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  • Textinterpretation - Übungstext - Jens Ludwig - Steinschichten
  • Egle-www.teachsam.de
  • 23.11.2016
  • Deutsch
  • 10, 11, 12, 2. Lehrjahr, 3. Lehrjahr, B2, C1
  • https://www.tutory.de/w/7f630710

    Jens Ludwig

    Steinschichten





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    Özay hat einen Stein geworfen, sagte Thomas zu dem kleinen, ausgesprochen freundlich dreinschau-enden, dunkelhaarigen Mann mit schwarzen Bartstoppeln im Gesicht, der ihn oben im dritten Stock- werk an der Türe zu seiner Wohnung empfing, aus der, einem fröhlichen Gelächter von drinnen folgend, auch der Geruch exotischer Gewürze herausdrang.

    Als er vor einer knappen halben Stunde von seiner Kanzlei kommend den schwarzen Audi vor der Garage des Reihenhauses abgestellt hatte, wurde er von Alexandra, seiner Frau, schon erwartet. Kaum dass er den Kofferraum geschlossen, seine Notebook-Tasche umgehängt und fünf Ordner, zwei rechts, drei links, unter die Arme geklemmt hatte, war sie schon bei ihm und baute sich vor ihm auf.

    Stell dir vor, was heute passiert ist!

    Thomas fummelte den Autoschlüssel aus seiner Jackentasche und drückte auf das Zeichen mit dem Schloss, das den Wagen mit Blinken und einem nervigen Piepston abriegelte.

    Das ist unglaublich, hörte er sie sagen, während er spürte, wie die prallgefüllten Ordner, die er unter den linken Arm geklemmt hatte, etwas verrutschten. Er musste das alles über Nacht noch durch- arbeiten, alles hing davon ab, ob er diesen Prozess gewinnen würde: Das Haus, das Boot, der Audi, die Reise nach Australien, schlicht alles eben. Nur das nicht wieder, dachte er, darüber hatten sie doch zuletzt gestern noch gestritten, wo das ganze Geld denn bleibt und so, und es war schwer genug, sich danach wieder im Bett zu versöhnen.

    Was war denn schon wieder los?

    Zu spät. Er wusste sofort, dass das genau drei Worte zu viel waren. Der Tragegurt seiner Notebook-Tasche rutschte über die Schulter. Jetzt nur keine falschen Bewegungen!

    Alex, du weißt doch, schob er nach. Doch da hatte sie schon auf dem Absatz kehrtgemacht und war die Stufen zur Haustüre hinaufgestampft. So warte doch mal!

    Zwei Schritte hinterher, schon rutschte das Notebook, das noch für einen Moment durch seine geschickte Verlagerung des Körperschwerpunktes in die entgegengesetzte Richtung am weiteren Absturz gehindert worden war, ungebremst nach unten und krachte mit allem, was er zu dem Fall aufgearbeitet und darauf gespeichert hatte, auf den Boden.

    Verdammt noch mal, schrie er auf, so eine Scheiße, dann wurde die Tasche unter den drei Ordnern regelrecht begraben, ehe die beiden anderen, wegen der ruckartigen Bewegung zur Rettung der auf das Notebook herabfallenden, in hohem Bogen davonflogen und irgendwo in den Büschen hängenblieben, die den Aufgang zur Haustüre links und rechts säumten. Schon flatterten einige Dokumente heraus und wurden von einem leichten Windzug im Vorgarten verteilt.

    Wenn sie jetzt noch die Türe zuschlägt, wie immer in solchen Fällen, dann …

    Doch ehe das eigentlich Unvermeidliche eintrat, war sie schon wieder bei ihm, sammelte, ohne ein Wort zu sagen, ein, was da im Garten herumlag.

    Nun, was ist passiert, sagte er dann in einem ganz anderen Tonfall, mit dem er ein ausdrückliches Dankeschön vermeiden konnte.

    Özay, der Türkenjunge aus Sandras Klasse, hat heute Morgen in der Pause einen Stein auf deine Tochter geworfen!

    Auf oder nach? - Sie blickte ihn verständnislos an.

    Hat er sie getroffen? - Sie zog die Lippen zusammen.

