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    Dialektische Erörterung

    Umstrittene Probleme erörtern

    Die dialektische Erörterung ist ein Typ der freien Erörterung oder Problemerörterung. Dabei geht es um die Erarbeitung und Darstellung kontroverser Ansichten zu einem bestimmten Problem, Ereignis oder Sachverhalt.

    Dialektisch bedeutet hier allgemein: Einer These (Behauptung) wird eine Antithese entgegengestellt. Zu ihnen muss eine eigenständige kritische Stellungnahme auf der Grundlage eigener Überzeugungen und / oder allgemeiner Wertvor-stellungen abgeben werden.

    Über das Thema streiten

    Bei einer dialektischen Erörterung ist der im Thema formulierte Sachverhalt - grundsätzlich betrachtet - strittig. Die einzunehmende Schreibrolle verlangt demnach nicht Kooperation mit, sondern in konstruktivem Sinn Streit um das Thema bzw. über das Thema. Kennzeichen dieser Rolle ist eine wertbezogene und kritische Einstellung zum Thema.

    Antwort auf eine Entscheidungsfrage

    Erkennungszeichen der dialektischen Erörterung ist gewöhnlich die Entscheidungsfrage, die in der Themenstellung formuliert wird.

    Die dialektische Erörterung lässt sich dabei stets als Antwort auf eine Entscheidungsfrage auffassen. Durch diese soll "ein Sachverhalt … in Frage gestellt" werden (Engel, 1988).

    Häufig erscheint die Entscheidungsfrage in Form einer Satzfrage als so genannter Stirnsatz, z.B.: Soll..., darf … kann etwas getan werden, geschehen etc.

    Allerdings kann sich der dialektische Erörterungstyp auch hinter Formulierungen "verstecken", die häufiger bei dem linearen auftreten. So kann ein dialektisches Thema auch im Gewand einer W-Frage auftreten bei Themenstellungen wie: Warum sollen…, wie beurteilen Sie…, was denken Sie über …?

    Wie beim linearen Typ gibt es einteilige oder mehrteilige Schreibaufgaben und wie dort kann ein Zitat einer Arbeitsanweisung vorangehen.

    Eine besondere Form der Themenstellung bei einer dialektischen Erörterung ist das so genannte Impuls-Thema.

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    Alternativfrage

    Während Ergänzungsfragen in die lineare Erörterung münden, werden Entscheidungsfragen dialektisch erörtert.

    Einen Sonderfall der Entscheidungsfrage stellt dabei die Alternativfrage dar, bei der ebenfalls eine Entscheidung verlangt wird.

    Eine dialektische Erörterung in Form einer Alternativfrage wird z. B. bei folgenden Themen verlangt:

    • Fernsehen oder YouTube?

    • Flüchtlingen Asyl gewähren oder abweisen?

    Kennzeichen dieser dialektischen Erörterungsthemen ist die Verwendung der Konjunktion »oder« und im Allgemeinen die Verwendung des Fragezeichens am Ende.

    Impulsthema

    Die dialektische Erörterung kann auch in Form eines so genannten Impuls-Themas gestellt sein. Dann handelt es sich um eine Aussage oder ein Zitat, dem keine weitere Arbeitsanweisung beigefügt worden ist. Als Zitat-Thema umfasst es dann begrifflich allerdings auch die Themen, zu denen eine Arbeitsanweisung für die dialektische Erörterung gehört.Diese Form des dialektischen Erörterungstyps ist damit stets auf eine Entscheidungsfrage angelegt.Diese Entscheidungsfrage lautet in ihrer einfachsten Form:

    Stimmt das oder stimmt das nicht?

    Von einem Impuls-Thema spricht man, wenn das Thema einzig und allein eine Aussage beinhaltet, ohne dass eine Arbeitsanweisung die Sicht auf den verlangten Erörterungstyp freigibt.

    Beispiele: Fernsehen macht dumm. - Geld regiert die Welt. - "Ich will machen, was ich will, und die anderen sollen machen, was sie wollen."

    In einem solchen Fall ist es ratsam, die Aussage als grundsätzlich strittig anzusehen und sie gegebenenfalls durch ihr sinnmäßiges Gegenteil in einen Pro-und-Contra-Zusammenhang mit abschließender Beurteilung zu stellen.

    Im Fall der vorstehenden Impuls-Themen kann man dies durch die Formulierung einer Entscheidungsfrage erreichen, die schon in die Nähe der Themafrage führt. Damit ist man bei der Betrachtung und Erschließung des Themas schon einen ordentlichen Schritt weitergekommen: Führt das Fernsehen zur Verdummung? - Werden die Geschicke der Welt hauptsächlich vom Geld und ihren Besitzern bestimmt? - Soll es stets möglich sein, das zu tun, was man will, solange man dem anderen die gleichen Rechte einräumt?

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    Zitatthema

    Wenn eine dialektische Erörterung verlangt wird, findet man oft auch ein einer Arbeitsanweisung vorangestelltes Zitat. Eine Themenstellung dieser Art wird mitunter auch "Zitathema" bezeichnet. Dieser Begriff kann aber auch ein Thema in Zitatform ohne Arbeitsanweisung umfassen. Dann wäre es ein Impuls-Thema..

    Im Allgemeinen ist ein Zitat-Thema als Entscheidungsfrage aufzufassen. Diese Entscheidungsfrage lautet in ihrer einfachsten Form: Stimmt das oder stimmt das nicht?

    Der verlangte Erörterungstyp wird in der Themafrage, die die Aussage des Zitats auf den Punkt bringt, deutlich herausgearbeitet.

    Allerdings verlangt dies bei der Betrachtung und Erschließung des Themas besondere Aufmerksamkeit. So lohnt es sich u. U. das Zitat genau zu erfassen und sich Gedanken zu den Schlüsselbegriffen zu machen.Im vorliegenden Beispiel sollte man sich daher über den Inhalt der folgenden Begriffe Klarheit verschaffen:

    Bei der Betrachtung und Erschließung des Zitats muss natürlich berücksichtigt werden, dass dem Bearbeiter der Schriftsteller Erich Kästner vielleicht namentlich bekannt ist, er aber über sein Leben und Werk, seine politischen Überzeugungen u. ä. keine näheren Informationen hat.

    Noch zwei Zitatthemen:

    • "Als ich 14 war, ärgerte ich mich über die Dummheit meines Vaters. Als ich 21 war, wunderte ich mich, wie viel der alte Mann in sieben Jahren dazugelernt hatte." Erläutern Sie, was diese Aussage des Schriftstellers Mark Twain bedeutet und nehmen Sie dazu auch auf Grund eigener Erfahrungen Stellung.

    • "Problematisch am Fernsehen ist nicht, dass es uns unterhaltsame Themen präsentiert, problematisch ist, dass es jedes Thema als Unterhaltung präsentiert." - Nehmen Sie zu dieser Äußerung des amerikanischen Medienwissenschaftler und Medienkritikers Neil Postman (1931-2003) Stellung.