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  • Argumentieren - Toulmin-Modell der Argumentation - Überblick
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  • 23.11.2016
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    Argumentieren

    Argumentationsmodell von Stephen Toulmin

    Der britische Wissenschaftstheoretiker und Philosoph Stephen Toulmin hat 1957 ein Argumentations- modell entwickelt, wonach eine argumentative Struktur auf sechs Elementen beruht. Es zeigt, dass in jeder Argumentation eine These (conclusion) in Beziehung zu bestimmten Argumenten ("data") gesetzt wird.

    Schlussregeln

    • sind "hypothetische, brückenartige Aussagen" (Toulmin 2. Aufl. 1996, S.96), die von Schlussfolgerungen und Argumenten streng unterschieden werden müssen,

    • zeigen an, dass der Schritt vom Argument / von den Argumenten "auf die ursprüngliche Behauptung oder Schlussfolgerung angemessen und legitim ist" (Toulmin 2. Aufl. 1996, S.89),

    • sind allgemein gehalten und gelten für alle (besonderen) Argumentationen des betreffenden Typs, sind entweder zwingend oder eingeschränkt gültig (vgl. Toulmin 2. Aufl. 1996, S.91)

    1. Ohne Schlussregel keine Argumentation

    Eine strittige Behauptung bzw. These (von Toulmin "claim"; abgekürzt: C; Konklusion genannt) wird durch Argumente ("Datum" bzw. "Data", abgekürzt: D; Tatsachen) begründet.

    Damit diese (Aussagen über) Tatsachen überhaupt die Rolle von Begründungen für eine bestimmte These übernehmen können, müssen sie in ein bestimmtes logisches Verhältnis zur These gebracht werden. Das logische Verhältnis entsteht durch eine Regel, auf deren Grundlage eine bestimmte Schlussfolgerung gezogen bzw. eine These aufgestellt werden kann. Diese Schlussregel, nicht gleichbedeutend mit einer Schlussfolgerung (!), macht aus diesen Tatsachenbehauptungen ("Daten") eigentlich erst Argumente.

    Schlussregeln werden häufig nicht explizit ausgeführt

    • Eine derartige Schlussregel kann sehr kurz ausfallen und dann z. B. die Formen "Wenn D, dann C" oder "D; deshalb C" annehmen.

    • Sie kann aber auch ausführlich gestaltet wie folgt erscheinen: "Wenn die Daten x1, x2, x3 gegeben sind, dann kann man annehmen, dass C."

    • Schlussregeln, ohne die Argumentation nicht auskommt, werden allerdings nicht immer explizit formuliert. Sie sind sogar meistens nur implizit vorhanden. Zusammen mit Thesen (C) und Argumenten (D) bilden sie aber stets die Grundstruktur der Argumentation. (s. n. S.)

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    Die Grundstruktur einer Argumentation

    Schlussregeln

    • sind "hypothetische, brückenartige Aussagen" (Toulmin 2. Aufl. 1996, S.96), die von Schlussfolgerungen und Argumenten streng unterschieden werden müssen,

    • zeigen an, dass der Schritt vom Argument / von den Argumenten "auf die ursprüngliche Behauptung oder Schlussfolgerung angemessen und legitim ist" (Toulmin 2. Aufl. 1996, S.89),

    • sind allgemein gehalten und gelten für alle (besonderen) Argumentationen des betreffenden Typs,

    • sind entweder zwingend oder eingeschränkt gültig (vgl. Toulmin 2. Aufl. 1996, S.91)

    2. Der Geltungsanspruch einer Argumentation

    "Wer eine Behauptung aufstellt, erhebt damit einen Anspruch – einen Anspruch auf unsere Aufmerksamkeit und auf unseren Glauben", betont Stephen Toulmin (Toulmin 2. Aufl. 1996, S.17). Allerdings kann der Grad dieses Anspruchs verändert (modifiziert) werden. Das wiederum wirkt sich unmittelbar auf die jeweilige Schlussfolgerung aus, der dadurch eine unterschiedliche Stärke verliehen wird.

    Modaloperatoren markieren den Geltungsanspruch

    Wenn man den Geltungsanspruch oder Wahrscheinlichkeitsgrad der Argumentation einschränken will, kann man sich eines so genannten Modaloperators bedienen. Modaloperatoren sagen also etwas über die Relevanz der angewendeten Schlussregel im Allgemeinen und für den vorliegenden Fall aus.