    Also nicht? - Sie zuckte die Achseln. Aber so können wir das nicht stehen lassen, sagte sie dann, als sie drei Ordner übereinander stapelte, auf den Arm nahm und auf die Haustüre zuging. Ich habe schon die Adresse besorgt. Sie stellte die Ordner ab, fingerte einen kleinen Zettel aus ihrer Jeans und reichte ihn weiter. Özay Yildirim, Rheinauen 137c stand darauf. Am besten du fährst gleich hin, Tom. Ich versorge das hier.

    Dann ließ sie ihn stehen und verschwand mit den wieder aufgenommenen Ordnern im Hauseingang.

    Wackerstein oder Kiesel, rief er noch hinterher.

    Dann zögerte er eine Weile. Schließlich richtete er einen letzten Blick auf die restlichen beiden Ordner und die Notebook-Tasche auf dem Boden.

    Zehn Minuten später stand er vor der Klingelanlage des langgestreckten Wohnblocks, fand den Namen und betätigte etwas unsicher den Klingelknopf.

    Özay hat einen Stein geworfen, sagte Thomas zu dem kleinen, ausgesprochen freundlich dreinschau-enden, dunkelhaarigen Mann mit schwarzen Bartstoppeln im Gesicht, der ihn oben im dritten Stock- werk an der Türe zu seiner Wohnung empfing, aus der, einem fröhlichen Gelächter von drinnen folgend, auch der Geruch exotischer Gewürze herausdrang.

    Als er vor einer knappen halben Stunde von seiner Kanzlei kommend den schwarzen Audi vor der Garage des Reihenhauses abgestellt hatte, wurde er von Alexandra, seiner Frau, schon erwartet. Kaum dass er den Kofferraum geschlossen, seine Notebook-Tasche umgehängt und fünf Ordner, zwei rechts, drei links, unter die Arme geklemmt hatte, war sie schon bei ihm und baute sich vor ihm auf.

    Stell dir vor, was heute passiert ist!

    Thomas fummelte den Autoschlüssel aus seiner Jackentasche und drückte auf das Zeichen mit dem Schloss, das den Wagen mit Blinken und einem nervigen Piepston abriegelte.

    Das ist unglaublich, hörte er sie sagen, während er spürte, wie die prallgefüllten Ordner, die er unter den linken Arm geklemmt hatte, etwas verrutschten. Er musste das alles über Nacht noch durch- arbeiten, alles hing davon ab, ob er diesen Prozess gewinnen würde: Das Haus, das Boot, der Audi, die Reise nach Australien, schlicht alles eben. Nur das nicht wieder, dachte er, darüber hatten sie doch zuletzt gestern noch gestritten, wo das ganze Geld denn bleibt und so, und es war schwer genug, sich danach wieder im Bett zu versöhnen.

    Was war denn schon wieder los?

    Zu spät. Er wusste sofort, dass das genau drei Worte zu viel waren. Der Tragegurt seiner Notebook-Tasche rutschte über die Schulter. Jetzt nur keine falschen Bewegungen!

    Alex, du weißt doch, schob er nach. Doch da hatte sie schon auf dem Absatz kehrtgemacht und war die Stufen zur Haustüre hinaufgestampft. So warte doch mal!

    Zwei Schritte hinterher, schon rutschte das Notebook, das noch für einen Moment durch seine geschickte Verlagerung des Körperschwerpunktes in die entgegengesetzte Richtung am weiteren Absturz gehindert worden war, ungebremst nach unten und krachte mit allem, was er zu dem Fall aufgearbeitet und darauf gespeichert hatte, auf den Boden.

    Verdammt noch mal, schrie er auf, so eine Scheiße, dann wurde die Tasche unter den drei Ordnern regelrecht begraben, ehe die beiden anderen, wegen der ruckartigen Bewegung zur Rettung der auf das Notebook herabfallenden, in hohem Bogen davonflogen und irgendwo in den Büschen hängenblieben, die den Aufgang zur Haustüre links und rechts säumten. Schon flatterten einige Dokumente heraus und wurden von einem leichten Windzug im Vorgarten verteilt.

    Wenn sie jetzt noch die Türe zuschlägt, wie immer in solchen Fällen, dann …

    Doch ehe das eigentlich Unvermeidliche eintrat, war sie schon wieder bei ihm, sammelte, ohne ein Wort zu sagen, ein, was da im Garten herumlag.

