• Lyrik der Romantik
  • Schmacker
    premium
  • 04.06.2019
  • Deutsch
  • 11, 13, 10, 12
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  • Sehnsucht (1834)
    von Joseph Freiherr von Eichendorff


    Es schienen so golden die Sterne,
    Am Fenster ich einsam stand
    Und hörte aus weiter Ferne
    Ein Posthorn im stillen Land.
    Das Herz mir im Leib entbrennte,
    Da hab ich mir heimlich gedacht:
    Ach, wer da mitreisen könnte
    In der prächtigen Sommernacht!


    Zwei junge Gesellen gingen
    Vorüber am Bergeshang,
    Ich hörte im Wandern sie singen
    Die stille Gegend entlang:
    Von schwindelnden Felsenschlüften,
    Wo die Wälder rauschen so sacht,
    Von Quellen, die von den Klüften
    Sich stürzen in die Waldesnacht.


    Sie sangen von Marmorbildern,
    Von Gärten, die überm Gestein
    In dämmernden Lauben verwildern,
    Palästen im Mondenschein,
    Wo die Mädchen am Fenster lauschen,
    Wann der Lauten Klang erwacht
    Und die Brunnen verschlafen rauschen
    In der prächtigen Sommernacht. –


    Quelle:https://gutenberg.spiegel.debuchgedichte-9611/18 (4.06.2019)

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