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  • Allgemeine Hochschulreife
  • Deutsch
  • 11, 12
  • https://www.tutory.de/w/f93e8d60

    Texterörterung

    Gegenstandsbereiche

    Was kann man textbezogen erörtern?

    Die im Rahmen der Erörterung eines pragmatischen Textes (Texterörterung) geforderte Auseinandersetzung mit dem Text zielt auf eine kritische Stellungnahme zu den Positionen, die ein Autor/eine Autorin mit seinem/ihrem Text zu einem Problem einnimmt.

    Diese Stellungnahme kann sich auf unterschiedliche Aspekte bzw.

    Gegenstände eines Textes beziehen.

    Ihre Gegenstandsbereiche können sein:

    • eine bestimmte These / Behauptung oder mehrere Thesen im Text
    • die Aussageabsicht des Textes
    • die sprachlich-stilistische Darbietung des Problems im Text
    • überhaupt das mit dem Text artikulierte Problem selbst.

    Die Auseinandersetzung mit dem Strittigen

    Das Textmaterial, das zur Auseinandersetzung vorgelegt wird, muss "etwas Strittiges enthalten" (BISTA-AHR D 2012, S.25).

    Häufig wird die Aufforderung zur Auseinandersetzung mit einem pragmatischen Text so verstanden, dass man in jedem Fall noch Ansätzen sucht, mit denen sich die Aussagen des Textes kritisieren, im Idealfalle sogar widerlegen lassen.

    Dies ist aber bei einer kritischen Stellungnahme keineswegs zwingend. Dass dies dennoch oft so gesehen wird, liegt z. T. auch an der am Alltagsgebrauch orientierten, verengten Bedeutung des Begriffs "Kritik".

    Was bedeutet eigentlich "Kritik"?

    "Unter Kritik versteht man die Beurteilung eines Gegenstandes oder einer Handlung anhand von Maßstäben. [...]

    Neben der Bedeutung der prüfenden Beurteilung und deren Äußerung in entsprechenden Worten bezeichnet die Kritik – insbesondere in der Verbform kritisieren ebenso wie monieren und die Monierung – auch eine Beanstandung oder Bemängelung." (Wikipedia, z. T. Hervor. d. Verf.)

    Da es bei der (kritischen) Auseinandersetzung mit einem Text also zunächst einmal darum geht, den Text bzw. bestimmte Textgegenstände anhand von Maßstäben zu beurteilen, kann man grundsätzlich drei verschiedene Formen der Stellungnahme zu einem Text auch bei der Texterörterung unterscheiden:

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    Stellung nehmen bedeutet allerdings keineswegs, Sachverhalte negativ zu beurteilen. Die zustimmende Stellungnahme hat nämlich grundsätzlich das gleiche Gewicht wie eine ablehnende. Dies ist für die Texterörterung in der Schule von besonderer Bedeutung. Denn bei der Auswahl der Themen für     Prüfungen hat sich mehr und mehr die Tendenz ergeben, dass die ausgewählten Texte in der Regel mehr zur  Zustimmung reizen (sollen), denn  Ablehnung hervorrufen. So gesehen hat die zustimmende     Stellungnahme also eine gewisse Konjunktur. Um so wichtiger also, genau zu wissen, was in einem solchen Fall eigentlich verlangt ist.

       

    1. Die zustimmende Stellungnahme

    Nicht selten mündet die kritische Auseinandersetzung mit einem pragmatischen Text in einer zustimmenden Stellungnahme, die sich auf  verschiedene Gegenstandsbereiche erstrecken kann. Und wer einem Text zustimmt, kann damit den Text  als Ganzes meinen, aber genau so gut nur einen bestimmten Textabschnitt ins Auge fassen.

    Was im Rahmen der Zustimmung geleistet werden soll, wird allerdings häufig unterschätzt.

       

    Wer nämlich einem Text im Allgemeinen zustimmt, tendiert häufig  dazu, einfach nur das zur Begründung heranzuziehen, was ohnehin schon im Text steht. Heraus kommt dann bestenfalls eine Paraphrase des Textes, welche die Übereinstimmung mit den Textaussagen signalisieren soll. Dies kann aber keineswegs mit einer begründeten Stellungnahme gleichgesetzt werden.

         

    Es reicht bei einer zustimmenden Stellungnahme natürlich nicht,  einfach zu artikulieren, dass man einen Text "gut" findet. Denn die Stellungnahme ist immer eine begründete Stellungnahme. Wer der Gesamtaussage eines Textes grundsätzlich zustimmt, sollte dies mit

         

    •  zusätzlichen Argumenten begründen
    • Beispiele aus dem eigenen Erfahrungsbereich heranziehen
    • Belege aus anderen Wissensbereichen (z. B. Geschichte) anführen
    • auf weitere vom Verfasser nicht genannte Konsequenzen hinweisen

    Aus den genannten Möglichkeiten ist deutlich zu ersehen, dass Zustimmung zu einem Text immer auch über das unmittelbar im Text Vorhandene hinausgehen muss. Die Erörterungsstrategie, die in einem solchen Fall zu verfolgen ist, muss daher das textimmanente und texttranszendierende Erörtern miteinander verbinden. Andernfalls würde man ja nur die schon im Text geäußerten Gedanken wiederholen.