    Nun, was ist passiert, sagte er dann in einem ganz anderen Tonfall, mit dem er ein ausdrückliches Dankeschön vermeiden konnte.

    Özay, der Türkenjunge aus Sandras Klasse, hat heute Morgen in der Pause einen Stein auf deine Tochter geworfen!

    Auf oder nach? - Sie blickte ihn verständnislos an.

    Hat er sie getroffen? - Sie zog die Lippen zusammen.

    Also nicht? - Sie zuckte die Achseln. Aber so können wir das nicht stehen lassen, sagte sie dann, als sie drei Ordner übereinander stapelte, auf den Arm nahm und auf die Haustüre zuging. Ich habe schon die Adresse besorgt. Sie stellte die Ordner ab, fingerte einen kleinen Zettel aus ihrer Jeans und reichte ihn weiter. Özay Yildirim, Rheinauen 137c stand darauf. Am besten du fährst gleich hin, Tom. Ich versorge das hier.

    Dann ließ sie ihn stehen und verschwand mit den wieder aufgenommenen Ordnern im Hauseingang.

    Wackerstein oder Kiesel, rief er noch hinterher.

    Dann zögerte er eine Weile. Schließlich richtete er einen letzten Blick auf die restlichen beiden Ordner und die Notebook-Tasche auf dem Boden.

    Zehn Minuten später stand er vor der Klingelanlage des langgestreckten Wohnblocks, fand den Namen und betätigte etwas unsicher den Klingelknopf.

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    (aus: Jens Ludwig, Geschichten kommen immer zurück. Erzählungen, Konstanz: www.teachsam.de , 2014)

    Arbeitsanregungen

    Interpretieren Sie den Text.

    1. Geben Sie den Inhalt des Textes in Form einer Inhaltsangabe wieder.

    2. Arbeiten Sie heraus, in welcher Situation sich das Ehepaar befindet und wie es damit umgeht. Was bedeutet dies für die Beziehung der beiden zueinander?

    3. Wie verstehen Sie den Titel der Geschichte?

    4. Zeigen Sie, mit welchen erzähltechnischen und sprachlichen Mitteln der Autor seine Geschichte gestaltet. Bestimmen Sie die Textsorte.

    Arbeitsanregung zum kreativen Schreiben (gestaltende Interpretation, gestaltendes Erschließen literarischer Texte): ·

    Schreiben Sie die Geschichte weiter und führen Sie sie zu einem plausiblen Ende.

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    Jens Ludwig: Steinschichten

    Fragenkatalog zur Texterfassung

    Texterfassung

    1. Teilen Sie die Geschichte in Sinnabschnitte/Erzählschritte ein.

    2. In welchem Raum, an welchen Orten spielt sich das Geschehen ab?

    3. Über welchen Zeitraum erzählt die Geschichte (erzählte Zeit)?

    4. Geben Sie den Text in Form einer Inhaltsangabe wieder.

    Erzählstrukturen

    1. Aus welcher Perspektive wird die Handlung erzählt?

    2. Welche verschiedenen Darbietungsformen des Erzählens können Sie feststellen?

    Fragen zur Interpretation

    1. Untersuchen Sie das Verhalten der beiden Eheleute.

    • In welcher Situation befinden sie sich?

    • Welche (unausgesprochenen) Erwartungen treffen dabei aufeinander?

    • Welche Motive für ihr Verhalten lassen sich dem Text entnehmen?

    2. Untersuchen Sie das Verhalten des Mannes.

    • Wie verhält er sich?

    • Wie reagiert er auf das Anliegen seiner Frau?

    • Weshalb zögert er, ehe er zur Wohnung von Özay aufbricht?

    • Überlegen Sie, wie das Gespräch zwischen Thomas und dem mutmaßlichen Vater von Özay weitergehen wird?

    • Was wird Thomas seiner Frau Alexandra davon berichten?

    3. Untersuchen Sie das Verhalten der Frau.

    • Wie verhält sie sich?

    • Wie reagiert sie auf die augenscheinlich angespannte Situation, in der sich der Mann bei seiner Ankunft zu Hause befindet?

    • Weshalb antwortet sie Ihrem Mann nicht richtig, als dieser, auf seine Weise, wissen will, ob ihre gemeinsame Tochter Sandra bei dem Steinwurf zu Schaden gekommen ist?

