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  • Texte erfassen - Wichtiges und Unwichtiges im Text (Relevanzkriterien)
  • Egle-www.teachsam.de
  • 18.10.2016
  • Deutsch
  • 10, 11, 12, 1. Lehrjahr, 2. Lehrjahr, 3. Lehrjahr, B1, B2, C1
  • https://www.tutory.de/w/82533ec0

    Texte erfassen ganz konkret

    Wichtiges und Unwichtiges in einem Text

    Bei der inhaltlichen Erfassung von Texten, aber insbesondere bei der Textwiedergabe (z. B. Inhaltsnagabe, Abstract, strukturierte Textwiedergabe) ist, muss der Leser/Bearbeiter des Textes entscheiden, was wichtig und was weniger wichtig oder gar unwichtig in einem Text ist.

    Das ist wirklich ein Problem, vor dem sich nicht nur Personen sehen, die wenig Erfahung im Umgang mit Texten habe. Auch für versiertere Textarbeiter und Verfasser unterschiedlicher Formen der Textwiedergabe sind dies immer wieder eine Entscheidungen, die wohlbegründet sein wollen.

    Denn schließlich kommt es bei der Textwiedergabe darauf an, Inhalt und Gedankengang eines von einem anderen verfassten Textes in verkürzter Form und sprachlich eigenständig wiederzugeben, aus dem Primärtext (Textvorlage) einen eigenständigen Sekundärtext zu machen.

    Eine schwierige Sache: Relevanzkriterien

    Was in einem Text steht, war zumindest seinem Verfasser so wichtig, dass ier es niedergeschrieben hat. Aber damit ist ja nicht alles, was er jeweils sagt bzw. schreibt, für seine Hauptaussagen gleichermaßen von Bedeutung. So kann man sich als Leser z. B. fragen.

    • ob es für die Hauptausssage eines Textesm , derauf die Gefahren übermäßigen Nikotinkonsums hinweisen will, relevant ist, dass gleichzeitig Ausführungen zu anderen Suchtgewohnheiten gemacht werden

    • ob in einem Text, der Argumente für weitere Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr zusammenträgt, Ausführungen über das Chaos bei der letzten Bundesgartenschau wichtig sind.

    Die Antwort auf diese Fragen kann, darf und wird u. U. ganz unterschiedlich ausfallen. Und das liegt schlicht daran, dass Wichtig und Unwichtig, und damit alle Relevanzkriterien, schließlich vom Leser/Bearbeiter von außen an den Text angelegt werden. Es gibt einfach keine unabhängig vom erkennenden Subjekt vorhandenen Strukturen eines Textes, die "objektiv" Aufschluss darüber gäben, Relevanzkriterien sind keine Texteigenschaften.

    Das macht es, insbesondere für Schülerinnen und Schüler, nicht unbedingt leichter, die sich immer wieder vor diese Frage gestellt sehen.

    Schreiben für den Lehrer? Kein Ausweg!

    Oft ist man dann verunsichert, wenn man beim Zusammenfassen nicht das getroffen hat, was der Lehrer oder die Lehrerin als wesentlichen Textinhalt ansieht. Und deren Sicht kommt einem vor wie reine Willkür. Um mehr Erfolg zu haben, nimmt man sich dann für künftige Schreibaufgaben vor, seinen Text noch mehr als bisher "für" die Lehrkraft zu verfassen. Aber das ist meistens keine gute Idee, weil dadurch die Eigenverantwortung für die Bewältigung der Schreibaufgabe auf der Strecke bleiben kann. Was noch schlimmer ist: So entstehen oder vertärken sich häufig Schreibblockaden.

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    Schreibschwierigkeiten haben viele Ursachen

    Wem es immer wieder schwerfällt, Texte zusammenzufassen, fragt sich häufig ziemlich verunsichert, wie er/sie das ändern könnte. Wie bei allen Schreibschwierigkeiten hängt das von einer ganzen Reihe von Faktoren ab und jeder Fall liegt vielleicht etwas anders.

