit allen seinen Prämissen ausgeführt ist, muss es, unter kommunikationspsychologischem Blickwinkel betrachtet, keineswegs ver-tändlich und klar sein.

    Das nebenstehende Argument dient als Beispiel für eine Alltagsargumentation.

    In der Alltagssprache kann dieses Argument ganz unterschiedlich geäußert werden. Dies ist ein

    wichtiger Grund dafür, dass vollständige Argumente wie oben dargestellt in der Alltagskommunikation, nicht ohne Weiteres festgestellt werden können. Das passiert aber auch in politischen Rede und journalistischen Texten.

    In der Alltagskommunikation könnte das logisch gleiche Argument wie oben z. B. in der folgenden Art und Weise ausgeführt werden:

    • Tobias ist Schwimmer. Tobias hat breite Schultern. Schwimmer haben nämlich alle breite Schultern.

    • Alle Schwimmer haben breite Schultern. Tobias hat breite Schultern. Er ist nämlich Schwimmer.

    • Als Schwimmer hat Tobias breite Schultern.

    • Tobias schwimmt viel. Er ist Schwimmer. Wer viel schwimmt, bekommt auch breite Schultern. Tobias hat bestimmt breite Schultern.

    • Tobias hat wie alle anderen Schwimmer auch breite Schultern.

    • Tobias hat breite Schultern, weil er Schwimmer ist.

    • Tobias ist schließlich Schwimmer. Daher muss er einfach breite Schultern haben.

    Bestimmte Wörter oder Wortfolgen weisen auf Prämissen und Konkulisionen hin (Indikatoren)

    In der Alltagskommunikation weisen bestimmte Wörter und Wendungen als Signale auf Prämissen oder Konklusionen hin. Dennoch darf man auch hier nicht erwarten, dass dem einen immer das andere folgt.

    Auf Prämissen weisen u. a. die folgenden Indikatoren hin:

    Weil – da – denn – als – ja – doch - in Anbetracht der Tatsache, dass - unter Berück-sichtigung des Umstandes, dass - erstens, (zweitens etc.) – alle - jeder …

    Auf Konklusionen verweisen u. a. diese Indikatoren:

    Folglich – deshalb – also – ergo – infolgedessen – daher – eben - und so …natürlich - daraus folgt, dass - daraus ergibt sich, dass - es ist zu folgern, dass – muss - kann es gar nicht anders sein, als - zwingt zu der Annahme - daraus ergibt sich der Schluss, dass - das führt uns dazu, dass …

    Arbeitsanregungen

    (vgl. Bayer 1999, S. 93ff.)

    1Stellen Sie das folgende Argument in einer dreischrittigen Form dar. „Dieser Fliegenpilz ist giftig.“
    2Formulieren Sie möglichst viele Varianten dieses Arguments in Form von Alltagsargumentationen. Verwenden Sie dabei die obigen Indikatoren.