    4. Zeigt die Verfasserin im Verhalten ihrer Figuren Handlungsalternativen auf, um aus der Lage, in der sie sich befinden, herauszukommen?

    5. Sammeln Sie sprachliche Beobachtungen unter folgenden Gesichtspunkten:

    • Welche sprachlichen Merkmale zeigt der Text im Hinblick auf Satzbau und Wortwahl?

    • Inwiefern spiegeln sich die Aussagen des Textes in Satzbau und Wortwahl wieder?

    • Welche rhetorischen Mittel werden zur Gestaltung der Aussage des Textes eingesetzt?

    • Was bedeutet in diesem Zusammenhang der Titel der Geschichte?

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    Jens Ludwig, Steinschichten

    Texterfassung mit Markierungen und Hervorhebungen

    Arbeitsanregungen

    1. Beschreiben Sie, welche textlichen, grafischen und typografischen Mittel bei der Texterfassung in der obigen Darstellung eingesetzt werden.

    2. Setzen Sie eine ähnliche Texterfassung mit Ihrem eigenen Text um.

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    Jens Ludwig, Steinschichten

    Inhaltsangabe





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    In der Kurzgeschichte "Steinschichten" von Jens Ludwig, erschienen in "Geschichten kommen immer zurück" auf der Webseite www.teachsam.de aus dem Jahr 2014, geht es um die schwierige Beziehung zweier Ehepartner. Erzählt wird, wie sie nach einem folgenlosen Steinwurf eines türkischen Jungen auf ihre Tochter eine Meinungsverschiedenheit austragen, wie in dem Fall weiter vorzugehen ist. Am Ende steht der Mann vor der Türe der türkischen Familie, um den Vorfall zur Sprache zu bringen. Als der Mann, Thomas genannt, nach Feierabend vollbepackt mit Ordnern nach Hause zurückkommt, wird er sofort von seiner Frau Alexandra bestürmt. Ganz und gar aufgeregt, konfrontiert sie ihren Mann damit, dass während seiner beruflichen Abwesenheit im Verlauf des Tages etwas besonders Schlimmes passiert sei. Während ihm noch durch den Kopf schießt, sie möge nicht wieder mit dem leidigen Geldproblem anfangen, reagiert er selbst genervt und will wissen, was denn schon wieder los gewesen sei. Mit dem nicht zu Ende gesprochenen Einwurf, sie sehe doch, dass er jetzt ganz andere Sorgen habe, weist er seine Frau zunächst zurück. Als diese sich beleidigt abwendet, wiegelt er allerdings ab und bietet ihr an zuzuhören. Bei seinem Versuch wieder zu ihr aufzuschließen, fallen ihm sämtliche Ordner und sein Notebook zu Boden, was ihn laut fluchen lässt. Dabei malt er sich aus, wie seine Frau in ähnlichen Fällen davongelaufen und einfach die Türe hinter sich zugeschlagen hatte. Der Gedanke daran steigert seine Wut für einen Moment, bis seine Frau ihm wider Erwarten hilft, die heruntergefallenen und vom Wind z. T. verstreuten Sachen aufzuheben. Ohne sich dafür zu bedanken, aber mit einem freundlicheren Tonfall, fordert er seine Frau danach auf, ihm von der Sache zu berichten. Alexandra sagt daraufhin, Özay, ein türkischer Junge aus der Klasse, in die ihre Tochter Sandra gehe, habe einen Stein auf das Mädchen geworfen. Als Thomas daraufhin von Alexandra wissen will, ob Özay Sandra denn getroffen habe, reagiert sie fassungslos angesichts einer solchen Nachfrage, räumt aber mit einem Achselzucken ein, dass beim Steinwurf nichts weiter passiert war. Sie will, daran lässt sie gegenüber ihrem Mann keinen Zweifel, die Sache nicht auf sich beruhen lassen. Mit der Adresse des „Übeltäters“, die sie sich zwischenzeitlich schon besorgt hat, in der Hand erwartet sie von ihrem Mann, dass er den Eltern des Steinewerfers die Meinung sagt. Ehe sie im Hauseingang verschwindet, will Thomas zwar noch in Erfahrung bringen, wie groß der Stein gewesen ist, der da geflogen ist, er erhält aber darauf keine Antwort mehr. Einen Moment zögert er noch, steht aber dann doch zehn Minuten später vor der Wohnungstüre der Familie von Özay. Sein Läuten geschieht etwas unsicher. Ein freundlich wirkender südländischer Mann öffnet, während aus der Wohnung Geräusche einer frohgestimmten Runde zu hören sind. Özay habe einen Stein geworfen, sagt ihm Thomas direkt ins Gesicht.

