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  • Visualisieren - Schreibaufgabe: Visualisieren Sie den Text
  • Egle-www.teachsam.de
  • 02.11.2016
  • Deutsch
  • 11, 12, 1. Lehrjahr, 2. Lehrjahr, 3. Lehrjahr, B2, C1
  • https://www.tutory.de/w/b75f9ce0

    Eine komplexe Schreibaufgabe

    Visualisieren Sie den Text

    Die Arbeitsaufgabe, einen Text zu visualisieren, kann mit oder ohne eine den Auftrag zur Visualisierung konkretisierende Erweiterung gestellt werden.

    Je nach Text und Textinhalt und der formulierten Schreibaufgabe kann es dabei, darum gehen

    • entweder inhaltliche Strukturen eines Textes in einem Strukturbild des Textes zu visualisieren

    • oder inhaltliche Strukturen in einem Strukturbild und die im Text enthaltenen Daten in Form von Diagrammen zu veranschaulichen

    Unterschiedliche Arbeitsanweisungen

    Die allgemeine Visualisierungsaufgabe ist häufig so gestaltet:

    • "Visualisieren Sie den Text ..." oder

    • "Visualisieren Sie [eine bestimmte Textstelle / einen bestimmten Textauszug].

    Oft wird auch eine genaue Angabe zur Art der Visualisierung gemacht. Dann könnte

    der Schreibauftrag z. B. lauten: "Visualisieren Sie den Text als Strukturbild."

    Grundsätzlich sind auch andere konkretisierte Aufträge zur Visualisierung möglich. So kann auch verlangt sein

    • bestimmte Visualisierungstechniken, z. B. als Mind Map oder Concept Map, anzuwenden, oder

    • besondere (Prinzip-)Darstellungen zu gestalten, wie z. B. bei der folgenden Arbeitsanweisung: "Visualisieren Sie den Text in Form einer Argumentationsskizze".

    Die komplexe Schreibaufgabe

    Dass es sich bei der Aufgabe zur Visualisierung von Texten um eine komplexe Schreibaufgabe handelt, die Kompetenzen in verschiede-nen Bereichen verlangt, veran-schaulicht das nebenstehende Schaubild.

    Arbeitsanregungen

    Beschreiben und erläutern Sie das nebenstehende Schaubild.

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    Eine komplexe und anspruchsvolle Schreibaufgabe

    Strukturbilder von Texten

    Beim Visualisieren von Texten in Form eines Strukturbildes geht es darum, adressatenorientiert Informationen, Aussagen und Strukturen eines Textes in einer übersichtlichen Form unter Verwendung textlicher, grafischer, typografischer und bildlicher Elemente als Strukturbild zu veranschaulichen.

    Strukturbilder von Texten stellen stets auch eine Zusammenfassung eines Textes dar, die nur gelingen kann, wenn ein Text erfasst und verstanden worden ist.

    Die Visualisierungsaufgabe entlastet den Schreiber nur davon, eine herkömmliche Zusammenfassung und/oder Analyse eines Textes zu schreiben.

    Auf der anderen Seite müssen Aussagen über den Inhalt, den Aufbau und sonstige Strukturen des Textes in ein komplexes Zeichensystem von Wörtern und Begriffen, grafischen und typografischen Elementen, die selbst wieder Bedeutung tragen, "übersetzt" werden. Wenn z. B. Ursache- und Wirkungszusammen-hänge visualisiert werden sollen, müssen diese eben nicht nur erkannt, sondern auch mit geeigneten Mit-teln in einem Strukturbild umgesetzt werden. Und: "Auf den Punkt bringen" muss man die Informationen auch noch, d. h. sie begrifflich so verdichten, dass sie in das Schaubild "passen". Dadurch kann, je nach Text wohlgemerkt, das Anforderungsniveau einer Visualisierungsaufgabe beträchtlich höher liegen als bei einer herkömmlichen, referierenden Inhaltsangabe.

    Planen - formulieren - überarbeiten

    Der dreistufige Schreibprozess

    Wer einen Text in Form eines Strukturbildes visualisieren will, sollte dabei in drei Stufen vorgehen (vgl. Flower und Hayes 1980).

    1. Planen

    In der Planungsphase wird der Text erfasst. Dabei richtet sich das Augenmerk auf die äußere und innere Textstruktur.

