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  • Inhaltsangabe - Übungstext" Brot gegen Böller"
  • Egle-www.teachsam.de
  • 06.10.2016
  • Berufsschulabschluss, Hauptschulabschluss, Mittlere Reife
  • Deutsch
  • 9, 10, 1. Lehrjahr, 2. Lehrjahr, 3. Lehrjahr
  • https://www.tutory.de/w/d1459890

    Brot gegen Böller

    Gert Egle





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    Die "Bild"-Zeitung vom 1.1.2016 kürte den Mann zum größten "Knallkopp" von Berlin, weil er in der Silvesternacht über mehrere Stunden hinweg nach eigenen Angaben Feuerwerks- körper im Wert von 6.000 Euro zum Explodieren brachte und in den Nachthimmel verschoss. Ein Wunder fast, dass dabei nichts passierte. Denn schnell ist, wie übrigens in Hunderten von Fällen bei jedem Jahreswechsel, die ganze Neujahrs- freude dahin, wenn wegen unsachgemäßer Böllerei Hände und Gesichter aufs Schwerste verbrannt werden oder Menschen ein Knalltrauma erleiden. Die Freude am Zünden von Feuerwerkskörpern ist in Deutschland sehr groß. Selbst in Krisenzeiten heften viele Menschen ihre Hoffnungen an die Zündschnüre von Raketen oder vertreiben ihre Sorgen mit dem Knall eines Kanonenschlages. Der Silvesterumsatz mit Feuerwerksartikeln jedenfalls soll nach Schätzungen des Verbandes der pyrotechnischen Industrie 2015 in Deutschland wie im Vorjahr bei etwa 129 Millionen Euro liegen. Zehn Jahre zuvor waren das noch 96 Millionen. Feuerwerke anderer Art nicht mit eingerechnet.Gründe, warum so viele Menschen von Feuerwerken im Allgemeinen und dem Silvesterfeuerwerk im Besonderen fasziniert sind, gibt es viele. Einige hängen unmittelbar mit der Tradition und Bräuchen zusammen. In der letzten Zeit ist aber auch ein Trend festzustellen, der vom privaten Kleinfeuerwerk im Kreis der Familie und von Freunden wegführt. Outdoor-Silvesterpartys mit Hunderttausenden von Teilnehmerinnen und Teilnehmern trotzen Wind und Wetter und ihre Fans lassen sich unter dem Schutz von Polizeikräften, auch bei Angst vor Terroranschlägen, ihr Vergnügen beim gemeinsamen Feiern und Böllern in der Öffentlichkeit nicht nehmen. Vielleicht schließt sich dieses Verhalten auch an die Tradition an, mit der man in der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr schon seit Menschengedenken Dämonen, Hexen und Geister mit allerlei Lärm und Geräuschen vertreiben wollte. Und: Für das, was von dem Spuk zurückbleibt, nämlich abertausend Tonnen von Müll, sind schließlich der Staat und die Gemeinden zuständig.Der Luft selbst tut die ganze Böllerei nicht besonders gut. So hat man z. B. in Baden-Württemberg am Neujahrstag 2016 gemessen, dass die Feinstaubbelastung deutlich angestiegen war. Die Schadstoffe, die mit jeder in den Himmel gejagten Rakete in der Luft verteilt werden und in unsere Atemluft zurückkehren, machen vielen Menschen gesundheitlich kurz- oder auch längerfristig zu schaffen. Dass die Böllerei für viele Tiere ein Albtraum ist, Hunde, Katzen oder Pferde in Angst und Panik versetzen können, kann aber auch eingefleischte Liebhaber der Vierbeiner kaum davon abhalten, den Jahreswechsel mit Kanonenschlägen "einzuläuten".Aber nicht bei allen, und beileibe nicht nur bei den notorischen "Spaßbremsen", kommt die Silvesterknallerei nicht gut an. Schon seit 1981 ruft die Hilfsorganisation Brot für die Welt dazu auf, wenigstens einen Teil der für Silvesterfeuerwerk ausgegebenen Geldsumme für die Entwicklungshilfe zu spenden. Für die Präsidentin der Organisation, Cornelia Füllkrug-Weitzel, steht fest: "Der Spaß, den ein Feuerwerk macht, ist nur kurz. Die Freude, die durch Teilen entsteht, ist von Dauer (1)." Allerdings sind solche "Statt-Böller-Kampagnen" keineswegs unumstritten. So erklärt z. B. die Berliner TAZ den "Zusammenhang zwischen dem Hunger in Afrika und dem Geböller" für schlichtweg "konstruiert". Sie beruft sich auf die Aktion Dritte Welt Saar, die darin eine Beliebigkeit sieht, die genauso gut in einer Kampagne wie "Brot statt Jogginganzüge" fortgeführt werden könne. Auf die eigentlichen Ursachen für den Hunger in der Welt werde jedenfalls während der Brot-statt-Böller-Kampagne nicht hingewiesen. Um an Spenden zu kommen, werde damit dem Normalbürger ein schlechtes Gewissen gemacht, indem man ihm einrede, sein punktuelles und persönliches Verhalten "habe irgendwie was mit dem Elend in Afrika zu tun". Für die Aktion Dritte Welt Saar ist das Ganze aber auch eine typisch protestantische "Lustfeindlichkeit".(2)

