Profilbild von Egle-www.teachsam.de
  • Wortgrammatik - Verb - Modus - Konjunktiv - Stilfragen
  • Egle-www.teachsam.de
  • 14.10.2016
  • Deutsch
  • 10, 11, B2, C1
  • https://www.tutory.de/w/789a31f0

    Konjunktiv konkret

    Stilistische Probleme beim Konjunktiv

    Wer seine Äußerungen im Konjunktiv macht, kann eine Menge grammatikalischer und stilistischer Probleme haben. Viele Menschen, die den Gebrauch des Konjunktivs nicht so beherrschen, bemerken das kaum. Bei anderen aber können solche Fehler schon mal überhebliche Schadenfreude auslösen, die heutzutage allerdings kaum mehr in die Zeit passt.

    Die wichtigsten stilistischen Probleme beom Konjunktivgebrauch werden hier im Folgenden aufgeführt.

    1. Der Konjunktiv in der Alltagssprache und in der Mundart

    • In der Alltagssprache werden die Formen des Konjunktiv II und des Indikativs meist denen des Konjunktiv I vorgezogen, der vielen Menschen einfach zu geziert, zu vornehm vorkommt. Dazu meinen viele, die Konjunktiv-I-Formen seien zu undeutlich.

    • In nahezu allen Mundarten außer dem Alemannischen und dem Bayerisch-Österreichischen fehlt der Konjunktiv I vollständig.

    2. Das würde-Gefüge in der Alltags- und Standardsprache

    • In der Alltagssprache ist die Verwendung eines würde-Gefüges (Infinitiv + würde) statt dem Konjunktiv weit verbreitet.

      • Statt:

        Er erklärte, dass Kristina im nächsten Frühjahr Prüfung mache/machte.

      • heißt es dann:

        Er erklärte, dass Kristina im nächsten Frühjahr Prüfung machen würde. (Infinitiv + würde = würde-Gefüge)

    • In der Standardsprache sollte man das würde-Gefüge vor allem dann verwen-den, wenn etwas in der Zukunft Liegendes, noch nicht Eingetretenes oder Be-gonnenes ausgedrückt werden soll.

      Beispiele:

      • Wenn wir heute Abend ins Kino gehen würden, dann müssten wir mit dem Fahrrad fahren, weil wir sonst zu spät kommen würden. (= Konditionalsatz; würde-Form statt gingen und kämen, was weniger betont wirkt)

      • Anke sagte, sie würde später noch kommen. (statt: werde, bzw. käme)

    • In der Standardsprache sollte die würde-Umschreibung nur dann statt des Konjunktivs II verwendet werden, wenn dessen Formen, wie das bei den meisten schwachen Verben der Fall ist, mit denen des Präteritums übereinstimmen. Ebenso stimmen die mit den Personalformen wir und sie verbundenen Formen des Präteritums mancher starker Verben mit denen des Konjunktiv II überein. (z.B. rufen/riefen/riefen/rufen würden) (vgl. Bildung des Konjunktiv II).

    • In der Standardsprache wird die würde-Umschreibung für den Konjunktiv II aber auch verwendet, wenn die Konjunktiv-II-Formen als altertümlich angesehen werden. (z. B. : helfen/hülfe/helfen würde)Beispiel:"Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?" (Matthäus 16,26)