    Paraphrase

    1) verdeutlichende Umschreibung oder Wiedergabe eines Textes in derselben    Sprache, um z.B. bei einer Interpretation den Sinn einer Äußerung herauszustellen; 2)    freie, oder auch nur sinngemäße Übertragung eines Textes in eine andere Sprache

    2. Die einschränkende Stellungnahme

    Im Zuge einer kritischen Auseinandersetzung mit einem Text kann die Stellungnahme,  die man dazu abgibt, darauf hinauslaufen, dass man gewisse Einschränkungen vornehmen will.

    In einem solchen Fall kann es also sein, dass man

         

    • der Grundtendenz eines Textes durchaus zustimmt,
    • einen Großteil der gemachten Aussagen unterstützt,
    • nur bestimmte einzelne Aussagen richtig findet oder
    • der Kernaussage beipflichtet.

         

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    Allerdings erstreckt sich die Zustimmung dann eben nur auf Teile der im Text gemachten Ausführungen, d. h. es müssen  Einschränkungen vorgenommen werden. Solche Einschränkungen können größer oder kleiner, gewichtiger oder  weniger gewichtig ausfallen. Daher muss dargestellt werden, bis zu welchem     Grad bzw. bis zu welchem Punkt man einer Aussage zustimmt und wo die mögliche Ablehnung     beginnt.

    Einschränkungen, die man bei Aussagen eines vorgegebenen Textes macht,  können sich auf verschiedene Gegenstandsbereiche erstrecken. Und die Einschränkungen können für den Text  als Ganzes oder nur für einen oder mehrere Textabschnitte gelten.

         

    Wenn man eine einschränkende Stellungnahme zum Text abgeben will, muss man

         

    • seine Meinung abgrenzen und
    • ein differenziertes, im Vergleich zur Vorlage sogar differenzierteres Urteil über den Sachverhalt fällen.

         

    Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Einschränkungen kann man u. a. dadurch vornehmen, dass man

         

    • Argumente zurechtrückt,
    • Vereinfachungen und Irrtümer zurückweist,
    • die vertretenen Ansichten relativiert.        

    3. Die ablehnende Stellungnahme

    Im Zuge einer kritischen Auseinandersetzung kann die Stellungnahme,  die man abgibt, auf eine Ablehnung der Gesamtaussage des Textes hinauslaufen. Diese Art der Stellungnahme wird oft als die einzig kritische angesehen, weil sie u. U. auf einem gänzlich entgegengesetzten Verständnis eines Sachverhaltes oder Problems bzw. von Problemlösungen beruht.

       

    Eine ablehnende Stellungnahme kann sich wie alle anderen Formen auch auf verschiedene Gegenstandsbereiche erstrecken. Und die Einschränkungen können für den Text als Ganzes oder nur für einen oder mehrere Textabschnitte gelten.

    Meistens wird es sich um eine Ablehnung einzelner Aussagen handeln. Dies hat vor allem damit zu tun, dass bei der schulischen Auseinandersetzung mit pragmatischen Texten oft  weniger Themen ausgewählt werden, die auf eine Ablehnung als Ganzes stoßen könnten. Außerdem finden sehr vergröbernde, plakative Texte, die sich einseitig  mit einem Problem befassen, und die u. U. eher Ablehnung hervorrufen könnten,  meist wenig Eingang in die überregionalen Tages- und Wochenzeitungen, die  meist als Quelle zu erörternder Texte dienen.

         

    Wenn man zu der Auffassung gelangt ist, dass die gesamte Aussage eines Textes falsch ist, müssen

         

    • die wesentlichen und wichtigsten Thesen und Argumente widerlegt werden,
    • Gegenargumente zu einer eigenständigen Gegenargumentation entwickelt werden.

    Dabei muss man natürlich auch beachten, ob die eigenen Argumente  stichhaltig und schlagkräftig genug sind, um die im Text geführte Argumentation wirklich zu entkräften. Ferner sollte man bei der     Gegenargumentation natürlich genau prüfen, wo man ansetzen und wohin die Argumentation im Vergleich zur Textvorlage führen soll.

    Arbeitsanregungen

    1Erläutern Sie den Kritikbegriff mit eigenen Beispielen.
    2Ergänzen Sie je zwei weitere Fragen für die eine oder die andere Erörterungsstrategie.
    3Worin besteht die besonderen Anforderungen bei einer zustimmenden Stellungnahme?