    Die "Bild"-Zeitung vom 1.1.2016 kürte den Mann zum größten "Knallkopp" von Berlin, weil er in der Silvesternacht über mehrere Stunden hinweg nach eigenen Angaben Feuerwerks- körper im Wert von 6.000 Euro zum Explodieren brachte und in den Nachthimmel verschoss. Ein Wunder fast, dass dabei nichts passierte. Denn schnell ist, wie übrigens in Hunderten von Fällen bei jedem Jahreswechsel, die ganze Neujahrs- freude dahin, wenn wegen unsachgemäßer Böllerei Hände und Gesichter aufs Schwerste verbrannt werden oder Menschen ein Knalltrauma erleiden. Die Freude am Zünden von Feuerwerkskörpern ist in Deutschland sehr groß. Selbst in Krisenzeiten heften viele Menschen ihre Hoffnungen an die Zündschnüre von Raketen oder vertreiben ihre Sorgen mit dem Knall eines Kanonenschlages. Der Silvesterumsatz mit Feuerwerksartikeln jedenfalls soll nach Schätzungen des Verbandes der pyrotechnischen Industrie 2015 in Deutschland wie im Vorjahr bei etwa 129 Millionen Euro liegen. Zehn Jahre zuvor waren das noch 96 Millionen. Feuerwerke anderer Art nicht mit eingerechnet.Gründe, warum so viele Menschen von Feuerwerken im Allgemeinen und dem Silvesterfeuerwerk im Besonderen fasziniert sind, gibt es viele. Einige hängen unmittelbar mit der Tradition und Bräuchen zusammen. In der letzten Zeit ist aber auch ein Trend festzustellen, der vom privaten Kleinfeuerwerk im Kreis der Familie und von Freunden wegführt. Outdoor-Silvesterpartys mit Hunderttausenden von Teilnehmerinnen und Teilnehmern trotzen Wind und Wetter und ihre Fans lassen sich unter dem Schutz von Polizeikräften, auch bei Angst vor Terroranschlägen, ihr Vergnügen beim gemeinsamen Feiern und Böllern in der Öffentlichkeit nicht nehmen. Vielleicht schließt sich dieses Verhalten auch an die Tradition an, mit der man in der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr schon seit Menschengedenken Dämonen, Hexen und Geister mit allerlei Lärm und Geräuschen vertreiben wollte. Und: Für das, was von dem Spuk zurückbleibt, nämlich abertausend Tonnen von Müll, sind schließlich der Staat und die Gemeinden zuständig.Der Luft selbst tut die ganze Böllerei nicht besonders gut. So hat man z. B. in Baden-Württemberg am Neujahrstag 2016 gemessen, dass die Feinstaubbelastung deutlich angestiegen war. Die Schadstoffe, die mit jeder in den Himmel gejagten Rakete in der Luft verteilt werden und in unsere Atemluft zurückkehren, machen vielen Menschen gesundheitlich kurz- oder auch längerfristig zu schaffen. Dass die Böllerei für viele Tiere ein Albtraum ist, Hunde, Katzen oder Pferde in Angst und Panik versetzen können, kann aber auch eingefleischte Liebhaber der Vierbeiner kaum davon abhalten, den Jahreswechsel mit Kanonenschlägen "einzuläuten".Aber nicht bei allen, und beileibe nicht nur bei den notorischen "Spaßbremsen", kommt die Silvesterknallerei nicht gut an. Schon seit 1981 ruft die Hilfsorganisation Brot für die Welt dazu auf, wenigstens einen Teil der für Silvesterfeuerwerk ausgegebenen Geldsumme für die Entwicklungshilfe zu spenden. Für die Präsidentin der Organisation, Cornelia Füllkrug-Weitzel, steht fest: "Der Spaß, den ein Feuerwerk macht, ist nur kurz. Die Freude, die durch Teilen entsteht, ist von Dauer (1)." Allerdings sind solche "Statt-Böller-Kampagnen" keineswegs unumstritten. So erklärt z. B. die Berliner TAZ den "Zusammenhang zwischen dem Hunger in Afrika und dem Geböller" für schlichtweg "konstruiert". Sie beruft sich auf die Aktion Dritte Welt Saar, die darin eine Beliebigkeit sieht, die genauso gut in einer Kampagne wie "Brot statt Jogginganzüge" fortgeführt werden könne. Auf die eigentlichen Ursachen für den Hunger in der Welt werde jedenfalls während der Brot-statt-Böller-Kampagne nicht hingewiesen. Um an Spenden zu kommen, werde damit dem Normalbürger ein schlechtes Gewissen gemacht, indem man ihm einrede, sein punktuelles und persönliches Verhalten "habe irgendwie was mit dem Elend in Afrika zu tun". Für die Aktion Dritte Welt Saar ist das Ganze aber auch eine typisch protestantische "Lustfeindlichkeit".(2)

    (aus: Süddeutsche Welt, 20.1.2016)*

    *Erscheinungsort und -datum erfunden

    Arbeitsanregungen

    1. Verfassen Sie eine Inhaltsangabe zu dem Text.

    2. Wie stehen Sie selbst zur Silvesterböllerei?

    Anmerkungen:1) http://www.brot-fuer-die-welt.de/so-helfen-sie/brot-statt-boeller.html?gclid=CP2f9O-4jsoCFQb3wgod1PwJDA2) http://www.taz.de/!5076331/