    • Manche Schlussfolgerungen bzw. argumentativen Zusammenhänge erscheinen uns auf der Grundlage ihrer implizierten Schlussregel so zwingend, dass wir dies mit einem Modaladverb wie "notwendigerweise", o. ä. versehen.

    • Andere Schlussfolgerungen kommen uns nur "wahrscheinlich" vor, weil wir ihr Eintreten bloß vermuten. Formulierungen dieser Art nennt man Einschränkungsoperatoren, weil sie den Geltungsanspruch der These/Schlussfolgerung begrenzen.

    Ausnahmebedingungen

    Man kann den Geltungsanspruch einer Schlussfolgerung aber auch dadurch eingrenzen, dass man so genannte Ausnahmebedingungen formuliert. Sie geben die Umstände an, unter "denen die allgemeine Erlaubnis durch die Schlussregel aufgehoben werden müsste." (Toulmin 2. Aufl. 1996, S.92)

    Bestehen derartige Ausnahmebedingungen und werden sie in der Argumentation nicht aufgeführt, ist es natürlich ein Leichtes, die durch eine bestimmte Schlussregel legitimierte Schlussfolgerung/These anzufechten und zurückzuweisen.

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    3. Die Stützung der Schlussregel

    Oft macht man die Erfahrung, dass eine Argumenttion, nach dem Grundmuster nicht überzeugen kann. In einem solchen Fall, aber auch wenn man annimmt, dass das so sein könnte, muss man seine Argumentation "ausbauen"

    Dazu muss man weitere Aussagen heranziehen.

    Nötig ist dann, weitere Argumente zu finden, ohne die (implizite oder explizite) Schlussregel wesentlich zu ändern.

    Weitere Argumente untermauern damit die schon gezogene Schlussfolgerung bzw. die These und fügen der vorhandenen Begründung weitere hinzu. Diese Argumente bilden bei gleicher Schlussregel eine lineare Argumentationskette.

    Während man also in diesem Fall weitere Argumente auf der Basis einer verwendeten Schlussregel sucht und anführt, muss man bei der möglichen Anfechtung der Schlussregel anders verfahren. Sollen mögliche Einwände und Anfechtungen gegen die Schlussregel abgewehrt werden, muss man diese selbst stützen.

    Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.

    Aussagen, die zur Stützung der Schlussregel herangezogen werden, sollen bewirken,

    • dass die verwendete Schlussregel auf den von ihr beanspruchten Bereich von Argumentationen des gleichen Typs angewendet werden kann und diese Anwendung zulässig ist

    • dass die Anwendung der Schlussregel für den vorliegenden Fall zulässig ist.

    Im Allgemeinen stehen zur Stützung von Schlussregeln folgende Möglichkeiten zur Verfügung

    • Gesetze

    • Normen

    • Regeln

    • Prinzipien

    • Allgemeine Tatsachen

    • Anerkannte Bestimmungen

    • Anerkannte Erfahrungen

    • Bedürfnisse

    • Taxonomische Klassifikationen …

    Natürlich kann man nicht in jedem Fall auf eine dieser Möglichkeiten zurückgreifen. Wie die Stützung der Schlussregel also im Einzelnen erfolgt, hängt von verschiedenen Gesichtspunkten ab. Neben der Logik oder theoretisch-wissenschaftlichen Bezügen spielen dabei auch Erfahrungen eine Rolle oder eben auch das was allgemein oder innerhalb einer bestimmten Gruppe für plausibel gehalten wird.

    Gerade in Alltagsargumentationen wird häufig beim Übergang vom Argument ("data") zur These (Schlussfogerung, conclusion)g auf Auffassungen zurückgegriffen, die von vielen (unhintergragt) geteilt werden oder es wird auf irgendeine Art und Weise an den "mehr oder weniger gesunden Menschenverstand" appelliert. (vgl. Bayer 1999, S. 146f. )In der politischen Rhetorik sind dies ebenfalls "bewährte" und durchaus erfolgreiche Mittel, mit denen Populisten aller Art unterwegs sind.

    Quellen:

    • Bayer, Klaus (1999): Argument und Argumentation. Logische Grundlagen der Argumentationsanalyse, Opladen/Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 1999

    • Toulmin, Stephen (1975): Der Gebrauch von Argumenten, Kronberg i. Ts.: Scriptor-Verlag, 1975