    • Die äußere Textstruktur umfasst die Gliederung des Textes durch Absätze und Leerzeilen, die Hinweise auf einzelne Sinnabschnitte des Textes geben können. Besonders wichtig sind auch Nummerierungen oder Zwischenüberschriften, die die Inhalte und Aussagen des (Ausgangs-)Textes strukturieren.

    • Bei der inneren Textstruktur geht es um den inhaltlichen, gedanklichen und argumentativen Aufbau eines Textes. Hier geht es um die Art und Weise, wie Sachverhalte dargestellt und begründet werden (Sinnabschnitte, Argumentationsstrukturen). Dafür gibt es unterschiedliche Arbeitstechniken.

    2. Formulieren/gestalten/entwerfen

    In der Formulierungs- bzw. Entwurfsphase wird zunächst entschieden,

    • auf welche Art und Weise das Strukturbild erstellt werden soll (z. B. handschriftlich oder mit Hilfe eines Computerprogramms)

    • welche textlichen, grafischen, typografischen und bildlichen Elemente bei der Erstellung des Strukturbildes zum Einsatz kommen sollen.

    3. Überarbeiten und fertigstellen

    In der Überarbeitungsphase wird die endgültige Fassung des Strukturbildes erstellt. Dabei wird noch einmal an Hand des Textes überprüft, ob die erforderlichen Informationen im Strukturbild verarbeitet und in geeigneter Form zueinander in Beziehung gesetzt worden sind.

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    Darauf sollte man bei der grafischen und typografischen Gestaltung achten

    Für Strukturbilder von Texten gilt zunächst einmal, was für Strukturbilder aller Art zu sagen ist

    • Die Hauptinformation bzw. die wichtigsten Informationen müssen klar erkennbar und möglichst schnell erfassbar sein.

    • Die Berücksichtigung der natürlichen Blick-richtung von links nach rechts und von oben nach unten erleichtert die Aufnahme und das Verständnis.

    • Strukturbilder sollten nicht überladen werden. Weniger ist manchmal mehr!

    • Sind die Informationen in einem Text sehr umfangreich und so komplex, dass man sie nicht in einem einzigen Strukturbild veranschaulichen kann, sollte man u. U. mehrere Strukturbilder anfertigen.

    • Zusammengehörige Sinneinheiten sollten zu Blöcken zusammengefasst werden. Diese können eingerahmt ("eingekastelt") werden und ggf. mit der gleichen Farbe gekennzeichnet werden.

    • Wörter, die als Großbuchstaben geschrieben werden, können z. B. übergeordnete Begriffe aufgefasst werden.

    • Formgebung und Größe von Objekten (Blöcken) , sowie die Strichlänge und -breite und die Farbgebung sind wirkungsvolle Gestaltungs-mittel und sollten möglichst variiert werden.

    • Auch freier Raum im Strukturbild kann ein Gestaltungselement sein.

    • Pfeile und Verbindungslinien sollen Beziehungen zwischen den Objekten (z. B. Ursachen-Folgen, Wechselbeziehungen etc.) verdeutlichen. Ihre Strichbreite und Farbgebung sollte möglichst bewusst variiert werden, um damit gegebenenfalls Betonungen von bestimmten Beziehungen vorzunehmen.

    Quellen u. a.:

    • Flower, Linda and John R. Hayes (1980): The dynamics of composing: Making plans and juggling constraints, in: Gregg, Lee W./Seinberg, Erwin (eds.) (1980): Cognitive processes in writing, Hillsdale, NJ: Lawrence Erlbaum, S. 31-50

    • Kruse, Otto und Gabriele Ruhmann (2006): Prozessorientierte Schreibdidaktik: Eine Einführung, in: Kruse, Otto; Berger, Katja und Marianne Ulmi (Hg.) (2006): Prozessorientierte Schreibdidaktik. Schreibtraining für Schule, Studium und Beruf, Bern ...: Haupt Verlag 2006 S.13-35)

    Strukturbild zu Wolfgang Borcherts Kurzgeschichte "Nachts schlafen die Ratten doch"
    Strukturbild zu Wolfgang Borcherts Kurzgeschichte "Nachts schlafen die Ratten doch"

    Ein Beispiel:

    Strukturbild zu einer Kurzgeschichte mit verschiedenen grafischen und typografischen Gestaltungselementen

    Arbeitsanregungen

    • Beschreiben Sie, welche grafischen und typografischen Elemente die nebenstehende Visualisierung der Kurzgeschichte verwendet.

    • Erläutern Sie dabei ihre Funktion.