    In der Kurzgeschichte "Steinschichten" von Jens Ludwig, erschienen in "Geschichten kommen immer zurück" auf der Webseite www.teachsam.de aus dem Jahr 2014, geht es um die schwierige Beziehung zweier Ehepartner. Erzählt wird, wie sie nach einem folgenlosen Steinwurf eines türkischen Jungen auf ihre Tochter eine Meinungsverschiedenheit austragen, wie in dem Fall weiter vorzugehen ist. Am Ende steht der Mann vor der Türe der türkischen Familie, um den Vorfall zur Sprache zu bringen. Als der Mann, Thomas genannt, nach Feierabend vollbepackt mit Ordnern nach Hause zurückkommt, wird er sofort von seiner Frau Alexandra bestürmt. Ganz und gar aufgeregt, konfrontiert sie ihren Mann damit, dass während seiner beruflichen Abwesenheit im Verlauf des Tages etwas besonders Schlimmes passiert sei. Während ihm noch durch den Kopf schießt, sie möge nicht wieder mit dem leidigen Geldproblem anfangen, reagiert er selbst genervt und will wissen, was denn schon wieder los gewesen sei. Mit dem nicht zu Ende gesprochenen Einwurf, sie sehe doch, dass er jetzt ganz andere Sorgen habe, weist er seine Frau zunächst zurück. Als diese sich beleidigt abwendet, wiegelt er allerdings ab und bietet ihr an zuzuhören. Bei seinem Versuch wieder zu ihr aufzuschließen, fallen ihm sämtliche Ordner und sein Notebook zu Boden, was ihn laut fluchen lässt. Dabei malt er sich aus, wie seine Frau in ähnlichen Fällen davongelaufen und einfach die Türe hinter sich zugeschlagen hatte. Der Gedanke daran steigert seine Wut für einen Moment, bis seine Frau ihm wider Erwarten hilft, die heruntergefallenen und vom Wind z. T. verstreuten Sachen aufzuheben. Ohne sich dafür zu bedanken, aber mit einem freundlicheren Tonfall, fordert er seine Frau danach auf, ihm von der Sache zu berichten. Alexandra sagt daraufhin, Özay, ein türkischer Junge aus der Klasse, in die ihre Tochter Sandra gehe, habe einen Stein auf das Mädchen geworfen. Als Thomas daraufhin von Alexandra wissen will, ob Özay Sandra denn getroffen habe, reagiert sie fassungslos angesichts einer solchen Nachfrage, räumt aber mit einem Achselzucken ein, dass beim Steinwurf nichts weiter passiert war. Sie will, daran lässt sie gegenüber ihrem Mann keinen Zweifel, die Sache nicht auf sich beruhen lassen. Mit der Adresse des „Übeltäters“, die sie sich zwischenzeitlich schon besorgt hat, in der Hand erwartet sie von ihrem Mann, dass er den Eltern des Steinewerfers die Meinung sagt. Ehe sie im Hauseingang verschwindet, will Thomas zwar noch in Erfahrung bringen, wie groß der Stein gewesen ist, der da geflogen ist, er erhält aber darauf keine Antwort mehr. Einen Moment zögert er noch, steht aber dann doch zehn Minuten später vor der Wohnungstüre der Familie von Özay. Sein Läuten geschieht etwas unsicher. Ein freundlich wirkender südländischer Mann öffnet, während aus der Wohnung Geräusche einer frohgestimmten Runde zu hören sind. Özay habe einen Stein geworfen, sagt ihm Thomas direkt ins Gesicht.

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    Jens Ludwig, Steinschichten

    Strukturbild zum Text

    Die Kurzgeschichte »Steinschichten« von Jens Ludwig könnte zur Texterfassung mit folgender Strukturskizze visualisiert werden:

    Bildunterschrift/Quelle
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    Jens Ludwig, Steinschichten

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