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  • Redwiedergabe - Indirekte Rede - Grammatische Vorausetzungen: Modi
  • Egle-www.teachsam.de
  • 12.10.2016
  • Deutsch
  • 10, 11, 12, B2, C1, C2
  • https://www.tutory.de/w/9142b560

    Grammatische Voraussetzungen der indirekten Rede

    Der Modus macht's

    Wer die indirekte Rede korrekt beherrschen will, muss sich mit bestimmten Regeln der Wortgrammatik auskennen.

    Dazu gehört vor allem die Kenntnis der beiden Aussageweisen von Verben: Indikativ und Konjunktiv.

    Jede finite Verbform drückt auch einen Wahrheitsanspruch aus

    Mit der Wahl des entsprechenden Modus (Mehrzahl/Plural: Modi) kann ein Sprecher mit der finiten Verbform (gehe, gehst, geht ...) ausdrücken,

    • ob das Gesagte wirklich den Tatsachen entspricht bzw. diesen Tatsachen entsprechen soll

    • ob man es nur gedacht hat,

    • ob man es nur für wünschenswert, möglich oder unmöglich oder unwirklich hält

    • ob man etwas Bestimmtes nur gehört, über einen Dritten erfahren oder nur gelesen hat

    Jede finite Verbform steht in einem Modus, den man auch Aussageweise nennt.

    Das bedeutet, dass wir, sobald wir beim Sprechen finite Verbformen verwenden, einen Wahrheitsanspruch ausdrücken müssen.

    Wir müssen also damit zu verstehen geben,

    • ob das Gesagte nach unserer Meinung wirklich gilt

    • ob es u. U. nur vermutet ist oder

    • ob wir es gar für irreal halten.

    Diesen Wahrheitsanspruch drücken wir, im Prinzp "ganz automatisch" aus, wenn wir die Verben in einer finiten Verbform (Personalform, Konjugationsform) verwenden.

    In der deutschen Sprache gibt es drei bzw. vier verschiedene Modi

    Die drei bzw. vier Modi, deren Aufgaben nicht völlig trennscharf abgegrenzt werden können, sind:

    • Indikativ

      Beispiel: Tim trifft sich heute mit Franziska.

    • Konjunktiv

      Beispiele:

      Der Bauleiter sagte, die Erdarbeiten seien wegen des anhaltenden Regens einzustellen.Seien Sie doch mal einen Augenblick still!Anna behauptete, sie habe davon nichts gewusst.

    • Imperativ

      Beispiele: Komm! Geh!

    • Konditional

      Beispiele:

      Ich würde sagen, …Es heißt, er würde ohne seine Begleiter kommen.Du würdest das wirklich für mich tun?Würden Sie mir einen Gefallen tun?

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    Was leisten eigentlich die verschiedenen Modi eines Verbs?

    1. Der Indikativ (Wirklichkeitsform)

    Der Indikativ (lat. indicare = anzeigen) wird auch Wirklichkeitsform genannt und stellt die "neutrale Normalform finiter Verben" dar (Heringer 1989, S.52) In einem Hauptsatz verwendet, soll damit ausgedrückt werden, dass etwas, zumindest nach Ansicht des Sprechers, als wirklich und tatsächlich, im weitesten Sinne "als real 'aufzeigbar'" gelten soll. (Hinze 1968, S. 175)

    Beispiel: Tim trifft sich heute mit Franziska.

    2. Der Konjunktiv (Möglichkeitsform)

    Der Konjunktiv wird auch Möglichkeitsform genannt. Wegen ihrer Gemeinsamkeiten werden die Konjunktive des Präsens, des Perfekts, des Futur I und des Futur II als Konjunktiv I bezeichnet. Die Konjunktive des Präteritums und des Plusquamperfekts als Konjunktiv II. Mit dem Konjunktiv können Aussagen als unsicher, als möglich oder nur erwünscht dargestellt werden.

    Darüber hinaus kann der Konjunktiv kennzeichnen, dass etwas Gesagtes oder Geschriebenes nur wiedergegeben wird. (»Indirekte Wiedergabe)

    Beispiele: 1) Der Bauleiter sagte, die Erdarbeiten seien wegen des anhaltenden Regens einzustellen. 2) Seien Sie doch mal einen Augenblick still! 3) Anna behauptete, sie habe davon nichts gewusst.

    3. Der Imperativ (Befehlsform)

    Der Imperativ wird auch Befehlsform genannt. Mit dem Imperativ richtet ein Sprecher eine Aufforderung oder einen Befehl an einen anderen oder spricht ein Verbot aus.

    Beispiele: 1) Komm! 2) Geh! 3) Marsch, marsch!

    4. Der Konditional

    Der Konditional, der mit dem Konjunktiv II von "werden" gebildet wird, wird häufig wie der Konjunktiv II verwendet. Er dient dann dazu

    • einen distanzierten Bericht oder die indirekte Wiedergabe zu signalisieren,

    • etwas nur im Geiste Vorgestelltes, aber nicht Wirkliches (Irrealität) auszudrücken,

    • den Geltungsanspruch einer Aussage abzumildern,

    • Höflichkeitsfloskeln zu formulieren

    Beispiele: 1) Ich würde sagen, … 2) Es heißt, er würde ohne seine Begleiter kommen. 3) Du würdest das wirklich für mich tun? 4) Würden Sie mir einen Gefallen tun?

    In der mündlichen und schriftlichen Kommunikation kommt es häufig vor, dass die Formen des Konditional für Konjunktiv-II-Formen verwendet werden. Dies liegt vor allem an der Nicht-Eindeutigkeit vieler Konjunktiv-II-Formen und daran, dass "die (an sich eindeutigen) Konjunktiv-II-Formen bestimmter schwacher Verben (vgl. böte, dränge, gewänne/gewönne, hälfe/hülfe, schwämme/schwömme) heute als allzu altertümlich gelten und meist mit würde umschrieben werden." (Engel 1996, S.422)Beispiele:

    1) Er erklärte, er würde helfen, wenn er rechtzeitig zu Hause sei. 2) Er erklärte, er hülfe, wenn er rechtzeitig zu Hause sei. 3) Sie versicherte den Kindern, sie würden wieder schwimmen, sobald das Ge-witter zu Ende sei. 4) Sie versicherte den Kindern, sie schwömmen wieder, sobald das Gewitter zu Ende sei.

    (Quellen: Engel, Ulrich: Deutsche Grammatik, Heidelberg: Julius Groos Verlag 1988; 3., korrigierte Aufl. 1996

    - Heringer, Hans Jürgen: Grammatik und Stil. Praktische Grammatik des Deutschen, Frankfurt/M.: Cornelsen-Hirschgraben-Verlag 1989 - Hinze, Fritz: Deutsche Schulgrammatik, Stuttgart: Klett 1968)