    Aber: Dem Problem kann man kaum beikommen, wenn man andere Fragen erörtert als die, was wichtig oder unwichtig in einem Text ist. So ist für die wissenschaftliche Schreibforschung längst klar, dass

    SchreiberInnen, die Probleme beim Zusammenfassen von Texten haben, im Allgemeinen zu großen Respekt vor dem Wortlaut des fremden Textes haben. Sie stecken dadurch in der Falle, weil sie sich nicht am Ende gar nicht mehr zutrauen, fremde Texte zu rezipieren und zu verstehen.

    Wem es so geht, der wird spätestens bei der Forderung nach eigenständiger sprachlicher Wiedergabe in große Schwierigkeiten kommen und bei seiner Zusammenfassung am Originaltext "kleben". Was dabei herauskommt, sind dann viel zu viele wörtliche und sinngemäße Übernahmen aus dem Text. Mit diesem Paraphrasieren des Textes glaubt man, noch am wenigsten falsch zu machen.

    Die Schreibblockade beginnt oft mit dem falschen Lesen

    Wenn es zur Schreibblockade kommt, ist meistens schon im Vorfeld, beim Erfassen des Textes, einiges schief gelaufen. Oft beginnt dies mit einer falschen Lesestrategie.

    Statt einen Text mehrfach zu lesen und mit den jeweiligen Lektüredurchgängen verschiedene Leseziele zu verfolgen, legt man vermeintlich gleich so richtig los. Bei der ersten Leküre eines Textes empfiehlt es sich aber, diesen erstmal kursorisch zu lesen, um die größeren Textzusammenhänge zu verstehen. Erst dann sollte man den Text in einem zweiten Lektüredurchgang intensiv lesen.

    Wer einen fremden Text schon beim ersten Lesen intensiv liest, kann sich schnell an Details festlesen. Dadurch dauert nicht nur der ganze Vorgang zur Texterfassung länger. Wer so vorgeht, dem sitzen meistens noch Schreiberfahrungen im Nacken wie beispielsweise ein enormer Zeitdruck, die Schreibaufgabe in einer vergebenenen Zeitdauer zu bewältigen.

    Statt also den Text mehrfach zu lesen - man glaubt dann allen Ernstes, dies sei die eigentliche Zeitverschwendung! - werden schon beim ersten Lesen eines Primärtextes, aus Angst, Wesentliches zu übersehen, viel zu viel und dazu noch ganze Sätze oder längere Textpassagen angestrichen oder markiert. Oft setzt sich dies fort in einem Verfahren, bei dem Schreiberinnen und Schreiber sich beim Lesen eine Unmenge von Notizen machen und eine besonders große Anzahl von Textstellen wörtlich oder sinngemäß exzerpieren. Und am Ende bringt man unter dem dadurch entstandenen Zeitdruck das Ganze nicht mehr zu einer vernünftigen Niederschrift oder fühlt sich rundum "blockiert."

    Geht man bei der Erfassung eines Textes mit mehrmaligem Lesen des Textes vor, ergeben sich häufig schon jene Gesichtspunkte, die nach Ansicht des Bearbeiters bei der Textwiedergabe als Information über den Text besonders wichtig sind. Denn auf diese Art und Weise kann man einen Text, seine inhaltichen, argumentativen oder auch erzählerischen Strukturen erschließen. Lassen sich diese zu größeren und abstrakteren Einheiten begrifflich zusammenfassen, dann ist dies ein weiterer Indidkator dafür, dass diese Aspekte für den Text und seine Aussagen bzw. das Textverständnis des Rezipienten relevant sind.

    Anders als bei einer allgemeinen Textzusammenfassung in den verschiedenen Schreibformen fällt die Frage danach, was wichtig oder unwichtig in einem Text ist, natürlich aus, wenn herausgearbeitet werden soll, was in einem Text, unter einer bestimmten Fragestellung betrachtet, steht.

    In der Regel hat ein schreibblockierter Zusammenfasser

    • den Sinn des jeweils rezipierten Textes nicht zur Kenntnis genommen

    • den Sinn des Textes in viele verschiedene "Einzelsinne" zerlegt und damit

    • den Sinn des rezipierten Textes aus den Augen verloren.

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    Wer seine Schreibschwierigkeiten los haben will, muss sein Leseverhalten ändern. Nur so kann man das Vertrauen gewinnen, dass man bei gezieltem und selektivem Lesen noch immer das Wesentliche eines Textes erfassen kann. Man merkt dann meistens auch, dass man Texte auch schneller erfassen kann. Denn wenn man zu lange wie das Kanichen vor der Schlange auf den Text starrt und sich wenig Gedanken darum macht, was wichtig oder unwichtig ist oder wie es sich in einem eigenständigen Text zusammenfassen lässt, kommt am Ende bei der Niederschrift unter Zeitdruck und kann seinen Text zumindest nicht mehr überarbeiten.

    Wer dazu neigt, am Text zu "kleben", kann versuchen, die erste Textzusammenfassung (Entwurf)

    • ohne den ganz zur Seite gelegten Primärtext zu schreiben

    • einzig mit der zuvor erstellten einfachen oder strukturierenden Aussagenliste zu verfassen.

    Wer zuviel herausschreibt, sollte einfach einmal versuchen, die Zitate wegzulassen und sich allein auf den Gedankengang des Primärtextes konzentrieren und die wörtlichen oder singgemäßen Zitate erst in einem zweiten Arbeitsgang hinzufügen. Erst denken, dann schreiben lautet hier die Devise.

    In teilweise kooperativen Schreibprozessen wie z. B. Schreibkonferenzen u. ä. kann man anderen Schreibgruppenmitglieder in einem Schüler-Schüler-Gespräch (Peer-Feedback) sagen, wie man den Text verstanden hat.

    Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden

    Klingt vielleicht "blöd", ist aber dennoch richtig: Wenn man einen Text mit einer geeigneten Lesestrategie angeht, ergeben sich Aufschlüsse über das, was wichtig und weniger wichtig ist, von alleine. Denn auf diese Art und Weise erschließt man den Text und gelangt zu einem vertieften Verständnis des Textes, seines Inhalts und Gedankenganges, seiner argumentativen oder auch erzählerischen Strukturen. Und doch bleibt die Entscheidung darüber, was man bei seiner Textwiedergabe als Information über einen Text zusammenfasst, zusammenfasst eine subjektive Entscheidung des Bearbeiters, die an eine besondere Adressatenorientierung (Schreibszenario: "Jemand, der den Text nicht kennt, soll erfahren, was sein wesentlicher Inhalt ist) gekoppelt ist.

    Und: Wer schon einmal versucht hat, einen Lexikonartikel zusammenzufassen, weiß, dass es Texte mit so gut wie keinem Kürzungspotential gibt.

    Die Frage, wie lernt man also das Zusammenfassen von Texten, lässt sich nicht einfach beantworten. In jedem Fall müssen einige Dinge wirklich ineinandergreifen, damit die Produktion von Textzusammenfassungen gelingen kann.

    Bewährte Lesestrategien (SQR3- oder SPQ4R-Methode) können weiterhelfen. Aber auch mit der Anwendung der W-Fragen-Methode kann man gut arbeiten.

    Mit W-Fragen kann man in jedem Fall versuchen, Wichtiges von Unwichtigem in einem Text zu scheiden.

    Dabei geht man - kurz gesagt - so vor:

    Man stellt W-Fragen an den Text. Der Text muss auf die gestellte W-Frage antworten.

    • Antwortet der ganze Text auf diese Frage, dann handelt sich sich in so gut wie jedem Fall um einen wichtigen Inhalt oder Gedankengang.

    • Antworten einzelne, größere Textabschnitte ab die Frage, dann dürfte es sich ebenfalls ums einen wichtigen Inhalt handeln.

    • Antworten dagegen nur wenige Bemerkungen auf die Frage, dann scheint dies eher unwichtig zu sein.

    Wohlgemerkt, auch dann mit den besten Lesestrategien kann man aber nicht verbindlich und objektiv festlegen, was für einen Text relevant ist. Aber: Wer nach Ihnen vorgeht, wird immer mehr Sicherheit gewinnen und so manche Schreibschwierigkeit beim Zusammenfassen von Texten überwinden.

    Mehr?

    Mehr über Schreibschwierigkeiten und Lesestrategien: Einfach "googlen": "teachsam schreibschwierigkeiten" oder "teachsam lesestrategien" oder "teachsam schreibstrategien"